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DerReichs-Anz." publicirt eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, wonach die Eröffnung des Landtages morgen Mittag um 12 Uhr stattfindet.

München, 10. Januar. Die Kammer der Abgeordneten berieth heute über die Anträge Lerzer's (klerikal) auf Minderung der Militär-Ausgaben und auf spätere Anberaumung der Zeit für die jährliche Hauptübung der bayerischen Truppen. Zu ersterem Anträge lag ein Modifications-Antrag Frankenberger's auf Einschaltung der Wortesoweit dies ohne Schädigung der Reichswehrkraft und der Schlagfertigkeit des Heeres geschehen kann" vor. Rach längerer De­batte wurde der Antrag Frankenberger's abgelehnt und wurden die Anträge Lerzer's angenommen. Der Kriegsminister hatte erklärt, auch die Regierung wünsche eine Herabminderung der Militärlast, müsse aber ihre Verpflichtung gegen das Reich getreulich erfüllen und dieses lege nicht ohne Grund Opfer auf. Auch in Betreff der Zeit für die Hauptübungen des Militärs sei Bayern an eine übereinstimmende Handhabung gehalten.

Pari-, 10. Januar. Senat. Der Alterspräsident Gauthier eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er sagte, daß eine Revision der Verfassung des Landes unnöthig werde, da die Senatswahlen am Sonntag eine Vermehrung der republikanischen Majorität ergeben hätten, die geneigt wäre, alle dem Lande nützlichen Reformen zu bewMgen. Der Redner erinnerte an bie Aeußerungen Gambetta's in Lahors gegen einen beschleunigten Zufam- mentritt der Kammern und sagte, daß die Wahrheit dieser Worte auch heute noch gelte. Der Senat vertagte sich darauf bis Sonnabend.

In der Deputirtenkammer wurde Brisson zum Präsidenten wiedergewählt; die Wahl der Vicepräsidenten wird am Donnerstag stattfinden.

London, 10. Januar. In einer Höhle in der Nähe von Kork wur­den von der Polizei 30 Snidergewehre, 800 scharfe Patronen und 300 Dynamit­patronen entdeckt. Das conservative Mitglied des Unterhauses, Hölker, ist zum Lord-Richter des Appellhofs ernannt worden.

Kork, 10. Januar. Der am 29. v. Mts. verhaftete, unter dem Namen Kapitän Moonlight bekannte Connell hat Geständnisse gemacht; in Folge deren wurde gestern in Millstreet eine aus 12 Personen bestehende Bande verhaftet, welche die in jüngster Zeit in der Umgegend ausgeführten gewaltthätigen Hand­lungen verübt haben soll.

New-Aork, 10. Januar. In den Hauptstädten der Vereinigten Staaten breitet sich die Pocken-Epidemie in beunruhigender Weise aus.

Lokales.

Gießen, 11. Januar. ^Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der während der Woche vom 1.7. Januar in hiesiger Stadt vorgekommenen Todesfälle belief sich im Ganzen auf 7. Es wurden betroffen 2 Kinder und 5 erwachsene Personen Von den letzteren starben 2 an Schlagfluß des Gehirns, eine an Lungenentzündung, eine an Lungenschwindsucht, eine an Leberentartung. Die Kinder, unter welchen ein von aus­wärts hierher gebrachtes sich befand, hatten be de das 5. Lebensjahr noch nicht erreicht und erlagen der Diphtherie. G.

Gießen, 11. Januar. Der Laternenstürmer, welcher in der Neujahrsnacht verschiedene Laternen in der LudwigssNaß: zertrümmerte, wurde gestern ermittelt und zur Anzeige gebracht.

Gestern wurde dahier ein Mann (Taglöhner) wegen Vergehens^gegm den 8 173 des R -St.-G. verhaftet.

B e r m i f 4 t H.

Januar war das Einhetzen der Zimmer nicht mehr erforderlich; 1659 gab es keinen Schnee und Frost, 1617, f619, 1607 keinen Winter, lo88, 1582 waren d'e Bäume tm grün, 1538 standen im Dezember und Januar die Gärten im Blüthenschmuck 1241 blühten die Baume im März und im Mai gab es reife Kirschen 1289 gab feinen Winter und zu Weihnachten schon Veilchen, 1712 warm im Winter die Bäume neu belaubt

~ I" Berlin verzehrten während der Festtage viele Familien Geflügel, welches drei Wochen vorher den Sand der Ebenen von Illinois oder Kansas auf­gescharrt hatte. In vorigem Jahre wurden nämlich, wie dieVolks Zeitung" erzählt im Westen Amerikas Prairie-Hühner in so großer Zahl geschossen, daß vnle Amerikaner ihren Freunden m Deutschland aus der reichen Jagdbeute ein Festgeschenk machten. Die im Westen geschossenen Hühner kämm 24 oder 30 Stunden nach dem Schuß in New-York an, wurden dann ungerupft und ungesäubert in den großen Eisschrank eines Lloyddampfers gelegt und langten 11 oder 12 Tage später so frisch und wohlbehalten in Berlin an, als seien sie am Tage vorher erlegt worden. Das Eis ist ein herrlicher Conservator und bei der schnellen Ueberwindung von Zeit und Raum, bei der Gemein­samkeit der Interessen aller Völker wird es bald den Bewohnern der großen Städte Europas nicht mehr Schwierigkeiten und Kosten verursachen, kalifornische Tafeltrauben zu verzehren als italienische, Prairiehühuer aus den fernsten Districtm Amerikas als russische Schneehühner, frische Lachse aus Japan als solche aus Bergen und Hammelskoteletten aus Australien als solche aus Posen, sofern die Zollbehörde nichts dagegen hat.

Moskau, 2. Januar. In Rußland sind Bankdiebstähle gegenwärtig etwas so Gewöhnliches, daß weiter nicht viel Aufhebens darüber gemacht wird. Wenn ein Be­amter die Bank um eine bedeutende Summe bestiehlt, so hat man sogar ein neues Wort für Diebstahl erfunden, es heißt nicht. Herr Soundso habe gestohlen, sondern er habeBankgelder verausgabt". Fast jede Zeitung bringt Nachrichten über einen neuen Bankdnbstahl; wir erwähnen hier nur dm Diebstahl in der sibirischen Bank, in der von Tscheboksara. im Gouvernement Kasan, und endlich den neuerdings entdeckten in der Rigaer Discontobank, deren Verwalter im Einverständniß mit dem Buchhalter mtt den in der Bank niedergelegten Procentpapieren an der Börse speculirt und gegm 90.000 Rubel auf diese Wäse angebracht haben soll. Ein noch viel größerer Unter­schleif ist neuerdings in der Zollverwaltung von Taganrog aufgedeckt worden. Die von dem Finanzm'.nifter mit der Untersuchung beauftragte Commission hat in der ge­nannten Zollverwaltung eine Defraudation entdeckt, welche in die.Millionen geht Es handelt sich hier um den Eingang unverzollter Waarm, mithin im eigentlichen Sinne des Wortes um systematisch betriebene Contrebande, an welcher sich sämmtliche Zoll­beamte vom Verwalter des Zolls bis zum letzten Packhausbeamten betheiligt haben Vorderhand hat sich der Betrug um eine Summe von 400,000 R. herausgestellt. Der Verwalter Nikitenko. der Zollbeisitzer Tschule. der Schiffsaufseher Rusowlew und noch vier andere Zollbeamte sind suspendüt, der einzige Rentmeister des Zollamts, Apostolow «st auf seiner Stelle verblieben. Noch ist die Sache dem Procurator nicht zur Unter­suchung übergeben, die Börse ist geschlossen, vor den Magazinen stehen Schildwachen. Die Commissionen, welche im Rayon.des Generalgouvernements von Odessa zur Berathung über die Jud nfrage berufen worden, haben ihre Arbeit beendigt. Als Er- gebnch wird, wie anders nicht zu erwarten war, die Ansicht ausgesprochen, daß die russische Bevölkerung von den Juden thatsächlich ausgesogen wird. Die Commissionen dringen daher darauf, daß den Juden der Handel mit Spirituosen verboten werde; ferner soll fein Jude das Recht haben, Land zu pachten oder käuflich zu erwerben; die Chersoner Commission verlangt sogar, den Juden solle ohne besondere Erlaubniß nicht gestattet werden, in Dörfern zu leben. Wie sollen denn die Juden den Schacher auf­geben und Ackerbauer werden?

Kirchliche Antigen der evang. Gemeinde Gießen.

Donnerstag den 12. Januar:

Im Gymnasium Misfionsstunde. Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann (Das Christenthum unter den gebildeten Hindus in Ostindien.)

Erfahrene Waldhüter wollen aus dem Stande bei gegenwärtigen Waldpflanzen daraus schließen, daß wir den >o milden Winter auch fernerhin behalten werden. Das wäre für manche Geschäfte schlimm, für die Armen gut und gar vorteilhaft für manches Wachsthum. so besonders für die Wünrebe, die voriges Jahr sehr viel gelitten. Nach Aufzeichnungen waren 1834 und 1846 gelinde und milde Winter, 1807 gab es saft gar keinen Winter, 1792 blühten im Februar fast sämmtliche Bäume, schon im

Handel und Verkehr.

Frankfurt a. M., den 11. Januar, Nachmittags 2 Uhr Mn. iTelegc. CourSbericht. Mitgethellt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießens Credtt- actien 289 Staatsb.-Xetien 272</r, Galizier 260, Oest. Silberrente 66«/t6 4°/g Ungar. Goldrente., 4% 1880er Russen 72*4, 2. Orient-Anleihe 589/i6, 5% Rumänische Rente 885/e, Lombarden 121 Vr- Tendenz sehr bewegt und schwankend.

Donnrrliafl den 19. Januar,

Nachmittags 2 Uhr,

soll auf hiesigem Ortsgerichts - Bureau auf freiwilliges Ansuchen des Herrn Jakob Martin in Boppard das frühere Besitzthum des Jakob Wagner: Flur 25 76S3/iüo, 144 Mtr. Hosraithe,

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Nähere Auskunft ertheilt Herr Masse- curator M. Pilger.

Gießen, den 4. Januar 1882.

Großh. Ortsgericht Gießen.

161 Müller.

Freitag den 13. d. Mts,

Nachmittags 2 Uhr,

sollen in dem Flett'schen Hosraum dahier 12 Malter Kartoffeln, 1 Nähmaschine, 1 viereckiger Spiegel mit Goldrahmen und 1 Wanduhr

meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 11. Januar 1882.

Geißler,

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