Ausgabe 
12.3.1882 Erstes Blatt
 
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tracht zu ziehen, roontit sich die Regierung einverstanden erklärte. Die Auf­hebung des ConcordatS unterliegt demnach keinem Zweifel mehr.

Hebet den Empfang, der dem nach Petersburg heimgekehrten Bramarbas Skobelefs beim Kaiser zu Theil geworden ist, laufen die wider­sprechendsten Gerüchte um. Rach einer Version soll Alexander III. Skobeleff ohne Beisein eines Dritten, nach einer andern in Gegenwart des Grafen Jgna- tieff und des Großfürsten Wladimir empfangen haben. Auch habe der Czar dem General nurväterliche Vorwürfe" gemacht, um den in der Armee und im Reiche beliebten General, dessen Dienste der Czar ebenfalls dankbar anerkenne, zu schonen. Schließlich verläuft noch die ganze Skobeleff'sche Affaire im Sande und das wäre gerade kein großer Schaden.

Aus den nordafrikanischen Besitzungen der Franzosen kommen beunruhigende Nachrichten. An der algerisch-marokkanischen Grenze hat ein Zusammenstoß zwischen französischen und niarokkanischen Truppen stattgefunden und in Tunesien, in der Nähe von Kairouan, tauchen starke räuberische Banden auf. Einer dieser Banden sind wahrscheinlich auch die neun Europäer in die Hände gefallen, welche, wie eine Depesche aus Tunis ineldet, zwischen Tunis und Kairouan ermordet worden.

m. Darmstadt, 10. März. sZweiie Kammer der Stände. 19. Sitzung.s Ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet die zweite Lesung des Etats der Landesuniversttäl. Abg. Rackö beantragt heute, die von ihm das vorig- Mai beanstandeten Posten, welche der Regierung aus Antrag des Abg. Dittmar zur Er­wägung bezüglich ihrer demnächsttgen Streichung empiohlen wurden, definitiv zu streichen, dies umsomehr, als er und verschiedene seiner Kollegen hiervon ihre Ab­stimmung bet der technischen Hochschule abhängig machen würden. Abg. Muhl besür- wortet insbesondere Erhaltung des musikalischen Instituts und Hanstein tritt gegen den beantragten Strich von 200 M. an dem Gehalt des Gartengehülfen aus. Die Abstimmung ergibt Annahme sammtlicher Positionen, einschließlich der im Antrag Dittmar enthaltenen, mit Ausnahme des Postens ,R it-Jnstiiut", wofür 2058 JL vorgesehen sind, deren Bewilligung gegen 19 Stimmen abgelehnt wird. Zur zweiten Lesung des Etats der technischen Hochschule beantragen die Abgg. Schröder, Schade, Psannstiel, Schmalbach, Weyrauch, Möllinger, Hanstein, Seubert, Stephan, Grünewald und Mathäi: Die Kammer wolle die Grotzh. Regierung e,suchest, die technische Hochschule bei Fortdauer der ber maltgen geringen Frequenz mit Ablauf der Finanzperiode 1882-85 aufzuheben. Eine Debaite findet nicht mehr statt Bezüglich der Geldbewilligung werden die Beschlüsse erster Lesung gegen 8 Stimmen wiederholt In namentlicher Abstimmung wird sodann das bei der ersten Lesung mit 28 gegen 20 Stimmen abgelehnte Ersuchen Mit 25 gegen 22 Stimmen angenommen. Für dasselbe stimmen die Abgg. Betz, Eli en berg er, Grünewald, Hanstein, v. Jungenfeld, Mathäi, Möhn, Möllinger. Psannstiel, v. Rabenau, Racks, Schade, Schmalbach, Schönberger, Schröder, Seubert, Stephan, Ströbel, Sturmfels, Wasserburg, v. Wedekind, W-ith, Weyrauch, Muhl und Präsident Kugler. Von diesen hatten bei der ersten Lesung gegen das Ersuchen gestimmt: Betz, v. Jungenfeld, Rackö, Wasserburg und v. Wedekind. Hierauf erstattet der Abg. Schröder mündlichen Bericht über die Proposition der Regierung auf Einstellung von 25,500 M. in das außerordentliche Budget für die kommende Finanzperiode zur Herstellung von Arbeiten zum Schutze gegen die in der Gemarkung Dienheim stattfindenden Erd­rutschungen. Der Ausschuß beantragt Verwilligung und tritt diesem Antrag, nachdem die Sache für dringlich erklärt worden, die Kammer einstimmig bei. Die Vorlage der Regierung wegen Ankaufs von Gelände zur Erwetterung der Gemüse­gärten der Landes-Irrenanstalt zu Heppenheim wird ohne Debatte zugestimmt, ebenso einem Antrag des Abg. Dittmar aus Errichtung einer Beschälstation in Butzbach. Der Gesetzentwurf, die Hinterlegung von Depositen, Cautionen und Privatkapitalien bei der Hauvtstaatskasse betreffend, wird ohne Debatte unverändert angenommen und ein Antrag des Abg. Wolz. die Abgabe von Waldstreu betreffend, wird für erledigt erklärt. Den Rest der Tagesordnung bilden Petitionen. Präsident Kugler theilt hierauf mit, daß die Zeit bis zum 1. April zu kurz bemessen erscheine, um bis dahin das Budg.t fertig stellen zu können, daß deßhalb eine Prorogation des Ftnanzgefetzes nöthig werde und eine diesbezügliche Vorlage noch heute einlangen werde, worüber morgen mündlich berichtet und im Falle der Dringlichkeitserklärung sofort beratben werden solle.

Nächste Sitzung morgen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telcgr. Correspondenz-Burcau.

Berlin, 10. März. Der permanente Ausschuß des Volkswirthschafts- rathes nahm die §§ 3236 der Monopolvorlage mit geringen Aenderungen an. Zu den Strafbestimmungen 3757) wurde allgemein möglichste Milde

anempfohlen, die Uebergangs-Bestinmiungen (§§ 5767) wurden wesentlich nach der Regierungsvorlage genehniigt.

Die Reichsbank hat den Diskont für Wechsel auf 4, und den Lom- bardzinsfuß auf 5 pCt. herabgesetzt.

Lübeck, 10. März. Nach einer Mittheilung derEisenb.-Ztg." hat der Senat die wegen Beleidigung des Kammerraths Berling gegen den Landrath v. Bennigsen-Förder und gegen den Redacteur derNord. Presse", Nutenberg, erkannten Gefängnißstrafen im Gnadenwege aus 1500 JL Geldstrafe für den Landrath v. Bennigsen und auf 500 M. Geldstrafe für den Redacteur Ruten­berg ermäßigt.

Wien, 10. Märzi Der Erzherzog Eugen erlitt während seines heutigen Spazierrittes im Prater einen Sturz mit dem Pferde, wobei er unter das Pferd zu liegen kam. Der Erzherzog, der sofort unter dem Pferde hervorgeholt und nach dein Palais gebracht wurde, klagt hauptsächlich über heftige Schinerzen am Kopfe.

Wien, 10. März. Nach einer Mittheilung derPolit. Korresp." hat der Kaiser dem Großfürsten Wladimix und dessen Gemahlin für deren bevorstehende Reise nach Palermo ein Absteigequartier in der Hofburg ange­boten, auch Anordnung getroffen, daß der noch leidenden Großfürstin die zur Krankenbeförderung am Besten geeigneten Hofwaggons bis zur russischen Grenze entgegengesendet werden und auch auf den italienischen Bahnlinien zur Verfügung der Großfürstin bleiben.

Das hiesige russische Konsulat ist heute officiell eröffnet worden.

Einer Meldung derNeuen Freien Presse" aus Risano zufolge sind gestern die militärischen Operationen von Ublt aus fortgesetzt worden. Die Truppen gewannen rasch die Orte Zvecana,, Unirina, Cerkviee, den Geliw berg und die Bela Greda, Ledenice superiore und den 4000 Fuß hohen Berg Beli, welcher die den Paß Hun einschließenden Höhen beherrscht, von wo aus man nach der Ebene von Dragalj debouchiren kann. Die Auf­ständischen weichen auf allen Punkten gegen Dragalj und die montenegrinische Grenze zurück.

Windsor, 10. März. Mac Lean ist unter der Anklage auf Hochver- rath vor die Assisen verwiesen worden.

Rom, 10 März. Der ehemalige SÖlinifter Lanza ist gestorben.

Konstantinopel, 10. März. Der russische DampferMoskwa", mit 1000 Mann Soldaten und Munition an Bord, für Sibirien bestimmt, war ohne Ermächtigung in den Bosporus eingelaufen. Die Pforte hat deshalb eine Note an den russischen Botschafter v. Novikoff gerichtet und darin gegen die vorgekommene Unregelmäßigkeit protestirt, zugleich aber die Ermächtigung zur Weiterfahrt des Dampfers ertheilt.

Wien, 10. März, Aöeuvs. DiePolitische Korrespondenz" tritt den unwahren Behauptungen eines Theils der englischen und russischen Presse, wonach die österreichischen Truppen in Dalmatien und der Herzegowina Grau- amkeiten verübt haben sollen, sehr energisch entgegen, bezeichnet diese Bericht­erstattung als eine gewissenlose und sagt: Sorgfältigen Erhebungen zufolge ist an allen, unfern braven Truppen angedichteten Schändlichkeiten kein wahres Wort. Die Kommandanten machen den Truppen stets ein humanes Ver­halten zur Pflicht und finden bei der erfreulichen Manneszucht und der guten Erziehung der Truppen ein williges Gehör. Es ist authentisch, daß Beamte und Officiere in der Herzegowina das der Insurrektion folgende Elend privatim zu lindern bemüht sind, die Bevölkerung der insurgirten Landstriche nimmt voll Vertrauen den Schutz der Truppen an, deren musterhafte Ord­nung sie dankbar anerkennt. Am beschämendsten für die gewissenlosen Er­finder ist die Kundgebung mehrerer herzegowinischer Jusurgentenchefs selbst, worin dieselben feststellen, daß die Truppen weder Gefangene tobten noch Leichen verstümmeln und den gleichen Vorgang auch bei den Insurgenten einbürgern möchten. Ebenso sind alle Angaben über sonstige angebliche Aus­schreitungen der Truppen eine bewußte und unwürdige Lüge. Die unpar­teiische Berichterstattung zollt vielmehr der durchaus menschlichen Kriegführung der Truppen gegen oic notorisch grausamen Empörer uneingeschränkte Be­wunderung.

Lokale».

Gießen, 11. März. Einer unserer jüngeren Justizbeamten blieb gestern Mittag aus einem Spaziergang mit seinem Töchterchen von ca. 8 Jahre , aus der Schoor hinter der Kaserne stehen, um die Turnübungen des Mllstärs zu beobachten, ais auf einmal jämmerliches Geschrei ihn belehrte, daß sein Kind die höh-Böschung hinab ins Wasser gefallen war. Einem in der Nähe sichenden Herrn gelang es, daffclbe dem nafsen Element zu entreißen.

Der Firma Heylig enstädt & Co. wurde auf der Ausstellung zu Port­alegre für ihre dortfelbst ausgestellten Werkzeugmaschinen die goldene Medaille als erster Preis zuerkannt. Wir begrüßen die so sehr rührige Firma, zu dieser, sie sowohl, als auch unsere Stadt ehre den Anerkennung.

sPreis-Concurrenz.j Kein dauernder Erfolg ohne rastlose Mühe die Wahrheit dieses Wortes wird vortrefflich illustrirt durch die Thatsache, daß deutsche Modejournale, französischen den Vorrang adlaufend, als Herolde der Frühjahrssaison zuerst auf dem Platze erscheinen, um zu verkünden, was in den verschwiegenen Ateliers von Paris, Berlin und Wien an Nouveautös ersonnen und durch Künsilerhand ins Leben gerufen wurde. Was specicll die Mode im Damenputzfache betrifft, so bringt das aneitannt beste Blati dieses G-nre's di-Jllustrirtc Cofffüre" (mit der soeben ausgegebenen Nr. 7 das Saisonquartal beginnend! Dank vorzüglicher Verbindungen mehrere Wochen vor anderen Journalen die hautes nouveaut6s dersaison zur Anschauung. Dieses von der Redaktion der weltbekannten DamenzeitungBazar" herausgegeben- Fach- jouinal ist außerdem besonders deßhalb begehrt, weil es die reichste Auswahl von Modellhüten für Damen und Kinder, Hauben und Cravatten auf colorirten Tafeln in chicvoller Darstellung von Künstlcihand bietet und im Uebrigtn sowohl durch Schwarz- druck-Bilder als durch belehrende Modeberichte allen Wünschen der Abonnenten bestens begegnet. Vom 1. April an werden diesem Journale während des Jahres 1882 9 Blatt = 18 Tafeln mit ca. 100 Stickereimustern in Farbendruck gratis beigelegt, worauf wir besonders aufmerksam machen.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.

Aufgebote.

März. 5. Schneider Andreas Jakob Kloß mit Katharine Helene Ochs, Tochter des Gelbgießers Anton Ochs von Vilbel. 6. Zimmermann Johannes Nürnberger von Reiskirchen mit Clara Henrich Tochter des Taglöhners Conrad Henrich von Lang- Göns. 6. Schuhmacher Georg Conrad Bmder von Hungen mit Anna Elise Schäfer, Tochter des Ackermanns Philipp Schäfer II. von Oppenrod. 8. Bn'eaugehülfe Christian Emil Petri von Gießen mit Phisippine Katharine Emmerich, Tochter des pens. Försters Johann Heinrich Emmerich von Tiefenbach. 9. Glaser Heinrich Karl Christian Fillmann mit Margarethe Louise Wiedmeyer, Tochter des Schneidermeistets Heinrich Wiedmeyer von Gießen.

Eheschließungen.

März. 5. Schreiner Louis Löb von Herborn mit Katharine Bohn, geborene Nachtigall, Wsttwe des Bremsers Carl Julius Bohn von Beuern 10. Schlosser Adolf August Karl Christian Ludwig Goß von Gießen mit Elisabeth Monk, Tochter des Taglöhners Hartmann Mank II. von Rosberg. 10. Schreiner Johannes Ludwig Bernhard von Rixfeld mit Katharine Bonarius, Tochter des verstorbenen Glafermeisters Balthaser Bonarius, Fillmann's Sohn, von Groß-Bufeck. 10. Tapezier Paul Her­mann Friese von Cainnrin mit Henriette Katharine Elisabeth Hoß, Tochter des ver­storbenen Bahnwärters Ludwig Heinrich Hoß von Burg. 10. Dreher Ernst Adolf Theodor Moos von Rodenroth mit Karoline Schnecko von Gießen. 10. Schlosser Daniel Kleinke von Babbin mit Elisabeth Werte, Tochter des verstorbenen Schreiner- Johannes Merle von Gladenbach. 10. Schriftsetzer August Heinrich Julius Hollan» von Altenau mit Margarethe Nicolay, Tochter des verstorbenen Weißbinders Wilhelrt Nicolay von Gießen.

Geborene. ~ ,

Februar. 28. Dem Schneider Georg Löb eine Tochter. 28. Ein Sohn von au5= wäits, Martin Heinrich 28. Eine Tochter von auswärts, Marte. Marz. L Den Gerichtsvollzieher Carl Bühner ein Sohn, Wilhelm. 1. Erne Tochter von auswärts. Elife. 1. Ein Sohn von auswärts, Carl. 2. Dem Weißbinder Balthaser Rauem

Sohn, Karl Konrad 2. Dem Kaufmann Heinemann Marx eine Tochter. 3. Dem

Hauptmann im 2 Großh. Hess. Jnf.-Reg. Nr. 116 Carl Cullmann ein Sohn. 3. Dem Heizer bei der Oberhessischen Bahn Heinrich Kolb em Sohn, Ludwig. 3. Dem

Maurer Andreas Stoll eine Tochter, Marie Auguste Adolfine Emilie. 4. De«

Bremser Heinrich Felde ein Sohn, Karl August. 4. Dem Locomostvführer Peter Gernand eine Tochter. 7. Dem Obersteiger Jacob Muth ein Sohn, Hermann Joseph. 7. Dem Güterarbeiter Heinrich Christ eine Tochter, Marie Wilhelmine Philippine Johannette. 8 Dem Lederhändler Karl Keil ein Sohn. 9. Dem Schreiner Heinrich Pimz ein Sohn 10. Dem Bremser Johannes Gilbert ein Sohn, Karl.

Gestorbene.

Den 4. März. Wilhelmine Noll, geb. Wahl, 56 Jahre alt, Wittwe des Gast- - wirths Louis Noll. 4. Pedell Philipp Vowinkel, 62 Jahre alt. 4. Taglöhner Ludwig Brück II., 41 Jahre alt, von Rödgen. 5. Georgette Eleonore Christine Josepha Dort, geb. Wolf, 67 Jahre alt, Ehesrau des Schuhmachermeisters Johann Jacob Dörr. 5. Karoline Sophie Schneider, geb. Magel. 23 Jahre alt, Ehefrau des Spenglers Jo­hannes Schneider. 5. Kellner Christian Rühl, 26 Jahre alt, von Geinsheim. 6. Ar­beiter Gotthilf Walther, 40 Jahre alt, von Wetzlar. 7. Dem Obersteiger Jacob Muth ein todtgeborener Sohn. 7. Korbmacher Balthaser Braun, 73 Jahre alt. 7. Her­mann Joseph, 8 Stunden alt, Sohn des Obersteigers Jacob Muth. 7. Rosalie Ida Josephine, 1 Jahr alt, Tochter des Architekten August Hug. 8. Ein Sohn von aus­wärts, Martin Heinrich, 9 Tage alt 10. Katharine Schaffstädt, geb. Oertel, 70 Jahre alt, Wittwe des Metallgießers Heinrich Schaffstädt.