Nr 88
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Unsere innere §age.
Kein Politiker, kein deutscher Staatsbürger darf sich 0?0enn)ärtig barübet bie Augen verschließen, daß unsere Reichspolitik demnächst in ein höchst kritisches Stadium treten wird Die Angelegenheit ist zwar die alte, bekannte, sinanzpolitiiche und social- politische Reform, zu deren fernerer Ausbildung eine Frühlahrssession des Relchs- tags für unerläßlich erachtet wird, da der Reichskanzler unter allen Umstanden alsbald üK-r das Tabakmonopol ein Votum des Reichstags verlangt, obichon dasielbe nut S> verkett ablehnend lauten wird- Das preußische Abgeordnetenhaus, welches am 18.'April seine Arbeiten wieder aufnimmt, wird sich ohne Zweifel auf s Aeußeiste mit denselben beeilen, gleichwohl wird es unter vierzehn Tagen unmöglich fertig werden können Wir stchen sonach wieder vor einer langwierigen und ermüdenden, theilwene Kock durch das^u ammentagen der beiden Vertretungskorper erschwerten parta-- mentaSn ©aifon’ Sa ift "« denn, soll nicht das öffentliche Interesse an den aesehaeberffchen Verhandlungen abgestumpft und, die Kraft der Abgeordneten auf s Aeukerite erschöpft werden, nur dringend zu wünschen, daß sich die bevorstehende Reickstagssefsion wenigstens auf das Allerwichtigue und Unerläßlichste b>schrankt, daß nicht außer dem Tabakmonopol und der Arbeiterunfallversicherung noch andere größere Gesetzentwürfe jetzt an den Reichstag gebracht werden- Ohne allen Zweifel wird nun auch her Reichskanzler Fürst Bismarck einen ganz hervorragenden Antheil an der Leitung der Geschäfte nehmen und demnächst aus Friedrichsruhe zuruckkehren, um an den Minister - Cvnserenzen des Bundesraths und den bedeutsamen Sitzungen des Reichstags theilzunehmen. Alles in Allem gerechnet, ist aber anzunehmen daß sich wolst im Bundesrathe, aber nicht im Reichstage eine Mehrheit für das Tabakmonopol finden wird ja, es dürste kaum ein Viertel der Reichstagsabgeordneten für das Monopol stimmen denn die Liberalen wie die Cei.trumspartei lasten wiederholt m ihren Zeitungen erklären, daß sie nicht für das Monopol stimmen können und ihre Gründe daaeaen noch 'M Reichstage besonders darlegen werden. Wie unter diesen Umstanden, was die ablehnende Haltung des Centrums in der Monopolfrage anbetnfft, der kirchenpolitische Compromiß perfect weiden soll, ist auch gar nicht abzmehen, da neuerdings dst Negierungspresse erklärt hat, die Regierung habe ihre Zustimmung noch nickt ru demselben ertheilt, auch seien weder die Regierung, noch die Conservativen fo T über die künftige Haltung der Centrumspartet zu täuschen. Unsere
innere Politik befindet sich daher offenbar an einem Punkte oder vielleicht auch m einer Sackgasse, aus welcher sie ohne eine scharfe Krisis mit nachhaltigen Wandlungen wob nicht herauszubringen 'st.
bald, unb Italien hach! Nieder mit Frankreich !» Eine weitere Folge hat diese Kundgebung aber nicht gehabt. — Der Papst empfing am F. April een Prinzen Heinrich von Preußen, welcher von dem Gesandten v. Schlozei und von seinem Gefolge begleitet war. Prinz Heinrich stattete hierauf auch dem Cardinal-Staatssecretär Jacobini einen Besuch ab .
Von der pyrenäischen Halbinsel kommt die erfreuliche Kunde, daß der Belagerungszustand jetzt in ganz Catalonien wieder ausgehoben ist. Das Ministerium Sagasta hat sich also als Herrscher der Situation m der aufständischen Provinz behauptet und die von ihm bewiesene Energie war daher 9CUb ^?ürst^Nikita von Montenegro giebt der österreichischen Regierung bei jeder Gelegenheit Beweise seiner freimdnachbarlichen und loyalen Haltung. Als er kürzlich die Jnsurgenten-Chefs Subotic und Cerovic empfing, theilten ihm dieselben Die Bedingungen mit, unter denen sie sich bereitwillig unterwerfen mürden Sie forderten allgemeine Amnestie, Zurückgabe der in der Boeche con- fiseirten Waffen, Aufbau der zerstörten Häuser Befreiung von Steuerm auf 3 Jahre und vollkommene Befreiung vom Landwehrdienste. Mit Recht soll Fürst Nikita diefe Bedingungen als für Oesterreich unannehmbar bezeichnet haben fo daß die Jnfurgenten vielleicht doch seinen Rathfchlagen Gehör geben und sich Oesterreich bedingungslos unterwerfen. - Die in Kairo gegen den Krieasminister Arabi Bey ausgebrochene Bewegung fchemt thells durch Die Verhaftung, theils durch die Strafversetzung der unzufriedenen Ossiciere schon irn Keime erstickt zu fein, wenigstens verlautet Nicht, daß das Beispiel Derselben nachgeahmt worden wäre. Die Bewegung entstand durch die Unzufriedenheit der verhafteten Offieiere, welche sich in ihrem Avancement zuruckgefetzt glaubten, politische Motive laufen also nicht mit unter.
Gießen, 15. April.
Kaiser ist von seinem jüngsten Unwohlsein nunmehr wieder voll- Mndia b-mck°llt >md hat !°w°ht di- R-gi-rungiMtigk-it im ganzen Umfange, gergejieui > .jerfahrten wieder ausgenommen. Heber die Ab- iV?« Kaders n°v Wiesbaden shtd jedoch noch keine näheren Bestimmungen eetT0fi»n h,„ Regionen der hohen Politik herrscht noch immer die seit den Seiertamn eingetr-t-ne Ruhe vor, welche nur durch -in einziges bemerkens- wertstes Ereigniß, durch die Ernennung des Herrn v. Giers zum definitiven PHfpr her ru«n auswärtigen Politik, an Stelle des factisch von der politischen Schaubühne schon längst zurückgetretenen greisen Reichskanzlers, Für,ten Gortschakoff unterbrochen wurde. Dagegen ist in unserer inneren Polckck durch die bereits am 12. April erfolgte Wiederaufnahme der Bundesraths-Sitzungen schon wieder eine lebhaftere Bewegung zur Geltung gelangt. ^n der Bundes- raths-Sitzung vom genannten Tage wurden Die Gesetzentwürfe über die Unfall- und Krankenversicherung für Arbeiter, die Abänderung der Gewerbeordnung und das Tabakmonopol den Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen. thungen im Plenum des Bundesraths über diese Vorlagen, an deiien betannlich auck die Minister der Bundesstaaten theilnehmen, sotten Sonn ag den 16. April, ober, nach einer anderen Angabe, Montag Den 17. April beginnen. Man hofft daß diese Berathungen im Laufe dieses Monats soweit ^gefordert werden, daß die Einberufung des Reichstages noch in den letzten -tagen des April
D /r" k i rchenpolitifche Compromiß zwischen Centrum und Conservativen qiebt der Presse noch immer Anlaß zu lebhasten Betrachtungen. Die Nachricht, Fürst Bismarck habe diesem Übereinkommen von Friedrichsruhe aus zugestimmt, ist von den Berliner Ofsiciösen mit merkwürdigem Elfer denientirt worden, so daß die Frage, wie sich der Reichskanzler zu,dem Compromiß stellen werde, noch immer eine offene bleibt. Fürst Bismarck soll überhaupt nach er „Nordd Alla Ltg." von dem Inhalte des Compromisses gar nicht m Kenntmtz gefetzt worden sein, da das preußische Staatsministerium von vornherein entschlossen gewesen sei, sich in die Fraktions-Verhandlungen nicht emzumlsckM. Unter solchen Umständen kann man in der That nicht sagen, ob aus den Beschlüssen des preußischen Abgeordnetenhauses bezüglich der kirchenpolitischen Vorlage ein Gesetz werden wird oder nicht. w
Die erste hessische Kammer hat den Beschluß der zweiten Kammer, die Regierung zu ersuchen, die Aushebung der technischen Hochschule zu -<-arm- stadt, in Anbetracht der sortdauernd schwachen Frequenz dieser Anstalt, in Ci- wägung zu ziehen, abgelehnt und, ebenfalls abweichend von dem Beschlüsse der zweiten Kammer, Die Mittel für alle Vorschulen Der hessischen Gymnasien bewilligt. .
Mit dem an diesem Sonnabend, den 15. April, erfolgten Wiederzusammentritt der österreichisch-ungarischen Delegationen ist Die EntscheiDung für Die verschiedenen schwebenden Angelegenheiten der occupirten Provinzen wie auch der Crivoscie nahe gerückt. Die Regierung wird von Den Delegationen einen abermaligen außerordentlichen Kredit, wie man sagt, in der Höhe von 25 bis 30 Millionen Gulden, fordern, welcher hauptsächlich zur Anlegung von großartigen Befestigungswerken in der Herzegowina und der Crivoscie verwendet werden soll. Die Delegirten sollen aber entschlossen sein, den Kredit nicht eher zu bewilligen, als bis Die Regierung sich bestimmt Darüber geäußert hat , in welcher Weise Das fernere Verhältnis Bosniens unD Der Herzegowina zur öjterj reichischeu Monarchie geregelt werDen foll. Denn so lange Dem Sultan noch Die Oberhoheit über Diese LänDer zusteht, wäre es unklug, große Summen für Befestigungen unD ähnliche Zwecke in Diesen LänDern auszugeben. — In Wien fanD am 12. April Die Trauung Des Prinzen Arnulf von Bayern unD Der Prinzessin Therese Liechtenstein in Gegenwart Des kaiserlichen Paares, Der Erzherzöge unD Erzherzoginnen, sowie zahlreicher hoher Gäste, statt,
Zwischen Den Regierungen von EnglanD unD 9ZorDumerita hat in jüngster Zeit ein lebhafter Depeschenwechsel stattgefunDen, Der DaDurch veranlaßt roorDen war, Daß mehrere in EnglanD weilenDe amerikanische Bürger wegen VerDachtes Der Teilnahme an der irischen Bewegung verhaftet worden waren. Außerdem reclamirte die Unions-Regierung mehrere Amerikaner, welche wegen in England begangener gemeiner Verbrechen ebenfalls verhaftet worben waren und verlangte deren Auslieferung, um sie nach arnerikanifchen Gesetzen abzuurtheilen, d. h. fchließlich laufen zu lassen. Dieser Forderung hat sich die englische Regierung bis jetzt widersetzt, dagegen ist der amerikanische Bürger White, welcher wegen des Verdachtes, daß er im Auftrage der arnerikanifchen Iren in Irland agitire, s. Z. in Dublin zur Haft gebracht worden war, vor einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Trotzdem dauert die Erregung im amerikanischen Volke gegen England fort und wird namentlich von den englischen Agitatoren geschickt geschürt.
In der sicilianischen Hauptstadt Palermo verhallen allmälig die Klänge der 600jährigen Gedenkfeier der sicilianifchen Vesper, in welche sich, l^sveit bekannt, kein störender Mißton geschlichen hat. Auf einzelnen -theilen Siciliens hat indesfen Die Feier begreiflicher Weife doch eine gewisse aufgeregte Stimmung erzeugt. So durchzog ein Haufen junger Leute am Abend des 6. April die Stadt Cagliari mit dem Rufe: „Die sicilianifche Vesper, Gari-
Truppe ausrücken. Unserem Landsmann siel erst nach h nirücfgelaffen Marsches ein, daß er in ber Uebeiftürjung be§ Mufbrud)§fein' ®Saften hatte, in welcher sich seine nicht unbedeutende Va ar schaff P ^er au§ an
und feine Photographie befand. Nach Friedensschluß sch .
seinen Quart,ergeben, einen Apotheker, und ersuchte ihn um Rua,en^ »^ntag wurde thums. Das Schreiben blieb sidoch ubne alle Antwo B mbs? vollständigem Inhalt nun Herrn E. die Ueberraschung zu Theil, die ör ! > einiger gestorben, franco per Post zu erholten. . Der Apotheker s bein%j2nönj£f)reiben be§ beutfdjen feine Erben fanben im Nachlaß die Bnfftasch Willen ihres verstorbenen
Soldaten und erfüllten mit der Rücksendung den leyren
Vaters. - sii-s>linasaespräch hiesiger Gesellschaftskreise bildet
Hagen, im April. Das Liebling giP . .Wests. Pro» -Ztg." wie
gegenwärtig eine intereffante ®nt^ü^“nÄf$c£ilt'er entwachsene, für ihre Jahre jedoch folgt erzählt wird: Die eben erst dem J »Meinung begabte Tochter einer sehr sehr entwickelte und mit sew'nnender ußere^sw^ au5märttge§ ^enfionat gebracht wohlsituirten hiesigen Familie war^n e ^fen ^hr passend als die „Kunst zu
worden, um dort das zu lernen wa^d njd)t aUein bie Kunst des Lebens,
leben" bezeichnen. Aber !d>junge ^m sie bie Bekanntschast eines ihr schwärmerisch sonb-rn auch dieienigedesL'eben, nawoe^ ^mad)t hatte. Doch das Unglück schreitet zugethanen lungen Studenten der Justitutsvorsteherin verrathen; dieselbe
schnell. Das vertraute Verbatt i ß ' Dame unb letztere wird ganz unerwartet r meldet die Sache dem siat t 0 sBrie| empfängt, durch welchen ber
SK'ÄiV.ÄÜ «S@tr.n8f.. unter(aßt u„» ihre ioforli«, Mck,
Zweites Blatt. Sonntag den lt>. April 1882.
ießencr Anzeiger AM- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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