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14.4.1882 Erstes Blatt
 
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Freitag den 14. April

1882

Jtr. se.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Msrtiags.

WMeut Schulstraße B. 18.

schule für unsere Verhältnisse ein Bedürsniß sei.

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ießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Berichterstatter Solms-Laubach einverstanden erklärt und Prinz Alexander sich entschied-n für die Aufrechterhaltung der Anstalt ausgesprochen, wurden die angefor­derten Mittel bewilligt und das Ersuchen zweiter Kammer einstimmig abgelehnt.

Hierauf erklärte sich die Kammer mit großer Mehrheit für die von der Jenseite gestrichenen Vorschulen an den Gymnasien. lN. H. V)

Verfügung.

Die technische Hochschule rief eine längere Debatte hervor, in der Graf Solms- Laubach die Lebensfähigkeit der Anstalt bezweifelte und der Erwartung Ausdruck verlieh, daß die Regierung schon jetzt die Möglichkeit einer eventuellen Aufhebung in's Auge fasse. Geheimerath Knorr führte aus, daß die Anstalt zu ihrer gedeihlichen Entwickelung vor Allem einer sorgenfreien Existenz bedürfe. Wern her sprach ent­schieden gegen den bekannten Beschluß zweiter Kammer, weil er die Anstalt eminent schädige. Heyl vertrat den gleichen Standpunkt, führte aus, daß die technische Hoch- Nachdem Graf Görtz sich mit dem

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Politische Ueberskcht.

Gießen, 13. April.

Die Nachwirkung der Fe st pause der Ostertage spürt man noch immer aus dem gesammten Gebiete der inneren und auswärtigen Politik. Die Diplomaten und'Staatsmänner gönnten sich eine längere Mußezeit, und die Parlamente thaten desgleichen, was um so mehr möglich war, weil keine bren­nende Frage den politischen Horizont verdunkelt. Diese absolute Ruhe in den Tagen vor und nach Ostern läßt sich, wenn man die vorhergegangenen offiziellen Friedensbestrebungen darnit in Verbindung bringt, als ein recht gutes Vorzeichen siir die fernere friedliche Entwickelung der politischen Lage ansehen, zumal sich nicht verkennen läßt, daß in allen maßgebenden Kreisen des In- und Auslandes Men Differenzen und Gegensätzen, welche Unfrieden stiften könnten, ernstlich ent­gegengearbeitet wird.

Was die inneren Angelegenheiten des deutschen Reiches imbetrifft, so interessirt uns zur Zeit nur der parlamentarische Arbeitsplan. Danach gilt als ausgemacht, daß der Reichstag seine Nachsession am 27. April beginnen wird und ist der betreffende kaiserliche Erlaß jeden Tag zu erwarten. Das preußische Abgeordnetenhaus wird am 17. April seine Berathungen fort­setzen, um in Hinblick auf die nahende Reichstagssession den Rest seiner Arbeiten so rasch als möglich zu erledigen. Das preußische Herrenhaus fährt mit seinen berathungen am 20. April fort und wird sich zunächst mit der kirchenpolitifchen Vorlage beschäftigen. Der deutsche Bundesrath beginnt seine Berathungen schon am 15. April, um das Arbeitspensuin für den Reichstag so rasch als möglich zu vollenden.

Die Aussichten des Tabakmonopols haben sich'insofern geändert, weil man jetzt an eine Annahme desselben im Buudesrathe doch glaubt, auch wenn Bayern, Sachsen und Hessen gegen das Monopol stimmen, resp. sich der Abstimmung enthalten sollten, denn neben Preußen und Württemberg sind fast alle deutschen Mittel- und Kleinstaaten für das Monopol. Das Schicksal dessel­ben im Reichstage bleibt dabei allerdings höchst problematisch, da nach den kle­rikalen Zeitungen auch die Centrumspartei gute Gründe habe, gegen das Monopol zu stimmen. Sind aber die Stimmen des Centrums für das Mo- nopol nicht zu haben, so ist es ganz unmöglich, für dasselbe eine Mehrheit im Reichstage zu erlangen, da auch alle liberalen Fraktionen und einzelne Conser- vative gegen das Monopol stimmen werden.

Die Judenhetzereien scheinen ihre Runde durch ganz Europa nehmen zu wollen, denn auch in Oesterreich zeigen sich Spuren davon. Die öster­reichische Regierung wird aber gegen derartige Extravaganzen entschieden ein­schreiten, denn der WienerMontagsrevue" zufolge hat der Ministerpräsident, Graf Tcraffe, gemessene Weisung erthcilt, Versammlungen mit ausgesprochen antisemitischer Tendenz überhaupt nicht zu gestatten; die Polizei-Organe sollen angewiesen werden, Versaminlungen, in welchen derartige Bestrebungen auch nur nebenher auftreten, sofort aufzulösen. Die Regierung halte sich für verpflichtet, einen jeden Staatsbürger, ohne Rücksicht auf seine politische und confessionelle Anschauung in allen seinen Rechten zu schützen.

In Frankreich ist man sehr auf die weiteren Schachzüge gespannt, die Gambetta gegen das Ministerium Freycinet zu unternehmen ge­denkt, doch darf man wohl behaupten, daß die Mehrheit der Republikaner von rcchts und links den Bestrebungen der Gambettisten ein Parolr bieten und Gam­betta, der den Herrscher spielen will, sehr fest im Auge behalten werden.

Aus England liegt die unbedeutende politische Nachricht vor, daß der verhaftete irische Rebellenführer Parnell aus seiner Haft entlassen ist, aber nur auf 8 Tage, um seiner in Paris lebenden und wegen eines Todesfalls in Trauer versetzten Schwester einen Besuch abzustatten.

Aus dem russischen Reiche liegen eine Menge Nachrichten vor, welche theils die Schwierigkeit der politischen Lage darthun, theilS aber auch von Bestrebungen zeugen, Verbesserungen zu schaffen. Der übliche Besuch des Czaren am Osterfeste in der Petersburger Kathedrale fand nicht statt und in Volhynien und in einigen anderen südrussischen Provinzen mußte die russische Regierung Maßregeln zur Verhinderung von neuen Judenhetzen ergreifen. Für die auswärtige ^Friedenspolitik Rußlands liegen im Uebrigen zwei wichtige Nach­richten vor. 37,000 Soldaten des russischen Heeres sollen bald nach den Früh­jahrsübungen beurlaubt werden und auch Graf Jgnatieff soll sich jetzt zu den Friedensfreunden bekennen. Die ivichtigste der Nachricht aber ist diejenige, daß d<r interimistische Leiter der auswärtigen russischen Politik, der Staatsrath w ®ier§, ein Freund des Friedens und Deutschlands, definitiv zum russischen Minister des Auswärtigen ernannt und der langjährige Reichskanzler, Fürst Gortschakoff, wegen seines hohen Alters von seiner Stellung entbunden wordeii

$er ' durch welchen Fürst Gortschakoff der Leitung des auswärtigen -tmtes enthoben wird, enthält am Schluffe die Worte:Mit aufrichtiger Ach- llng ^hr dankbarer Alexander." Fürst Gortschakoff behält, wie das Telegramm uvetter meldet, außer dem Titel des Reichskanzlers auch die Würde eines Mit- oes^ Reichsrathes. Alexander Michailowitsch Gortschakoff, einer alten Mpischen Fürstcnfamlie angehörend, ist geboren am 4. Juli 1798 und wurde wom Czaren Alexander II. 1856 zum Minister der auswärtigen Aiigelegenheiten Ernannt. Seit dem Jahre 1870 führte er den Titel Reichskanzler, leitete in 1 n L^I^üEschen Kriege 187677 die diplomatischen Angelegenheiten und ar 1ö78 Rußlands Vertreter auf dem Berliner Congreß. Seit Jahren schwer ' th b 11)01 Gortschakoff schon länger der wirklichen Leitung der Staatsgeschäfte

Telegraphische Depeschen.

Woiff's telegr. Correspondenz-Bureair.

Berlin, 12. April. In der heutigen Sitzung des Bundesraths wurden die Gesetzentwürfe, betr. die Unfall- und Krankenversicherung der Arbeiter, die Abänderung der Gewerbeordnung und das Tabaksmonopol dem 4- und 6. Ausschuß, die Monopol­vorlage außer jenen beiden Ausschüssen auch noch dem 7. Ausschuß zur Vorberathung überwiesen.

DieProvinzial - Korrespondenz" sagt in einem Artikel,die Eile des Kanzlers" :Wenn dem Reichskanzler zur Erfüllung weiterer finanzieller Zwecke zur das Reich als bestes einfachstes Mittel eine bestimmte Besteuerungsart des Tabms erscheint, wenn er ferner den Frieden im Reiche zu fördern meint, indem er die pur- forge für die hilfsbedürftigen Klassen der Bevölkerung zur Reichssache macht, wer wollte es ihm verdenken, wenn er mit diesen Plänen eine gewipe Eile hat- Der Reichskanzler weiß, der Aufschub von einem Jahre wäre eine lange, vielleicht enK scheidende Verzögerung, er möchte aber das Reich nach seiner tiefsten Ueberzeugung noch jener Wohlthaten theilhastig machen. t, , . _ .

An anderer Stelle meldet des Blatt, daß die Einberufung des R chstag.' für die letzten Apriltage in Aussicht genommen fei.

Schwerin, 12 April. DieMecklenburgischen Anzeigen erklären, daß die Nachricht derWiener Allgemeinen Zeitung", der Großherzog von Mcklenbing- Schwerin habe bei feiner jüngsten Anwesenheit in Wien auf Wunsch de.' deutschen Kaisers mit dem Herzog von Cumberland über einen Verzicht defsiloen auf die Thronfolge in Hannover-Braunschweig verhandelt, jeden thatsachlichen Grundes

«om. 12 Avril Der Papst empfing heute den Besuch Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen H?nrich"von^Preußtti welch r von dem Gesandten ü. Schlozer und von seinem Gefolge begleitet war.^ Se K^l Hoheit stattete darauf dem Cardinal-Staa.ssecretär Jacobin, einen Besuch ab. ^jttnß jn bem Fürstlich Liechtensteinischen Ma- joratspalws in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin, des Kronprinzen und oer Kronprinze-sin, der Erzherzöge und der Erzherzoginnen, des bayerischen Gesandten Grafen Bray in Vertretung des Kowgs von Bayern, der Prinzen Luitpold, Ludwig und Leopold von Bayern, der Herzoge von Nassau und von Cumberland und deren Gemahlinnen, sowie zahlreicher hoher Gast:, die Trauung des Prinzen Arnulf von

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lieber den Ursprung, den Verlauf und die Tragweite der Unruhen in Catalonien fließen die Nachrichten noch ziemlich spärlich. Den An­stoß zn der Bewegung hat die Mißstimmung der Fabrikanten und Arbeiter in Barcelona über den spanisch-französischen Handelsvertrag gegeben. Unzweifel­haft ist es aber, daß auch die politischen Gegner nicht blos des gegenwärtigen Ministeriums, sondern auch der Dynastie die Hand im Spiele haben und jeden­falls sich bereit halten, die Unruhen, wenn ihre Unterdrückung nicht bald ge­lingt, zu ihren Zwecken auözubeuten. Die Haltung der Regierung ist bis jetzt fest unb entschlossen. Eine ernste Gefahr würde voraussichtlich erst dann ein­treten, wenn ein namhafter General den Augenblick für günstig hielte, die schlimmsten Traditionen der spanischen Bürgerkriege wieder zu beleben und eine Gegenregierung zu gründen.

Das Bemühen der R u s s e n f r e u n d e, das jetzige serbische und öster­reichische Ministerium zu stürzen, werden wohl von keinem Erfolge gekrönt sein. Aus Belgrad meldet man, daß große Anstrengungen gemacht würden, den König Milan zu bewegen, daß er die Auflösung der Skupschtina decretire, um statt der vom Ministerium Pirotschanac empfohlenen Ergänzungswahlen eine vollstän­dige Neuwahl herbeizuführen. Diese Bemühungen scheiterten aber, indem der König sich vollkommen der Anschauung der nach wie vor sein volles Vertrauen genießenden Regierung anschloß. Die Ergänzungswahlen sollen Anfangs Mai stattfinden. Des Weiteren wird gemeldet, daß die Ernennung eines Communi- cationsministers gleich noch Ostern erwartet wird.

Darmstadt, 12. April. In heutiger Sitzung erster Kammer trat Graf Hugo Erbach-Fürstenau ein und leistete den verfassungsmäßigen Eid, worauf sofort mit der Beraihung des Budgets begonnen wurde. Die Verhandlungen boten wenig all­gemeines Interesse. Zunächst wurde das von zweiter Kammer beschlossene Ersuchen um Beseitigung der (Steuerfreiheit der Pfarr- und Schulbesoldungsgüter abgelehm, bezüglich der Ablösung der Reallasten, insbesondere der Forst- und Weidgerechtigkeiten, betont, daß dieselben nicht durch Hingabe von Grund und Boden, sondern durchmög­lichst geringe Geldopfer" zu erfolgen habe. Im Gegensatz zur zweiten Kammer wurde die etatmäßige Stelle des Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs genehmigt. Beim Etat der Gensdarmerie beklagte Fürst Isenburg-Büdingen die statt­gehabte Verminderung der Gensdarmerie, während gerade eine Vermehrung schon den Wilddieben gegenüber angezeigt fei. Graf Solms-Laubach führte über die mangel­hafte Straßenpolizei bittere Klage. Auf den Straßen herrsche die rohe Gewalt, die förmlichmonopolisirt" worden und Zustände geschaffen, welche an die Schilderungen aus dem Mittelalter erinnerten. Die Regierung sagte Abhilfe der desfallsigen Be­schwerden zu. Die beim Etat der katholischen Kirche beschlossene Clausel fand keine Annahme, wurde vielmehr von Wernher als eine Fortsetzung derinneren Feind- leligfe'ten" zwischen Kirche und Staat bezeichnet. Weiter erklärte man sich für Errichtung eines fünften Lehrstuhls für Theologie an der Landesuniversität, ebenso für eine höhere Dvtirung der Universitäts-Bibliothek, stellte auch dem Universitäts- Stallmeister die von der zweiten Kammer vorenthaltenen Mittel für die Pferde zur