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2SS. Erstes Blatt. Sonntag den 17. December 1882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
-i ar p k p «n . Ä Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn.
Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 5o Pf.
Amtlicher Theil.
Gießen, am 15. December 1882.
Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
ait die Großherz östlichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir erinnern Sie, soweit Sie noch damit im Wckstande sind, an die Erledigung unserer Verfügung vom 16. v. M. binnen 14 Tagen.
Die Ueberwachungsbogen haben die kreisärztliche Bescheinigung für das lausende Jahr zu enthalten Dr. Boekmann.
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Gefundene Gegenstände:
1 Quaste von 1 Muff, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Beil und verschiedene alte Kleidungsstücke, 1 Pferdeteppich, 1 Pferdeleine, 1 Shwälchen, 1 Schelle, 1 Schürze, 1 Kinderhandschuh, 1 Knaben-Ueberzieher, 1 Metermaß, mehrere Schlüssel.
Gießen, den 16. December 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
Darmstadt, 15. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 9. Decbr. deu außerordentlichen Professor bei der juristischen Fakultät der Landes-Universität, Dr. August v. Kries, zum ordentlichen Professor in der gedachten Fakultät zu ernennen.
Leipzig, 14. December. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Landtagsabgeordneten August Bebel, welcher wegen Beleidigung des Bundesraths von dem Dresdener Landgericht zu zwei Monaten Gefängniß verurheilt worden war.
München. 14. December. Der Professor der Geburtshilfe und Vorstand der Entbindungsanstalt, v. Hecker, ist in Folge eines Schlaganfalls heute gestorben.
England.
Dublin, 14. December. Zwei Arbeiter, Namens Byrne und Hanlon, sind als Mittheilnehmer an der Ermordung von Lord Cavendish und Bourke verhaftet worden, der eine von ihnen ist durch Personen, welche sich damals im Phönix-Park befanden, identificirt worden.
Spanien.
Madrid, 14. Decbr. Der französische Transport-Dampfer „Sarthe" nahm die Bemannung des russischen Schiffes „Constantina" an Bord. Das letztere ist übrigens neueren Nachrichten aus Tarifa zufolge nicht gesunken, sondern wurde durch einen englischen Dampfer nach Malaga bugsirt. Der englische Kapitän beansprucht nunmehr das bugsirte Schiff als sein rechtmäßiges Eigenthum.
Telegraphische Depejchm.
Wolff s telegr. Eorrefponvenr-Bureau.
Berlin, 15. December. Die spanische Negierung hat Den Cortes einen Gesetzentwurf über die Verlängerung des gekünoigten und inzwischen bis zum 15. December 1882 verlängerten Handelsvertrags mit Deutschland um weitere zwei Monate vorgelegt. Bis zum Zustandekommen dieses Gesetzes wird die spanische Regierung die bisherige Verlängerung als zu Recht bestehend ansehen.
— Der „Börsen-Ztg." zufolge wird das Aeltesten-Collegium völlig unabhängig von der gestern durch die Handelskammern beantragten und heute vom Handelstage angenommenen Resolution den Wedellffchm Steuerentwurf selbstständig durchberathen, die Einwendungen bei jedem Punkt feststellen und auf Grund derselben eine eingehende Denkschrift ausarbeiten.
Berlin, 15. Decemmr. Abgeordnetenhaus. Das bisherige Präsidium wurde durch Acctamatton wiedergewählt. Bei der ersten Berathung des Gesetzentwurfs über die Licenzsteuer hob der Finanzmunster die nachgewtesene orlngende Nothwendigkeit der Entlastung der unteren Klassensteuerstufen hervor. Hinter der jetzt vorgeschlagenen Steuer stecke durchaus nicht das Tabakmonopol, es handle sich nur um eine Consumsteuer Aur Deckung des durch die beantragte theilwetse Beseitigung der Klassensteuer entstehenden Ausfalls, wobei die Zuständigkeit des Reichs nicht im Mindesten berührt werde Die Regierung stehe von einer Reform der direkten Steuern in Preußen ab, so lange das indirekte Steuersystem im Reiche noch nicht abgeschlossen und auch in Preußen die nothwendigen indirekten Steuern nicht eingeführt seien. Die angestrebte Steuerpolitik werde dahin führen, daß die Matnkularbetträge zu immer größeren Matrikular-Dividenden für die Etnzelstaaten würden. Die Förderung dieser Politik sei eine nationale Politik. Schorlemer ist gegen die Vorlage. Wenn die Aufhebung der zwei untersten Steuerstufen durchaus nothwendtg sei, so empfehle sich die Einführung einer Börsensteuer, auch sei es gerecht, die bisherigen Steuererlasse in Rechnung zu ziehen. Rauchhaupt stimmt der Aufhebung der vier untersten Steuerstufen zu, spricht sich aber gegen den Ersatz des Ausfalls durch eine Lizenzsteuer aus. Der Regierungs- Commissar Eilers konstatirt, die Beeinträchtigung des Wahlrechts stehe nicht in Frage. Meyer (Breslau) betont, die Aufhebung der Klassensteuer sei durch eine künstliche Agitation zu einer allgemeinen Forderung gemacht. Niemand habe aber die Absicht, dafür etwas anderes zu zahlen. Zum Ersatz des Ausfalls müßten die bisherigen Erlasse dienen, der vorgeschlagenen Lizenzsteuer könne er nicht zusttmmcn. Der Ftnanz- minister erklärt, es sei die Aufgabe der Regierung, den Haß und die Bitterkeit, welche Exemtionen erregten, zu vermindern. Das Gesetz sei nicht für alle Zeiten, sondern nur für das gegenwärtige Bedürfniß vorgeschlugen. Zedlitz Namens der Freiconser-
Lokale-.
Gießen, 16. December. Schwurgerichtssitzung vom 15. December l. I. gegen Georg Heinrich Bloch von Willofs wegen Mordversuchs.
^ebQ6)eertanV^UOft9o6er l. I. im Walde zwischen Lauterbach und Willofs den Entschluß, ein Verbrechen zu begehen, nämlich die Wilhelm Dahmer s Ehesrau von Willofs zu tobten, burch vorsätzliche mit Ueberlegung ausgeführte Hanb- lungen, welche einen Anfang der Ausführung jenes Verbrechens enthalten, Bloch^wurde^von der Anklage des Mordversuchs freigesprochen, dagegen wegen Körperoerlctzung in eine Gefängnißstrafe von 2 Jahren ^erurtheitt. ___
Verwischtes.
Darmstadt, 13. December. Aus Ostpreußen ist wie die N. H. V." mit- theilen, bei dem Präsidenten der Verbände landw. Genossenschaften, Polizerrath Hamo, Darmstadt telearavhisch angefragt worden, ob eine Unterstützung ber burd» ba^Äocb:: mass?r des Rbems so schwer geschädigten Landwirthe der Rheinorte durch die Berufs- ”enoffen an ben Oftmarffn °ng-z-ig. unb gewünscht fei. Selbstverständlich
«Urb- rustimmend ßeantoo-tet. (1L December hat bie zweite b,-s- jährige Ziehung von Sparschetn-Nummern behufs Amortisation derselben ftnHnehinhSi Wie am 10. Juni d. I. (der ersten Ziehung) wurden von einem Notar und^vor Zeugen 10 Nummern gezogen, welche mit dem^Vollwerthe der ursprünglichen Ausgabe:'100 Mark sofort zur Ausgabe gelangen: nämlich die Nummern 3^7, 3^9, 12369 2153 2622, 2657, 3578, 4416, 4577, 4821 und zwar fielen von diesen Nummern
vattven für Steueraushebung und Vertriebsabgaben von Branntwein, aber gegen solche von Tabaksfabrikaten. Statt der Licenzsteuer möge eine andere Deckung gesucht werden.
Fortsetzung morgen. rv
— Die hruttge Generalversammlung der deutschen Eisen- und Stahlinteressenten sprach sich gleichfalls auf das Entschiedenste gegen den Webell'schen Börsensteuer-Antrag aus.
— Der deutsche Handelstag wurde heute Vormittag eröffnet. Minister Bötticher begrüßt die Versammlung und überbringt die Grüße des Reichskanzlers, welcher der eifrigste und treueste Förderer der deutschen Verkehrstnteressen sei. Der Minister spricht ferne hohe Genugthuung über die sich allseitig bessernden Zustände des wtrth- schaftltchen Lebens aus und gedenkt in anerkennender Weise der Leistungen der von ihm besuchten Nürnberger Ausstellung und des rheinisch-westfälischen Jndustrrebezirks. Deutschland sei auf dem Wege, der erste Industriestaat zu werden. Der Minister bedauert das Mißtrauen, welches sich in der Frage der Handelskammern geze-gt, die Re^-rung sei weit entfernt, die Handelskammern zu beschränken. Der Minister fordert die Versammlung auf, sich bei etwaigen Wünschen stets vertrauensvoll an die Regierung zu wenden, wo sie stets ein offenes Herz finden werden. Die Versammlung wählte zu Vorsitzenden Geh. Rath Delbrück (Berlin), Kaufmann Refarth (Hamburg) und Director Frommel (Augsburg), nahm sodann die von den Delegirten der Handelskammern gestern beschlossene Resolulion gegen den Wedell'schen SteueraMrag einstimmig an und beauftragte den Ausschuß, auf Grund des vorhandenen und noch zu sammelnden Materials schleunigst eine Petition auf Reform des Stempelsteuergesetzes beim Bundesrath und Reichstage einzuretchen.
Schließlich berieth der deutsche Handelstag den Checkverkehr, stimmte der Ausdehnung desselben zu und nahm ein den Erlaß eines Checkgesetzes befürwortende Resolution an.
Die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt. _
Mainz. Zu dem gestern an duser Stelle veröffentlichten, der «Franks. Ztg." entnommenen Bericht über den zweiten hessischen Handelskammertag bringen die „O. Nachr." eine Richtigstellung, welcher auch wir Raum geben mit dem Bemerken, daß solche aus Versehen in gestriger Nr. nicht ausgenommen wurde. Die „O. Nachr. ‘ schreiben:
Gegen die Kugler'schen Anträge wurde ebenso wie gegen die erst in der Sitzung vorgelegten darauf bezüglichen Abänderungsanträge geltend gemacht, daß die Handelskammern, welche sich zum Theil erst am letzten Tage den Text der Gesetzentwürfe (ohne Motive) verschaffen konnten, nicht genügend informirt seien, um in einer so schwierigen und wichtigen Frage, wie das Ganze der Steuergesetzgebung im Großherzogthum Hesten, so kurzer Hand definitive Beschlüsse über Einzelheiten zu fassen und darauf gestutzt Anträge an die Regierung und an die Stände zu richten.
Bei der Abstimmung erklärten sich auf Grund dieser Erwägungen die Handelskammern Gießen und Worms gegen jede Beschlußfassung über diese Materie in dieser Sitzung und für Rückverweisung an die einzelnen Kammern.
Auch die hierauf eingebrachte Resolution, welche die Heranziehung der Artun- gesellschaften zur Einkommensteuer in Hessen (schon 1873 vom damaligen Fmanzaus- schuß ber zweiten Kammer für bas Jahr 1874 verlangt unb für unerläßlich erklärt) und auch bie Einführung einer Capttalrentensteuer so lange nicht eintreten lasten will, so lange eine gleiche Bestimmung nicht in ben übrigen Staaten, bezw. m Preußen bestehe, wurde auf Grund derselben Erwägung von den genannten beiden Hande.s- kammern abgelehnt. Es sprachen sich nur 4 Kammern dafür aus.


