nen Korporationen mit zahlreichen Fahnen Chaine gebildet. Die Straßen waren reich geschmückt und von einer dichten Menschenmenge besetzt, welche das kronprinzliche Paar mit enthusiastischen Kundgebungen begrüßte. Im Schlosse wurden der Kronprinz und die Kronprinzessin von dem König und der Königin empfangen. Unmittelbar nach der Ankunft erfolgte die Vorstellung der höchsten Staatsbeamten. Für den Abend ist eine Illumination in Aussicht genommen, zu welcher großartige Vorbereitungen getroffen sind. Am Montag findet Fest- vorstellmig im Theater und ein Fackelzug statt.
Arankreich.
Paris, 9. Februar. Die Börse war bis 2'/2 Uhr in Folge böswilliger Gerüchte über verschiedene Speculanten und Kreditanstalten matt. Das Mißtrauen nimmt zu. Die Wechselagenten nehmen gar keine Aufträge auf Zeit mehr an, ausgenommen zur Begleichung eingegangener Geschäfte. Die Angriffe der Baissiers waren besonders gegen die Kreditanstalten gerichtet, die verbreiteten Gerüchte wurden jedoch als unbegründet erkannt und der Schluß der Börse wurde sichtbar besser. Geschäfte in der Koulisse werden noch immer nicht gemacht. Viele Kunden zahlen nicht und es ist zu befürchten, daß noch andere Häuser zu liquidiren sich genötigt sehen.
Paris, 11. Februar. Der Nihilist Pierre Lavroff ist aus dem französischen Gebiete ausgewiesen worden. Die Journale der Intransigenten sprechen sich mißbilligend über diese Ausweisung aus, während die übrigen Blätter dieselbe gutheißen. Wie es heißt, hätte Lavroff versucht, in Frankreich eine nihilistische Section zu organisiren, wie Verra Sassulitsch dies in der Schweiz gethan.
— Der „Temps" schreibt, heute beschäftige sich Europa virtuell mit der egyptischen Frage und die einzige mögliche Losung sei eine Kollectiv-Jntervention Europas, welche jede Einmischung der Armee des Sultans ausschließe. Der „Temps" fügt hinzu, Egypten den Prätentionen der Türkei überlassen, wäre ein Verbrechen gegen die Kivilisation. — Der russische Botschafter Fürst Orloff hat Paris noch nicht verlassen, derselbe dürfte Ende Februar nach Moskau gehen und im April hierher zurückkehren.
Rußland.
Petersburg, 10. Februar. Nach einer Meldung aus Eharkoff von heute hat der Nector der dortigen Universität wegen unter den Studenten vorgekommener Unordnungen die Schließung der Universität ungeordnet. Wie verlautet, sollen die Unordnungen einen politischen Hintergrund nicht gehabt haben.
Petersburg, I I. Februar. Der „Regierungsbote" und das „Journal de St. Petersburg" veröffentlichen folgendes Kommunique: Das Gerücht, daß eine englische Jntercession zu Gunsten der russischen Juden in Vorbereitung sei, ist so wenig mit den guten Beziehungen des Kabinets verträglich, daß es eigentlich kein Dementi verdient. Da aber diese Gerüchte einen neuen Beleg für die Spannung der Beziehungen zwischen den Israeliten und der Masse der Bevölkerung herbeiführen könnten, fo geben wir eine Darlegung von den: wahren Stande der Dinge. Die jüdische Frage gehört zu den inneren Angelegenheiten, in welche kein Staat jemals weder die Einmischung noch Rathschläge Fremder zulassen wird, in welcher Form dieselben auch auftreten mögen. Eine-Verletzung der internationalen Gebräuche wäre diesmal um so weniger zuzulassen, als jede Jntercession Mißvergnügen und Erbitterung der Massen erzeugen und der Lage der Juden, welche als russische Untertanen den Schutz der Regierung genießen, schaden würde. Die gegen die Unordnungen ergriffenen Maßregeln sind keineswegs schwache. Es sind int Süden 3675 Personen verhaftet und davon 2359 bestraft worden. In Warschau sind 3151 Personen verhaftet und sollen 2302 gerichtlich verfolgt werden. Die Regierung sucht nach Mitteln, um die Möglichkeit einer Erneuerung derartiger Unordnungen definitiv zu beseitigen. Die Frage ist Gegenstand der Erörterungen eines besonderen Komitee; wenn aber die Resultate gut sein fallen, kommt es vor Allem daraus an, daß die Frage nicht durch auswärtige Einflüsse und falsche Gerüchte vergiftet werde.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.
Wien, 12. Februar. Nach einer Meldung des „Wiener Tagebl." aus Ragusa hat der Avisodampfer „Thurn und Taxis" zwischen Megli und Boasic ent italienisches Trabakel aufgebracht, welches Lebensmittel und 240 Martini- gewehre den Insurgenten zuführen wollte. Das Trabakel ist mit der italienischen Bemannung nach Kastelnuovo gebracht worden.
Wien, 12. Februar. Officiell. Das General-Kommando in Serajewo meldet vom 11. d. M-, Abends 6 Uhr: Den in der Nacht zum 10. Februar westlich Susjcsno lagernden 2 Bataillonen nebst 2 Geschützen des Recognoscirungs-Kommandos aus Foca standen zwischen Din cic und Budan 260—300 Insurgenten gegenüber. Diese Bande wurde am 10. Februar aus zwei starken Stellungen geworfen und bis gegen Mrezica zurückgedrängt. Verluste am 9. Februar ein Verwundeter, am 10. Februar zwei Verwundete. — Die gestern gemeldete zweite Kolonne marschirte von Brusna nach Kajnica über Slatina und Josar-Karaula, da dort Insurgenten gemeldet waren, traf jedoch nur eine schwache Bande, welche bei dem Erscheinen der Truppen floh. Das Recognoscirungs-Kommando traf um 4 Uhr Nachmittags in Kajnica ein. Im oberen Zaleznicathale erhielten die Insurgenten in der Nacht zum 10. Februar starke Zuzüge aus der Treskavica-Plawna, namentlich vom Vratlo-Passe her. Am 10. Februar um 6V2 Uhr früh stiegen sehr starke Banden von den sündwestlichen Höhen gegen Tirnooa herab. Von Tirnova rückten denselben ein Bataillon des 51. Regiments und eine Kompagnie des 62. Regiments entgegen. Es entspann sich ein bis l*/2 Uhr Nachmittags währendes Gefecht, welches mit der Flucht der Insurgenten auf Tres- kavica-Planina endete. Dre Insurgenten ließen 20 Tobte, darunter den Knez von Ledici, sowie zwei Bewohner von Tirnova zurück, und schleppten etwa die doppelte Zahl von Verwundeten mit fort Unsererseits 1 Unterofficier tobt, 4 Mann schwer verwundet. Die Haltung der Truppen war vorzüglich. Am Abend traf Oberst Arlow mit dem zweiten Bataillon seines Regiments in Tirnova ein und übernahm das Kommando der zur Gruppe Tirnova gehörigen Truppen.
Christiania, 12. Februar. Der Kronprinz und die Kronprinzessin unternahmen gestern Abend eine Umfahrt durch die auf das Glänzendste illumi- nirten Straßen der Stadt. Ueberall wurden dieselben von der dichtgedrängten Bevölkerung mit freudigen Kundgebungen begrüßt.
Brkarest, 12. Febr. In Folge mehrtägiger heftiger Kopfschmerzen der Königin ist der Berliner Specialist Dr. Lucae hierherberufen. Derselbe consultirte gestern Vormittag mit den Hofärzten und conftatirte bei seiner zweiten Visite am Abend eine leichte Besserung.
Petersburg, 12. Februar. Nach dem heute Morgen veröffentlichten Bulletin über das Befinden der Großfürstin Maria Paulowna betrug die Kör
pertemperatur gestern 39, der Puls 96—100. Der Appetit war gering, der Schwächezustand dauert fort.
Lokales.
Gießen, 13. Februar. Die vorgestern Abend von dem hiesigen Stenographen- verem veranstaltete Feier von Gabels b erg e r's Geburtstag nahm einen durchaus befriedigenden Verlauf. Ueber 30 Herren hatten sich in dem prächtig dekorirten Vereinslocale eingefunden. An die treffliche Eröffnungsrede des ersten Vorstandes, Herrn Reallehrer Albach, schloß sich eine lange Re,he von Trinksprüchen auf die Kunst, die Gaste, die Ehrenmitglieder, den Verein, das Gabelsberger Denkmalkomitä u s. w. Natürlich wurde auch unseres Kaisers und unseres Landesvaters in erhebenden Worten gedacht. Nicht minder wurde die stenographirende Damenwelt gefeiert und der Dresdener Damenverein, als der älteste sämmtlicher stenographischen Damenvereine von dem ausgebrachten Toaste in Kenntniß gesetzt- Einzelne Mitglieder, sowie liebe Gäste erfreuten die Anwesenden durch Klavier- und Gesangsvortäge, und als die Feftgenossen sich m spater Stunde trennten, nahm jeder das Bewußtsein mit, den Geburtstag des Meisters m würdiger Weise begangen zu haben.
— Ein junger Mann, früher Ausläufer in einer hiesigen Antiquariatshandlung, welcher aus dieser diverse werthvolle Bücher ausschmuggelte, versuchte letztere bei einem anderen Antiquar zu verwerthen. Da er sich hierbei einer Schriftfälschung zum Nachthell eines Studirenden schuldig machte, wurde er verhaftet-
. — Einen hiesigen Taglöhner, welcher in der Nacht vom Samstag zum Sonn- . tag den Handelsleuten Vieh in die Stadt treiben half, hatte sich hierbei des Guten im Genuß von Branntwein zuviel gethan und sand man denselben gestern Morgen vor der Thür seiner Wohnung todt vor.__
Verrutschtes.
— Nach den statischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich im Dezember 1881 die Roheisenpro- buction des bcutschen Reichs (einschließlich Luxemburg) auf 280 826 Tonnen, barunter 158 927 Tonnen Pubdel-Roheisen, 12 362 Tonnen Spiegeleifen, 64 151 Tonnen Bessemer- unb 22 591 Tonnen Gießerei-Roheisen. Die Production im December 1880 betrug 203 677 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. December 1881 würben 2 781175 Tonnen Roheisen probuzirt, boch sinb in dieser Summe Bruch- und Wascheisen, sowie gewisse Posten Gußwaaren erster Schmelzung nicht mitinbegriffen.
— Die Folgen der Pariser Börsen-Katastrophe treten noch täglich recht deutlich hervor. Die Komtesse de la Parou;e, die in der großen Oper als Mademoiselle Heil- bron früher die Pariser entzückte, hat sich, veranlaßt durch die enormen finanziellen Verluste ihres Gemahls, genöth'gt gesehen, ihr reizendes Hotel in der Rue Monceau und sogar ihre Equipage zu verkaufen. Ste will die verlassene Künstler-Karriere wieder aufnehmen und t|t sogar entschlossen, eventuell eine Tournee durch Amerika zu unternehmen.
Jeder Tag bringt die Meldung von neuen Selbstmorden. Em Gutsbesitzer in Vincennes war schon längere Zeit trübsinnig gestimmt. Gestern Nachmittag häufte er in seinem Salon einen Stoß Holz auf, zündete denselben an und begann um die Flammen herumzutanzen. Es gelang, die Flammen zu löschen und den unglücklichen Irrsinnigen in Gewahrsam zu bringen. Er hatte an der Börse mehr als 200,000 Fr. verloren und wurde schließlich vollkommen irrsinnig.
Ein junger talentvoller Mann, welcher eine erste Stellung in dem Geschäft des Agent de change Delagaree bekleidete, hat sich finanzieller Ursachen wegen erschossen. Eine Dame, die ihr ganzes Vermögen verloren, ist wahnsinnig geworden und hat sich aus dem Fenster gestürzt.
Weil bürg, 5. Februar. Die Lahn hat gestern gegen Abend wieder ein Opfer gefordert und erhalten. Einige Schüler der Landwir.hschaftsschule konnten die polizeiliche Erlaubniß und die Genehmigung ihrer Anstatt nicht abwarten und vertrauten sich der erst einige Eentimeter dicken Eisfläche an. Die natürliche Folge war, daß die Eisdecke nicht hielt, wodurch einer der Schüler einbrach Angebotene Hilfsmittel, wie Stangen, Seile rc. erwiesen sich bei der angebrochenen Dunkelheit und der auf den Eingesunkenen erstarrend einwirkmden Kälte vergeblich. Der betreffende Schüler ist von Traben an der Mosel und der einzige Sohn einer Wittwe. — Eben, gegen Abend, ist die Leiche des Verunglückten einige Schritte unterhalb der Einbruchstelle aufgefunden worden.
Mainz, 9. Februar. Im Laufe des verflossenen Sommers wurde im hiesigen Winterhafen durch einen Arbeiter die Leiche einer Frau geländet und die hiesige Polizei alsbald von dem Leichenfund in Kenntniß gesetzt. Die Polizei nahm eine Besichtigung der Leiche vor und glaubie in derselben eine kurz vorher von hier verschwundene Frau Namens Sch. zu erkennen. Der hier wohnende Ehegatte dieser Frau wurde von der Sache benachrichtigt. Er begab sich zur Jdentificirung der Leiche an den Rhein und nachdem er in der Tobten seine verschwundene Frau — auch die Ohrringe unb Kleidungsstücke stimmten — erkannt hatte, fand die Beerdigung der Frau, die nach der vorgenommenen Untersuchung sich selbst den Tob gegeben, statt. Ueber sechs Monate sind seitdem verstrichen: der Wittwer stand wieder vo- der Entscheidung, eine zweite Ehe emzugehen, als ein Eceigniß eintrat, das diese Hoffnung vernichtete. Der Mann erhielt nämlich aus Kassel ein Schreiben seiner, wie er annahm, längst verstorbenen Frau, in welchem sie ihrem Manne mittheilte, sie habe ihn seiner Zeit böswillig verlassen und demnächst gedenke sie als reuige Sünderin wieder in den Schooß ihrer Familie zurückzukehren. Der Mann war wie vom Schlage gerührt, als er diese Zeilen las, und er hätte geglaubt, eine Betrügerin habe sich einen Scherz erlaubt, wenn er nicht die Handschrift seiner Frau gekannt und die in dem Briefe enthaltenen Mittheilungen nur von seiner Frau herrühren konnten. Wieder vergingen mehrere Wochen und der Mann hörte nichts mehr von seiner Frau, als diese gestern plötzlich zu Hause erschien, zum nicht geringen Schrecken des Mannes und der ganzen Nachbarschaft. Wer die Todte gewesen, welche im verflossenen Jahre geländet und die der Mann selbst als seine Frau anerkannt, ist zur Stunde noch unbekannt. Da die Frau bereits in dem Standes- register als gestorben eingetragen ist, so bedarf es eines ganz außerordentlichen gerichtlichen Apparates, um die angeblich Gestorbene wieder unter den Lebenden aufzuführen.
Eingesandt.
(Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel ist die Redaction dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich.)
Seit ungefähr 20 Jahren ist eine Gemeinde, unweit Gießen gelegen, im Besitze eines ersten Lehrers, der es prächtig versteht während der Schulzeit die Nerven seiner Schüler zu stählen durch Holzhauen, Wassertragen, Räumen einer gew ssen Grube (die hier ungenannt bleiben mag) und Fortschaffung deren Inhaltes durch bie Hauptstraße des Ortes. Besonders werden für letztere Arbeit (gegenwärtig am 9. d. Mts) unsere lieben Konfirmanden verwendet. Daß dieses alles, sowie Ertheilung von Privatunterricht (während der Schulzeit), Annahme von Geburtstagsgeschenken durch die Schulkinder unter den Augen eines löbl. Schulvorstandes geschehen kann, ist Einsender dieses doch etwas zu bunt und glaubt derselbe dem Gebühren dieses Mannes durch diese Zeilen ein Ende zu machen. H. R.
Theater.
Dem Vernehmen nach soll am Mittwoch den 15. er. als Benefiz für Frau Director Schubert, »Dors und Stadt" gegeben werden.
Es sind mit diesem Monat fünfzig Jahre verflossen, seitdem Frau Schubert zum ersten Male die Bretter betreten hat.
Wenn man bedenkt, wie oft sie bereits auch in unsere Stadt mit ihrer Gesellschaft eingekehrt ist und wie manchen unterhaltenden Abend wir in ihrem Theater verlebt haben, so glauben wir annehmen zu dürfen, daß sich Frau Schubert an ihrem 50jährigen Künstlerjubiläum auch der allgemeinen Sympathie unserer Theaterbesucher und in Folge dessen über ein volles Haus erfreuen wird.
Schiffsbericht. Mitgetheilt oen dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, K- W. Dietz Nachfolger Gießen.
Bremen, 10. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Leipzig, Eapt. Fr. Pfe.ffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Januar von hier abgegangen war, ist heute Morgen wohlbehalten in Baltimore angekommen.


