Ausgabe 
10.12.1882 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

I

's Saalbau:

SnfW«.S

lens 30 Minuten ilde malen und ig und sonstiger

kleinen MorilzT

m aus Wien, legimentscapelle.

den Zahn fühlen. Hierzu gehört u. A. das Verbot des auf vergangenen Sonntag zu Limerick anberaumt gewesenen großen nationalen Meetings, sowie die Vorladung der Ligistensührer Michael Davitt und Healy vor den Dubliner Gerichtshof. Dieselben leisteten der Vorladung am vergangenen Dienstag auch Folge; sie sollen Caution für ihr künftiges gutes Verhalten stellen. Auf An­trag der Vorgeladenen wurde die Verhandlung über diese Angelegenheit bis nächste Woche vertagt.

Der Holland. Minister des Auswärtigen, Herr van Nochussen, hat in der niederländischen Deputirtenkammer fortwährend um feine Stellung zu kämpfen. So richteten in der Mittwochs-Sitzung mehrere Deputirte in der Angelegenheit des schon einmal gescheiterten holländisch-französischen Handelsver­trages heftige Angriffe gegen den Minister. Indessen vemochten die Erklärun­gen , welche Herr van Rochussen abgab, den drohenden Sturm wieder zu beschwichtigen.

Die seltsamen Veränderungen im türkischenCabinet haben mit der Wiedereinsetzung Said Pascha's in seine Stellung als Premier-Minister und seiner gleichzeitigen Ernennung zum Großvezier, sowie mit der Wieder- Ernennung Osman Pascha's zum Kriegsminister- ihr Ende erreicht. Man kann noch nicht recht klug werden aus diesen ganzen Vorgängen, die in den letzten Wochen im kaiserlichen Palais zu Konstantinopel spielten, doch kann man wohl annehmen, daß es sich lediglich um Palast-Jntriguen gegen Mitglieder des tür­kischen Cabinets und gegen Persönlichkeiten aus der militärischen Umgebung des Sultans gehandelt hat.

In Kairo ist der Vorhang hinter der Comödie, genannt Proceß Arabi Pascha, mit der Verurteilung des Ex-Dictators zu lebensläng­licher Verbannung, nunmehr gefallen. Die Engländer in ihrer liebenden Sorg­falt wollen den ehemaligen Nebellenführer auf einer ihrer Besitzungen internireu, wie es heißt am Cap, oder auch aus der Insel Guernsey im Kanal. Diese Sorgfalt Englands um seinen gedemüthigten Feind ist indessen erklärlich, wenn sich das Gerücht bestätigen sollte, daß gegebenen Falles die englische Regierung Arabi Pascha gegen den jetzigen Khedive Tewfik Pascha ausspielen würde.

Zu Washington tra* Ansangs dieser Woche der 47. amerikanische Congreß zu seiner zweiten und letzten Session zusammen. Aus dem Berichte des Schatzjecretärs ist die günstige finanzielle Situation hervorzuheben, in welcher sich die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika seit einer Reihe von Jahren befinden. Auch in dem laufenden Rechnungsjahre haben sich beträchtliche Ueber- schüsse der Einnahmen über die Ausgaben ergeben; in Folge dessen empfiehlt die Tarifcommission, die Zölle um durchschnittlich 25 pCt. zu ermäßigen; ferner hat sich die Commission für Aufhebung der Abgaben auf Tabak, Cigarren, Cigaretten und Schnupftabak vom 1. Juli k. Js. ab ausgesprochen.

a) seine Tochter: ine Verwandlung sind willkommen

1t.

Vorstand

3oaooß»ß

tttit Locali- q z M SlCtiW p

1 k/ir

luiiS

Äd

in M

an iämmtl*-* »12. 2k ondcrE zugleich » *®.

lunb«»

Nidda, 8. Decbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog kamen gestern Nachmittag von Romrod hier an. Allerhöchstdieselben wurden am Bahnhose von Kreisrath Klietsch empfangen. Ebendaselbst hatten der Kriegerverein und die Feuerwehr Aufstellung genommen, welche Sr. Königl. Hoheit ein brausendes Hoch ausbrachten. Die Stadt hatte eine Ehrenpforte errichtet und prangte in reichem Flaggenschmuck. Während der Abendtasel war der Marktplatz mit dem Brunnen vor dem Hotel glänzend illuminirt; der Gesangverein, die Feuerwehr und der Kriegerverein brachten Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog ein wohl­gelungenes Ständchen dar.

Berlin, 7. December. DasD. Tagebl." meldet: Die im Reichs- Gesundheitsamt jetzt in Arbeit befindlichen Verordnungen wegen des Verbots von Einfuhr von amerikanischem Schweinefleisch und Producten aus demselben trifft einen in den betr. Kreisen schon längst empfundenen wunden Fleck und räumt endlich gründlich mit einer Einrichtung auf, welche im Interesse verhält- nißmäßig weniger Händler schon seit langer Zeit dazu diente, bdd grofce Publi­kum zu täuschen. Der Handel mit amerikanischem Schinken, Speck 20. hat eine so erhebliche Ausdehnung angenommen, wie man es in weiten Kreisen gar nicht glauben dürste. Namentlich in den Provinzen Hannover und Westfalen hatten sich zahlreiche Importgeschäfte niedergelassen, welche diese amerikanische Waare alljährlich in Tausenden von Centnern bezogen und Millionen von Mark gingen dafür Jahre lang von Deutschland nachAmerika hinüber. Alle diese Fabrikate gelangten aber aus jenen Provinzen nicht etwa als ameri­kanische importirte Waare in den Handel, sondern es wurden jene Schinken 2c. dort nach ihrem Eintreffen von den Engros-Händlern noch gewissen Manipula­tionen unterzogen welche ihnen ein schöneres, appetitlicheres äußeres Ansehen gaben und dann gelangten diese Fabrikate zu viel höheren Preisen, als sog.ächt westfälische Schinken" in den Verkehr. Da derwest­fälische" Ursprung durch Vorzeigung Der Frachtbriefe und ähnlicher Docu- mente nachgewiesen werden konnte, die Detaillisten aber auch selbst m dem feften Glauben sich befinden, nur remwestfalische" Waare aus dem Lande der rot en Erde" zu erhalten, so gelang die Täuschung des arosten Publikums vollständig und jene Händler verkauften billige und schlechte amerikanische, nur ein wenig aufgefärbte Waare iu theueren Preisen als ächt westfälische. Diesem trügeri- täen Verfahren wird durch die in Aussicht genommene Verordnung ein Ziel gesetzt und kann deshalb der Erlaß einer solchen nur mit Freuden begrüßt werden.

Bymnäsi*

Wirb#

81!

«AB

Gießen, 9. December.

Der Kaiser hielt am Mittwoch eine Jagd in der Göhrde (Hanno- yer) ab, von wo er noch am Abend desselben Tages nach Berlin zurückkehrte. Mit dem Schluß der Hofjagd in der Göhrde haben die diesjährigen größeren Hofjagden ihr Ende erreicht; es folgt hierauf nur noch eine Hofjagd auf Dam­wild im Grünewald, welche voraussichtlich am 16. December stattfindet und später vielleicht noch einige kleinere Jagden auf den Feldmarken von Tempelhof, Schöneberg, Britz u. s. w.

Der Reichstag hat nach seinem Wiederzusammentritt bis jetzt immer mit kleinen Unterbrechungen gearbeitet, da in den Zwischenpausen das preußische Abgeordnetenhaus seine Verhandlungen fortsetzt. Eine die parlamentarischen Arbeiten ernstlich gesährdende Collision zwischen den beiden Körperschasten ist jedoch nicht zu befürchten, denn es heißt allgemein, daß sich der Reichstag nach Beendigung der ersten Etatsberathung, welcher man Anfangs nächster Woche entgegensieht, bis etwa Mitte Februar vertagen wird, damit seine Com­missionen ungestört sich der Vollendung ihrer Arbeiten widmen können. In seiner Sitzung vom vergangenen Dienstag beschäftigte sich der Reichstag der Hauptsache nach mit dem von der Fortschrittspartei eingebrachten Antrag aus Entschädigung unschuldig Verurteilter, welcher von dem Mitantragsteller Philipps eingehend begründet wurde. Das Haus verhielt sich dem Anträge gegenüber im Ganzen sympathisch und verwies denselben schließlich an eine Commission non 14 Mitgliedern.

Das preußische Abgeordnetenhaus hielt in der zu Ende gegan­genen Woche nur zwei Sitzungen ab, am Montag und am Mittwoch, in denen es sich lediglich mit der Fortsetzung der Etatsberathung beschäftigte. Hierbei kam am Montag auch die Vagabundennoth wieder zur Sprache, aber die lebhafte Debatte über diesen Gegenstand förderte auch diesmal kein praktisches Resultat zu Tage. Am Mittwoch führte das Haus zunächst die Berathung des Etats für das Ministerium des Innern zu Ende, wobei es bei einer gering­fügigen Position 11,500 Jl. für verschiedene Reparaturen im Ministerial- Gebäude des Innern zu einer langen Debatte kam. Hieran schloß sich die Specialberathung der Etats der Berg-, Hütten- und Salinen-Verwaltung, deren einzelne Kapitel im Ganzen genehmigt wurden. Die nächste Sitzung des Abge­ordnetenhauses findet Dienstag den 12. December statt.

Aus dem Westen Deutschlands wird abermals das Steigen der meisten Flüsse, des Rheins, des Neckars, der Mosel u. s. w. gemeldet; doch be­fürchtet man noch keine neue Hochwassergefahr,

Auf dem Gebiete der hohen Politik ist es noch immer die Reise des russischen Ministers des Auswärtigen, v. Giers, welche das meiste Interesse erregt. Derselbe weilt zur Zeit noch in Rom, wo er am Sonntag vom Könige, am Dienstag aber vorn Papste und hierauf vorn Cardinal-Staatsfecretär Jaco- bini empfangen wurde, lieber die Ursachen und die Erfolge der Mission des leitenden russischen Staatsmannes kann man sehr verschiedenen Anschauungen begegnen, ein Beweis, wie wenig man hierüber eigentlich weiß. Aus verschie­denen Anzeichen kann man indessen doch entnehmen, daß es sich bei der Rund­reise des Herrn v. Giers um orientalische Angelegenheiten handelt und dürsten die Resultate dieser Reise wohl erst später zu Tage treten.

In Oesterreich hat in dieser Woche die parlamentarische Cam­pagne wieder begonnen. Die neue Session des österreichischen Reichsrathes wurde am vergangenen Dienstag mit einem Expose des Finanzministers für Cisleithanien, Dr. v. Dunajewski, über die Finanzlage des österreichischen Staates eröffnet. Rach der Darstellung Dunajewski's sind die wirthfchaftlichen und finanziellen Verhältnisse des Donaureiches in entschiedenem Aufschwünge be­griffen und dementsprechend prangte auch das Finanz-Expos^ in den hellsten Farben. Für 1883 ist nur ein Deficit von ca. 31 % Millionen Gulden vor­handen und auch dieses schmilzt nach den Zahlengruppirungen des Finanzmini­sters auf die Summe von 6 Millionen zusammen. Indessen, Herr v. Duna­jewski schaut die Dinge doch wohl in zu rosigem Lichte und das Steuerbouquet, welches er dem Reichsrathe schließlich präsentirte, ist eine bedenkliche Zugabe zu seinen günstigen Darstellungen. Er kündigte nämlich Gesetzentwürfe, betr. die Erwerbsteuer, die Besteuerung der zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichteten Erwerbsunternehmungen, die Rentensteuer und die Personal-Einkommensteuer an. Von der Reichsraths-Majorität wurden die Ausführungen Dunajewski's mit Beifall ausgenommen. .

Aus Frankreich mar in dieser Woche an rein politischen Vor­fällen wenig Neues zu melden. Die Deputirtenkammer nahm in ihrer Sitzung vom 6. December das Budget des Handelsministeriums an, wobei Minister Tirard entschieden gegen neue Creditforderungen sprach und erklärte, man müsse einhalten wenn man nicht das Gleichgewicht der Finanzen in Frage stellen wolle. Die Scandalsucht der Pariser wird durch den Anfangs der Woche begonnenen Proceß gegen die ehemaligen Directoren der zusammengebrochenenUnion G6närale", Bontoux und Feder, neue Nahrung erhalten, nachdem schon die Verwundung Gambetta's, sowie seine angeblichen Conspirationen gegen den Präsidenten der I Republik, der Klatschsucht der französischen Hauptstadt überreichen Stoff aeaeben haben. In Cannes starb am Mittwoch der alte Revolutionär Louis Blanc nach kurzem Krankenlager.

Die jüngsten Mordanfälle in Dublin haben der englischen Regie­rung Veranlassung gegeben, der irischen Landliga wieder etwas schärfer auf

zner. g

1.882

Nr. 289.

Malier Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Zweites Blatt. Sonntag den 10. December

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Bureaur Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.