«>*. 8L. Erstes Blatt Donnerstag den 13. April 1882.
c8l Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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9WH4H»: Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Msntags.
Preis vierteMhrlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Deutschland.
Darmstadt, H. April. Durch Entschließungen Großherzogl. Äiiniste- riums des Innern und der Justiz vom 5. April l. I. wurden die Gerichtsschreiberaspiranten: Peter Malzahn zu Höchst zum Hülfsgerichtsschreiber bei Großherzoglichem Amtsgerichte Darmstadt II, Johann Georg Gölz zu Alsfeld zum Hülfsgerichtsschreiber bei Großherzoglichem Amtsgerichte Lorsch, Karl Beith m Langen zum Hülfsgerichtsschreiber bei Großherzoglichem Amtsgerichte Gießen — bestellt.
Schwerin, 10. April. Die Erbgroßherzogin ist gestern Abend in Palermo von einem Prinzen entbunden worden.
Hesterreich.
Wien, 9. April. Der „Montagsrevue" zufolge hat der Ministerpräsident, Graf Taaffe, gemessene Weisung ertheilt, Versammlungen mit ausgesprochen antisemitischer Tendenz überhaupt nicht zu gestatten; die Polizeiorgane sollen angewiesen werden, Versammlungen, in welchen derartige Bestrebungen auch nur nebenher auftreten, fofort aufzulösen. Die Regierung halte sich für verpflichtet, einen jeden Staatsbürger ohne Rücksicht auf seine politische oder konfessionelle Anschauung in allen feinen Rechten zu schützen.
Wien, 10. April. Der Feldzeugmeister Philippovic in Wien ist auf fein Ansuchen als komniandirender General nach Prag versetzt worden. Zum kommandirenden General in Wien wurde Feldzeugmeister Bauer in Hermannstadt und zum Präsidenten des Militärgerichts Feldmarschall-Lieutenant Döpfner ernannt.
Triest, 10. April. Der Lloyddampfer „Ceres" ist heute Morgen 7 Ähr mit der ostindischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.
England.
London, 10. April. Der Deputirte Parnell ist nur auf eine Woche rind gegen die Verpflichtung auf Ehrenwort, sich nach dieser Zeit wieder zu stellen, aus der Haft entlassen morden, um seiner in Paris wohnenden Schwester, deren Kind gestorben ist, einen Besuch abstatten zu können.
Dublin, 10. April. Der irische Deputirte Parnell, welcher am 13. Oktober v. I. verhaftet und in Kilmainham gefangen gehalten wurde, ist heilte früh in Freiheit gesetzt worden und sofort nach England abgereist.
Ilußland.
Petersburg, 8. April. Wie der „Golos" erführt, fei die gestern erfolgte Truppensendung von Odessa, Bender und Ricolajem nach der Stadt und dem Kreise Ananjeff in Folge von Exzessen geschehen, welche in Ananjeff und in einigen Ortschaften des Ananjeff'fchen Kreises vorgekommen. An dem Markttage am Sonntag, den 2. April, hätten Bauern in der 25 Werst von Ananjeff entfernten Ortschaft Walegozulowo die dortigen jüdischen Buden und Häuser überfallen. Rach Unterdrückung der Exzesse habe sich ergeben, daß 30 Buden und über 80 Häuser jüdischer Besitzer demolirt worden.
Petersburg, 9. April. Das „Journal de St. Petersbourg" veröffentlicht ein kaiserliches Reskript an den Reichskanzler, Fürsten Gortschakosf, durch welches derselbe auf seinen Wunsch aus Gesundheitsrücksichten und wegen seines hohen Alters von der Leitung des auswärtigen Amtes unter Beibehaltung des Titels Reichskanzler entbunden und gleichzeitig der Staatssekretär v. Giers zum Minister des Auswärtigen ernannt wird.
— Der „Regierungsanzeiger" konstatirt gegenüber anderweitigen Behauptungen, daß außer itn Ananjeff'schen Kreise auch in einem Distrikte Volhyniens Streitigkeiten zwischen Juden und Christen und Beschädigungen jüdischen Eigen- thums vorgekommen seien. Im ersteren Bezirke seien 14, in dem letzteren über 30 Ruhestörer verhaftet und Maßregeln gegen eine Wiederholung der Unruhen ergriffen worden. Alle anderweitigen Gerüchte seien unbegründet. Der „Regierungsanzeiger" sagt, er werde nicht verfehlen, alle wirklichen Vorgänge dieser Art bekannt zu geben.
—- Der Ukas, durch welchen Fürst Gortschakoff von der Leitung des auswärtigen Amtes entbunden wird, enthält am Schluffe die Worte: „Mit aufrichtiger Achtung Ihr dankbarer Alexander." Fürst Gortfchakoff behält außer dem Titel des Reichskanzlers auch die Würde eines Mitgliedes des Reichsrathes.
Moskau, 8. April. Der „Moskauer Zeitung" zufolge beabsichtigt das Knegsnnnisterium, sofort nach Schluß der diesjährigen Lagerzeit 37,500 Mann zu beurlauben.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.
. Berlin, 11. April. Der Kaiser nahm heute die gewöhnlichen Vorträge entgegen, arbeitete später mit dein General v. Albedyll und unternahm um U/r Uhr eine gemein- some Spazierfahrt mit der Kaiserin. Nach der Rückkehr refertrte der Kaiser mit dem "Uterstaatssecretär Dr. Bnsch. Abends findet im Kaiserlichen Palais eine kleine Thee- geseuschaft statt. — Graf Hatzfeld ist heute Mittag hielher zurückgekehrt.
-„Der „Reichsanzeiger" publicirt das Etatsgesetz, die Ernennung Delacroix r’i^’al^rector am Kultusministerium und Zastrow's zum Ministerialdirecior im4T:r ler’um des Innern, außerdem eine Bekanntmachung des Finanzministers, wo- nacy für die Monate Juni, Juli, August und September die Monatsraten sämmtlicher Kranensteuerstufen, die fünf untersten Stufen der klassificirten Einkommensteuer, außerdem für den nächsten Mat die Monatsrate der sechs untersten Klasscnsteuerstufen unerhoben bleiben.
— Die „Nordd. Allg. Ztg " veröffentlicht ein Dankschreiben des Fürsten Bismarck aus Fried, ichsruhe vom 6. ds.: Das Wohlwollen, welches mir aus Anlaß meines Gebuitstags von vielen Seiten bezeugt worden ist, hat mich von Herzen ge- fceut. Die verminderte Schreibkraft und die große Zahl der Glückwünsche machen mir es zu meinem Bedauern unmöglich, jeden derselben, wie ich gern möchte, zu beantworten. Ich bitte deßhalb Alle, welche meiner so freundlich gedacht haben, den Ausdruck der Dankbarkeit m diesen Zeilen freundlich entgegenzunehmen.
— Einer Mittheilung im nichtamtlichen Theile des „Reichsanzeigers" zufolge, verbleibt die Direction der ersten Abtheiiung sür Unterrichtswesen im Cultusministerium (höheres Unterrichtswesen, Kunst) in den Händen des Ministertaldirectors Greiff, die Direktion der zweiten Abtheiiung (niederes Schulwesen, -Seminare) erhielt Delacroix.
— Sämmtliche Zeitungen erblicken in der Ernennung v. Giers zum Auswärtigen Minister Rußlands ein Friedenssymptom und schreiben, daß Jgnatiew's Ernennung eine Kriegserklärung gewesen wäre. Die „Norddeutsche" schreibt hierüber;: „Mil Gortschakoff's Theilnahme an den Verhandlungen des Berliner Congresses erreichte die amtliche Thätigkeit dieses Staatsmannes in der Hauptsache ihr Ende. Sein Nachfolger in der auswärtigen Politik Rußlands. Herr v Giers, genießt in der öffentlichen Meinung Europas begründetes Ansehen als aufrichtiger Anhänger des Völkerfriedens und Förderer der ffeundschaftlichen Beziehungen des russischen Reiches zu dessen mächtigen Grenznachbarn." Die „Kreuzzeitung" schreibt: „Herr v. Giers tft nicht blos bei unserem Cabinet, sondern ebenfalls bei dem österreichisch-ungarischen persona gratissima und die Fortdauer oder Erhöhung seines Einflusses wird nur der friedlichen Wendung zu statten kommen, welche von der russischen Regierung in letzter Zeit durch alle ihre Handlungen bezeugt worden und durch welche die panslavistische Agitation in neuerer Zeit aut allen Seiten zurückgewiesen worden ist. Ob aber die russische Regierung auch die Kraft haben wird, ihren Willen thatsächlich auf die Dauer zur Geltung zu bringen, das muß erst die Zukunft lehren; die Beruhigung kann jedenfalls erst eine vollständige sein, wenn in die höchsten Sphären der russischen Gesellschaft Harmonie zurückkehre.
Karlsruhe, 11. April. Rach dem heilte veröffentlichten Bericht ist das Besinden des Großherzogs andauernd befriedigend. Die günstige Witterung erinöglicht täglich ein mehrstündiges Verweilen in freier Suft, deren wohl- thütiger Einfluß auf den Großherzog unverkennbar ist.
Wien, 11. April. Die „Wiener Abendpoft" fchreibt in ihrem Tagesbericht: die Ernennung des Staatssekretärs v. Giers zum Minister des Auswärtigen wird von der hiesigen, wie auch von einem großen Theile der auswärtigen Presse als ein willkonnnenes Symptom der auf die Erhaltling und B festigung des Friedens gerichteten Politik des rufsischen Hofes mit Befriedigung begrüßt.
Pest, 11. April. Die Witterungsverhältniffe in Ungarn sind unverändert, Schneefälle und kalter Regen wechseln ab. Die Getreidesaaten haben bisher nirgends Schaden gelitten, nur Obst und theilweise die Weintrauben haben gelitten.
Zara, 11. April. In dem Gebirge der Biela-Gora entdeckten die Truppen eine große Höhle mit drei Ausgängen, in welcher die Insurgenten der Crivoscie und der Herzegowina schon im letzten Sommer große Vorräthe von Munition und Proviant aufspeicherten. Mit der Besetzung von Biela-Gora ist den Aufständischen in der Crivoscie ihr Stützpunkt entrissen und dürfte damit das Erlöschen des Aufstandes in der Herzegowina beschleunigt werden.
Petersburg, 11. April. Anläßlich des in der Besetzung des Ministeriums des Auswärtigen eingetretenen Personenwechsels sagt das „Journal de St. Petersbourg", die Ernennung des neuen Ministers werde keine Veränderung in Rußlands auswärtiger Politik herbeiführen, auch werde kein anderes Circular- fchreiben an Rußlands diplomatische Vertreter im Auslande erlassen werden, als dasjenige, welches den Personenwechsel anzeige. Die Politik der gegenwärtigen Regierung sei klar präzisirt in dem nach der Thronbesteigung des Kaisers am 16. März 1881 erlassenen Circularschreiben, welches die Unterschrift des Ministers Giers trage, noch heute in Kraft sei und, wie Alles hoffen lasse, noch lange das Programm der Negierung bleiben werde. Das Journal citirt die wesentlichsten Stellen dieses Cirkularschreibens, in welchem u. A. gesagt sei, „die Politik des Kaisers werde vor Allem gewidmet sein den inneren Arbeiten, welche der Fortschritt des bürgerlichen Lebens und die wirthschaftlichen uno sozialen Interessen erheischten, die heute den Hauptgegenstand der Sorge aller Negierungen bildeten. Rußlands auswärtige Politik werde eine wirklich friedliche fein, Rußland werde treu bleiben feinen Freundschaften, feinen traditionellen Sympathien. Indem Rußland sich die Stellung wahre, welche ihm im Konzerte der Mächte gebühre und indem es über die Erhaltung des politischen Gleichgewichts wache, soweit seine eigenen Interessen davon berührt würden, halte es sich für solidarisch für den allgemeinen Frieden, der auf der Achtung des Rechts und der Verträge beruhe." Schließlich weist das Jourual darauf hin, dsß die auswärtigen Angelegenheiten Rußlands während des letzten Dreivierteljahrhunderts nur von zwei Ministern des Auswärtigen, dem Grafen Resselrode und dein Fürsten Gortschakoff, geleitet worden seien, und erblickt darin einen Beweis für die Stabilität in der auswärtigen Politik des Reiches und ein sicheres Unter» pfänd für die Zukunft. , . m „
Kairo, 11. April. Wie es heißt, i|t hier eme Verschwörung gegen das Leben Arabi Bey's entdeckt worden. Zahlreiche tscherkefiijche Offiziere lind verhaftet worden. In der Stadt herrscht große Erregung. __________
Lokales.
fötefeen 12 Avril. sSterblichkeit in Gießens In unserer Stadt ereigneten sich w« der Woche °°m 2. bis 8 April im Ganzen 13 Todesfälle. Hiervon kamen 7 auf Kinder, 6 auf Erwachsene. Von den ersteren starben 2 wenige ^age nach der Geburt in Folge allgemeiner Schwache, em ha biahriges Kind an Bronch'enent- zünduna Von 4 weiteren Kindern tm Alter von 2 bis 6 Jahren erlag eins dem Scharlach eins der Diphtherie, eins einer Nierenentzündung, eins einer Gehirnentzündung. 'Bet den verstorbenen Erwachsenen wurde Brightische Krankheit zweimal


