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SanMail den 14. Januar

1882.

srr 12.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Burenn: Schulstraße 6. 18.

Brod

ohne

Dr. Bookman n.

PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

ff

II ff

Gießen, am 10. Januar 1882.

Betreffend: Die für Naturalverpflegung der bewaffneten Macht im Frieden für das Jahr 1882 zu gewährende Vergütung.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie, daß nach einer Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 22. v. Mts. auf Grund der Vorschriften in § 9 Nr. 2 des Gesetze» über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875 sNeichsgesetzblatt to. 52) der Betrag der für die Naturalverpflegung zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1882 dahin festgestellt worden ist, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist: mit Brod ohne Brod

a) für die volle Tageskost

95 H

80

b) Mittagskost

- 49

U

c) Abendkost

. - 28

23

d) Morgenkost

. 18

13

Deutschland.

Darinstadt, 11. Januar. Aus Kreisen der deutschen Industrie ist der Wunsch zu erkennen gegeben worden, daß durch Vermittelung der Kaiserlichen Vertreter im Auslande die heimische Production über bedeutendere Lieferungen, welche im Wege öffentlicher Submission im Auslande vergeben werden, soweit möglich, fortlaufend unterrichtet gehalten werden möchte. Der Herr Reichs­kanzler hat hieraus Veranlassung genominen, die Kaiserlichen Vertreter in den- jenigen Ländern, mit welchen die direcren commerciellen Beziehungen weniger lebhaft sind, also unter Ausschluß namentlich der Nachbarstaaten, mit dem Auf­trage zu versehen, daß sie dem Submissionswesen im Auslande ihre Aufmerk-, samkeit zuwenden und, soweit die -ausgeschriebenen bedeutenderen Lieferungen für die deutsche Industrie von Interesse erscheinen, ohne Verzug über die Natur der Lieferung,, die Anmeldungsfrist und die Stelle, an welche sich die Interessen­ten zur Einholung näherer Information zu wenden haben würden, eine kurze Nachricht an das auswärtige Amt gelangen lassen. Die einlaufenden Nachrichten werden regelmäßig imDeutschen Reichs- und Preußischen Staats-Anz.", sowie in derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" und in einzelnen Fällen auch im Deutschen Handelsblatt" veröffentlicht werden.

4/armflubt, 12. Januar. DieDarmst. Ztg." schreibt: Nach direct hier aus Sofia eingegangenen Nachrichten sind wir in den Stand gefetzt, alle kürzlich verbreiteten beunruhigenden Gerüchte über die Zustände in Bulgarien, insbesondere über angeblich stattgehabte Unruhen, als vollständig unwahr zu bezeichnen.

Berlin, 11. Januar. Seit Dienstag voriger Woche weilt der bekannte volkswirthschastliche Schriftsteller Albert Schüffle in Berlin. Derselbe ist einer Einladung des Fürsten Bismarck gefolgt und hat mit den: Reichskanzler bereits mehrere längere Unterredungen gehabt. Am Sonnabend waren Schüffle und der gesinnungsverwandte Professor Adolf Wagner beim Fürsten zu Tisch gela­den. Die Unterhaltung drehte sich, wie sich das von selbst versteht, fast aus- schließlich um die wirthschastlichen Fragen. _

Die Preise der wichtigsten Lebensmittel sind imdj der in derStatist. Eorresp." veröffentlichten Uebersicht für den November 1881 im preußischen Staate zum Theil wiederum gestiegen. Insbesondere sind Hafer, Erbsen, Boh­nen, Linsen, Eier, Kaffee und Schweineschmalz, allerdings nur um ein Gerin­ges, theurer geworden, und für Stroh und Heu ist abermals eine beträchtliche Preiserhöhung eingetreten. Billiger geworden fint) im Lause des November mir Weizen, Kartoffeln, Hammelfleisch und Butter, sämmtlich um ganz kleine Bruch- theile einer Mark. Die Preise für Rind- und Kalbfleisch sind in einzelnen Provinzen, namentlich in Westpreußen und Westfalen, in Folge der hohen Fut­terpreise in weiterem Sinken begriffen, in den meisten Provinzen, insbesondere auch in Schleswig-Holstein, haben sie sich jedoch gehalten oder schon wieder ziemlich erhöht.

Dein Reichstag ist eine Petition der Berliner 'Rechtsanwälte, betr. die Wiedereinführung der Berufung gegen Urtheile der Strafkammern von Land­gerichten, die in den neuen Gerichtsgesetzen ausgehoben war, zugegangen. Es hat sich als im höchsten Grade wünschenswerth herausgestellt, daß die Berufung wieder eingeftchrt ivird, namentlich um etwa unschuldig Verurtheilten Gelegen­heit zu geben, sich in einer höheren Instanz, die ihnen bisher fehlte, Recht zu verschaffen. Wünschen wir also der Petition recht guten Erfolg.

Berlin, 11. Januar. Elsaß-Lothringen scheint augenblicklich als beson­ders günstig für Zeitungs-Unternehniungen betrachtet zu werden. Nicht nur die Kölnische Zeitung", sondern auch dieFrankfurter Zeitung" beabsichtigt eine Zweigniederlassung im Reichslande zu gründen. Man schreibt denBerl. Polit. Nachr." über diese Dinge aus Straßburg unternl 9. Januar:

In hiesigen gut unterrichteten Kreisen erzählt inan sich mit großer Be­stimmtheit, daß die Verwaltung derKölnischen Zeitung" beabsichtige, vom I. März d. Js. hier in Straßburg eine separate Ausgabe ihres Blattes für Elsaß-Lothriugen erscheinen zu lassen. Rian bezeichnet bereits das Haus, in welchem sie ein geeignetes Local für die Redaction, die Setzer und die Druckerei gemietet habe. Diese neue Zeitung wird also völlig hier fertig gestellt werden

und unter der Verwaltung derKölnischen Zeitung" stehen. Unter welchem Namen diese Zeitung erscheinen wird, scheint noch nicht definitiv entschieden zu sein. Ein zweites Gerücht spricht von einem ähnlichen Projekt derFrankfurter Zeitung", deren Verwaltung beabsichtigen soll, in der elsässischen Industriestadt Mülhausen eine Filiale zu gründen und dort täglich eine Zeitung erscheinen zu lassen, die besonders der sehr bedeutenden oberelsässischen Industrie, deren Mit- telpunkt Mülhausen mit 70,000 Einwohnern ist, dienen soll. In Straßburg erscheinen jetzt 5 politische Zeitungen in deutscher Sprache. Es sind dies: 1) dieElsaß-Lothringische Zeitung", das Organ der Regierung; 2) das Elsässer Journal", zweisprachig, aber im deutschen Theil sprachlich sehr ver­nachlässigt, da das Blatt in seiner Redaction und seinem Uebersetzungs-Bureau nicht einen einzigen Altdeutschen hat, Organ der Autonomisten und daher gegen­wärtig etwas blaß gefärbt; 3) dieUnion", das Organ der katholischen Partei, vom Klerus unterstützt und inspirirt und sehr häufig mit dem Strafrichter in Berührung; so war vor einigen Tagen wieder eine Haussuchung in den Bureaux des Blattes, nachdem es im December v. Js. wegen Preßvergehens verurtheilt war; 3) dieNeuesten Nachrichten", ohne politische Färbung, hat sehr viele Inserate und die stärkste Auflage aller Straßburger Blätter; ä) dieElsässische Volkszeitung", die erst seit 1. Januar erscheint und bis jetzt ganz farblos ist.

In dem Augenblicke, da die preußische Regierung eben daran geht, dem Landtage eine zweite Serie von Vorlagen, betr. die Verstaatlichung der Eisenbahnen, zugehen zu lassen, dürfte es interessant sein, die Mitwirkung zu beobachten, welche die preußische Eisenbahnpolitik auf die der übrigen Staaten geübt hat. Nachdem Dänemark im Jahre 1880 die letzte große Privatbahn gekauft, ist in den drei nordischen Königreichen Dänemark, Schweden und Nor­wegen das Staatsbahn-Princip zur fast ausschließlichen Geltung gebracht. In Rußland bereitet man den Verstaatlichnngsproceß vor, in Ungarn und neuer­dings auch in Oesterreich haben, wir bereits Erfolge dieser Politik in den An­käufen der Waagthal-, der Theiß-, der Kaiserin Elisabeth-Bahn, in der Betriebs­übernahme der Kronprinz-Rudolfbahn durch den Staat vor uns. In Italien ist die Frage noch nicht völlig spruchreif, es unterliegt aber wohl keinem Zweifel, daß der Staat sich den gebührenden Einfluß auf die Eisenbahnen sichern wird. In Frankreich gilt die Berufung des begeisterten Staatsbahn-Anhängers Allain- Targä in's Finanzministerium schon als ein Eisenbahn-Programm. In Groß­britannien welches übrigens in seinen Colonien günstige Erfolge der Staats- bahnpolitik ausweist erscheint gerade im letzten Jahre unter den Untersuchungen einer Enquete-Commission das Privatbabnwesen in recht bedenklichem Lichte. In Amerika consolidiren sich die Privatbahnen mehr und mehr in den Händen weniger Eisenbahn-Könige, und das Publikum richtet mit einem gewissen Neide seine Augen hierher, wo es dem Staate gelungen ist, dem Treiben solcher Geld- mächte einen Riegel vorzuschieben, kurz, wohin wir blicken, finden wir theils Nachahmung, theils offene Anerkennung dessen, was bei uns geleistet ist.

England.

London, 10. Januar. Die Söhne des Prinzen von Wales, welche an Bord derBacchante" die Reise um die Welt gemacht haben, befinden stch auf dem Heimwege und werden Anfangs Mai in England erwartet.

Die Nachricht, daß der König von Aschanti 200 junge Mädchen ermorden ließ, um mit ihrem Blute den zur Erbauung eines neuen Palastes erforderlichen Kalk anzufeuchten, i|t vorgestern bestätigt woiden. Lnglychr Blätter theilen heute weiter mit, daß die unglücklichen Marchui einigen U' nachbarten Stämmen angehörten, in deren Wohnstätten der >vonig leine Soldaten einfallen ließ, um die erforderliche Anzahl von Opfern zu leinem nn- menschlichen Zwecke aufzubringen.

Aulgarien.

Losto 11 Januar. Von autorisirter Seite wird gemeldet: Die Nach- ricbten über a'naebliche Unruhen in Sofia sind vollkommen unrichtig und absickit- lieb von der türkischen Presse und übelwollenden Individuen verbreitet worden.