kehr nach Hause anordnet. Das war ein böser Brief! Eine Trennung schien den Liebenden unmöglich; blieb die junge Dame im Institut, ohne dem Befehl des gestrengen Vaters Folge zu leisten, so war mit Gewißheit vorauszusehen, daß dieser Ne nach Hause holen würde So gewann der Plan einer Entführung an Gestalt- Aber, sagte sich der Studiosus, wie sollte die Geliebte vor den unvermeidlichen Nachforschungen verborgen werden? Doch das Herrchen wußte sich zu helfen. Plötzlich ist die junge Dame verschwunden. Der Herr Papa reist sofort an Ort und Stelle, um persönlich die Nachforschungen nach der Entführten zu leiten; allein diese blieben trotz aller Mühe vergeblich. Der muthmaßl-che Entführer wird scharf beobachtet, doch auch nicht die Spur eines Umgangs mit irgendwelchem weiblichen Wesen ist zu entdecken Aufklärung um jeden Preis will der Vater haben, er tritt den schweren Gang zu dem Entführer an. Dieser ist nicht zu Hause; dem klopfenden Vater öffnet ein junger Student, der erschrocken zurückweicht, als er den Eintretenden licht, und in ihm erkennt der Vater — seine verschwundene Tochter, welche in Studententracht, mit kurz abgeschnittenem Haar in der That einem jungen Musensohne taufchend ähnlich sah. Der vollzogenen Thatsache gegenüber kapitulirte endlich der gestrenge Herr Papa, erweicht durch die gar nicht studentischen Thräncn des hübschen Töchterchens, und es wurde beschlossen, daß nach abgelegter Staatsprüfung der Herr Studiosus seine Studiosa als Gattin heimführen solle.
— sPapa Wrangel's Osterpräsent-j Im Jahre 186 . am ersten Osterfeiertage erschien Papa Wrangel int Gräflich von —e'schen Palais und wurde trotz der unver- hältnißmäßig frühen Stunde — es war noch nicht 10 Uhr — als langjähriger Hausfreund sofort empfangen. In der einen Hand den Stahlhelm,Zn der anderen ein Gesangbuch und einen eleganten Carton haltend, betrat er den Salon, begrüßte die Gräfin im Tone der Vertraulichkeit und meinte dann: „Ich will mir nämlich nach die Garnisonkirche begeben, meine Gnädigste, vorher aber unser Comteßchen ein Osterei mit Zubehör schenken" — „Meine Tochter befindet sich leider noch in ihrem Boudoir", erwiederte die Gräfin. — „Ja, ja!" fuhr Papa Wrangel fort, „sich putzen und schmücken ist einmal das Vorrecht der Jugend. An mir und Ihnen freilich hat schon der Zahn der Zett so herumgenagt, daß die rassinirteste Toilettenkunst nicht mehr viel zur Verschönerung beitragen würde" — „Ich danke Ew. Excellenz verbindlichst für dieses Compliment", lachte die Gräfin amüsirt, indem sie die Morgenzeitung, in welcher sie soeben geblättert hatte, wie einen Fächer langsam hin und her bewegte. „Bitte, bitte," versetzte Papa Wrangel kurz. Dann sich umwendend, rief er einer schönen, jungen Dame, welche in diesem Augenblick die schwere Portiere zum Nebenzimmer zurückgeschlagen hatte, erfreut entgegen: „Das ist schön von Dich, Comteßchen, daß Du Deinen alten Freund nicht lange warten läßt!" Trotz ihrer 18 Jahre und ihrer nahe bevorstehenden Vermählung mit einem hochadligen Gardeoffizier, bediente sich der Marschall aus alter Freundschaft der jungen Gräfin gegenüber noch immer des traulichen Du. E'nen Kuß auf ihr Händchen drückend, fuhr er fort: „Erinnerst Du Dich noch, Comteßchen, wie wir früher zusammen in Eurem Schloßgarten noch die versteckten Ostereier gesucht haben? Ich habe mich gedacht, Du wirst Dir gewiß freuen, wenn ich Dir gerade jetzt, wo Du bald aus den Jungfernstand in den der heiligen Ehe trittst durch eine zarte Aufmerksamkeit an Deine Kindheit erinnere. Hier mache mal den Pappkasten auf!" Erwartungsvoll hob die junge Dame den Deckel ab. trat aber in demselben Moment sichtlich unangenehm berührt zurück, während die Gräfin Mutter mit einem strengen Blick, jedes Wort betonend, sagte: „Aber Excellenz! Welch unpassender Scherz!" Papa Wrangel starrte mehrere Secunden lang mit dem Ausdruck grenzenlosen Staunens auf den Inhalt des Cartons, dann rief er zornig: „Tausendmillionendonner . . - Pardon, meine Damen! Aber ich bin außer mich! Habe ich mich vorhin beim Condttor ein allerliebstes Täubchen mit zwei frischgelegte Ostereier im Nest ausgesucht und zu enveloppiren befohlen und hat mich der Mensch den danebenstehenden Klapperstorch mit das kleine Kind im Schnabel eingepackt." Nach einer kurzen Pause fügte er, der erröthenden Braut abermals die Hand küssend, hinzu: „Wir wollen dem Menschen seine Verwechslung nicht weiter nachtragen. Comteßchen! Eigentlich ist das Versehen gar nicht so schlimm. Die Störche legen ja auch Eier!"
— sKurz, aber gut] In einem Gymnasium wurde als Thema zu einem lateinischen Aufsatz gegeben: „Schilderung der Gefühle beim Besteigen eines hohen Berges."
Viele lieferten weit ausgesponnene poetische Herzensergüsse. Emer aber hatte zur Darstellung des Gegenstandes nur drei Worte gebracht, sein Aufsatz lautete „Utinam essem supra!“ (Wenn ich nur schon droben wäre!) Unter lebhafter Heiteikeit des Professors und der Schüler wurde diesem die Palme zuerkannt.
— Aus Laibach wird der „Presse" unterm 4. Apr l geschrieben: Wie vor Jahren bei Steinbrück, so versetzte gestern ein Bergsturz die Bewohner von Sagor an der Save, sechs Bahnstationen unter Laibach, in eine unbeschreibliche Aufregung; der zumeist aus Kalkstein und Schiefer bestehende Berg, an dessen südlichem, der Save zugewandten Theile die Südbahn dahinläuft und der andererseits durch das Thal von Sagor, in das man von der Bahn aus durch eine Art Felsenthor hineinsieht, begrenzt wird, befindet sich seit dem 1. ds. Mts. in langsamem Rutschen. Tue knapp von der Bezirksstraße die vom Bahnhof durch das genannte Felsenthor zu der etwa zwanzig Minuten entfernten Kohlengewerkschaft Sagor und weiter nach Locke führt, fast senkrecht aufsteigende Felspartie des spärlich bewaldeten Bergrückens stürzte bereits unter furchtbarem Getöse und Donner nieder, zerstörte die zahlreichen darunter erbauten Kalköfen, eine Sägemühle, die Bezirksstraße und die Pferdebahn der Gewerkschaft. Gestein und Erdmassen erfüllten in einer Längenausdehnung von mehr als 40 Meter die Schlucht und bringen den Mediabach zum Stauen. Menschenleben fielen der Cata- ftrophe nicht zum Opfer, da man die Gefahr rechtzeitig wahrnahm; die Ursache dieses Ereignisses, dessen Folgen für die Gewerkschaft und möglicher Weise auch für die Süd- bahn vorläufig noch nicht abzusehen sind, erblickt man in dem durch die Bergrutschung gleichfalls in Mitleidenschaft gezogenen Steinbruch, wo schon seit längerer Zeit Sprengungen mittelst Dynamcks vorgenommen wurden.
— Unter der Besatzung der „Bacchante", auf welcher die Söhne des Prinzen von Wales ihre Reise um die Welt machen, haben sich solche Zeichen der Unbotmäßigkeit gezeigt, daß zehn der Matrosen vor ein Kriegsgericht gestellt und zu Gefängniß- strafen verschiedener Dauer verurtheilt wurden. Ein Theil der Strafe ist den Leuten jedoch erlassen worden und der Capitän des Schiffes, Lord Charles Scott, sowie Com» mandeur Hill haben wegen der Behandlung der Leute von der Admiralität einen scharfen Verweis bekommen.
— Zur Vertilgung der Schwaben läßt sich folgendes Mittel anwenden. Man nehme ein Waschbecken oder eine größere glasirte Schüssel, schütte etwas Bier hinein und stelle dieselbe des Nachts auf den Fußboden des Raumes, wo sich die Schwaben aufhalten. Außerhalb um die Schüssel wickele man Tücher herum. Die Schwaben, durch den Geruch des Bieres angezogen, klettern an den um die Schüssel gewickelten Tüchern leicht bis an den Rand desselben hinaus und rutschen an der glatten, glasirten inneren Seite der Schüssel hinab ins Bier, ohne wieder emporklettern zu können.
— sAus altem Rahm gute schmackhafte Butter zu erzielen.j In kleineren Wirth- schasten mit wenigen Kühen dauert es oft mehrere Wochen, bis man so viel Rahm zusammen hat, um buttern zu können. Dadurch nimmt die Butter leicht einen bittern, strengen und unangenehmen Geschmack an- Diesem Uebelstande beugt man vollkommen vor, wenn man dem Rahm nach und nach eine kleine Quantität Salz, etwa 30 bis 40 Gramm auf ein Liter, zufetzt. Die Butter gewinnt durch diese Beimischung nicht nur am Geschmack, sondern wird auch fester und kerniger. Der Salzzusatz erleichtert auch das Buttern.
Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W- Dietz Nachfolger Gießen.
Bremen, 12. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Rhein, Capt. H. A- F- Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 31. März von Bremen abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 13. April. Der Postdampfer Habsburg, Capt-F. Himbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. April von Newyork abgegangen war, ist heute 12 Uhr Nachts wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung V/a Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt- Derselbe Überbringt 52 Passagiere und volle Ladung
Allgemeiner
Anzeiger.
Bei der wiederkehrenden Bausaison erlauben wir uns Sdjlttdicnfanii u. SdjUdicnmcIjl, welche zu jeder Zeit aus unseren Werken zu Margarethenhütte bei Gießen und Main-Weser-Hütte bei Lollar zu haben sind, tu empfehlende Erinnerung zu bringen.
Bei richtiger Verwendung derselben zu Maurermörtel, Frucht Keller-Böden, Betonarbeiten re., wozu wir auf Verlangen gedruckte Gebrauchsanweisungen franco einsenden, verbürgen wir den besten Erfolg.
Wir führen unsere eigenen Bauten nur noch mit den genannten Materialien aus und sind überzeugt, daß Alle, welche die großen Vorzüge derselben kennen gelernt haben, nicht mehr von deren Verwendung absehen werden. — Besonders herrorhebend die sich von Jahr zu Jabr steigernde c.mentartige Festigkeit des daraus bereiteten Mörtels gegenüber demjenigen, der aus Kalk mit Fluß- und Grubensand hergestellt ist, bedarf es gewiß keines Hinweises, wie sich daraus ^uf>;eführte Bauwerke durch ihre Solidität vonheilhaft auszeichnen.
Zahlreiche Zeugnisse von Baubehörden und Privaten stehen zu Diensten, auch sind wir jederzeit gern bereit, unsere eigenen Ausführungen, die den besten Beleg für unsere Aussagen geben, an Ort und Stelle vorzuzeigen.
Main-Weser-Hütte, Margarethen-Hütte,
Station Lollar, Station Gießen,
2666 im April 1882.
Gebrüder Buderus»
Baumeistern u Hausbesitzern re. die ergebene Anzeige, daß Herr Farben-Fabrikant Wils* Zur buch in Gießen Niederlage meines v. d. Behörden entpf. alleinig patentirten u. prämiirten Ur. H. Zerener'schen
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Da, wo das „Antimerulion“ beim .IVeu- oder Keparatur- bau nach Vorschrift angewandt wird, ist das Erscheinen oder die Wiederkehr des Schwammes völlig ausgeschlossen. Rath und Auskunft auch zur Anlage von ElsEiellereien etc. gratis. 2561
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