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1G1. Freitag den 14. Juli L882.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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: Schulstrahe B. 18. Erscheint täglich mit Aufnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Juni 1882 veröffentlicht:

Hafer Jl. 16,50 Heu Jt. 6, Stroh M. 4,oO per 100 Kilogramm.

Gießen, den 12. Juli 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

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Politische Ueberskcht.

Gießen, 13. Juli.

Als Ankunftstag des Kaisers in Wildbad Gastein wird der 18. Juli bezeichnet, der Monarch wird sich danach auf seiner Reise von Koblenz nach Gastein ungefähr 4 Tage auf der Insel Mainau bei den Großherzoglich Badischen Herrschaften aufhalten. Wie alljährlich, so wird auch in diesem Jahre eine Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Kaiser Franz Josef in Gastein stattfinden, da beide Monarchen seit langen Jahren gewohnt sind, sich dort zu sehen und die Gefühle der persönlichen und politischen Freundschaft auszutauschen.

In Sachen des Kirchenkampfes muß hervorgehoben werden, daß die vor einiger Zeit verursachte Annäherung zwischen der preuß. Regierung und der päpstlichen Kurie gegenwärtig wieder vollständig rückwärts geht. Weitere Nach­giebigkeit der Regierung findet zur Zeit gar nicht statt, denn der Papst trägt Bedenken, die doch fast nur ein formales Zugeständniß enthaltene Anzeigepflicht hinsichtlich der Ernennung der katholischen Geistlichen anzuerkennen und an dieser Weigerung scheint der erhoffte kirchliche Friede zu scheitern. Auch können die im Namen des Königs von Preußen seiner Zeit aus ihren Aemtern entfernten Bischöfe nur dann zurückberufen werden, wenn sie sich den revidirten Kirchenge­setzen fügen wollen. Ohne diese Concession kann nach der Versicherung der preußischen Regierung kein Bischof zurückberufen, resp. begnadigt werden. Be- dauerlrcher Weise dauert daher der Kirchenstreit fort und daß dies wirklich der Fall ist, beweisen die heftigen Aeußerungen und Drohungen der kleri­kalen Presse.

Wie man hört, wird nach Ablehnung des Tabakmonopols eine Erhöhung der Branntweinsteuer in Aussicht genommen, um den Reichs­finanzen eine weitere Stärkung angedeihen zu lassen. Volkswirtschaftlich dürfte wohl Niemand ein Bedenken gegen eine mäßige Erhöhung der Branntweinsteuer haben, zumal wenn es richtig ist, daß die jetzige Art der Branntweinsteuer, die sog.Maischraumsteuer", den Branntwein sehr niedrig besteuert und die Anwen­dung einer einfachen Consumsteuer schon die doppelten Erträge liefern soll. In England werden pro Kops der Bevölkerung z. B. auch circa 10 «M. Brannt­weinsteuer erhoben, in Deutschland nur circa 1 danach dürften wohl auch die Producenten des Branntweins nicht sonderlich geschädigt werden, wenn die Branntweinsteuer verdoppelt würde.

Um die Fortschritte der Landwirthschaft und der Ernährungs- srage zu prüfen, ist das kaiserliche statistische Amt vom Reichskanzler mit den Vorbereitungen einer Viehzählung in allen Staaten des deutschen Reiches beauf­tragt worden, welche bestimmt für den 10. Januar 1883 in Aussicht genom­men ist; bekanntlich sand die erste Viehzählung im deutschen Reiche an dem gleichen Datum des Jahres 1873 statt, lieber die Grundlagen dieser zweiten Viehzählung hat in den letzten Tagen eine Vorbesprechung in einer erweiterten Conferenz stattgefunden, welche im Reichskanzleramte anberaumt war.

Die in morganatischer Ehe mit dem letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen vermählt gewesene Fürstin Gertrud von Hanau ist am 9. Juli, Abends, im Alter von 76 Jahren in Prag gestorben. Die Leiche wurde nach Kassel übergeführt und in den: dortigen kurfürstlichen Mausoleum beigesetzt. Die Verstorbene hinterläßt sechs Söhne und zwei Töchter, die den Titel Prinzen und Prinzessinnen von Hanau führen.

Trotz der großen Begünstigungen, welche sich die Czechen von Seiten der österreichischen Regierung erfreuen, sorgt man in Wien doch auch dafür, daß die czechftchen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Obwohl das Ministerium des Grafen Taaffe der Prager Universität die czechische Vortrags­sprache bewilligt hat, ist doch neulich für die Czechisirung der Prager Univer­sität der hinkende Bote nachgekommen, denn bei jedem Examen an der Prager Universität muß nach einer Verordnung des Ministeriums jeder Examinand vollständige Kenntniß der deutschen Sprache nachweisen und sogar in min­destens einem Hauptsache die Prüfung in der deutschen Sprache bestehen. Aus dieser Verordnung erhält wohl zur Genüge, daß man der deutschen Cultur in Oesterreich doch noch einen ehrenvollen Stand anzuweisen sich genöthigt sieht und nicht alles Heil in der Cultur der slavischen Nationalitäten erblickt. Wie aus Wien gemeldet wird, gedenkt der Kaiser Franz Josef zu Anfang des Monats September dem Könige Humbert von Italien in einer norditalienischen Stadt den schon seit längerer Zeit geplanten Gegenbesuch zu machen.

Hinsichtlich der auch für Frankreich wahrscheinlichen kriegerischen Action gegen Egypten ist die Erregung der französischen Nation eine ziemlich bedeutende, doch haben die Erklärungen des Minister-Präsidenten de Freycinet, namentlich seine Versicherung, daß nichts ohne die Zustimmung der Kammern geschehen werde, einen guten Eindruck gemacht und die öffentliche Meinung

Frankreichs, die keinerlei Abenteuer will, ist etwas beruhigter. Der für die Flotte verlangte Credit ist wahrscheinlich am Mittwoch von der Kammer be­willigt worden, denn die gesammte französische Presse erklärt sich dafür, wenn Gambetta Freycinet auch abermals beschuldigte, daß er Frankreich eine Demüthigung bereitet habe, weil er dessen afrikanische Politik von der Ent­scheidung der Conferenz der Großmächte abhängig gemacht habe, anstatt wie es die Ehre und das Interesse Frankreichs erheischte, in der egyptischen Frage seinen eigenen Weg zu gehen, ohne sich weiter um Europa zu kümmern. Die überwiegende Mehrheit des französischen Volkes 'steht indessen auf Seiten des maßvollen und vorsichtigen Freycinet und wenn derselbe nicht geradezu die In­teressen Frankreichs in Egypten Preis giebt, woran in Hinblick auf die franzö­sischen Rüstungen nicht zu denken ist, wird er sich wohl noch lange am Ruder erhalten. Am 14. Juli begeht Frankreich auch sein großes Nationalfest zu Ehren der Gründung der französischen Republik und sind zu dem Feste groß­artige Vorbereitungen getroffen worden. Am glanzvollsten wird das Nationalfest in Paris begangen, wo auch gleichzeitig die Einweihung des neuenHüllt de Ville" iMathhauses) stattfindet.

Aus englischen Regierungskreisen liegen zur egyptischen Frage ganz bedeutsame Kundgebungen vor. Der Staatssecretär Lord Granville erklärte im Parlamente, daß es zwar traurig sei, wenn England gegen Egypten die Waffen ergreife, aber es müsse geschehen, denn Arabi Pascha habe Egypten gegen Europa aufgewiegelt und leiste weder dem Sultan, noch dem Vicekönige Gehorsam, auch respectire er die Aufforderungen der Großmächte nicht, also bliebe nichts übrig, als mit den Waffen gegen ihn einzuschreiten. Diese Erklä­rungen Granville's wurden mit großem Beifall ausgenommen, denn ganz Eng­land ist es sich bewußt, was es in Egypten verliert, wenn Arabi Pascha dort die Gewalt behält. Aus diesem Grunde hat man auch die drohende englische Ministerkrisis rasch beseitigt. Gladstone acceptirt die Abstimmung des Unter­hauses in Betreff jenes Paragraphen der irischen Zwangsbill, welcher die Haus­suchungen behandelt und verbleibt im Amte.

In der Umgebung des Czaren und bei diesem selbst herrscht zur Zeit eine außerordentliche Entrüstung, denn die nihilistischen Complotte haben ganz haarsträubende Dinge zu Tage gefördert. Nicht nur Angehörige der Marine- und Infanterie-Truppen in Petersburg und Moskau sind bei der Theilnahme an nihilistischen Verbrechen erwischt worden, sondern es hat sich auch herausge­stellt, daß sich selbst unter den Mitgliedern der Druschina, welche sich die Be­kämpfung des Nihilismus zur besonderen Aufgabe gemacht hat, ein nihilistischer Verschworener befand. Die Unruhe wächst daher in den russischen Regierungs­kreisen und man dringt in den Kaiser, so rasch als möglich die in den Augen des russischen Volkes eine so große Rolle spielenden Krönungsfeierlichkeiten zu bes chleunigen. __

Deutschland.

Darmstadt, 11. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnadtgt^geruhNul. ^ar[ Stimme! aus Mergelstetten, im Königreich Württem­berg, zum Landwirthschaftslehrer in der Provinz Starkenburg und .

den Dr. Hugo Tobisch aus Breslau, im Königreich Preußen, zum Landwlrth- schaftslehrer in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 1. Juli d. I.» und

am 8. Juli den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgerichte Langen Hartmann Hill zum Gerichtskostenrevisor zu ernennen.

Ernannt wurden:

am 5. Juli der Bureaubeamte Carl Petri aus Darmstadt zum

Assistenten bei der Centralstelle für die Landwirthschaft und die landwirtschaftlichen

Vereine mit Wirkung vom 1. Juli L I, _ s nnfr N,-

am 8. Juli der Gehülfe des Oberstaatsanwalts^Ge^gEnders unt.r Be­lassung in dieser Stelle zum Assistenten des Genchtskoi-enreviso

Darmstadt, 12. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- 6näb*9t2lmr^3ufi den Lehrer an der höheren Mädchenschule zu Darmstadt Dr. mann Mensch zum Mehrer an dec Reals u Bernhard Schädel zum

Lehrer a7 der'höheren Mädchenschule und an dem L-hrerinn-n-Seminar zu Darmstadt

Diplomatie tft umsonst gewesen. HA ^öffnet und damit eine Aktion eingelötet, deren Alexandrien das Feuer aus, di Ffeilen vollständig entzieht. Gegenwärtig, um die a $-h Waftnnh? lieaen mehrere ausführliche Telegramme über den Verlauf sechste ^ochmlttagsswnde, gen^o^ 9 bagCgen jst der Telegraph über das Verhalten der artilleristischenOperat onen ^^scim. Die englischen, französischen, italienischen, be? I0??Uferen an * österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen hatten sich noch

griechischen und auch d hoffen wir, daß auch unsere deutschen Landsleute dem

«tifDiele9 iene? ^efoUM^nb; Mittel und Wege standen ihnen, Dank der Fürsorge der Reichsregterung? hinreichend zu Gebote.