Ausgabe 
12.11.1882 Erstes Blatt
 
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srr. 26S. Erstes Blatt. Sonntag den 12. November 1882.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Durcar»: Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierreljahrsich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.

Betreffend: Das Einhalten der Tauben zur Saatzeit.

In Berücksichtigung der seitherigen schlechten Witterung wird der in unserer Bekanntmachung vom 3. v. Mts. bestimmte Termin, innerhalb welchen! die Tauben in den Schlägen eingesperrt zu halten sind, bis zum 30. November l. I. verlängert.

Gießen, den 10. November 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

CMtmbene Gegenstände:

1 Perpendickel, 1 Taschentuch, etwas Wolle, 1 Knaben-Filzhut, 1 Armband, 1 Strumpf, 1 Mütze, 1 Glacehandschuh, 1 Pincenez, 1 Brille, 1 Taschenmesser, mehrere Schlüssel.

Gießen, am 11. November 1882. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius. __

An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Die auf Martinitag d. Js. fälligen Domanialgelder, als:

1. Landsiedel-Lebens- und Zeitpächte der Oberförstereien Gießen, Schiffenberg und Treis a. Lda.

2. Holz- und Grummetgrasgelder der Oberförsterei Schiffenberg.

3. Beiträge zu den Forstdienerbesoldungen

sind bis zum 25 d. Mts. bei Meldung der Mahnung anher zu bezahlen.

Sie wollen hiervon Ihren Gemeindeangehörigen in geeigneter Weise Kenntniß geben.

Gießen, den 10. November 1882. Großherzogliches Rentamt Gießen.

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Deutschland.

Berlin, 8. November. Wie derBerl. Actionär" hört, werden auf den preuß. Staatsbahnen in den nächsten Wochen bis zum Schlutz dieses Jahres nickt weniger als 153 Locomottven und 4000 Waggons aus Neubeschaffuug in Dienst gestellt werden, nachdem von den neubeorderten Mafch.nen und Fahrzeugen bereits erhebliche Posten zur Ablieferung gelangt, aufeirbtm aber auch von französischen Verwaltungen Wagen in beträchtlicher Anzahl auf längere Zett angeliehen sind. Außerdem sind Anordnungen getroffen, welche die schleunigste Rückbeförderung der leeren Wagen in die Verfrachtungs­bezirke durch besondere Leerzüge zum Zwecke Haden, und eigene Controlbeamte damit beauftragt, den Wagenumlauf auf den Strecken zu beaufsichtigen und durch sofortiges Einsckreiten zu fördern, sofern sich irgend welche Unzuträglichkeiten zeigen möchten. Es steht zu erwarten, daß durch die sich auch in dielen Maßnahmen anssprechende Für- forge der Staatseifenbahn-Verwaltung der sich m t der Verkehrssteigerung in der Herbst­zeit wiederum einstellende Wagenmangel bewältigt, wenigstens auf das möglichst ge­ringe Maß vermindert werden wird. Erschöpft sind die Betriebsmaterial-Beschaffungen der Staatsbahn-Verwaltung indeß mit den erwähnten Indienststellungen noch keines­wegs; die Indienststellungen finden vielmehr nur ihre Grenze in der Leistungsfähigkeit unserer Industrie, die natürlich den Bedarf nicht von heute zu morgen zu decken ver­mag, vielmehr zur Ausführung der Aufträge geraumer und oft längerer Zeit bedarf, als der Staatseifenbahn-Verwaltung lieb ist.

Mehrere Blätter haben mitgetheilt, der Reichskanzler habe beim Bundesrath den Erlaß eines Verbots der E nfuhr amerikanischen Schweinefleisches beantragt. Wie wir erfahren, ist dem Bundesrath eine solche Vorlage noch nicht zugegangen und jene Nach­richt zum Mindesten verfrüht. DerKreuzzeilung" wird geschrieben, es sei eine solche Verordnung allerdings in Vorbereitung; sie setzt hinzu:Die Seitens des Reichs- Gesundheitsamtes angestelltcn bezüglichen Untersuchungen haben ergeben, daß die Ein­fuhr amerikanischen Schweinefleisches m den verschiedensten Formen nicht geringe Ge­fahren mit fick bringt. Es ist festgesttllt, daß in Amerika unter den Schweinen eine verheerende Pest, die Hockcholera, herrscht, dcr jährlich Tausende dieser Thiere zum Opfer fallen. Die Besitzer derselben scheuten sich aber trotzdem nicht, die gefallenen Thiere auszunutzen. So wird aus ihnen ein Schmeer gekocht, von dem 2 Sorten in den Handel kommen, em schwarzer und ein hellfarbiger, der letztere soll dem Vernehmen nach auch nach Deutschland eingeführt werden."

Berlin, 10. Novbr. An der Danziger Börse wurde folgendes Tele­gramm aus Mlawa mitgetheilt: Das Zollamt Mlawa erhielt soeben eine telegraphische Verfügung, wonach bis zur definitiven Regelung der Zollangelegen­heit vorläufig Zeugnisse auf ausgeführte Säcke zuzustellen sind. Die Aufhebung des Sackzolls wird nicht erwähnt, doch wird eine baldige Aufhebung oder doch eine bedeutende Milderung der Zollbestimmung erwartet. (Fr. Ztg.)

Hamburg, 11. Novbr. Der Bericht der gemischten Commission über den Zollanschluß verbleibt bei der Errichtung des Zollkanals unter beschränkter Benutzung des Projektes 6 a. Nur der östliche Theil der Kehrwieder- und die Wandrahm-Jnsel wird dem Freihafen einverleibt. Brook und Kehrwieder kommt in die Zollstadt; die Grasbrookfähre wird durch eine feste Elbbrücke ersetzt. Die Gesammtkosten betragen 108 Millionen gegen 123 Millionen des ersten Projektes. (Fr. Ztg.)

Aesicrreich.

Wien, 9. Novbr. Nach 10 Uhr Abends fand in dem Bezirke Mariahilf eine Ansammlung von einigen hundert Arbeitern statt, welche durch Militär- Abtheilungen versprengt wurden, wobei 16 Personen verhaftet wurden. Um 11 Uhr rückte das Militär wieder in die Kasernen ab.

Arankreich.

Marseille, 10. Novbr. Wie bereits gemeldet, beläuft sich die Zahl der Todten bei dem Unfall auf der ost-algerischen Bahn aus 14, welche gestern feierlich beerdigt worden. Die Eisenstange, auf welche der Zug gestoßen, war nachlässiger Weise von dem Geleise durch die Arbeiter weazunehmen vergessen worden. (Siehe 2. Blatt.)

Amerika.

New'Nork, 9. Novbr. Die weiteren Berichte über die Resultate der Wahlen bestätigen, daß die demokratische Partei in der neuen Repräsentanten­kammer um etwa 50 Deputirte stärker sein werde als die republikanische. Auch in Arizona haben die Demokraten gesiegt.

Telegraphische Demschm.

Wolffs telegr. Eorrefpondenz-Brrreau»

Baden-Baden, 10. Novbr. Ihre Maj. die Kaiserin empfing heute Nachmittag einen Besuch des Großherzogs und des Erbgroßherzogs von Baden.

Ohlau, 10. Novbr. Se. Maj. der Kaiser und die königlichen Prinzen kehrten mit der Jagdgesellschaft um 5 Uhr Nachmittags in die Stadt zurück, welche festlich erleuchtet war. Die Jagd wurde um die Mittagsstunde durch ein Unwetter mit Hagelschauer unterbrochen und daher in ihrem Resultate beein­trächtigt. Se. Maj. der Kaiser schoß mehrere Fasanen.

London, 10. November. Bei dem gestern in Guildhall stattgehabten Lordmayor-Banket hielt Gladstone eine Ansprache, in welcher er die Abnahme der Agrar-Verbrechen in Irland constatirte. Die Zahl derselben sei von 531 auf 111 im Monat zurückgegangen. Der Redner ist der Ansicht, daß die gegenwärtigen Einrichtungen in Irland nicht mehr gefährdet seien. Wenn das irische Volk auf dem Wege der Legalität fortschreite, werde' es die Abstellung aller feuer Beschwerden von dem englischen Parlament erlangen. Schließlich beglückwünschte der Redner die Armee zu ihren Erfolgen in Egppten.

Wie aus Newry in Irland gemeldet wird, soll ein katholischer Priester Namens Mac Gurk von Belleck (Grafschaft Armagh) heute früh ermordet worden sein.

Lokale-.

Gießen, 11. November. In der gestern Abend im Cafö Ebel abgehaltenen General-Versammlung desVereins für Krankenpflege" wurden in den Ausschuß des Vereins die nachfolgenden Herren gewählt:

Professor Dr. Birnbaum, Rechtsanwalt Dr. Curtmann, Professor Dr. Gareis, Bankier S. Heichelheim, Bankvorstand v. Jungenfeld, Kaufmann Aron Katz, Jnstltutsvorsteher Dr. Kübel, Gerbermeister L Lotz, pens. Unteradjutant Singer. . r x t

Dus erste Concert des Concertvereins (91. Veremsiahr) wird, wie wir aus guter Quelle hören, Sonntag den 19. November stattfinden und zwar wird die Ouvertüreßur Weihe des Hauses" von Beethoven wohl im Hinbl ck auf die neu bergerichteten Räume des Gesellfchastsverems und Volkmann's D-woII-Symvhonie für großes Orchester zur Aufführung kommen. Als Solisten treten auf: Die Pianistin Frl. Adele Boltz und der Violoncello: Herr L. Noebe, beide aus Homburg, und die Concertsängertn Frl- Dy na Beumer aus Brüssel, eine der bedeutendsten Coloratursängerinnen unserer Zeit-

Vermischtes

Mainz, 8. November. In dem sog. Wäldchen bet Gonsenheim wurde gestern Nackmittag von Landleuten ein junger Mann aufgefunden, welcher sich mit einer Pistole, die er noch in der Hand trug, und welche, wie es sich spater ergab, mit kleinen Steinen geladen war, eine schwere tödtliche Verletzung an der rechten Sette des Kopfes beigebracht hatte. Der junge Mann ein Commis aus Gera wurde in das hiesige Hospital gebracht.

Gestern Abend wurde auf dem Wege von Bodenheim nach Ballenheim ein Raubanfall verübt Zwei Handwerksbmschen, die sich in Bodenheim kennen gelernt hatten, wollten sich gestern gemeinschaftlich zu Fuß nach Mainz begeben- In der Nähe von Laubenheim erhob plötzlich der eine der Burschen seinen schweren mit Eisen be­schlagenen Stock und versetzte damit seinem jüngeren Collegen einen furchtbaren Hieb über den Kopf; der junge Mann stürzte zusammen, rief aber noch um Hilfe, während der andere Bursche so lange darauf losschlug, bis der Unglückliche besinnungslos liegen blieb. Ein in der Nähe ftationtrter Bahnwärter hatte aber den Hilferuf gehört und eilte herbei, dabei sah er aber noch, wie der andere Bursche mit dem Felleisen des ohn-