Mittwoch den 13. September
1882
Nr. 2LS
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint IL-Uch mit Ausnahme deS
Bureaur Schulstraße B. 18.
Strack, Dekan.
Die Angelegenheit des Herzogs von Cumberland, des braunschweigischen Thron-Prätendenten, beschäftigt neuerdings wieder lebhaft die Presse. Wie es heißt, wäre die Anwesenheit des Königs von Dänemark, des Schwiegervaters des Prätendenten, und des Prinzen von Wales in Deutschland dazu benutzt worden, den Herzog von Cumberland zu einem Vergleiche mit der Krone Preußen zu bewegen. Der Herzog soll sich hierzu jetzt auch geneigter zeigen, als bisher, was aber weniger dem Einflüsse des Königs von Dänemark und des Prinzen von Wales, als vielmehr dem Umstande zugeschrieben wird, daß der Kaiser von Rußland, der Schwager des Herzogs von Cumberland, nicht, wie dieser gehofft, die geringste Neigung zeigt, die Ansprüche des Herzogs auf den Thron von Hannover bei der preußischen Regierung zu unterstützen.
Kaiser Franz Joses hat am vergangenen Freitag eine größere Reise in die südlichen Provinzen der österreichischen Monarchie angetreten, welcher
Hebung der konfirmirten Jugend geschehen".
Die Verhandlungen sind öffentlich; zahlreiche Theilnahnle erwünscht. Lang-Göns, den 11. September 1862.
Preis viert«Hchrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Betreffend: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Gießen, am 6. September 1882.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KretkeS.
Wir beauftragen Sie, mit der Aufstellung der Urlisten der zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworene« zu berufenden Personen baldmöglichst zu beginnen und diese Listen nach vorschriftsmäßiger Offenlegung längstens bis zum 15. Oktober l. J. bei Meldung disciplmarer Ahndung sammt etwa erhoben werdenden Reclamationen an die zuständigen Amtsgerichte einzusenden. Wir verweisen Sie hierbei auf unser Amtsblatt vom 21 Juni 1879, Nr. 3, von welchem Ihnen, wenn solches bei Ihnen nicht mehr vorhanden sein sollte, noch Exemplare von uns zugestellt werden können und bemerken noch, daß Ihnen das für die Listen erforderlich- Formularpapier in den nächsten Tagen von uns k. H zuge^andt werden wird.
Endlich machen wir Sie noch darauf aufmerksam, daß nach § 3, Absatz 2 der Verordnung vom 14. Mar 1819, Regierungsblatt Sette 213, die Bildung der Schöffen- und der Schwurgerichte betreffend, in den Begleitberichten der Bürgermeistereien zu den Urlisten die bekannten Ablehnungsgrunde anzu- sühren sind, wohin namentlich das Lebensalter der Männer gehört, die bis zu Ende des kommenden Jahres 65 Jahre alt stnd.
Dr. Bookman n. ____
Dekanats-Synode.
Montag den IS. d. M. wird die diesjährige Dekanatssynode in der Kirche zu Klein-Linden abgehalten Anfang des Gottesdienstes 9 V2 Uhr. Prediger: Herr Pfarrer Dingeldey von Gießen. Sodann Verhandlungen über die Frage: „Was kann von kirchlicher Seite zur religiösen und Nt.lichen
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ZE geeignetem Stoff immer wieder auf die Angelegenheit des deutschen Turnvereins in Paris zurück. Es ist bemerkenswerth, daß selbst Blätter, wie die „France" Md „Paris Journal", welche anfänglich das Vorgehen Döroulöde'S als eine patriotische That feierten, jetzt andere Saiten ausziehen und denselben warnen, noch weiter die Empfindlichkeit der Nachbarn Frankreichs zu reizen. Nun, die Gambettistische Preffe möge sich beruhigen, die Deutschen haben trotz der Provo- cationen der „patriotischen Liga" ihr kühles Blut bewahrt und werden auch fernerhin ihre würdige Haltung bewahren.
Die „Times" bringt einen sehr bemerkenswerthen Artikel über die europäische Stellung Deutschlands und dessen weittragenden Einfluß. Das englische Weltblatt hebt hervor, daß Deutschland, gestützt auf sein starkes Heer und das gebietende Ansehen seiner geschickten, weitblickenden Diplomatie, jeden Versuch, den europäischen Frieden zu stören , stets mit Erfolg unterdrückt habe und selbst Unternehmungen, welche unabsichtlich Unheil hervorgerufen haben würden, seien von Deutschland vereitelt worden. England habe es dem Fürsten
Bismarck durch dessen Zurückweisen jeden Einmischungs-Versuches zu danken, daß es jetzt seine Aufgabe in Egypten lösen könne. Deutschland sei lediglich auf die Erhaltung des Friedens bedacht und habe Alles aufgeboten, die Behandlung der egyptischen Angelegenheiten m einer localisirten zu machen. Hoffentlich entsprechen diese anerkennenden Worte auch den in den Londoner Regierungskreisen gegen Deutschland herrschenden Gesinnungen.
Das russische Kaiserpaar ist von der Flottenrevue in Trömfund wohlbehalten wieder in Peterhof eingetroffen, ohne daß die Rihllisten einen Versuch ae'nacht hätten, die Revue zu stören, was doch nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit lag. Die Männer des Dynamit verhalten sich überhaupt seit längerer Zeit sehr ruhig; ob dies ein Zeichen ist, daß die nihilsstische Bewegung eingeschlummert ist, oder daß die geheimen Verschwörer ihre Kräfte zu einem Hauptjchlage vorbereiten wollen, wagen wir nicht zu entscheiden. Wenn man aber liest, daß sogar zwei Mitalieder der Senatoren-Commission für die Ostsee- Provinzen sich als Nihilisten entpuppt haben, so kann man sich eigenthümlicher Betrachtungen über die russischen Verhältnisse nicht erwehren.
Das diplomatische Schachspiel zwischen der Pforte und England ist immer noch nicht beendigt. Die Militär-Convention steht, nach Artikeln schön geordnet, auf dem Papier, sie ist sogar beiderseits ad referendum genommen, aber mit der Unterzeichnung hat es noch gute Wege. Unermüdlich bringt Lord Dufferin immer neue Punkte zur Sprache und es wird allmälig klar, daß England eine Cooperation mit der Türkei in Egypten überhaupt nicht wünscht und demgemäß sucht es auch die Unterzeichnung der Mllitär-Convention möglichst in die Länge zu ziehen. Bei dieser Lage der Dinge ist wohl auch die Nachricht von dem geheimen Vertrage, den England und die Pforte über die politische Neugestaltung Egyptens mit einander abgeschlossen haben sollen, einstweilen mit Mißtrauen entgegenzunehmen.
Die englischen Operationen im Osten des egyptischen Kriegsschauplatzes haben nach längerem Stillstand in diesen Tagen wieder begonnen. Nach einer Depesche des General Wolseley functioniren jetzt die Eisenbahnverbindungen gut, Geist und Gesundheit der Truppen sind ausgezeichnet und die Durchschnittszahl der Kranken ist wenig erheblich; alle Verwundeten befinden sich an Bord der Schiffe in ärztlicher Pflege. — In Alexandrien wird der Pöbel immer frecher; so nahm er die Leiche eines gehenkten Arabers vom Galgen, um sie einbalsamiren zu lassen und soll der Hingerichtete als Heuiger verehrt werden. ,
Von den Philippinen kommen immer bedenklichere Nachrichten über das Umsichgreifen der Cholera. In Manila, der Hauptstadt der Philippiner^ starben an einem Tage 176 Cholerakranke, in der Umgegend 168. HosientliH bleibt der unheimliche asiatische Gast den Grenzen Europas fern.
DeuisHland.
Darmstadt, 11. Septbr. Die Ankunft Ihrer König!. Höhnten des Prinzen und der Prinzefstn von Wales steht heute Nachmittag mit Extrazug 3 Uhr 30 Min. zu erwarten, während Se. Kömgl Hoheit der Großherzog und die Großh. Familie nebst den Prinz Holstemttchen Arrschaften bereits im Laufe des Vormittags Wolfsgarten verlassen und un Grotzh. Schloße Residenz' inen haben. Nachmittags 0 Uhr findet 'm Schlosse H-rrschafw- und Mar,challs- Tafel statt; Abends beabsichtigen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften der Vorstellung im Großh. Hoftheater beizuwohnen. . _
gietlin 10 Septbr. Die Anregungen, welche von Seiten der Staats- regierung zur Beförderung t>e§ beugen
recht fruchtbaren Boden gefallen zu sein.. Wie die „Berl. Polit. Nachr. erfahren laufen an amtlicher Stelle zahlreiche Anfragen em, m denen auswärtige Importeure den Wunsch zu erkennen geben, Adressen von zuverlässigen
Politische Ueberflcht.
< Gießen, 12. September.
.Der „Reichs- und Staats-Anzeiger" veröffentlicht einen Erlaß, in welchem der Kaiser für die zahlreichen Ergebenheits-Telegramme, die ihm anläßlich der Sedanfeier, sowie im Laufe des Sommers zugegangen sind, namentlich von Vereinen und Versammlungen, seine Anerkennung ausspricht.
Die preußischen Wahlangelegenheiten beginnen allmälig mehr als bisher in den Vordergrund des öffentlichen Interesses zu treten. Durch Erlaß vom 4. September hat Herr v. Puttkamer den Localbehörden Beschleunigung der Wahlvorbereitungen anempfohlen und neuerdings sogar telegraphisch diese Anweisung wiederholt. Namentlich aus letzterem Umstande kann man mit Bestimmtheit schließen, daß der Wahltermin nicht mehr fern ist, doch hat bisher die Angabe verschiedener Blätter, daß die Wahlmänner-Wahlen am 12. October unb die allgemeinen Wahlen am 19. October ftattfinben würden, amtlicherseits noch keine Bestätigung erfahren.
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kommen esiav Winentlich in Hinblick auf die Vorgänge in Triest eine gewisse Bedeutung nicht LE ubzusprechen ist. In allen Provinzen, welche der Kaiser berührt, werden groß- artige Vorbereitungen zu seinem Empfange getroffen und die verschiedenen igen Nationalitäten werden sicherlich in Beweisen ihrer Treue und Ergebenheit für befiWI neu Kaiser wetteifern. Ihren Höhepunkt und Abschluß wird die Kaiserreise in 11,1,1 Triest finden, wo das kaiserliche Paar in Begleitung des Kronprinzen und der
Äronprin&effin am 17. d. Mts. eintrifft. Jedenfalls wird der kaiserliche Besuch nb 'n öem großen Handels-Emporium Oesterreichs an der Adria mit dazu dienen, in der Triester Bevölkerung das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem Reiche iW gegenüber den Bestrebungen der Irredentisten aufis Neue zu stärken.
Ju der inneren französischen Politik herrscht noch immer voll- ^udige Ruhe und die französischen Blätter kommen daher aus Mangel an geeignetem Stoff immer wieder auf die Angelegenheit des deutschen Turnvereins ziilei
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