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Bekannt m a ch u n g.

Auf dem gestrigen Wehmarkt ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen Eigenthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige, der Ansprüche an dieses Kalb machen zu können glaubt, wird aufgefordert, seine Ansprüche binnen 4 Wochen bei der unterzeichneten Behörde anzubringen, widrigenfalls das Kalb als gefundener Gegenstand behandelt werden wird. 1063

Gießen, am 15. Februar 1882. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fres eniu s. ____

Deutschland.

in. Darmstadt, 15. Februar. (Zweite Kammer). Bei der eben statt­gefundenen Präsidentenwahl wurde Kugler als erster und Muhl als zweiter Präsident gewählt.

Darmstadt, 14. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 25. Januar dem Schnllehrer Karl Kayser zu Ober-Mockstadt, im Kreise Büdingen, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für lang­jährige treue Dienste" zu verleihen.

Darmstadt, 13. Februar. Wie verlautet, soll die Absicht bestehen, das Landeszuchthaus Marienschloß als solches aufzuheben und in ein dringend nothwendiges Arbeitshaus umzuwandeln, dafür natürlich ein neues Zuchthaus zu erbauen, bei welchem dem Zellensystem mehr Rechnung getragen wer­den soll. (Neue Hess. Volksbl.).

Aus dem Grostherzogthum Heffen wird demFrkftr. Journ." über die obligatorische Fortblldungsschule geschrieben: Der von den Abgg. Racke und Genossen bei der zweiten hessischen Ständekanuner eingebrachte An­trag auf Aufhebung der obligatorischen Fortblldungsschule, der wohl in nicht allzuferner Zeit im Plenum der Kammer zur Berathung gelangen dürfte, hat weder im hessischen Lehrerstande, noch bei der Bevölkerung diejenige Sympathie gefunden, auf welche die Antragsteller vielleicht gerechnet haben. Wenn auch der hessische Lehrerstand die obligatorische Fortbildungsschule in ihrer jetzigen Gestalt für verbesserungsfähig hält und zugiebt, daß ihr manche Mängel an­kleben, so ist er aber doch in seiner llnmensen Majorität nicht gewillt, ein halbes Ei gegen eine leere Schale einzutauschen. Er betrachtet vielmehr die jetzige obligatorische Fortblldungsschule als einen Uebergangszustand oder als Vor­stadium für einen organischen Verband derselben mit der Volksschule. Da die gegenwärtige Zeitperiode nicht geeignet ist, eine solche Gliederung zu schaffen, so wartet er ruhig ab, bis das mehr und mehr wach gerufene Bildungsbe- dürfniß des Volkes selbst eine solche Organisation anstrebt. Diese Zeit kommt, weil sie konnnen muß; tausend und abertausend Erscheinungen im Volksleben weisen darauf hin, daß die heutige Durchschnittsbildung im Volke der Gesetz­gebung für Staat, Kirche und Gemeinde, den großartigen und verwickelten Ver­kehrsverhältnissen, welche die Neuzeit in Handel und Wandel geschaffen, ebenso wie der ausgedehnten Verwendung der elementaren Kräfte in Gewerbe und Land- wirthfchaft nicht zu folgen versteht und daß nur eine durchschnittliche Erhöhung der Elementarbildung dem Volke wieder -diejenige politische, religiöse und witth- fchaftliche Sicherheit bietet, welche nöthig ist, um die Culturstaaten auf der Bahn des modernen Entwickelungs-Princips weiter zu führen. Also darum keinen Rückschritt! Was nun die Bevölkerung in Heffen betrifft, so herrscht unter neun Zehntel der Familienväter die gesunde Ansicht, daß die Fortbildungs­schule für die jungen Leute eine große Wohlthat sei, einmal weil sie sich wäh­rend derselben in guter Gesellschaft befänden und obendrein noch Kenntnisse sammelten. Die'Furcht vor der Scholarchie, eine altbayerische Krankheit, existirt in Hessen nicht, dagegen sind wir etwas mehr auf der Hut gegen den Appetit der Ultramontanen. Wir wissen nur zu wohl, daß, wenn es ihnen gelänge, die obligatorische Fortbildungsschule als Frühstück zu verspeisen, ihr Heißhunger sich dann um so gieriger auf das achte und dann auf das siebente Schuljahr werfen würde, ja sie würden nach und nach das ganze Schulgesetz, obwohl es ein liberales Gericht ist, aufessen. Im hessischen Lehrerstande herrscht einst­weilen die einstimmige Ueberzeugung, daß die hessische Staatsregierung nicht gewillt sei, auch nur den kleinsten Theil des Schulgesetzes nachzulassen und daß die liberale Kammer - Majorität sie in diesem Bestreben einmüthig unter­stützen werde.

Berlin, 13. Februar. In der heutigen Sitzung der Commission für die Kirchenvortage wurden die Anträge des Centrums zu § 1 bezüglich des Eides der Bisthumsverweser und Aufhebung der cornrnissarischen VerrnögenS- verwaltung und Aufhebung des, Sperrgesetzes mit allen gegen 6 Stimmen abgelehnt. § 1 der Regierungs-Vorlage wurde mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Das Centrum, der Fortschritt und die Secessionisten stimmten gegen die Vorlage, die Conservativen und Freiconservativen für die Regierungs-Vorlage. Die Nationalliberalen stimmten getheilt. Die Discussion über die §§ la und 2 wurde verbunden. Der Cultusminister sprach sich gegen den Antrag Bruel aus, wonach in den Fällen, wo auf Amtsentlassung erkannt, die Stelle, sofern dieselbe nicht inzwischen wieder besetzt, nicht mehr als durch Erkenntniß erledigt gelten soll. Der Antrag Grimm (cons.), wonach die rechtlichen Folgen der ergangenen Erkenntnisse auf Unfähigkeit zur Bekleidung des Amtes beschränkt bleiben sollen, sei zwar eine Verbesserung, doch verdiene die Fassung der Regie­rungs-Vorlage den Vorzug. Die Commission nahm § la nach dem Anträge Grimm, den § 2 nach dem Anträge der Confervativen, wonach für einen durch den König begnadigten Bischof es einer erneuten staatlichen Anerkennung nicht bedarf.

Die Eisenbahn-Commission genehmigte mit 10 gegen 7 Stimmen den Ankauf der Thüringer Bahn.

DerKreuz-Ztg." zufolge ist es die Absicht der schweizerischen Bun­desbehörden, zur Thellnahme an der Feier der Vollendung des Gotthardt- Tunnels u. A. die Mitglieder des deutschen Reichstages einzuladen.

Bekanntlich haben sich an vielen Orten unseres Vaterlandes, veran­laßt durch die von mehreren patriotisch denkenden und fühlenden Männern in Wien hervorgerufene Bildung einesDeutschen Schulvereins", auch solche Ver­eine gebildet. Diese Vereine haben sich das edle und hohe Ziel gesteckt, die Deutschen außerhalb des Reiches, besonders aber in Oesterreich, an den' deut­schen Sprachgrenzen und auf den deutschen Sprachinseln, dem Deutschthum zu erhalten und sie nach Kräften in ihren Bestrebungen, Deutsche zu bleiben, oder wieder zu werden, zu unterstützen. Wie dringend nothwendig eine solche Unter­stützung unserer Landsleute, nicht nur durch das Wort, sondern auch durch die That, geworden ist, dafür sprechen doch wohl zur Genüge die bekannte Pesther Theater-Affaire und die berüchtigten Vorgänge in Böhmen. In rücksichtsloser

Weise werden in Ungarn die Gesetzes-Bestinunungen über die Gleichberechtigung der Nationalitäten mit Füßen getreten. In Siebenbürgen kämpfen die 220,000 Sachsen, vertrauend auf ihr gutes Recht, gegen die Uebermacht der Magyaren den Verzweiflungkampf für ihr Deutschthmn. Es ist somit die Pflicht eines jeden Deutschen, seine Landsleute draußen, besonders in Ungarn und Sieben­bürgen, in dem entbrannten schweren Kampfe für deutsche Sprache und deutsche Sitte energisch zu unterstützen. Vereinzeltes Vorgehen aber würde den gewünsch- tcii Erfolg nicht haben können. Deshalb haben sich solcheDeutsche Schul­vereine" gegründet und wird nunmehr ein Verband aller bestehenden derartigen Vereine angestrebt, um sich mit vereinten Kräften dem Deutschenhasse und den aus ihm fließenden deutsch-feindlichen' Bestrebungen entgegenzustemmen. Aber diese Aufgabe ist groß und kann nur dann gelöst werden, wenn das deutsche Volk die Sache zu der seinigen macht, d. h. wenn möglichst viele, ohne Unter­schied der Confession und der Partei, die Bestrebungen desDeutschen Schul­vereins" thatkräftig unterstützen, sei es durch Beitritt zu einem bereits bestehen­den Vereine, sei es durch Neubildung von Zweigvereinen.

Berlin, 13. Februar. Von mehreren Seiten wird neuerlich versucht, glauben zu machen, es seien Anregungen zur Berufung einer europäischen Conferenz oder eines Congresses gegeben worden. Nach den, denBerl. Polit. Nachr." zukom- rnenden Berichten beruht all' dies nur auf leeren publicistischen Combinationen, und zwar sowohl mit Bezug auf die egyptische, als die herzegowinische Frage. Weder bezüglich der einen noch der anderen Angelegenheit ist in irgend welchen diplomatischen Kreisen der Gedanke einer Conferenz aufgetaucht.

Wie aus London berichtet wird, standen die Dinge dort einen Augen­blick so, daß Lord Granville bereits in vertraulichen Kreisen mitgethellt hatte, er würde seine Demission geben, falls Gladstone von seinen Absichten eines activen Vorgehens in Egypten nicht zurückkäme.

Karlsruhe, 13. Februar. Nach dem heutigen Bulletin über das Be­finden des Großherzogs ist der Verlauf des Augenleidens ein sehr befriedigen­der, auch hat sich das Allgemeinbefinden in Folge mehrerer gut durchschlafener Nächte sehr gehoben.

England.

London, 13. Februar. Der Herzog von Albany und dessen Braut, die Prinzessin Helene voll Waldeck, werden am 31. k. Ms. in Windsor er­wartet; die Königin wird bis dahin Osborne nicht verlassen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Christiania, 14. Februar. Die gestrige Festvorstellung im Theater zu Ehren des Kronprinzen und der Kronprinzessin nahm emen äußerst glänzen­dell Verlauf. Bei dem Erscheinen des Königs und der Königin, sowie des Kronprinzen und der Kronprinzessin im Saale wurde die Nationalhymne ange- ftimmt; die Vorstellung eröffnete mit der Vorführung von volksthünllichen leben­den Bildern, all welche sich ein Epilog und Darstellungen mit einem nationalen Schauspiel anschlossen. Das Hoch auf den Kronprinzen und die Kronprinzessin wurde von dein Leiter des Theaters ausgebracht; die Anwesenden stimmten be­geistert und wiederholt ein. Der für heute angesetzte Fackelzug ist der nicht günstigen Witterung wegen verschoben wordell.

London, 14. Februar. Wie dasReuter'sche Bureau" erfährt, haben die Regierungen von England und Frankreich in der egyptischen Frage an die übrigen Mächte eine Collectivnote gerichtet, in welcher sie ihre Haltung in dieser erläutern. Die Note, welche durchaus freundlich gehalten ist, soll das Resultat des am Sonnabend abgehaltenen englischen Cabinetsrathes sein.

Paris, 14. Februar. Der ehemalige Präsident des Senats, Märtel, und das Mitglied der Akademie, Barbier, sind gestorben. Der aus Frank­reich ausgewiesene Nihllist Navroff hat sich, wie es heißt, nach England begeben.

Zara, 14. Februar. Wie die ZeitungNarodni listy" meldet, sind die Truppen in der Krivoscie gegenwärtig hauptsächlich auf die Befestigung der ge­wonnenen Position bedacht. Es werden daher fortdauernd Materialen zur Be­festigung, Proviant und sonstige Bedürfnisse von der Küste in das Innere transportirt. Diese Transpotte gehen ungehindert, wie im tiefsten Frieden. Aus Stolac wird die Verhaftung einiger gegen die Ordnung und Sicherheit agitirenden Individuen signalisirt. Dank den hervorragenden Führern des Auf­standes gegen die Türken im Jahre 1876, Bogdan Zimonics und Serdar Grga, hält sich der Bezirk Gaczko vollkommen friedlich,

Berlin, 14. Februar. D e Commission für die Kirchenvorlage hat den Antrag Brüel auf Aufhebung der wissenschaftlichen Staatsprüfung der Geistlichen mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen, ebenso das Amendement Brüel, wonach der Minister er­mächtigt sein soll, von den Erfordernissen der SS 4 und 11 des Gesetzes vom 11. Mai 1873 zu dispensiren und ausländischen Geistlichen die Vornahme von Amtshandlungen zu gestatten.

L. v Ranke empfing anläßlich seines 50jährigen Jubiläums als Mitglied der Akademie der Wissenschaften ein Schreiben vom Kaiser und dem Fürsten Bismarck. In dem Schreiben des Kaisers heißt es: Mir ist diese Dankbai keit aber noch aus besonderem Grunde in's Herz geschrieben denn Sie haben sich namentlich um die Geschichte meines königlichen Hauses ein unvergeßliches Verdienst erworben.

Die Eisenbahn Commission genehmigte den Ankauf der Cottbus-Großenbainer Bahn mit 12 gegm 7 und den der Märk-sch-Posener m't 10 gegen 6 Stimmen.

DerReichsanzeig^-" veröffentlicht ergänzende Anordnungen des Cultus- ministers zu den Circularverfügungen, welche das Verfahren bei Revisionen der in gerichtlichen Gemüthszustands- und Leichenuntersuchungen aufgenommenen Protokolle und Gutachten näher bestimmen.

Das Abgeordnetenhaus erledigte in zweiter Berathung den Domänen-Etat, einen Theil des Forst-Etats, wovon emige Positionen an die Budget-Commission ver- wiesen.,wurden und vertagte sich schließlich auf Donnerstag.____________________

Lokales.

Gießen, 15. Februar. ^Sterblichkeit in Gießens In der 6. Jahreswoche (vom 5.H. Februui) wann hier im Ganzen 14 Todesfälle zu verzeichnen. Es vertheilen sich dieselben auf 6 Kinder und 8 Erwachsene. Von 2 Kindern die das erste Lebens­jahr noch nicht zurückgelegt hatten, starb das eine an Bronchienentzündung, das andere