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verschiedene Verwaltungszweige an das reichsländische Oberpräsidimn. Bei Gründung der Straßburger Universität leistete er dem Herrn von Roggenbach ehedem badlschen Minister höchst eriprießliche Dienste und trat mit Beginn des Wintersemester 1872/73 als außerordentlicher Professor für französisches Civilrecht in die rechts- und staats- wtssensckaftliche Fakultät der neubegründeten Hochschule ein. Vor nicht langer Zeit wurde Althoff zum ordentlichen Professor befördert und neuerdings durch den Statt- dalter in den Staatsrath von Elsaß-Lothringen berufen. Die Universität verliert in dem Genannten einen allgemein beliebten Lehrer, die reichsländische Verwaltung einen ihrer freimüthigsten und kenntntßreichsten Rathgeber. Das preußische Cultusministerium aber gewinnt in dem nunmehrigen Geheimen Regierungsrath Dr. Althoff einen ebenso begabten, als in allen Verhältnissen seines Ressorts gründlich unterrichteten Decernenten, einen wirklich liberalen Gelehrten, dem wir im Interesse der gesunden Fortentwickelung der preußischen Hochschulen eine längere Wirksamkeit wünschen, als sie seinem leider so früh verstorbenen hochverdienten Vorgänger beschteden war.

Während der Minister für Landwirthschaft, Dr. Lucius, einen allgemeinen Notbstand der Landwirthe für Preußen in Abrede stellt, Pachten und Gutspreise wieder im Steigen begriffen sind, und die heurige Ernte, namentlich in den Ostseeprovinzen, sich als eine sehr reichliche erwiesen hat, tritt der Vorstand der Agrarterpartei mit einem Wahlprogramm vor die Oeffentlichkeit, in welchem die Klagen über den ungünstigen Stand der Landwirthschaft mit allem Nachdruck wiederholt werden. In dem Akten­stücke heißt es:Zunehmende Verschuldung bei abnehmender Rentabilität und ab­nehmender Werth "des Grund und Bodens, das ist die ernste, unhaltbare Lage der deutschen Landwirthschaft. Durch eine einseitige geldkapitalistische Gesetzgebung ist die­selbe verursacht und nur durch eine agrarische Umänderung der Gesetzgebung kann dem Nebel abgeholfen werden. Nachdem dies geschehen, wird ein genügender Schutzzoll an Stelle des jetzt beliebten Scheinschutzzolles, eine gerechte Besteuerung an die Stelle gelbherrschaftlicher Steuerfreiheiten, em verhältnißmäßig niedriger nationaler Zinsfuß an Stelle des jetzt künstlich erhöhten, sog. landesüblichen treten. Hauptsächlich ist der Bauernstand derjenige Stand, welcher vermöge seiner Kopfzahl noch mit Aussicht auf Erfolg gegen den völkerwandernden Geldkapttalisrnus aufkommen kann. Deßhalb ersuchen wir bet der unhaltbaren, gefährlichen Lage der wirthschaftlichen Zustände die Parteimitglieder, sowie die Gesinnungsgenossen dringend, daß Vertreter agrarischer Interessen den Vertretern des internationalen Geldsackes thatkräfttg Abbruch thun."

In der Stadt Braunschweig herrscht gegenwärtig eine Trichinenepidemie, welche unter den Einwohnern eine um so größere Aufregung hervorruft, als erst vor einiger Zeit dort eine Anzahl Trichinenerkrankungen vorgekommen sind. Die jetzige Erkrankung hat eine so große Ausdehnung, daß nach Angabe desBraunfchw. Tgbl." em einziger dortiger Arzt 30 an Trichinose erkrankte Personen zu behandeln hatte. Im Ganzen seien bis Donnerstag etwa 50 Fälle konstatirt und ein weiterer Zuwachs werde für sehr wahrscheinlich gehalten. Im Interesse des Publikums und der schuldlos von dem allgemeinen Mißtrauen betroffenen Schlächter wird eine strenge Untersuchung verlangt, ob die amtlich vorgeschrtebene Untersuchung auch wirklich statifinde.

Berlin, 9. Octbr. Ohne über die Einzelheiten der von den englischen Staatsmännern bezüglich Egyptens in's Auge gefaßten Politik näher informirt zu sein, glauben wir, so schreiben dieBerl. Polit. Nachr.", vor Widerspruch sicher behaupten zu dürfen, daß die immer stärker zu Englands Gunsten hervor­tretende Sympathie der öffentlichen Meinung bewußt oder unbewußt von dem Gedanken getragen wird, daß England am Nil nicht nur als der berufenste Vertreter seines specifischen Sonder-Interesses, sondern namentlich auch des euro­päischen Gesammt-Jnteresses erscheint. Wohl den wirksamsten Vorschub leistet dieser Id een-Association die kaum noch bezweifelte Thatsache, daß England für seine egyptischen Zukunstsobjecte der Billigung sicher ist, was natürlich nicht ausschließt, daß deren Feststellung im Einzelnen unter der in irgend einer Form beizuziehenden Mitwirkung Europas erfolge. Wenn überhaupt in den Kreisen der deutschen Politiker jemals Anwandlungen von Mißtrauen gegen die letzten Ziele der egyptischen Politik Großbritanniens existent gewesen sein sollten, so sind sie doch mit dem Augenblick in Nichts zerronnen, wo.man sich Gewißheit darüber verschafft hatte, daß England weder gewillt, noch in der Lage sei,ein egyptisches Definitivum ohne oder gar gegen die Wünsche Europas herbeizu­führen." Gladstone und Granville haben sehr richtig erkannt, daß sie am weite­sten kommen, indem sie ihre eigene Sache mit jener Europas identificiren und so aller Welt die Ueberzeugung beibringen, daß jeder Vortheil, den England in Egypten einheimst, zugleich ein Gewinn für die Gesammtheit sei. Etwaigen Vorurtheilen gegen die britische Präponderenz am Nile ist so der Boden schon im Voraus entzogen und logische Consequenz führt dahin, dissentirende Mächte, wie Frankreich und die Türkei, blos deshalb in's Unrecht zu versetzen, weil sie nicht ohne Weiteres sich bereit finden lassen, auf eine Schmälerung ihrer bisher am Nile innegehabten bevorrechteten Position zu Nutz und Frommen Englands zu verzichten.

Wie man hört, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten genehmigt, daß gemäß § 11 der Betriebsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands, nach welchem ein Uebergehen auf Plätze einer höhern Wagenklasse nur gegen Zukauf eines Billets gestattet ist, durch dessen Preis einschließlich des Preises für das bereits gelöste Billet der Fahrpreis mindestens gedeckt ist, für die Folge ein Uebergehen in eine höhere Wagenklasse auch für beliebige, zwischen der Abgangs­und Ankunfts-Station des ursprünglich gelösten Billets belegene Theilstrecken gegen Zukauf eines den Preisunterschied deckenden Billets für die betr. Theil- sirecke zulässig sein soll.

Am 5. Juli d. Js, stellten rheinische Anhänger unserer Goldwährung gegen die bimetallistische Agitation in Köln eine Erklärung fest. Die Erklärung lautet in ihrem Wortlaut:

Landwirthschaft und Industrie, Gewerbe uno Handel, wie auch alle auf Gehalt und Lohn angewiesenen Personen würden durch eine Aende- rung unserer Währung, die sich nach jeder Richtung hin vollkommen bewährt hat, nicht nur keine reellen Vortheile empfangen, sondern empfindlichen Schädigungen ausgesetzt sein. Da nun die fortgesetzten Versuche kleiner, zum Theil interessirter Kreise auf Einführung der Doppelwährung, die namentlich den Staaten der ehemaligen lateinischen Münz-Convention auf Unkosten Deutschlands Nutzen brächte, eine Be­unruhigung in der Geschäftswelt zu erzeugen begonnen haben, unter welcher bei weiterer Steigerung der Ungewißheit Production und Handel empfindlich leiden müßten, so erscheint es dringend wünschenswerth, daß die Regierung unzweiselhaft erkennen lasse, sie beharre endgültig aus dem Standpunkte, den ihre Vertreter aus der letzten Pariser Münz- Convention eingenommen haben, und sie sei entschlossen, die Goldwäh­rung ohne Ueberstürzung, aber völlig durchzusühren. Die voraussicht­lich unvermeidlichen Verluste bei den Silberverkäufen wiegen gering im Verhältniß zu den Schäden, welche die fortdauernde Ungewißheit über unsere Münz- und Währungs-Verhältnisse für Industrie und Land- wirthschast nicht minder, als für Handel und Gewerbe nach sich ziehen müßte.

Zu dieser Erklärung werden jetzt an 300 Unterschriften aus industriellen und kausmännischen Kreisen der rheinischen Städte veröffentlicht. Die bedeutendsten 9tamen und Firmen des Rheinlandes sind darunter, wie überhaupt nur bekannte

und durchweg bedeutende kaufmännische und industrielle Unternehmer unter­schrieben haben.

Die württembergische Regierung bringt schon jetzt wohl mit Rücksicht auf die Berathungen, welche die dortigen Verkehrsanstalten unter Vorsitz des Ministers v. Mittnacht in der Briefmarken-Angelegenheit gestern beginnen sollten, das genaue Ergcbniß der vorjährigen, aus der Post- und Telegraphenverwaltung erzielten Einnahmen zur Mittheilung und stellt, daran anknüpfend, eine Berech­nung darüber auf, was die eigene durch das Reservatrecht ermöglichte Verwal­tung finanziell voraus hat vor der Reichspostverwaltung. Das Ergebniß ist in Kürze folgendes: der Einnahmeüberschuß beträgt im Vorjahre 1881/82 rund 1,472,000 Jt., von 670,000 «M. mehr als im Vorjahre 1880/81, was haupt­sächlich von der seit April 1881 eingeführten Portopflicht für Dienstsachen rc., sowie von einigen Tarifänderungen herrührt. Dafür hat Württemberg, well es an den Reichspost-Einnahmen Theil nimmt, 729,000 «M. in Gestalt des Matrikularbeitrags als Entschädigung zu bezahlen.

Köln, 9. Octbr. tzBimetallisten-Congreß in Köln). Am 12. October versammeln sich die Vorstandsmitglieder des Deutschen Vereins für internationale Doppelwährung. Zu dieser Versammlung haben sie auch auswärtige Bime­tallisten eingeladen und werden neben den vertraulichen Berathungen unter sich auch einen öffentlichen Vortrag und ein Festessen abhalten. Das Ganze nennen sie bimetallistischen Congreß. Nach dem jämmerlichen Fiasko, welches die Pariser Conserenz eingestandenermaßen gemacht hat, ist die Kölner Zusammenkunft, wie sie eine rein private ist und jeder Autorität entbehrt, auch für weitere Kreise bedeutungslos. Bei den kapitalkräftigen Verbindungen aber, welcher die Bime­tallisten sich rühmen dürfen, ist zu erwarten, daß es ihnen gelingen wird, die officiösen Telegraphen-Agenturen, wie diese nun einmal geartet sind, sehr weit­läufig zu beschäftigen, um durch pomphafte Telegramme nach Außen die Bedeu­tung und die Erfolge des Congresses möglichst groß erscheinen zu lassen. Man wird den Bimetallisten nach dem verhängnißvollen Ausgang der Pariser Con­serenz nicht verargen, wenn sie Alles aufbieten, um weitere Beweise ihres Daseins zu geben. Nach diesem Zwecke aber, den sie verfolgen, wird man die bimetallistischen Telegramme und Berichte über die Kölner Zusammenkunft auch zu beurtheilen haben und jedenfalls gut thun, die Berichte anderer Blätter zur Vergleichung heranzuziehen. (W.-C.)

Hamburg, 9. Octbr. Wie aus St. Johns von heute gemeldet wird, ist der Hamburg-Amerikanische PostdampferHerder" bei Cap Race unterge­gangen; die Mannschaft und die Passagiere wurden gerettet.

England.

London. Die irische Justiz geht langsam, aber sicher. Die Bemühungen der Dubliner Polizei, Licht über die Phönixpark-Morde zu verbreiten, sind, wie aus Dub lin gemeldet wird, nicht ganz erfolglos geblieben. So sind in einer Vorstadt Dublins die Waffen, mit denen Lord Fr. Cavendish und Mr. Bourke ermordet wurden, auf- gefunden worden. Es sind Messer nut kleinen Heften, aber 9 Zoll langen und 3/4 Zoll breiten Klingen, augenscheinlich englischen Fabrikats. Es befinden sich Blutspuren an denselben. In Verbindung mit dieser Entdeckung sind in Gemäßheit des Gesetzes zur Verhütung von Verbrechen mehrere Verhaftungen vorgenommen worden. Die Polizei glaubt jetzt, baß mindestens 10 Personen -in dem Doppelmorde betheiligt gewesen, von denen die meisten Irländer sind. Die Polizei hat auch Grund für die Annahme, daß die Mörder noch in Irland sind und leicht gefaßt werden könnten, wenn sich einer derselben durch die ausgesetzte hohe Belohnung verleiten ließe, den Angeber zu spielen- Ohne die Hülfe eines solchen glaubt die Polizei nicht im Stande zu fein, die Mörder, die ihr nicht ganz unbekannt sind, zur Verantwortung zu ziehen. Daß die Zustande in Irland trotz der strengen Handhabung des neuen Gesetzes zur Verhütung von Ver- brechm noch viel zu wünschen übrig lassen, beweisen nicht allein die letzten zwei Agrarmorde, sondern auch der in be.Dubliner Gazette" veröffentlichte Ausweis über bie im September zur Kenntniß der Polizei gebrachten Agrarverbrechen. Deren An­zahl stellt sich auf 130, worunter sich zwei Morde, 3 Mordversuche, 16 Brandstiftungen, sowie 70 Fälle von Einschüchterungen durch Drohbriefe u. s. w. befinden.

Rußland.

Aus Petersburg wird der amtlichenWiener Ztg." und denBerl. Polit. Nachr." übereinstimmend geschrieben, daß die Krönung definitiv auf den Monat Mai 1883 verlegt sei. Sie werde übrigens, meldet ersteres Blatt, mit aller Pracht stattftnden und einige Monate vorher durch ein Manifest ange­kündigt werden.

' Die russische Flotte verfügt gegenwärtig über mehr als 100 Minenkutter, doch entspricht die Mehrzahl den Anforderungen nicht, die heute an diese Fahr­zeuge gestellt werden. Sie sind meist in Uebereilung hergestellt und entwickeln z. B. meist nur eine Geschwindigkeit von etwa 14V2 Knoten, während die modernen Kutter 18 und mehr Knoten pro Stunde zurücklegen können. Vor Kurzem hat die russische Regierung, wie dieSt. Petersb. Ztg." hört, in Eng­land durch den russischen Marine-Agenten Viceadmiral Lichatschew vier neue Minenkutter bestellt, welche allen Anforderungen gerecht werden sollen. Sie sind alle für das Schwarze Meer bestimmt und werden etwa 100,000 Rubel pro Stück kosten.

Aegypten.

Kairo, 9. Octbr. Durch die gegen die Theilnehmer an der Rebellion eingeleitete Untersuchung soll fick herausgestellt haben, daß dieselben fortdauernd Beziehungen zu dem Sultan unterhielten, selbst zu der Zeit, als die Proklama­tion gegen Arabi erlaffen wurde.

Die Untersuchungs - Commission unter dem Vorsitze Ismail Pascha's und Ejub's war heute mit der Vernehmung von Zeugen beschäftigt, das Er­gebniß der Vernehmung war indeß von sehr geringem Belang. Gandeel, der während der am 11. Juni er. gegen die Europäer begangenen Gewaltthaten den Posten als Stadtpräfekt bekleidete, stellte auf das Bestimmteste in Abrede, Stöcke unter die Araber vertheilt zu haben. Auch in Tantah ist eine Untersuchungs-Commission eingesetzt, die Verhandlungen erfolgen aber unter Ausschluß der Oeffentlichkeit.

Nach Tel-el-Kebir ist behufs Instandsetzung der Gräber der gefallenen Soldaten eine Truppenabtheilung abgegangen.

Amerika.

New-Aork, 9. Octbr. Der Schiffbruch des Hamburg-Amerikanischen PostdampfersHerder" erfolgte heute früh 2 Uhr während starken Nebels. Die Passagiere und Mannschaften, sowie die Poststücke werden durch einen beson­deren Dampfer nach St. Johns gebracht und der Fürsorge des dortigen deut­schen Consuls anvertraut werden, von der übrigen Ladung des Schiffes fürchtet man, daß sie total verloren sei.