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41$ Dienstag den lt». Mai 1882.

(Siegeltet Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

------------------------------ " 3" PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

_ ... @5Äulftrafce B. 18. Erscheint tätlich mit Ausnahme des MSNlagS Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Betreffend: Aussicht über das Fasselvieh. , Greßen, am 13. Mm 1882.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grosiherzogttchen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte. _

Die Besichtigung der Gemeinde-Zuchtstiere und Zuchteber durch die von dem landwirthschastlichen Bezirks-Verem gewählte Commisfionvwirb an s°lgendm Taaen stattfinden: _ Garbenteich Hausen, Watzenborn-Steinberg, Grüningen, Holzheim, Ober-Hörgern, Eberstadt, Dorf-Gill und Sich;

2) laÄbn20 I. 2»! i«, ÄX, taerob, Oppenrod,' Burkhardsfelden, Hattenrod, Ettingshausen, Münster, Ober-Besstngen

Sie"w ollen^die Bullew "und Eberhalter anweisen, zur fraglichen Zeit zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen vor- ruMren auch sich selbst bereit halten, um etwa verlangt werdende Auskunft zu erthesten.

1 v ' 7 Dr. Boekmann. ------------------------- ---

Deutschland.

Darmstadt. 12. Mai. Auf die Interpellation der Abgg. Pfannstiel, v Rabenau und Theobald, betr. den Uebergang von Vicinalstraßen in das Eigenthum des Staats, hat die Großh. Regierung folgende Antwort ertheilt:

Bezüglich der Frage, ob und welche bisherigen Vicinalstraßen in das Eigenthum des Staates übergehen sollen, sind dermalen, insbesondere unter Be­rücksichtigung aller auf dem vorigen Landtag deshalb gestellten Anträge, Erhe­bungen im Gang. Sobald dieselben zum Abschluß gelangt sein werden, beab­sichtigt die Großh. Regierung, eine desfallsige Gesetzesvorlage, und zwar noch auf dem gegenwärtigen Landtag an die Landstände des Großherzogthmns gelangen zu lassen. , ...

Esten, 13. Mai. Nach dem officiellen Bericht derEss. Zig." über das Grubenunglück in der ZechePluto" sind im Ganzen 62 Personen umä Leben gekommen, von denen 23 direct durch die Explosion getödtet wurden. 10 zum größten Theil leicht Verletzte befinden sich im Krankenhause. Heute Nachmittag findet die Beerdigung der Verunglückten von dem Zechenhause aus statt.

Charlottenburg, 13. Mai. Dem Vorsitzenden des Comitös für die Hygiene-Ausstellung, Wirkt. Geh. Rath Hobrecht, ist Seitens des Herrn Hein­rich Quistorp die Mittheilung gemacht worden, daß er die großartigen Aus­stellungsräume der Germania in Westend der verbliebenen Hygiene-Ausstellung zur sofortigen Verfügung stelle.

Schwerin, 12. Mai. Die Herzogin Marie, Gemahlin des Herzogs Paul Friedrich, ist heute Nacht von einem Prinzen entbunden worden.

Hefterreich.

Wien, 13. Mai. Ringtheater-Proceß. Nachdem heute noch der Ver- theidiger der Angeklagten Wilhelm und Heer gesprochen, nahm der Staats­anwalt das Wort zur Replik. Nach der Duplik der Vertheidiger Jauner's, Landsteiner's, Wilhelm's und Heer's betheuert Jauner nochmals seine Unschuld, indem er erklärt, er sei nicht der Schuldige, sondern das Opfer des Ringtheater- Brandes. Die übrigen Angeklagten verzichten auf das Wort. Der Präsident beraumt die Verkündigung des Urtheils auf Dienstag den 16. ds., 4 Uhr Nach­mittags, an.

Osficiell. Feldmarschall-Lieutenant Jovanovic meldet unterm heutigen Datum: Die am 11. ds. von Vlahovici Ljubomisli nach Ljubinje zurückkeh­rende Streifcompagnie des 11. Regiments stieß bei Vukovici mit einer stärkeren Jnsurgentenbande zusammen, welche zersprengt wurde und einige Verluste erlitt. Die österreichischen Truppen verloren einen Verwundeten.

Kranftreich.

Paris, 12. Mai. Zwischen dem französischen und dem englischen Ca- binet dauert ein lebhafter Meinungsaustausch über die egyptische Frage ununter­brochen fort, der Antwort Englands auf die Vorschläge des Ministerpräsidenten Freycinet wird unverzüglich entgegengesehen.

Paris, 13. Mai. Nachrichten, welche derAgence Havas" aus Kairo zugchen, melden ebenfalls, daß sich die Notabelnkammer weigere, zusammenzu­treten. Man glaubt, daß Arabi Pascha beabsichtigte, sofort einen Staatsstreich auszuführen, um den Khedive abzufetzen.

Toulvn, 13. Mai. Ein Panzerschiff und ein Transportschiff haben ihre Ausrüstung begonnen, nm das gegenwärtig in den tunesifchen Gewässern ftationirte Geschwader zu verstärken und zu verproviantiren.

England.

Bonbon, 12. Mai. Die Polizei entdeckte heute Abend an dein Gitter des Mansion-House eine Schachtel, an der ein brennender Tuchlappen befestigt war. Die Polizei löschte das Feuer. Ueber den Inhalt der Schachtel ist noch nichts bekannt.

London, 12. Mai. Unterhaus. Unterstaatssecretär Dille antwortet auf eine Anfrage Labouchöres, über Egypten habe mit Frankreich und anderen Regierungen ein Meinungsaustausch stattgefunden und dauere jetzt noch fort; es sei aber nicht rathsam, jetzt Näheres nntzutheilen, er hoffe, den Gegenstand künftigen Montag näher beleuchten zu können. Auf eine weitere Anfrage Ashmead Bartlett's erklärte Dille, alle Mächte hätten stets anerkannt, daß

Frankreich und England klüglich Egyptens ein überwiegendes Jnteresie hatten. _ O'Donnell kündigt für die zweite Lesung, der Zwangsbill eine Resolution des Inhalts an, daß die Gewaltsamkeiten und die Unzufriedenheit in Irland der grausamen Verwaltung Forster's und die Ermordung zweier Mitglieder der irischen Regierung der sträflichen Nachlässigkeit der Polizei zuzuschreibeii feien; den Irländern deshalb ihre Freiheiten und Sicherheiten zu rauben, erscheine un­gerechtfertigt, die Vorlage der Regierung könne daher nur Unzufriedenheit her- vorrufen und ein verhängnisvolles Hindernist für die gute Vermattung und für die Ruhe in Irland fein. Gladstone erwiderte auf eine Anfrage North- cote's, er hoffe die Bill über die irischen Pachtrückstände dem Hause nächsten Montag vorlegen zu können. . , .

London, 13. Mai. Ashley ist zum Unterstaatssecretar der Colonien ernannt worden. DerDaily News" zufolge wird der baldige Rücktritt Gladsto te's vom Schatzkanzleramt erwartet. DieTimes" erfährt, die Regre- rung habe beschlossen, zwei Panzerschiffe nach Alexandrien zu senden.

London, 13. Mai. Die gestern Abend an dem Güter des Mansion- House von der Polizei entdeckte Schachtel ist mit Schießpulver gefüllt gewesen. Da? Canal-Geschwader hat Besehl erhalten, sich für den 28. d. Mts. zum Ausläasw bereit zu machen. Daffelve wird voraussichtlich einige Tage danach nach dem Mittelmeer abgehen.

Rußland.

Petersburg, 13. Mai. Eine Meldung desGolos" aus Balta besagt, daß bei der dortigen Judenhetze zerstört rauben: 976 Häuser, 253 Buden und 34 Schanklocale. Der Verlust beträgt 1'/- Mill. Rubel. Verwundet wurden 211 Personen, darunter 39 mit schweren Verletzungen. An ihren Wunden ge­storben sind 8 Personen. Einige Frauen sind wahnstnmg geworden.

Aegypten.

Kairo, 12. Mai. (Meldung desReuterffchen Bureaus"). Es bestä­tigt sich vollkommen, daß die Mitglieder der Notabelnkammer sich etnftmmug geweigert haben, zusammenzutreten, es sei denn, daß sie legal einberusen werden, Arabi Pascha soll geäußert haben, alsdann werde ein Bürgerkrieg entstehen. Arabi beabsichtigt, den Khedive mit Gewalt abzusetzen, ohne die Formalität der Zustimmung der Notabelnkanuner abzuwarten. Momentan wird eine muiläryche Demonstration erwartet; gerüchtweise verlautet indessen, daß Arabi sticht auf alle Truppen zählen könne, ein Regiment wäre, wie es heißt, dem Khedive treu.

Kairo, 13. Mai. Der französische und der englische Consul statteten heute Vormittag dem Khedive einen Besuch ab. Dieselben sind noch immer ohne Instructionen Seitens ihrer Regierungen, erwarten dieselben aber stündlich. Die circassisch en Osficiere befinden sich noch immer in Hast. Die Minister und viele Mitglieder der Notablenkammer sind bei dem Präsidenten der Kammer zu einer Berathung zusammengetreten, deren Resultat noch nicht bekannt fit. Der Khedive ist nach wie vor entschlossen, dem Ministerium nicht nachzugeben.

- (Meldung desReuter'scheu Bureaus"). Nach heute früh stattgehabter Versammlung begaben sich der Präsident und der Ausschuß der Notabeln nach dem Palais Jsmailia, um zu Gunsten des Ministeriums zu vermittelm Der Khedive wies die Vermittlung zurück, indem er erklärte, daß er mit Mveu.cn nicht unterhandle. Gerüchtweise verlautet, daß an verschiedenen Punkten in Unter-Egypten starke Zusammenrottungen von Beduinen statfiuden; uv er Zweck nnd Ziel dieser Bewegungen verlautet jedoch nichts^Authentisches^^^^^^^^^

Deutscher Reichstag.

9. Sitzung. Samstag, 13. Mai.

Präsident v. Levetzow eröffnete die Sitzung um 1171 Uyr.

Am Tische des Bundesraths: v.'tticher, Dr. v. Mayr, v. Schmidt, ^Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Berathung der Tabakmonopolvorlage.

Abg. Sander lBaden) hält es als Vertreter eines Landes, welches durch die Einführung des Monopols am schwersten b°tr°ffm «-rd-n würde für seine Pflicht, gegen dasselbe das Wort zu nehmen. Es wäre weit richtiger gewesen, statt des Tabak­monopols den Branntwein zu ein-r höheren Steuer heranzuzrehen. Redner bemängelt die von den Regierungen ausg-st-llt-n Ertragsb-rechnung-n, die nach seiner M-mung aus unrichtigen Voraussetzungen beruhen, und stellt weiter in Abrede, daß das Mono­pol für die Landwirthschast vortheilhaft sei. Der Vortheil werde allem aus Seiten der Monopolverwaltung sein. Unbegreiflich sei, warum man nicht das Ergebniß der Berufs- statistik abgewartet habe, um genau übersehen zu können, wie groß die Zahl der In­teressenten, namentlich der Arbeiter ist, welch- von dem Monopol getroffen werden.