— Der „Reichs-Anz." meldet die Ernennung des Kammergerichtssenats- Präsidenten Henschke zum Mitglieds des Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten.
Kairo, 9. Novbr. In der wegen der Finanz-Controle von der egypti- schen Regierung an England uno Frankreich gerichteten Note heißt es, die Con- trole, wie sie durch das Dekret des Khedive vom 15. November 1879 wieder hergestellt worden fei, biete den Bondholders keine Garantie mehr und sei eine Institution geworden, deren dualitischer und politischer Charakter der Grund zu vielen 'administrativen Schwierigkeiten geworden sei. Von dem an Stelle der bisherigen Controle vorgeschlagenen Arrangement wird in der Note nichts erwähnt.
— Meldung des „Reuter'schen Bureaus": Heute wurde eine Mittheilung der egyptischen Regierung veröffentlicht, in welcher die Aufhebung der europäischen Finanz-Controle angezeigt wird.
New'Avrk, 9. Novbr. Im Staate Michigan wurde der demokra» tische Candidat zum Gouverneur gewählt, die übrigen Beamtenstellen des Staates sind durch Republikaner besetzt. Im Staate Kansas wurden, mit Ausnahme des Gouverneurs, republikanische Beamte gewählt; im Staate Kolorado trugen die Demokraten den Sieg davon. Die demokratische Majorität in dem neuen Repräsentantenhaus wird jetzt allgemein auf 30 Stimmen geschätzt.
— Die Majorität, welche die demokratische Partei bei den gestrigen Wahlen im Staate New-Dork erlangte, wird auf 175,000 Stimmen geschätzt. Diese bedeutende Majorität wird'besonders den Wahlenthaltungen der Republikaner zugeschrieben. Die Republikaner siegten in Virginien und gewannen in Kentucki drei Sitze für den Congreß. Die Demokraten siegten in Kalifornien mit einer Majorität von 5000 Stimmen.
Lokale-.
Gießen, 10. November. In großer Gefahr schwebten heute Vormittag zwei Menschenleven. Einem Schornstelnfeger passirte beim Fegen eines Schornsteins das Malheur, daß von demselben sich ein Deckstein loslöste und dem Dach htnunterrutschte, von wo er auf der Straße dicht neben einem Manne hinfirl, während der Schornsteinfeger, welcher den Stein fefthalten wollte, ebenfalls dem Dach entlang glitt, sich aber an Der Dachrinne fefthalten und so sein Leben retten konnte.
Vermischte-
Von der Nidda, 7. November. Gestern Abend gegen 9 Ubr stiegen mächtige Feuergarben aus dem benachbarten Eckenhetm gen Himmel und rötheten zumeist den östlichen Horizont. Das Feuer hatte die Scheune des Metzgers Hamburger daselbst ergriffen und diese sammt noch zwei Wtrthschaftsgebäuden binnen kurzer Frist em- geäschert. Das Element hätte sich in verderblicher Weise für die an die Brandstätte angrenzenden Gebäude entfesselt, wenn nicht rasche Hilfe, insbesondere aus den umliegenden Ortschaften zur Stelle gewesen wäre. — Zwei Spitzbuben in unkenntlicher Kletdertracht mit entstellten Gesichtern wollten den Augenblick, wo alle Hände rührig gewesen sind, um das Umsichgreifen des Feuers zu bewältigen, benutzen, um sich die bedeutende Baarschaft eines wohlhabenden Nachbars des Beschädigten anzueignm, wurden aber durch das Eintreten der Hauseigenthümerin in das Zimmer an der Aus- führung ihres Vorhabens verhindert und ergriffen die Flucht
Mainz, 8. November. In der mehrerwähnten Militärbefreiungsgeschichte erfährt man hier noch weiter, daß die bekannten Faiseurs ihr Geschäft schon eine ganze Reihe von Jahren und zwar so schwungvoll betrieben haben, daß, wie hiesige Blatter melden, in Mainz allein etwa 60 junge Leute durch deren Beihilfe dem M'litärdienst entzogen wurden. Noch in der allerletzten Zeit sollen derartige Geschäftsabschlüsse gemacht oder angebahnt worden sein- Durch die Erfolge kühn geworden, hätten die Macher so offen operirt, daß es nur zu verwundern sei, wie sich das Gewerbe so lange der Cognition der Behörden entzogen habe. In einzelnen Fällen seien die Eltern eines dem militärpflichtigen Alter sich nähernden Sohnes angegangen worden, den Loskauf durch die Hände des Agenten zu bewirken. „Zahlen Sie 3000 JL und Ihr Sohn wird frei. Sie wagen dabei gar nichts. Der und Der ist ebenso los gekommen!" Das wäre ungefähr der stete Refrain des Sirenenliedes gewesen, das die Verführer gesungen. Die Untersuchung wird, nach allen Anzeichen zu schließen, mit großer Energie betrieben und sich für manche Familie hier schwer fühlbar machen. Einzelne der Personen haben sich durch die Flucht bereits der Strafe entzogen.
Frankfurt, 8. November- Der hiesige Handwerker-Verein hat heute bezüglich veränderter Anwendung des Submissionsverfahrens bei den städtischen Bauten bet dem Magistrate eine Petition eingereicht, worin folgende Verbefferungsvorschläge empfohlen werden: 1. Daß in Zukunft die Submissionsarbeiten nicht in General-Entreprise, sondern im Einzelnen, nach den verschiedenen Handwerkerpositionen ausgeschrieben und vergeben werden; 2. daß die Submissionsausschreibungen immer so klar gehalten und durch Zeichnungen unterstützt werden, daß sie die Art und den Umfang der einzelnen Arbeiten aufs Deutlichste erkennen lassen; 3. daß die Uebertragung der Arbeit an den Mindestfordernden grundsätzlich ausgeschlossen werde, dagegen unter denjenigen Submittenten die Auswahl getroffen werde, deren Preisforderung dem Durchschnitt der gegebenen Offerte am nächsten oder zwischen dem höchsten und niedrigsten Gebot in der Mitte liege; 4. daß bei nicht wesentlichen Preisunterschieden vornehmlich die Submittenten berücksichtigt werden, welche ihren Wohnsitz hier haben. Motivirt werden diese Verbesserungsvorschläge dahin, daß ad 1 die Gewohnheit, die Submissionsarbeiten, an große Unternehmer in General-Entreprise zu übertragen, wesentlich beigetragen habe zu dem verhängnißvollen Rückgang des Kleingewerbes und der steigenden Concentration des wirthschastlichen Lebens in Großbetrieben mit 'hren zahlreichen ärmlichen unselbstständigen Elementen; jene Unternehmer gewännen durch die Bevorzugung der General- Entreprise seitens der Behörden die kräftigste Handhabe, den Handwerker zum Lohnarbeiter herabzudrücken. Eine Vergebung der Arbeit nach Handwerkerpositionen würde außer der nicht hoch genug zu schätzenden persönlichen Garantie der betreffenden Meister iür die Güte der Arbeit vor Allem den bedeutsamen socialen Gewinn hcrbeiführen, die Selbstständigkeit des Kleingewerbes erhalten zu helfen, ad 2. Es werbe vielfach darüber geklagt, daß bei Submissionsausschreibungen die $cb ngungeit so unklar formultrt feien, daß die abzugebende Offerte gar nicht genau kalkultrt werden könne, sondern auf gut Glück festgestellt werden müsse. Auch sei vielfach die Zeit bis zur Fertigstellung zu kurz bemessen, wodurch es nur dem Großbetrieb möglich fei, die Arbeit zu bekommen, ad 3. Der Grundsatz, der billigsten Offerte den Zuschlag zu ertheilen, nehme sich theoretisch ganz gut aus, habe aber in der praktischen Wirksamkeit sehr große Uebel- ftänbe herbeigeführt, welchen zu steuern alle Behörden verpflichtet erschienen. Die Jagd der Submittenten, sich zu unterbieten, sühre zu den billigsten Offerten, deren Prcis- sorderung in gar keinem Verhältniß zu den Selbstkosten der zu liefernden Arbeit stehe. Die Differenz werde dann durch minderwerthige Arbeit und durch allerlei Kunstgriffe auszugleichen gesucht, gegen welche sich die auftraggebende Behörde selten, auch durch die peinlichste Aufsicht zu schützen vermöge. Der wahre volkswirthschaftliche Segen besiehe aber nicht, wie man häusig annehme, in einer möglichst billigen, sondern in einer möglichst preiswerthen Arbeit und dies könne nur auf dem vorgeschlagenen W'ge erreicht werden, ad 4. Der Gesichtspunkt der Reellität und Solidität der Arbeit leite die Petenten bei dem Wunsch um Berücksichtigung der in Frankfurt wohnenden Submittenten. Ein am Orte der zu leiftenben Arbeit wohnender Gewerbetreibender werde am meisten bestrebt fein, seine Geschäftsehre gegenüber feinen Mitbürgern durch gute Arbeit zu wahren, während bei einem außerhalb wohnenden, der nach Beendigung der Arbeit wieder fortgehe, dieses Gefühl im Allgemeinen weniger in Betracht kommen dürfte. Endlich sprächen noch für Berücksichtigung des Wohnortes die steuerliche und wirthschastliche Gemeinschaft, in welcher die auftraggebenden Behörden mit den Submittenten des Wohnortes zu stehen pflegten. (Fr. 8-)
Kassel, 5. November. Ein Eisenbahn-Unfall, bei welchem Hunderte von Menschenleben tn größter Gefahr schwebten, hat sich gestern Abend auf der Halle- Kasseler Bahn zwischen den Stationen Arenshausen und Eichenbach zugetragen. Der ungewöhnlich heftige Sturm halte nämlich, ohne daß man es hätte rechtzeitig verhindern können, in Arenshausen eine Anzahl leerer Güterwaggons aus dem Seiten
geleise getrieben, dem Bahnhofe entlang und nun in rasendem Laufe nach Eichenberg zu, dem von Kassel kommenden Personenzuge direkt entgegen. Dieser hatte Kassel gegen halb 4 Uhr verlassen, war dicht besetzt und befand sich schon zwischen den Stationen Eichenberg und Arenshausen. Es war inzwischen dunkel geworden und so konnte der Führer des Personenzuges das Herannahen der Güterwaggons nicht so früh wahrnehmen, daß er einen Zusammenstoß hätte Überhaupt verhüten können, indessen bemerkte er die Gefahr immer noch rechtzeitig genug, um durch rasches Geben von Conttedampf den furchtbaren Anprall zu mindern. Trotzdem bohrte sich die Maschine förmlich in die Waggons hinein, daß rechts und links die Trümmer weitab geschleudert wurden. So wurde die Maschine zum Entgleisen gebracht und sowohl dies- ganz er heblich beschädigt, als von den Güterwaggons eine ganze Anzahl zertrümmert. Glücklicherweise sind indessen — hauptsächlich wohl durch die Geistesgegenwart des Loco- motivführers — Menschenleben nicht gefährdet worben. Die Strecke wurde unfahrba. und es mußte der Haller Personenzug über Arniskauken-Fnebland geleitet werben.
Groß-Karben, 9 Noo. Der hier in der ganzen Gegend bekannte Kassier Brücker, welcher sich heute früh 5 Uhr nach der Bahn begeben wollte, um in Vilbel feine Kasse von 1700 JL abzul'efern, wurde unterwegs von mehreren Strolchen angefallen, nieber geschlagen, seines Geldes beraubt und in einen Wassergraben in der Nähe der Nidda geworfen, wo man ihn später fand. Der schon 73 Jahre alte Mann befindet sich zur Zeit sehr schwach. Einer der Strolche soll bereits eingefangen sein.
— Das Rcichswaisenhaus ist unter Dach. Der Hinkende hat soeben das Gut Altvater, anmuthig gelegen am A!tv< ttr-Berg, 70 Meter über der Stadt Lahr, das in 5 Minuten zu erreichen ist, mit herrlicher Aussicht auf den Schwarzwald, das Rhein thal und die Vogesen, im Ganzen ca- 5 Morgen Park und ca. 8 Morgen Hofrailhe, Weinberg, Gärten, Wiesen und Ackerfeld, für die Summe von 4000 JL von dem seitherigen Besitzer Fallenstein in Bremen erworben.
Mit diesem Kauf ist das Vermögen des Neichswaisenhausfonds auf 13,000 JL zusammengeschmolzen urb der Hinkende vertraut auf die weitere Hilfe seiner vielen alten Freunde, zu denen hoffentlich jetzt noch viele neue Freunde kommen werden. Die nötbige Auskunft finden sie in feinem Kalender für 1883
Einen Ertrag wirft das Gut leider nicht ab. Es fei denn, daß Sommerfrischler die schönen Räumlichkeiten miethen, um in der überaus gefunden Luft neue Lebenskraft zu finden.
Der Hinkende ist namentlich dem Reichsoberfechtmeifter Nabermann und den vielen Fechtmeistern und Fechtschülern Dank dafür schuldig, daß die Idee nun Wirklichkeit wirb. Sie entstaub vor etwa 6 Jahren. Der Hinkende war im Sommer 1876 mit seinem Kalender für das Jahr 1877 fertig. Er wurde aber vor dem Druck noch an den bei feinen Verwandten in Hamburg weilenden Verleger geschickt und dieser machte zu dem Aussatz: „Viele Wenig machen ein Viel", worin das Sammeln von Cigarrenfpitzen empfohlen wird, die Bemerkung: „Da die Leser keine G-legeuheit zum Absatz von Cigarrenspitzen haben werden, so wird es sich empfehlen, wenn der Hinkende sich die gesammelte Spitzen senden läßt. Außer Cigarrenspttzen könnten aber auch Pfennige gesammelt werden, die in Briefmarken nach Lahr zu senden wären. Der Ertrag könnte für ein Waisenhaus bestimmt werben."
Dieser Vorschlag würbe von dem Hinkenden angenommen und nun wirb das Reichswaisenhaus in nicht zu ferner Zeit feiner Bestimmung übergeben werden können-
Eine Beschreibung des Gutes wird später mitgetheilt werden.
SchiffSvertcht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.
Bremen, 7. November. Der Postdampfer Donau, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 28. Oktober von Newyork abgegangen war, ist heute 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 2 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 82 Passagiere und volle Ladung.
Telegraphische Dampfernachrichten. Mitgetheilt von den General-Agenten Gebr. Gosewisch und Max Jos. Schröder, Mainz.
New-Ao rk, 29. Oktober. Angekommen von Amsterdam der „Kron-Linie" Dampfer „SurreyE.
New-Aork, 1. November Angekommen von Hamburg der Packetfahrt- Dampfer „Fnsia" und von Havre (Abfahrt 21. Oktober) Dampfer „France".
New-Aork, 5. November. Angekommen von Bremen Dampfer „Werder" des Nordd. Lloyd
New-Aork, 5 November- Angekommen von Amsterdam der „Kron-Linie" Dampfer „Jason"
New-Aork, 7. November. Angekommen von Bremen der Nordd. Lloyd- Dampfer „Habsburg".
Literatur.
Den Verehrern von Georg Ebers dürfte die Mittheilung willkommen fein, als Antwort auf öftere Erkundigungen, daß derselbe auch für diese Weihnachten eine Gabe vorbereitet, welche unter dem Titel: „Ein Wort" Ende lfd. Monats erscheint. — Dieser neueste Roman des berühmten Autors spielt im 16. Jahrhundert. Der Held ist ein Deutscher, welchen das Schicksal aus den Bergen seiner Heimat in die Fremde führt. Der Erzählung, welche voll von rührenden Zügen und glänzenden Bildern ist, liegt eine schöne, echt menschliche Idee zu Grunde.
Fein gebundene Exemplare nach einer Zeichnung von Prof. Gmelin in München Preis 7 JL.
Bestellungen nimmt entgegen Ferber'sche Univ.-Buchhandlung. 7421
731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von MA A8EIV SITE 11V «t? in
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder Miin< h<*n) zuvor Auskunft einforderl, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Kireblrrbe Anzeigen der Stadt (Hießen.
Evangelische Gemeinde.
MotteHdienrt:
Sonntag den 12. November (23. nach Trinitatis).
9% Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Donnerstag denl6.November, Abends 8 Uhr, imGymnasium: Bibelstunde, Bnef Pauli an die Galater, Kapitel 3,15—29. Pfarrer Dr. Naumann.
Am Sonntag, den 19. November, findet die Feier des hl. Abendmahls statt, und zwar im Abendgottesdienst um 5 Uhr; die Beichte wird nicht am Samstag, sondern in Verbindung mit dem hl- Abendmahl unmittelbar vor demselben gehalten werden.
Die P f a r r g e s ch ä f t e in der Woche vom 12. bis 18. November besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
K a t i> o l i s ch c Gemeinde.
„ 24. Sonntag nach Pfingsten.
„?on £an Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion. l/zlO Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer R a dy. (Die Nachmittagsandacht fällt aus.)
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 430 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 510*


