Ausgabe 
11.7.1882
 
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keich müsse sich für jede Eventualität bereit halten. Gegenwärtig handle es sich um einfache Präoentwmaßregeln und denke Niemand daran, Frankreich ohne Zustimmung des Parlaments zu engagiren. (Beifall.)

Marseille, 8. Juli. Der DampferCorreze" ist heute mit 657 Emigranten unter welchen sich auch mehrere Deutsche und Polen befinden, aus Alexandrien hier eingetroffen. Unterwegs wurden bereits ungefähr 140 Personen gelandet. Mehr als 350 der Angekommenen sind vollständig mittellos, dieselben werden morgen ausgeschifft und durch ein Hilfscomtte, welches bereits 10,000 Francs gesammelt hat, unter­gebracht werden.

Die beiden PanzerschiffeHeroine" undRevanche", welche vollständig aus­gerüstet sind, haben Toulon verlassen und begeben sich nach den Hyerischen Inseln, wo sie den Befehl zum Abdampfen nach Alexandrien abwartcn. Das Transportschiff Sarthe" wird am Montag mit Material und Proviant für das Geschwader nach Alexandrien abgehen.

tzngtavd.

Portsmouth, 8. Juli. Das TransportschiffMalabar" ist mit 2 Infanterie- Regimentern an Bord nach Gibraltar abgegangen, wo dasselbe noch ein Bataillon auf­nehmen wird, um sodann östlich weiter zu fahren. Auch derOrontes" ist heute mit einem Regiment von Gibraltar östlich weitergegangen.

Rußland.

Petersburg, 8. Juli. Täglich fast kommen Nachrichten über. neu ent­deckte Anschläge der Nihilisten. So findig sich auf der einen Seite die Polizei zeigt, ein so bedenkliches Licht werfen diese Resultate andererseits auf die Zu­stände des russischen Reiches, indem die russische Gesellschaft und vorzüglich die Osficiers- und Beamtenwelt in ungeahntem Maße vom Nihilismus inficirt erscheinen. Ganz besonders scheint die Marine bis hinauf in's Marineministe­rium eine nihilistische Brutstätte zu sein. Die erfolgte Entdeckung einer Geheim­druckerei im Marineministerium, die den Selbstmord eines Ministerial-Directors zur Folge hatte, übersteigt alles bisher Dagewesene. Wahrscheinlich wird sich die russische Regierung wie auch bei der Affaire Wolkow auf's Leugnen verlegen; die Nachricht verliert dadurch gewiß nicht an Glaubwürdigkeit. Bei dieser Gelegenheit sei eine statistische Uebersicht der im Mai und Juni verhaf­teten politischen Verbrecher mitgethellt. Es sollen deren im Ganzen 644 sein. Von diesen hatten nur 31 ein Gymnasium oder eine sonstige höhere Bildungs­anstalt nicht besucht, lieber den Stand der Verhafteten ist weiter bekannt, daß 16 Männer und 8 Frauen dem Lehrerstand angehören, 17 dem orthodoxen Klerus, 8 der kaiserlichen Marine, 14 dem Officiercorps, 5 sind Gensd'armerie- Officiere, 9 Angestellte des Kriegsministeriums, 13 gehören zur Provinzialver­waltung, 6 sind Zollbeamte, 4 Zollofficiere, 2 Thierärzte, 4 Militärärzte, 31 Studenten, 14 Grundbesitzer und Verwalter, 11 Forstbedienstete. Das weib­liche Geschlecht stellt weiter zu dieser Verlustliste 4 Instituts-Inhaberinnen, 13 Nonnen (davon 11 im südlichen Rußland), 28 Studentinnen. Weibliche Aerzte und Studentinnen der Medicin sind nicht unter den Verhafteten. Treffen diese Mittheilungen auch nur cum grano salis zu, so erweist sich dadurch, wie sehr die Unzufriedenheit aller gebildeten Stände Rußlands mit dem autokrati- fchen Regiment im Wachsen begriffen ist.

Petersburg, 8. Juli, lieber den Tod des Generals Skobeleff wird noch be­kannt, daß eine starke Blutanfüllung der Venen des rechten Beines eingetreten war, welche zur Zerreißung und zu einem Bluterguß der vena femoralis und sodann zum Herzschlag führte. Der Tod erfolgte binnen wenigen Minuten. Zur Theilnahme an der Leichenfeier werden sich der Kriegsminister und andere hohe Würdenträger mit den Verwandten des Verstorbenen nach Moskau begeben. Die Besitzer einer Anzahl öffent- l'cher Vergnügungslocale wolle letztere sm Begräbnißtage schließen.

Der DampferMoskwa", welcher die Reise durch das Eismeer zurückgelegt hat, ist Ende Mai wohlbehalten in Krasrojansk angclangt.

Moskau, 7. Juli. Skobeleff, der heute in einem Hotel am Schlagfluß verstorbene russische General, der sich durch seine Kriegsthaten gegen Khiva, die Tekinzen und die Türkei berühmt, durch seine politischen Agitationen und seine kriegerischen Reden berüchtigt gemacht hat, stand erst im 42. Lebensjahre. In Betreff der Bedeutung seines Todes wird geschrieben: Der Mann, den Ruß­lands gewitterschwangere Zukunft noch zu einer führenden Rolle berufen zu haben schien, ist nicht mehr. Die Panslavfften verlieren an ihm einen ihrer fähigsten Generäle und einen ihrer leidenschaftlichsten Vertreter, den ein nimmer­müder Ehrgeiz zu den verwegensten Plänen trieb. Als psychologisches Räthsel hat er die öffentliche Meinung Europas lange beschäftigt. Er war eine jener dämonischen Naturen, die mit einer hinreißenden Begeisterung des Herzens einen kalten, berechnenden Verstand verbinden, der sie in keinem Augenblicke ihrer sebst vergessen, die Selbstbeherrschung verlieren läßt.

Aegypten.

Alexandrien, 8. Juli. Der Leiter der Geschäfte des französischen General- consulates, de Borges, hat gestern dem französischen Consul in Kairo, Monge, eine Depesche gesandt, in welcher er Letzterem mittheilt, daß der Angriff von Seiten der Flotte in jedem Augenblick zu erwarten sei und ihn auffordert, die Abreise aller französischen Staatsangehörigen zu erleichtern und sich selbst und die Archive des Consulats in Sicherheit zu dringen. Der Consul Monge hat diese Depesche, welche große Bestürzung in Kairo hervorrief, asfichirt und sich sodann nach Alexandrien begeben. Das österreichische Consulat ist ebenfalls geschlossen worden. Die Bestürzung nimmt auch in Alexandrien zu. Trotz der vollständigen Einstellung der Befestigungs­arbeiten wird die Auswanderung ununterbrochen beschleunigt. Viele Flüchtlinge waren heute gezwungen, in die Stadt zurückzukehren, weil sie an Bord der beiden abgehenden Dampfer der Gesellschaft Rubattino keinen Platz gefunden hatten. Die Dampfer waren so überfüllt, daß die Capitäne derselben sich weigerten, abzufahren, wenn nicht etwa 300 Personen jedes Scb'ff vorher wieder verließen. Die Staatsschuldenkasse ist hierher gebracht worden, die Verwaltungsmitglieder und der größte Thetl der Beamten der Kasse haben sich an Bord englischer und französischer Schiffe begeben. Das englische KriegsschiffPenelope" ist hier eingetroffen.

Türkei.

Konstantinopel, 8. Juli Gestern wurden die Dragomans sämmtlicher Bot­schaften zur Pforte beschieden. Es wurden ihnen Depeschen der egyptischen Regierung vorgelegt, in welchen diese bestreitet, daß seitens der egyptischen Verwaltung armirt werde und daß der Hafen von Al xandrien versperrt werden sollte, vielmehr versperrten die fremden Kriegsschiffe den Haien. Diese seien, wenn die Beschuldigungen wahr wären, in der Lage, Transportschiffe, welche den Hafen mit Steinen verschütten wollten, anzuhalten Der Khedive habe den Admiralen Seymour und Conrad Zusicherungen ertheilt, welche dieselben bef.ledigen müßten.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau.

EmS, 9. Juli. S. M. der Kaiser ist heute Nachmittag 4 Uhr nach Koblenz abgereist. Die Spitzen der Behörden, sowie eine große Zahl distinguirter Bade­gäste hatten sich auf dem Bahnhofe zur Verabschiedung eingefunden. Von der zahlreich versammelten Bevölkerung wurde Se. Majestät mit enthusiastischen Hoch­rufen begrüßt.

Koblenz, 9. Juli. Se. Maj. der Kaiser ist heute Nachmittag wohlbe­halten hier eingetroffen. Ihre Maj. die Kaiserin empfing den Kaiser am Bahn­hose und geleitete Allerhöchstdenselben nach dem Schlosse. Die Bevölkerung begrüßte die Majestäten mit lebhaften Hochrufen.

Trieft, 9. Juli. Der LloyddampserAurora" ist heute früh mit 402 Passagieren aus Alexandrien hier eingetroffen.

Petersburg, 9. Juli. Einer Mittheilung desRegier.-Anz." zufolge find die Berichte auswärtiger Zeitungen über die am 26. v. Mts. gegen die Juden in Okna gerichteten Gewaltthätigkeiten, wie die Untersuchung ergeben habe, stark übertrieben gewesen, dieselben beschränken sich vielmehr auf die Be­raubung zweier jüdischer Kaufläden durch eine geringe Anzahl von Individuen, welche fast sämmtlich durch die Polizei und die Ortsbewohner festgenommen wurden.

Die Verwaltung des Departements für Bergwesen ist dem Geh. Rath Jossa übertragen worden.

Alexandrien, 9. Juli. (Meldung desReuter'schen Bureaus"). Der Sultan ließ gestern Nachmittag Arabi Pascha die formelle Aufforderung zu­gehen, nach Konstantinopel zu kommen; Arabi Pascha hat aber abgelehnt, der Aufforderung Folge zu leisten.

Die beiden Flügeladjutanten des Sultans, welche vor einigen Tagen hier eintrafen, haben sich gestern Abend wieder nach Konstantinopel zurückbegeben.

Alexandrien, 9. Juli. (Meldung des Reuter'schen Bureaus"). Nach­dem eine Schiffsrecognoscirung ergeben hat, daß die Ausrüstung der in der Nähe des Haseneingangs befindlichen Erdwerke mit Geschützen schweren Kalibers fortbauert, wird von dem Admiral Seymour augenblicklich der Erlaß einer Pro­klamation vorbereitet, welche die egyptischen Behörden des Mangels an Glaub­würdigkeit bezichtigt und die Uebergabe aller Forts binnen 24 Stunden verlangt. Im Weigerungsfälle werde nach Verlauf von weiteren 24 Stunden das Bom­bardement auf die Forts eröffnet werden. Das englische Kanonenboot Condor" ist außerhalb des Hafens gegangen, um den Eingang zu demselben zu schützen. Admiral Seymour ging an Bord desJnvincible", der sich nach dem äußeren Hafen begiebt und in der Nähe des PanzerschiffsMonarch" vor Anker gehen wird.

Konstantinopel, 9. Juli. Die Pforte hat an ihre Vertreter bei den Mächten eine im Sinne ihres letzten Circulars gehaltene neue Circular- Depesche gerichtet.

Washington, 9. Juli. Schatzsecretär Folger wird morgen bekannt machen, daß weitere 16 Millionen 6procentiger Obligationen amortisirt werden sollen.

Lokale-.

Gießen, 10. Juli. Bei dem gestrigen Preisturnen in Herborn, veranstaltet

durch den Gau Hessen, erhielten sämmtliche Preisturner von Gießen Preise. Den ersten K. Hosmann, den zweiten G. Trübe, den dritten H. Rühl, außerdem noch

4 weitere Preise.

Gießen, 10. Juli. Die II. Hessische Vereins-Regatta, gehalten gestern in Gießen, halte unter der Ungunst der Witterung sehr zu leiden. Das griesgrämige fast zur Verzweiflung bringende Regenwetter der letzten Tage störte auch gestern in jeder Hinsicht das Fest und hat auch wohl viel dazu beigetragen, daß sich die Hoffnungen unserer Rudergesellschaft nicht so verwirklichten, als wir es alle gern gesehen hätten. Indem wir uns ein ausführlicheres Referat vorbehalten, lassen wir in Nachstehendem den officiellen Start-Bericht folgen:

II. Hessische Vereins-Regatta.

Programm:

Nr. 1. BootConfluentia" der Coblenzer Ruder-Gesellschaft.

Achilles" der Oberräder Ruder-Gesellschaft.

Start 3 Uhr 18 Min. 30 Sec. IConfluentia" 3 Uhr 24 Mm. 10 Sec.

II.Achilles" 3 24 21

Nr. 2. BootRhein" des Mainzer Nuder-Verems.

Gießen" der Gießener Ruder Gesellschaft.

Start 3 Uhr 30 Mm. 15 Sec. IRhein" 3 Uhr 36 Min. 30 Sec.

II.Gießen" 3 36 44

Nr. 3. BootBlitz" der Offenbacher RudergesellschaftUndine".

E B. der G'eßener Ruder-Gesellschaft.

Start 3 Uhr 37 Min 30 Sec. IBlitz" 3 Uhr 45 Min. 30 Sec.

BootE. B." (Herr Balser) legt Protest ein, indem ihm BootBlitz" (Herr Metzler) den Cours kurz nach dem Start abgeschnitten und er mit dessen Boot collidirt fei. Auch flieht Herr Kirch (Preisrichter der Gießener Ruder Gesellschaft) zu Protokoll, es habe sich herausflestellt, daß Herr Metzler int Skiff nicht wie gemeldet, Junior, sondern Senior sei.

Nr. 4. BootFrankfurt" der Frankfurter Ruder-GesellschaftGermania".

Main" des Offenbacher Ruder-Vereins.

Start 4 Uhr Min. 15 Sec. I.Frankfurt" 4 Uhr 6 Min. 30 Sec.

II.Main" 4 6 32* * * 4 5/4

Nr. 5. BootFrankfurt" der Frankfurter Ruder-GesellschaftGermania".

Gazelle" des Frankfurter Ruder-Vereins.

Start 4 Uhr 13 Mm. 2 Sec I.Frankfurt" 4 Uhr 19 Min. 50 Sec.

II.Gazelle" 4 19 52

Nr. 6. BootHerkules"' der Castcler Ruder-Gesellschaft

«Adolf v Nassau" des Höchster RuderclubNassovia".

Start 4 Uhr 23 Min 55 Sec. I.Herkules" 4 Uhr 30 Min. Sec.

II.Adolf v. Nassau" 4 30 31

Nr. 7. BootLibelle" der Frankfurter Ruder-Gesellschaft ^Sachsenhausen" ging

allein über die Bahn, da die Frankfurter Ruder GesellschaftGermania" in Folge

Erkrankung des Herrn Meixner zurückziehen mußte.

Start 4 Uhr 32 Min. 45 Sec Ankunft 4 Uhr 38 Min. 40 Sec.

Nr. 8. BootMain" des Offenbacher Ruder-Vereins.

Stark im Recht" der Frankfurter Ruder-GesellschaftSachsenhausen". Start 4 Uhr 50 Min. 7 Sec. I.Stark im Recht" 4 Uhr 56 Min. 2 Sec.

II.Main" 4 56 16 ,

Nr. 9. BootAchilles" der Oberräder Ruder-Gesellschaft.

Gießen" der Gießener Ruder-Gesellschaft.

Start 5 Uhr 18 Min. 45 Sec. I.Achilles" 5 Uhr 24 Min. 50 Sec.

II.Gießen" 5 24 51

Die Boote gingen fast gleichzeitig durchs Ziel.

Nr. 10. BootStark im Recht" i der Frankfurter Ruder-Gesellschaft

Vorwärts" !Sachsenhausen".

Start 5 Uhr 39 Min 56 Sec. I.Stark im Recht" mit Senior-Mannschaft

5 Uhr 45 Min. 50 Sec.

II.Vorwärts" mit Junior-Mannschaft 5 Uhr 46 Min. 55 Sec.

Ein Soldat des hiesigen Regiments, welcher, das Vertrauen einer befreundeten Familie mißbrauchend, in derselben sich einen Diebstahl an Geld zu Schulden kommen ließ, wurde ,gestern in Untersuchungshaft gebracht.

Ein Stromer, welcher vorigen Samstag Abend in angetrunkenem Zustand und frecher Weise die Stadt abfechtete, wurde von einem Schutzmann verhaftet; er weigerte sich aber, ins Arresthaus zu folgen, legte sich auf die Straße und riß sich sämmtliche Kleider vom Leib, so daß er beinahe nackt im Arresthaus ankam. Bemerkt sei hierbei, daß der Mann noch so viel Geld im Besitz hatte, daß er nicht nöthig gehabt hätte, zu betteln. Es wurden ihm heute 10 Tage Haft zudictirt.