Ausgabe 
11.6.1882 Zweites Blatt
 
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Ruder-Gesellschaft Sachsenhausen, Kölner Ruder-Gesellschaft, Kreuznacher Ruder-Verein, Ludwigshafener Ruder-Verein, Mainzer Ruder-Club, Mainzer Ruder-Verein und Mann­heimer Ruder-Gesellschaft. Anfang der aus 18 Fahrten bestehenden Regatta 3Vr Uhr. Kurs ist bei allen Fahrten 3000 Meter (2000 Meter stromab- und 1000 Meter strom­aufwärts).

Bei dem Eisenbahnunglück bei Heidelberg wurden, wie fast immer, die meisten schweren Verwundungen (Quetschungen und Brüche der Ober- und Unterschenkel) da­durch herbeigeführt, daß die Sitzbänke bei dem Zusammenprall gewaltsam gegeneinander gedrückt wurden. Es ist daher den Reisenden die Vorsichtsmaßregel zu empfehlen, bei Ertönen des Nothsianals bte Beine bis über den Sitz emporzuziehen.

Der VereinConcordia" hat möglichst eingehende Erhebungen über die Lohn- und Lebensmittelverhältnisse der Arbeiter in Deutschland angestellt und ist dabei zu dem merkwürdigen Resultat gelangt, daß diese Verhältnisse in Süddeutschland bei Weitem günstiger stehen als in Norddeutschland. Es erhielten nach den Berechnungen derConcordia" in je 18 an Größe und gewerblicher Bedeutung ähnlichen Städten im Nordosten und Südwesten Deutschlands

Wochenlohn

im Norden

im Süden

Im Baugewerbe:

JL

Parliere

15,9

22,2

Gesellen

11,8

14,4

Handlanger

8

9,2

Im Kleingewerbe

Schreiner

11,1

15,6

Schlosser

11,4

14,6

Schneider

10,3

13,5

Schuhmacher

9,7

12,8

Gelernte Fabrikarbeiter

12,5

15,5

Fabrik- |

10,1

11,6

Garten- > Taglöhner

7,9

11,7

Feld- J

7,2

9,9

Mittel 10,6

13,6

Nach dieser Zusammenstellnng, heißt es in der ZeitschriftConcordia", bezieht also in der südlichen Gruppe der Arbeiter durchschnittlich 150 jährlich mehr, als in der nördlichen; oder rechnet man das Jahr (mit Abzug der Feiertage u. s. w) durch­schnittlich zu 3000 Arbeitsstunden, so erhält er für diese im Norden 495, im Süden 672 Ji., also 177 JL. mehr. Sehen wir von den vier Arten der Tagelohnarbeit (in Baugewerbe, Fabrikindustrie und Landwirtschaft) ab, so stellt sich der Unterschied noch bedeutender dar: ein gelernter Arbeiter verdient demnach in der ersten Gruppe 11,8 wöchentlich 618,6 jährlich, dagegen in der zweiten 15,4 wöchentlich 800,8 jähr­lich (Unterschied 187,2) oder, nach Arbeitsstunden, in der ersteren 18,6 H x 3000 558 JL jährlich, in der letzteren 25,1 x 3900 753 JL jährlich. Dieses Resultat ist um so bemerkenswerther, als die Vergleichung der Lebensmittelpreise er­gibt, daß der Durchschnitt der Normalausgaben in der ersten Gruppe 41,39 JL und in der zweiten 38,36 beträgt.

Gewerbliche und technische Notizen.

(Hemdkragen aus Eisenblech.) Professor Dr. Artus in Jena erhielt vor Kurzem aus England patentirte sogenannte permanente Kragen (Vatermörder), die aus sehr dünnem Eisenblech und vorn zum Schluß mit einer Feder versehen waren, die sehr gut schlossen und deshalb außerordentlich empfehlenswerth erscheinen, da sie schön weiß und mit einer Mischung von gleichen Theilen Schwersoath und Zinkweiß (Zinkoxyd) und Leinölfirniß überstrichen und mit einem feinen Dammarlack überzogen waren und nach einem gewissen Gebrauch, nach dem Schmutzigwerden, nur mit Seifen­wasser abzuwüschen waren, um sofort den Kragen wieder ein schönes Ansehen zu ertheilen. Da die Kragen also vermöge ihres Materials unverwüstlich erscheinen und stets mit wenig Mühe und Kosten gereinigt werden können, so dürfte auch bei uns dieser gewiß wichtige Industriezweig vielfach Beachtung finden.

Eine unzerstörbare Tinte erhält man nach Puscher durch Abreiben von 1 Quentchen Anilinschwarz mit 60 Tropfen starker Salzsäure und l'/r Loth Alkohol. Die erhaltene tiefblaue Lösung wird mit einer heißen Lösung von IVa Quentchen

unserer

arabischem Gummi in 6 Loth Wasser verdünnt. Die Tinte greift Stahlfedern nicht an und wird weder durch concentr.rte M.neralsäuren noch durch starke Laugen zersetzt

sMolkenverwendung zur Senfbereitung.) Nach Dr. Waaner-Norden kMilch- &lUnq? ^rwenden die vier in Norden bestehenden Senf-Fabriken sämmilich Molk n zu ihrer Fabrikation. Sie fahren dieselbe theilweise sogar auf eine Entfernuna von 1 Meil?

fl. 4°"w°du7ch'sich M°?k7b.ss» L durch Verwendung für Mastschweine rentut Nach längerer Aufbewahrung in offenen Tastern, m stark angefaueitem Zustande, nachdem also der größte Theil der vorher noch in Losung befindlichen Eiwe.ßkörper durch Gerinnen ausgeschieden ist werden d e Molken durch Filtnren oder wiederholtes Abgießen geklärt und mm Ersätze pinps Theils des sonst zur Senfbercitung benutzten Essigs verwendet. Der auf diese Weise aus einer Mischung von Elsig u d Milchsäure dargeftellte Senf erhält hi rdurch^nen milderen angenehmeren Geschmack als der allein aus Essigsäure bereitete.

Literarisches.

3U<? diesjährigen Geburtstage unseres Kaisers erschienene Werk:Fünf- 'S ?^ube, Kampf und Steg. Ein Menschen- undHelden- btlb ^eres deutschen Kaisers von Oskar Meding. Mit 37Illustrationen nach den al°s" -vestoÄ^Es?"^§omgs Majestät Allergnädigst zur Benützung verstatteten Aquarellen als Festgabe für das deutsche Volk herausgegeben von Carl Hallberger", bietet nicht nur der heutigen Welt, sondern auch dem künftigen Geschichtsschreiber einen reichen Un?ere?nLn nnhCrtL?56fni?e? ^t0^ d" Herstellung eines wahrheitsgetreuen Bildes lerer Zeit und ihres kaiserlichen Helden. Die Bilder, welche das Werk illustriren h?nfmürhtn0/w T btc Originalaauarelle wieder, in denen der Kaiser

denkwürdige Momente f em es Lebens nach eigener Angabe mit historischer Treue hat befmden sich darunter einzelne Darstellungen, die ganz be­sonders tiefe Blicke in das eigenste innere geben des Kaisers thun lassen. So z. B. das ganz eigenartige Pendantbild, auf welchem man den Kaiser als jungen Prinzen ^anft??bhbpar b°un als König im Kröuungsor^at an demselben

Königsberg stehen steht. Sodann die erschütternde Scene, J Sn b^" Sarg seines Bruders begiebt und durch die vor ihm sich senkende Fahne der Trauerehrenwache zum ersten Mal daran erinnert wird, daß £r4"iJ?Ära b er Armee fei endlich auch das gemüthvolle Bild am Schlüsse

des Werkes, welches den Kayer in feinem Zimmer zeigt, wie er die zu seinem Geburts­tage emgegangenen Geschenke mustert.

,T. .Lber auch außer diesen Erinnerungsbildern bietet das Werk vieles Neue und historisch Merkwür^ge, was bisher theils ganz unbekannt war, thells frühere irrige Darstellungen berichttgtz Hierher gehört z. B. in d r Schilderung des Lebens der n u ^-^^sberg die Mittheilung, daß der König Friedrich Wilhelm III.

allabendlich am Theetlsch die jungen Prinzen und die zu deren Erziehung Berufenen von Allem w Kenntniß setzte was zur Reorganisation der Armee und zur Wieder­belebung des Staatslebens vorbereitet wurde und auf diese Weise seine Söhne bereits S ei?- Atter für die Pflichten ihres fürstlichen Berufs vorbereitete. In der rl *7-,d£te JeneX ro,irb nu* ein fast allgemein in allen Biographien des Kaisers sich findender Jrrthum berichtigt, nach welchem der Kaiser Wilhelm als junger Prinz mit dem Garderegiment zu Fuß in Berlin am 25. December des Jahres 1809 wieder emgezogen sein soll; dieser Einzug sand, wie in diesem Werke berichtigt wird, nicht am 25. December, sondern am 24., dem Weihnachtsheiligenabend und dem Hochzeits- tage des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Louise statt. Der "Jrrthum PnbeL siu) tast überall und sogar noch in der zum vierundacktzigjährigcn Geburtstage des Kaisers im Verlage der Militaria erschienenen Denkschrift. Auch über des Kaisers Feuertaufe ui dem Gefecht bei Bar für Aube enthält das Werk merkwürdige und bisher angeführte Details, sowie auch über den ganzen Feldzug von 1813 und 7?.. . -^cht luinder merkwürdig ift die Schilderung der Krönung, der Schlachten von Konlggratz und von Gravelotte, sowie endlich auch der Vorgang bei Sedan; die Zu- sammenkunft des Königs Wilhelm mit dem Kaiser Napoleon ist eingehender und detaillirter gefch'ldert, als je vorher und es ist sogar unter Anführung der französischen Worte der Inhalt der Unterredung zwischen dem Könige und dem Kaiser mitg^theilt.

So findet sich fast bei jedem historischen Ereigniß irgend ein bisher unbekannter und ganz besonders characteristischer Zug, welcher das Bild des Kaisers wahrer und lebendiger hervortreten läßt, als je vorher, und es wird deshalb das Werk neben dem ebendigen ^nteresie, das ihm die Mitwelt entgegen trägt, für die künftige Geschichts­schreibung einen ganz besonderen Quellenwerth haben.

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