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Aus dem Großherzogthum Hessen, 11. December. Der von der Großh. Regierung etngebrachte Gesetzentwurf über Eisenbahnen von lokalem Interesse und Straßenbahnen enthält über die Staatszuschüsse zu Sekundär- und Localbahnen folgende Grundsätze: Die Gewährung einer staatlichen Beihülfe setzt DorauS. daß der gesammte zum Bahnunternehmen erforderliche Grund und Boden, insoweit nicht öffent­liche Straßen mitbenutzt werden, von den Communalverbänden oder sonstigen In­teressenten der Bahn beschafft und dem Etsenbahnunternehmer unentgeltlich und kosten­frei zur Verfügung gestellt wird. Für Straßenbahnen innerhalb Städten wird eine staatliche Berhülfe auch dann nicht geleistet, wenn sie mit Haupt- oder Localbahnen in Verbindung stehen. Gewährung staatlicher Beihülfe erfolgt: a. durch Erbauung und Betrieb auf Staatskosten, b Uebernahme des Betriebes, c. Gewährung eines ein­maligen Betirags zur Erbauung der Bahn und ersten Ausrüstung mit Betriebsmitteln, 6. durch Betheiligung am Aktienkapital, falls es sich um ein Aktienunternehmen handelt. Uebernimmt der Staat den Bau und Betrieb, so kann von den Interessenten der Bahn, außer den Kosten und kostenfreien Ueberweisung des Geländes an den Staat, auch noch die Leistung eines Geldbeitrages zu den Baukosten in Anspruch genommen werden- In der Regel erfolgt staatliche Beihülfe durch Uebernahme des Betriebes einer Local­oder Straßenbahn nur, wenn: a. die Bahn an eine Staatsbahn unmittelbar an­schließt, b. die Bahn unser specieller Controle des Staates erbaut und so eingerichtet ist, daß wenigstens die Wagen der Hauptbahn auf sie übergehen können, c. die Ge­meinden, Kreis- oder Provtnztaloerbände am Anlagekapital des Unternehmers sich mindestens mit einem Sechstel betheiligen und auf die Verzinsung dieses Antheils über den Betrag von 2 pCt. hinaus so lang verzichten, als nicht den übrigen Bcthetligten eine 4procent'ge Verzinsung ihres Antheils zu Theil wird.

Amerika.

New-Aork, 12. December. Der Dampfer des norddeutschen Lloyd,Salier", von Bremen kommend, stieß, als er gestern :n den Hafen lief, auf und blieb sitzen. Die Passagiere wurden gelandet, die Ladung entlöscht. Man glaubt, der Dampfer werde wieder flott werden.

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Eorrespondeuz-Vnreau.

Berlin, 13. December. Reichstag. Interpellation Windthorst. Windthorst fragt an, welche Folge der Bundesrath dem Reichstagsbeschlusse, betreffend die Aufhebung des Expatriirungsgesetzes, zu geben gedenke. Der Staatssecretär v- Böttiger erwidert, der Bundesrath habe es auf den Antrag des Ausschusses abgelehnt, dem Beschlüsse des Reichstags zuzustimmen. Ueber die Gründe der Ablehnung könne die Regierung sich nicht äußern und sie lehne prinziell die Motivirung ihrer Beschlüsse dem Reichstag gegenüber ab- Auf Antrag Reichensperger (Olpe) tritt das Haus in die Besprechung der Interpellation ein. Reichensperger, Schorlemer und Windthorst sind von der Ant­wort des Staatssecretärs v- Bötticher nicht befriedigt. Dieselbe zeuge nicht von Frie­densliebe, die Verweigerung einer Auskunft sei eine Mißachtung des Reichstages. Staatssecretär v- Bötticher erwiderte, der Reichskanzler sei gar nicht in der Lage, die Gründe der votirenden Staaten anzugeben, kein Einzelstaat habe nöthig, sein Votum zu begründen. Richter constatirt, die Mehrheit der Forffchrittspartei würde auch heute, wie im Januar, für den Antrag Windthorst cintreten. Die Besprechung der Inter­pellation ist damit erledigt. Es folgt die Berathung der Denkschrift über die Aus­führung des Sozialistengesetzes. Vollmar meint, der Repressivzweck des Gesetzes sei nicht erreicht. Redner klagt über Härten, Ungesetzlichkeiten, Verletzung des Briefge­heimnisses und Spionage- Minister v. Puttkamer erklärt, es sei unrichtig, daß das Gesetz unwirksam sei, die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei den Wahlen sei nicht unerheblich zurückgegangen. In der Richtung der Sozialdemokratie könne die Regierung keinen Unterschied machen; die Bestrebungen Vollmars seien für sie ebenso staatsgefährdend, wie die Most's- Nur in der Taktik, nicht in den Zielen liege die Differenz- Der Minister verliest Citate aus sozialistischen Schriften über die Ehe, den Staat und das Christenthum, welche die Maßregeln gegen die Sozialisten als unab­wendbar erscheinen ließen. Der Minister nennt diese Citate bestialische und räth unter demBeifall des Hauses denen, welche solche Dinge vertreten, Deutschland, dessen Kinder sie nicht mehr seien, den Rücken zu kehren und Most nach Amerika zu folgen. Der Minister erwähnte ferner den Wydener Kongreß, an welchem die Abgeordneten Kayser, Volmar, Grillenberger theilnahmen und auf dem der Letztere die nahe Revolution ver­kündigte. Das zeige das wahre Gesicht der sozialistischen Bestrebungen, v. Nostiz- Wallwitz rechtfertigt die Verlängerung des Belagerungszustandes über Leipzig, während Köhl gegen die Aufrechterhaltung desselben spricht. Hierauf wird die Debatte auf morgen vertagt.

Die Petitionscommission des Reichstags beschloß, dre Petitionen webest des Jmpfgesetze > dem Reichskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, eine Sachverständigen­commission einzuberufen zur Prüfung des jetzigen physiologifchen und pathologischen Standes der Jmpffrage, eventuell unter allgemeiner Durchführung der Impfung mit animalischer Lymphe; ferner möge eine Jmpfstatistik Herbeigeführt und der Erlaß eines Volksseuchengesetzes mit Einführung der obligatorischen Leichenschau in Betracht ge­zogen werden.

Da die Fortschrittspartei für ihre die Aenderungen des Zolltarifs betreffenden Anträge die Priorität in Anspruch nimmt, so dürfte der Wedell'sche Börsensteuerantrag an den Schluß der Tagesordnung der morgenden Reichstagssitzung gestellt werden und vor den Ferien gar nicht mehr zur Berathung gelangen. DieProvinzial-Correspon- denz" bringt einen Artikel über die erste Lesung der beiden Reichsetats. Derselbe schließt: Wenn der Führer des Centrums sich den Bedenken gegen die Verfassungs­mäßigkeit anschloß, wenn die Verweisung der Haupttheile des zweiten Etats an die Budgetcommission abgelehnt wurde, so ist die Frage damit nicht erledigt. Der Führer des Centrums motivirt das Verlangen nach einer alljährlichen Feststellung des Budgets mit dem Bedürfniß, jährlich den Kampf gegen die kirchenpolitische Gesetzgebung zu er­neuern; ob die deutsche Nation in ihrer Mehrheit diese Begründung anerkenne, werde die Zukunft lehren, ob im Uebrigen der Reichstag befugt sei, die Regierungsvorlage ohne eingehende sachliche Berathung abzulehnen, sei durch die Abstimmung vom 11. d. noch nicht entschieden.

Köln, 13. December. DieKöln. Ztg." bringt betreffs des österreichisch-deutschen Bündnisses verbürgte M'ttheilungen, wonach dasselbe auf eine bestimmte Frist von 5 Jahren abgeschlossen ist, also bis zum 15. Oktober 1884 dauert. Das Bündnitz habe sich aber bisher so bewährt und verspreche künftig eine so feste Frtedensbürgschaft für beide Reiche zu sein, daß auf eine Verlängerung desselben zu rechnen sei.

London, 13. December. DiePall Mall Gazette" erklärt die gestern von dem Standard" gemeldeten Gerüchte über bevorstehende Aenderungen im Cabtnet für verfrüht.

Aus Anlaß seines fünfzigjährigen parlamentarischen Jubiläums sind dem Premierminister Gladstone von liberalen Vereinen zahlreiche Glückwunschadreffen zuge- gangen, auch Telegramme vom Khedive und der griechischen Regierung.

Allgemeine

Lokale-»

Gießen, 14. December. Schwurgerichtssttzung vom 13. December l. I. gegen Johannes Nies von Schadges wegen Raubs.

Nies ist beschuldigt:

daß er am 15- Mai 1882 auf dem Wege von Lauterbach nach Rudlos dem Johannes Dietz von Schlechtenwegen eine demselben gehörige Kuh zweimal kurz nach einander mit Gewalt gegen dessen Person in der Absicht rechts­widriger Zueignung 'neggcnommen habe.

Angeschuldigter wurde für schuldig erkannt und in eine Gefängnißstrafe von 1 Jahre verurtheilt, von welcher Strafe jedoch die erlittene Untersuchungshaft in Aus­rechnung kommt.

Vermischtes.

London, 9. December. Die gestrige Feuersbrunst in der City war wohl die furchtbarste, welche London seit dem verheerenden Brande in Toleystreet im Jahre 1861 kennt. Ein ganzes Straßenviertel, begrenzt von Londonwall, Woodstreet, Addlestreet und Philip Lane, ist ein fast gänzlicher Raub der Flammen geworden. Das Feuer brach in dem Souterruin des Geschästslokals der Herren Forster, Porter u. Co (Confectionsgeschäft Engros) in Woodstreet aus und wurde gegen 3 Uhr Morgens von einem Polizisten bemerkt, der sofort Alarm schlug und die Feuerwehr requirtrtc. Ehe jedoch die Spritzen herbeikommen konnten, Halle das Feuer schon eine solche Gewalt erlangt, daß die Flammen zum Dache herausschossen. Ungeachtet der rastlosen Thättg. kett von dreißig mächtigen Dampfspritzen konnte das Feuer nicht localisirt werden und ergriff sehr bald die anstoßenden Magazine der Firmen Peter Rylands u. Co., Silber u. Fleming, Sargord, Butler u. Nichol, Werner u. Kön'g, Gladmont u. Co., Symonds u. Co., Hartley u. Couchman, Boxenden Brothers und mehrerer anderer kleinerer Firmen. Diese Magazine waren von oben bis unten mit Maaren aller Art vollgepfropft und boten dem verheerenden Elemente reichliche Nahrung. An eine Rettung von Etgenthum war nicht zu denken. In dem Magazin der Herren Rylands u. Co. lagerten Hunderte von Ballen der kostbarsten Seidenstoffe, welche alle ein Raub der Flammen wurden. Die engen Straßen, sowie die zuweilen 6 bis 7 Stockwerke hohen Gebäude, in denen das Feuer wüthete, erschwerten die Löschanstrengungen in hohem Grade. Glücklicher­weise herrschte Windstille und die Dächer waren mit Schnee bedeckt, sonst dürfte in Folge der massenhaft niederfallenden Funken die Feuersbrunst bei Weitem größere Dimensionen angenommen haben. Erst gegen 10 Uhr Vormittags wurde der Brand gelöscht- Von den ganzen Gebäuden sind nur die Brandmauern stehen geblieben, von denen einige im Laufe des Tages einstürzten und die gegenüberliegenden Häuser arg beschädigten. Auch wurden die anstoßenden Gebäude durch Feuer und Wasser arg mitgenommen. Die Ursache des Feuers ist nicht bekannt. Ein Verlust an Menschen­leben ist nicht zu beklagen, was sich dadurch erklärt, daß b<e Geschäftshäuser in der City des Nachts fast unbewohnt sind; doch wurde ein Feuerwehrmann schwer verletzt. Der angerichtete Schaden beziffert sich auf etwas über eine Million Lstr. und ist angeblich durch Versicherung völlig gedeckt.

Handel und Verkehr.

Limburg, 13. Dezember. Rother Weizen X 17.20, Weißer Weizen X., Korn X 12.15, Gerste X 8.55, Hafer X 6.45, Erbsen X., Kartoffeln X..

Frankfurt, 13. Dechr. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu X 3.404.00, Stroh X 1.802.65, Eier das Hundert X 6.507.50, Stück 68 H, Butter 1. Qualität X 1.40, 2. Qualität X 1.20, Kartoffeln per Centner X 3.003.50, Kopfsalat per StLck 5 Wirsing 58 Rothkraut 1015 H das Stück, Gans 7075 $ pr. Pfd., Huhn X 0, 1 Ente X 1.703.00, 1 Taube 6070 H, Hahn X 1.502.00.

Frankfurt a. M.» 14. December, Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 244, Staatsbahnactien 294Vr, Galizier 251^4, Lombarden 117/4, Nord- westbahnactien 169V?, Darmstädter-Bankactien 152* 1 2/?, Oberschtesische E.-B.-Act. 257V4, Oesterr. Silberrente 659/16, 4% Ungar. Goldrente 727 */s, 4% 1880er Russen 68V-, 5% 1877r Russen 8 * * *63/i, 2. Orient-Anleihe 54Vd, Spanier 61 Va, 5% Rumänische Rente 92/2, 4% Unific. Egypter 713/t, Disconto Comm. 1943/4, Gotthardbahnactien H6V4. Tendenz: besser.___________________________

Für die Wasserbeschädigten im Großherzogthum gingen weiter ein:

G. W- Wetblg 5 X, I. Otterbein 1,50 X, Daniel Schmall 3 X, Hilgardt 1,50 X Frl. Gerecht 0,50 X, PH Wacker 1X, Frau Boller 0,30 X. Eichenauer Ware.

1 X, A. Eichenauer 1 X, W. Bohl'ng 0,50 X, I- W"tzenkorn 2 X, Dr. Dornseiff 5 M K. 2 X, Hermann August Müller 5 X, K Keil 2 X, D. K XX, W- Herben

2 X, Jean Weber 0,50 X Gebrüder Stamm 5 X W- Orb g 3 X, H. Wallach 3 X, A. Montanus 10 X, Julius Hoos 1 X, Hempel 3 X, I. Hormann 2 X, Ph K- 2 X, I Stern 2 X, L- H. 2 X, H. Euler 1 X, F. E- Loos 3 X. L. Frohnhäuser 1 X, 3 Buch 5 X, A. Noll I 5 X, H. Schmidt 3 X. Frau b W oe. 1 X, F- L>etbel 3 X, Gebrüder Adami 10 X, E. F. Conrad 2 X, A. H mdach 3 X, Ph- Malkomesius 2 X, N- N- 2 X. L- u. E Gail 2 X, N N. 1 X. N. N 1 X. Ph. Sch. 2 X, A- Balser Wwe. 2 X, M. Scheel 3 X, H- Lind 3 X. I- Mark 3 Apotheker Collmanu 10 X, L. Kattretn 3 X, V- Dietz 2 X E- H- 0,50 X, L- M. 1 X, Rödelsperger 2 X, I. Leichtweiß 1 X, C Hosch 1 X. E. Loos 2-^L, I. Schulze

3 X. K. Weidig 5 X, Frau Prof. M ttenheimer 6 S- Weimershetm Nachfolger 5 X, N- N- 2 X, Mettenheimer u Schultheis 10 X, W. Schuchard 3 X, H. F- Nassauer (2. Gabe) 3 X, H. Rübsamen 2 X, H. Zimmer 3 X, ß. Hstn 5 X. Gregort 5 X, A- Hilgardt 8 X, M St. 1 X, I. Kaan jun. 3 X. I. Goldschmidt jun. 3 X, A. Schmidt 3 X, G H 4 X, Karl Brück 3 X, L- Höhler 3 X, Geschwister Heerz 1,50 X, Steiner 3 X N- N. 0,50 X, W- Rudolph (2. Gabe) o X, H. Rudolvh Wwe. 10 X. Ä. Lynker 3 X, M. Lony 2 X. W. L- 1 X, F-W-L. u. L- L- 2 X, CH. Weeg

2 X, B. Förster 1 X, G- Stahl 0,50 X, K- Räuber 1 X, L- V- 1 X. CH. Jung

1 X, M- B. 1,50, K- Klemmrath 1,50 X, H. Bätsch 1 X, B. Vogel 1 X, B. Abend

1 X Univ.-Tanz- u. Fechtmeister Röse 3 X, W. Löder 1 X, G- Arnold 3 X.

Gemeindekasse Garbenteich 50 X. Kirchenkasse daselbst 6 X, durch .ein Mitglied des Gesangvereins Frohsinn daselbst aus einem Vergleich 5 X, Collecte aus Trohe 15,15 ^L, Collecte aus Rüddingshausen 48,85 X, Gemetndekasft Oppenrod 20 X, Collecte aus Oppenrod (2. Sammlung) 8 X, Bürgermeister Petri daselbst 5 X. vom Männer­gesangverein zu Lollar Ertrag eines Concerts 36 X, Gemeindekasse Ruttershausen 50 X, vom Gesangverein Concordia zu Langsdorf Ertrag eines Concerts 35,20 X, Collecte aus W'.eseck 219,22 X, Collecte aus Langd 51,45 X, Collecte aus Obbornhofen 125 X, in einer Gesellschaft von Unteroffizieren des Füsilier-Bataillons des 116. Regiments gesammelt 20,18 X Summa 965,85 X Hierzu die bereits früher quittirten 12717,73 X Zusammen 13683,58 X

Den Empfang obiger 965,85 X bescheinige ich mit herzlichem Danke. Die Haus- collecte wird fortgesetzt.

Gießen, den 14. December 1882.

Dr. B 0 ekmann.

r Anzeiger.

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