Kairo, 11. Mai. (Meldung des „Reuter'fchen Bureaus"). Der Ver kehr zwischen dem Khedive und den Ministern ist sogut wie aufgehoben. Letztere erkennen die Autorität des Khedive nicht mehr an und machen aus ihren Absichten kein Hehl mehr. Von der Demission der Minister Mahmud Pascha und Mustapha Pascha ist nicht niehr die Rede. Der Sultan telegraphirte an den Khedive, er billige dessen Verhalten und sagt, der Khedive habe Nichts zu fürchten, die Pforte werde unverzüglich im Einvernehmen mit den 'Mächten handeln. _________________________________________________
am 4. Juni statt.
Karlsruhe, 11. Mai. Sein« Königliche Hoheit der Grobherzog wird mo-gen, zum ersten Male seit seiner Erkrankung, auf einige Tage hierher zurückkehren und sich dann zu längerem Aufenthalte nach Badenweiler begeben.
Berlin» 11. Mai. Das Antwortschreiben des Kaisers auf die Glückwunsch-Adresse des Magistrats und der Stadtverordneten lautet: Der Magistrat und die Stadtverordneten haben der Theilnahine an der Geburt meines Urenkels sehr warmen Ausdruck verliehen, der mir im Vertrauen, daß ich darin die Gesinnung der treuen Bürgerschaft der Haupt- und Residenzstadt Berlin zu erkennen habe, besonders wohl that. Ich finde mich durch dieses Mitgefühl um so angenehmer berührt, als ich gerne bezeuge, daß jenes Familienereigniß in der That mein Herz mit ungewöhnlicher Freude und zugleich innigstem Dank gegen Gottes Gnade erfüllt, welcher mich den unmittelbaren Thronerben in vierter Generation hat erleben [affen. Möge des Himmels Huld die Hoffnungen, welche sich an die Zukunft des fürstlichen Kindes knüpfen, zum reichsten Segen für das gelammte Vaterland und demzufolge auch meines Hauses reifen lassen.
Bochum, 11. Mai. Heute früh 4 Uhr fand auf der Zeche „Pluto" bei Wanne eine Explosion schlagender Wetter statt, durch welche die ganze Nachtbelegschaft gefährdet ist. Bis 9 Uhr Vormittags sind laut der „Wests. Volks- Zeitung" 56 Todte an’6 Tageslicht geschafft; die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt.
Dortmund, 11. Mai. Nach der „Wests. Zig." sind von den in der Zeche „Pluto" Verunglückten bis 10 Uhr Vormittags 58 Todte und 40 Verwundete zu Tage gefördert worden.
Essen, 11. Mai. Ein authentischer Bericht der „Ess. Ztg." über das Unglück in der Grube Pluto jagt: Etwa die Hälfte der Verunglückten ist ver- heirathet. Verhältnißmäßig wenig sind verbrannt, die meisten find erstickt, well die Nachschwaden einen ausgedehnten Theil der Grubenbaue erfüllten. Die Wetterführung war eine ganz normale, so daß sämmtliche betroffenen Baue sofort nach der Explosion befahrbar und wetterfrei waren. Der Kohlenstaub scheint die Explofionswirkung verstärkt zu haben. Es gelang, eine Anzahl Bewußtloser in's Leben zurückzurusen. Der Ober-Berghauptman und mehrere Bergräthe find von Dortmund eingetroffen. — Nach anderen der „Ess. Ztg." vorliegenden Meldungen entstand die Explosion gestern, am 10. Mai, Abends gegen 9 Uhr, auf dem Schacht Thies im Flötze 8 auf der dritten Sohle. Bis heute Morgen sollen an 60 Todte und 40 mehr oder minder Verstümmelte heraufbefördert worden sein. Der Ober - Berghauptmann Prinz von Schönaich- Carolath mit mehreren Räthen des Ober-Bergamts Dortmund ist bereits in Wanne eingetroffen.
Lokale».
Gietzen, 12. Mai. [7. Sitzung der Handelskammer am 12. April 1882.] Anwesend die Herren Ed. Silbereisen, L. Georgi, S. Heichelheim, F C. B. Koch, A. Katz, A. Kraatz, H. Schirmer, St. Zinßer.
Der Vorsitzende theilt zunächst mit, daß Seitens des Stadtvorstandes eine Deputation, bestehend aus Herrn Bürgermeister Bramm und Herrn Stadtverordneten Hanstetn gewählt worden sei, um dem Mrnisterpräsidenlen v. L-tarck die hohe Bedeutung der Tabakindustrie für Gießen und die unserer Stadt in Folge des Tabakmonopols drohende Gefahr nochmals ans Herz zu legen. Der Antrag, Seitens der Kammer zu gleichem Zweck 2 Müglreder zu wählen, wird angenommen. Dl- Wahl fällt auf den Vorsitzenden und den Stellvertreter desselben.
Herr Georgi referirt über die aus dem letzten deutschen Handelstage von Bremen eingebrachten Anträge betr. den Einfluß der Eifenbahnverstaatlichung auf die Tarife. Der deutsche Handelstag hat darüber die Gutachten drr Handelskammer etngefordert. Der von Herrn Georgi und Herrn Katz vorgefchlagene Entwurf für ein Gutachten wird genehmigt und die R-bactton dem Secrctär Übertragen.
Ein von der Handelskammer München bei der Eifenbahntarifcommission eingebrachter tm Wesentlichen angenommener Antrag auf Abänderung der Tarifbcstim- mungen betr. die Verladung von Gütern in bedeckten oder unbedeckten Wagen wird zur Kenntniß genommen.
Die Kaiserliche Oberpostdirection in Darmstadt beantwortet eine Eingabe der Kammer betr. die Verlegung der Postagentur von Ermenrod nach Großfelda dahin, die Sache fei schon öfter erwogen worden, die Verhältnisse lägen aber nicht so, daß die gewünschte Veränderung vortheilhaft oder nothwendig erscheine.
Das Großherzogliche Steuercommissariat Gießen hat auf Ersuchen der Kammer eine genau- Liste der zur Wahl für die Handelskammer' berechtigten Firmen aufgestellt. Eine Commission wird zur Berichtigung der seitherigen Liste gewählt.
Seitens der Handelskammer Mainz wird ein Schreiben der Handelskammer Worms mitgetbetlt betr. eine von dieser Kammer vorgefchlagene auch von den meisten Kammern beanstandete Abänderung einer Bestimmung des Handelskammergesetzes. Herr Heichelheim wird zum Referent darüber ernannt.
Von der Eisenbahndirection Cöln, rechisrheinifch, geht die Nachricht ein, daß bet für die Eifenbahnconferenz am 3. April diesseits angemeldete Antrag zunächst dem Ausschuß zur Vorbereitung Überwiesen werden müsse. ,
Die Eisenbabudirection Hannover zeigt an, daß im nächsten Monate eine Eisen- bahnconferenz in Hannover stattfinden werde und ersucht um Anmeldung etwaiger Anträge für die Tagesordnung.
Die Kammer sieht von Stellung von Anträgen ab.
Das Betriebsamt Cassel theilt eine Eingabe des hiesigen Rollfuhrunternehmers Lyncker mit, betr. theilweise Erhöhung des Rollgeldes. Eine Commission wird zur Vorberathung der Frage ernannt.
— In vergangener Nacht wurde wieder einmal ein freiwilliger Laternenputzer abgesaßt, als er eine Laterne auslöschte und dabei sich alle Mühe gab, die Scheiben aus derselben herauszuziehen.
— Heute Morgen wurden zwei Familien, von denen man erwartete, daß sie zufolge des Unterstützungswohnsitzgefetzes später der Stadt zur Last fallen würden, polizeilich zur Stadt hinaus nach ihrem früheren Wohnorte gebracht.
— In letzter Zeit wurde am Wiefeckerweg wiederholt Wäsche, die über Nacht zum Trocknen in den Gärten hängen blieb, gestohlen. Einer der Dieb- wurde gestern ermittelt.
Nacht vorn 30. April auf den 1. Mai beginnen schreckliche Details tn die Oeffentlichkeit zu bringen. Arn 30. April kam es gegen Abend zwischen trunkenen Kazapen, die ihre Branntwein-Zeche schuldig bleiben wollten und dem jüdischen von mehreren Glaubensgenossen unterstützten Schänken-Jnhaber zu Thät- lichkeiten Der Lärm lockte eine große Zahl von Juden aus ihren Häusern tn die Gassen und Straßen des Städtchens. Plötzlich verbreitete sich der Ruf:
Die Christen werden von Juden mißhandelt." Mit Blitzesschnelle und in fttaefter Zeit erhielten die bedrängten Kazapen einen Sueeurs, der die Angegriffenen sofort zu Angreifern machte. Die Juden, die fogar von Schießwaffen Gebrauch machten, setzten sich Anfangs mit Erfolg zur Wehr; als jedoch plötzlich mit Heugabeln, Sensen, Kartoffelkrampen, Holzhacken und anderen tmpro- vifirten Waffen ausgerüstete Schaaren von Bauern von allen Seiten auf sie eindrangen, zogen sie sich in ihre Häuser zurück. Da begann der Angriff auf letztere, deren es in Gombin im Ganzen etwa 27 gemauerte und 130 von Holz angefertigte giebt, ober richtiger gefügt, gab, benn heute ist bas Stäbtchen nichts als ein Schutthaufen. Die Verwüstungen, bie nun folgten, währten 14 Stunden. Die Polizei war währenb biefer Zeit unsichtbar. — General Skobeleff ist vollstänbig genesen unb wirb biefer Tage nach Minsk reifen, um bas Com- manbo über bas ihm anvertraute Armee-Corps zu übernehmen.
Afrika.
Kairo, 10. Mai. Das Ministerium hat unter Verletzung des organischen Gesetzes die Notabelnkammer über den Kopf des Khedive hinweg etnberufcn, angeblich um die bestehenden Streitfragen zu beseitigen, während die Absetzung des Khedive zu Gunsten einer Regierung unter Arabi Bey virtuell als vollendet angesehen werden kann, falls nicht eine sofortige Intervention der Konsuln eintritt. Deutschland, Oesterreich und Italien haben ihren Vertretern die positiven Instructionen erthetlt, sich ,eber Intervention zu enthalten. Die Minister haben den Generalkonsuln die formellen Zusicherungen gegeben, daß das Leben und das Eigenthum der Europäer keine Gefahr liefen, daß sie aber im Falle einer Intervention der Türket entschlossen seien, das Land zu verlhe-dtgen. Die Minister haben ferner den Konsuln die Versicherung abgegeben, daß die Person des Khedive respectirt werden würde. Der Khedive hat heute Abend dem Correspondenten des „Reuter'schen Bureaus" gegenüber geäußert, er ser entschlossen, sich um jeden Preis den Forderungen des Ministeriunis entgegenzusetzen und rechne hierbei auf die materiell- Unterstützung Frankreichs und Englands, zumal er gestern ein Dekret unterzeichnet habe, welches dem von den Repräsentanten dieser Mächte übereinstimmend ertheilten Rathe entspreche. Bis jetzt herrscht überall Ruhe. Das Ministerium hat den Khedive durch Vermittelung eines Unterbeamten davon verständigt, daß die Notablenkammer einberufen worden fei.
Amerika.
New. York, 10. Mai. Der Director ber Gesellschaft für bie Aus- roanberung ber Juben in New-York würbe von zahlreichen russischen Flüchtlingen in heftiger Weise thätlich angegriffen, weil er sich weigerte, ihre übertriebenen Forberungeu um Unterstützungen zu erfüllen. 8 Personen würben verhaftet.
Telegraphische Depeschen.
Wotsf's tclegr. Corresponbenz-B«reau.
Berlin, 11. Mat. Abgeordnetenhaus. Berathnng der vom Herrenhaufe abgeänderten Vorlage über den Lauenburgifchen Communalverband. Regterungs-Com- mlffat Haase empfiehlt die Annahme der Herrenhausbefchlüsse. Berling und Langer- Hans sprechen sich gegen dieselben aus, Hüne erklärt Namens der Mehrzahl der Mitglieder des Centrums deren Zustimmung zu der veränderten Vorlage. Rauchhaupt erklärt sich gleichfalls dafür. Bei der namentlichen Abstimmung über Art. 1 stimmen 139 für, 72 gegen denselben. Das Hans ist also nicht beschlußsähig. Die Berathnng wird daher abgebrochen. Der Präsident gibt die übliche Geschäftsüberstcht und schließt sodann die Sitzung mit einem dreifachen Hoch aus den Kaiser. — Der Landtag wurde sodann tn einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser durch den Viceprastdenten des Staatsministeriums v. Puttkammer mittelst Verlesung einer königlichen Botschaft geschlossen. Der Minister mottvirte den bezüglichen Entschluß der Regierung damit, daß das Verwendungsgesetz im Abgeordnetenhaus- die gewünschte eingehende Berathnng nicht gesunden habe und daß bie Regierung daher auch von der Wetterberathung der übrigen Vorlagen sich keinen Ersolg versprochen habe.
— Wie mehrere Abendblätter melden, ist das päpstliche Breve, betr. die Ernennung Drodes zum Bischof von Paderborn, dort eingcti offen und findet die Inthronisation
Vermischtes.
Frankfurt, 8. Mat. Zwischen Frankfurt und Mailand wird mittelst bet Gottharbbahn mit Beginn des Sommerfahrplans am 1. Juni eine besonders rasch! Verbindung ™ Mamz Neustadt geschaffen. Der betreffende Ludwigsbahnzug verlast Franksurt (W-Nbahnbot) um 11 Uhr 20 Min Vormittags, trefft Abends 7 Uhr lii Bafel unb schon am nächsten Morgen 8 Uhr 6 Min. in Mailand ein. Für die Fahri in umgekehrter Richtung ist geiche Raschheit geboten unb sind hierzu circa 22 Stunden ersmderttch g ^ai. (Die orientalische Frage vor Gericht.) Heute Morgen floate ein Agent gegen zwei Metzger, denen er bei einem Kauf und Verkauf eines großen M-tzg. rgefchäftes behilflich gewesen fein wollte, dte Prootsionen von 100 Jä unb 50 ein Der Vorsitzende trug den Kläger, wie er feine Forderung zu motiviren gedenke. Ich habe dem Emen gesagt", antwortete er, „daß der Andere ein Geschäft zu verkause» bebe." Man machte ihn darauf aufmerksam, daß er doch gar nichts zu Stande gebracht hätte Er begegnete dieser Ansicht mit der Behauptung: „Die diplomatische« Agenten und sonstigen ehrlichen Makler haben in der orientalischen Frage auch nichts >u Stand- gebracht unb sinb doch nicht um ihre Provision gekommen, ergo habe ich ebenfalls eine berechtigte Forderung, welche ich zu bestätigen bitte." Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er irgend einen Verkauf vermittelt habe, antwortete der Kläger: Versteht sich, ich habe den Verkauf eines 56 M. werthen Ladentisches zu Stande gebracht." Hierlür dünkte dem Gericht eine Provision von 150 M doch zu Diel unb ber Kläger wurde mit feiner Klage kostenfällig adgewiefen. „Das ist ja ber reinste Be- trual" äußerte der Verurthetlte. .Nach einem alten Sprüchwort dürfen Sie vier ur.dzwanzig Stunden über ein Urthetl schimpfen", antwortete der Vorsitzende, „indej ersuche ich Sie in ihrem eigenen Interesse von diesem Rechte mir gegenüber reinen Gebrauch zu machen." Knurrend unb mit der Drohung, Beschwerde einzulegen, ent lernte sich der Diplomat. , ,, . ..
Hanau, 10. Mai. Nächsten Sonntag feiern in unserem Wilhelmsbad du Logen zu Bonn, Koblenz, Kassel, Köln, Darmstadt, Düsseldorf, Franksurta. Bi, Friedberg, Gi-ßen, Marburg, Wetzlar und Hanau ihr diesjähriges Frühlingsfest unter Leitung der Hanauer Loge Braunfels. Außer den Angehörigen bey Benannten Loge« werden noch zahlreiche Freimaurer aus Deutschland und dem Aus and- dem pest! anwobnen, welches gleichzeitig eine Säcularseier des für die freisinnige Eifttvickeliiiii der Maurerei so wichtigen WUhümsbaber Kongresses vom Jahre.178«(bem auch bet von allem Sekiengeiste freie 1783 gegründete eclectische Bund s-mc Entstehung verdankt) sein wird. Das Fest, dem am Vorabend eine gesellige Bereinigung in der halle" vorausgehen wird, beginnt in Wilhelmsbad um 9 Uhr Morgens miteinem Frühconcert von der Reglmentskapelle; um 10'/r Uhr beginnt die eigentlid) nteb mau -rische Fe-er im Theaterbau, an die sich um 2 Uhr eine nach maurertschem Riri! abzuhaltene F.sttasel in fämmtlichen Räumen des Kurhauses anschlteßt. Nach Beende gung derselben findet, diesmal unter Betheiligung der Familien, wiederum Concerti» Barke statt Es find Vorkehrungen getroffen, daß an diesem Tage alle an statt-« Wilhelmsdad vorüberkommenden Züge anhalten; außerdem ist auf der Station blrectei £'Ie8r“fma'ins"ft6"Xid,:Sei den Aushebungsarbeiten der Pfeiler der ehemalige« römischen Brücke werden gegenwärtig eine große Anzahl grüner unb rother behauener, großer Sandnetne, von denen einige mit 3nfiriftcn bebqit sind, zu Tage gefordert ctJ?nS mzg-r-L über diese Funde haben wir bis 1-tzt noch Nicht erfahren. — Gestern Nachmittag Hai sich bei den Tunnelarbeiten der Umführungsbahn wieder ein Unglücks'»! ereignet, der den sofortigen Tod des Betroffenen zur Folge hatte. Em Tunnelarbeiter aus Württemberg wollt- wä-rend ber Fahrt eines mit Grund beladenen Eisenbahn- zugcs im Tunnel aus einen d-r Puffer eines kleinen Transportwagens springen U°i rascher aus dem Tunn-l herauszukommen. Der Arbeiter sprang aber ML so daß bit Näder des letzten Wagens dem Unglücklichcn über den Hinterkopf und die Beine gingen, in Folae dessen ber Mann sofort tobt »ar. — Der Rhein ist in ben letzten Tag!« ganz -norm gewachsen Heute Mittag zeigte ber Pegel Meter 1,21; l-iber scheint dieser für bie Schifffahrt so günstige Wafserstand nicht anhalten zu wollen, benn nach einer


