Ausgabe 
14.4.1882 Zweites Blatt
 
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ersten Tagen des Frühlingsanfangs dort stattgebabte sehr starke Schneefall, der am 23. und 24. März ununterbrochen andauerte, die Vorberge der Schwerer und Vorarl­berger Alpen mit 1 Fuß hohem, das Hochgebirge der ganzen Schweiz aber, besonders das Graubündtner Rhetngebiet, mit mindestens 2 bis 3 Fuß hohem neuem Schnee bedeckt habe. Am 25. v. M. sei bei 3 Grad Wärme Schnee und Regen durcheinander gefallen. Es sei somit gegründete Aussicht vorhanden, wenigstens für die Monate April, Mai und Juni auf einen ziemlich günstigen Wasserstand des Rheines rechnen zu können. Der Sommer dieses Jahres werde jedoch, wenn die diesbezüglichen Aus- sagen der Bergbewohner sich nicht als unzuverlässig erweisen, sich durch Trockenheit und auffallenden Wassermangel auszeichnen.

sEin Bannfluch über liberale Redacteure.j Der Bischof von Santander in Spanien hat sämmtliche liberale Redacteure dieser Stadt in den Bann gelegt. Der betreffende Bannfluch lautet, spanischen Blättern zufolge, wörtlich:Gott der All­mächtige möge sie verfluchen! Er vernichte sie, wenn sie im Hause und wenn sie im Freien sind; wenn sie sich auf der Erde oder wenn sie sich auf dem Wasser b finden; er verfluche sie von der Spitze des Kopfes bis zur Fußsohle hinab; er verfluche sie, wenn sie aufrecht stehen, wenn sie sitzen, wenn sie gehen, wenn sie liegen und wenn sie schlafen, heute und für immer. Mögen ihre Augen erblinden, ihre Ohren taub werden, ihr Mund verstummen und ihre Zunge vertrocknen Mögen ihre Hände nicht mehr tasten, ihre Lippen keine Speisen mehr zu sich nehmen und ihre Augenlider sich nicht schließen können. Auch die anderen Glieder ihres Körpers mog£n verflucht sein und möge ihr Grab das der Hunde und Esel fein, auf daß sie in Schande ruhen." Ein recht lieber Herr, dieser Bischof von Santander!

Eine neue scherzhafte Anecdote von König Friedrich Wilhem IV. erzählt, wie folgt, dasKleine Journal": So oft der König auf einer in Berlin einmündenden Bahnlinie die Station W passirte, ließ er sich von dem durch seinen colossalen Körper­umfang bekannten Bahnhossrestaurateur, der zugleich das erste Hotel in der Stadt besaß und den TitelHoftraiteur" führte, in seinem Salonwagen den Kaffee oder das Dejeuner servieren oder wenigstens eine Platte mit Apfelkuchen präfentiren, welcher sich in W. durch besondere Güte auszeichnete, wobei ihm der dicke Traiteur mit der Elephantentatlle und den sackartigen Hosenbeinen viel Spaß zu machen pflegte. Ein­mal fragte er ihn bei solcher Gelegenheit, welchem Umstande er eigentlich den unmensch­lichen Cubikinhalt seines Leibes zu verdanken hätte, worauf der Gefragte mit tiefster Ehrerbietung zwar, aber doch mit unverkennbarem Stolze erroieberte: Gestatten Ew Königl-che Majestät aHergnabigtt die unterthänigste Bemerkung, baß mein Embon- point nur ein angeborenes Talent ist. Erst nach zwei Jahren passirte ber Königliche Train wieber die Station W. Diesmal hatte ber Hosiraiteur für eine Collection ber herrlichsten Früchte Sorge getragen, hatte aber beim Besteigen bes Salonwagens bas Malheur, einen Teller mit Erdbeeren von dem silbernen Präsentürbrett herabgleiten zu lassen. In der tödtlichen Verlegenheit stammelte er:Gestatten Ew Kön'gliche Majestät allergnäd'gst die unterthän'gste Bemerkung, daß meine Ungeschicklichkeit"

nur ein angeborenes Talent ist!" unterbrach ihn der König schnell, welcher die Definition des Embonpoints noch nicht vergessen hatte.

sZwei unbedenkliche Rattenfänger.j Daß der Branntwein n'cht bloß auf Menschen, sondern auch auf Thiere berauschend wirkt, kann schon von vornherein keinem Zweifel unterlagen und ist schon wiederholt beobachtet worden-

Ein Nordamerikaner kam nun auf den Einfall, die Ratten in seinem Haus, durch einen aus Brod, Zucker und Branntwein gemachten Teig zu berauschen und dann zu fangen. In der That entsprach der Erfolg ganz feinen Erwartungen, bie Thiere, welche von dem in den Keller gestellten Teige gefreffen hatten, gaben sich einer luftigen Sorglosigkeit hin und ließen sich bei Annäherung des Gastgebers, statt in ihre Löcher zurückzukehren, ohne Widerstreben fangen, freilich heißt es da aufpaffen, denn ein spätes Eintreffen auf dem L>chauplatze könnte leicht zu Täuschungen führen, wenn nämlich d'e Gäste ihren Rausch vorher ausgeschlafen haben sollten.

Weniger heiter, für den Verfolger jedenfalls bequemer und sicherer, für die Ver­folgten aber prosaischer und verderblicher verläuft der Akt, wenn das Mehl aus einem Gemenge von gepulvertem gebrannten (nicht gelöschtem) Kalk und Zucker bestehl Da kann es nicht ausbleiben, daß eine heftige Magentzündung dem Leben bald ein Ende macht-

Da neuerdings so streng gegen die Weinfälscher vorgegangen wird, so bürftt eine Verordnung des Landgrafen zu Hanau vom Jahre 1751 von einigem Interesse sein Sie lautet wie folgt:So setzen, ordnen und wollen wir hiermit, daß diejenige, welche die Weine mit Mineralien, Silberglett und dergleichen zu oergifften und schädlich und ungesund zu macken fick unterfangen, ohne einige Gnade mit dem Strang oont Leben zum Tode gebracht, diejmige aber, so die Verfälschung mit Vegetabilien, Rosimn und Zucker verüben, ausgepeitschet und aufferoig des Landes verwiesen, auch die Helffett- Helsfer, welche Handreichung darzuthun oder nur Wissenschaft davon haben und solche der Obrigkeit nicht anzeigen. vor ewig mit dem Zuchthauß oder anderem Gefängnis gestrafft. Wilhelm, Landgraff zu Hanau."

Wir machen im allgemeinen Interesse die Leser unseres Blattes auf das heutige Inserat des Herrn Rud. Schleicher, München, betr.:Unentbehrlich für Blumen­freunde", hiermit aufmerksam.

Zur gest. Beachtung.

Schriftliche Anfragen wegen Anskunftsertheilnng über Inserate rc. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt ist. lieber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die Expedition zu keinerlei Auskunftsertheilnngen befugt. Offertenbriefe find soweit keine bestimmten gegentheiligen Abmachungen getroffen wurden in der Expedition abzuholen.

Donnerstag den 13. April,

Nachmittags 2 Uhr, soll im Hause des Herrn Stabsarzt Weigel, Wilhelmsstraße, im unteren Stock

Möbel, Bettwerk, Weißzeug, Haus­und Küchengeräthe, sowie eine große Anzahl Blumenstöcke und Gewächse meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 6. April 1882.

Müller.

2579 Ortsgerichtsmann.

Montag den 17. April und an den folgenden Tagen, Mittags 2 Uhr, werden in dem Hause des Herrn Treff die zum Nachlaß der Frau Geisel ge­hörigen Mobilien, als:

Möbel, Betten, Kleider, Weißzeug, Küchengeräthe rc.

gegen Baarzahlung versteigert.

Gießen, den 6. April 1882.

2543 Hoffmann, Ortsgerichtsmann.

Dirnflag brn 25. April, Nachmittags 2 Uhr,

soll auf hiesigem Ortsgericht die Hofraithe des Heinrich Wilhelm Stiehl dahier Flur 25 74 83/10()o, 231 Mtr. Wohnhaus und Hofraum an der Chaussee auf

Müller.

1823

die Warthe, Flur 25 7438,/iooo, 288 Mtr. Grabgarten daselbst, meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 13. März 1882.

Großh. Ortgericht.

Ileitzevoknes.

Kreiynacher Brom-Iod-Seise

nach Geh. San.-Rath Dr E. Prieger, vor- zügl.gegen Hautausschlag, rothe Hautflecken, Flechten. Depot in der Hirschapotheke. 308

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Allgemeiner Anzeiger, tjruljlj. l]i)inimfiiiiiil;u gießen. Beginn des neuen Schuljahres: Montag 17. April, Vorm. 7 Uhr. Anmeldung neuer Schüler: Samstag 15. April, Vorm. 810 Uhr, im Conferenzzimmer des Gymnasiums (1 Treppe hoch).

Aufnahme-Prüfungen: Samstag 15. April, Vorm. 10 Uhr. Nachprüfungen: Samstag 15. April, Vorm. 8 Uhr, in den betr.

Klassenzimmern.

2563_____________________________Die Direktion.

Vorschule des Gr. Gymnasiums zu Giessen.

Die Anmeldungen für die unterste Klasse der Vorschule (Alter: 6 Jahre) finden Freitag den 14. und Samstag den 13. April, Vormittags 810 Uhr, im Conferenzzimmer des Gymnasiums (1 Treppe hoch) statt.

Da für die Aufnahme in die Sexta des Gymnasiums von diesem Jahre ab die Leistungen der obersten Vorschulklasse gefordert werden müssen, deren Lehrgang eigens für die Bedürfnisse des Gymnasiums eingerichtet ist und deren Schüler ohne Prüfung in die Sexta übertreten, empfiehlt es sich für diejenigen Eltern, welche ihre Söhne dem Gymnasium übergeben wollen, dieselben bereits in die Vorschule zu bringen. 2564

___________________Die Direktion.

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