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iSm Donnerstag den 10. August 1S82.
LP. 15 ’♦ O
Gießener Anzeiger
Amts Md Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
------------------------ --------------------—-------- “ Prei- viertelstchrlich 2 Mark 20 Pf. mit Brin^rkohn. ------ ” Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. BareAM r Schulstrahe v. 18.________
Amtlicher Hheik. Bekanntmachung.
Sa.
Morgenlandes.
des
Vertheilung
bei
der neuen
Es gehört dazu allere
steuern 3t. 9,20
27,70 24,90 12,40 12,10
13,10 26,10
3t.
10,40 41,70 31,60 16,70 16,40 14,10
26,30
Zölle und Verbrauchs-
Gefälle
3t.
1,20
14,—
6,70 4,30
4,30
1- 0,20
Stempelsteuern
3t
467,409,028 1,579,617,560 1,090,205,438
477,540,000
365,382,600
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich Rußland
Auf den Kops der Bevölkerung: Stempel-
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Aeulschkand. a ;
Berlin, 5. August.
9fn Kaluga, unweit Moskau, sollte neulich eine »gründliche R Vision des Ge- I Ananisies stattfinden. Zum Revisor war ein Beamter des Moskauer Gerichts- koses ernannt worden und der Vicegouverneur'hatte den Auftrag erhalten, den Revisor bei der Jnspicining zu begleiten. Wenige Stunden, bevor die Revision iinfanaen sollte, wird dem Revisor gemeldet, die Arrestanten haben einen großartigen Tumult angefangen, cs wäre sehr gefährlich, das Gefangmß unter diesen Berbältnifien zu inspiciren, man möchte lieber abwarten, bis es den Oefangmß- behördcn gelingen würde, die aufgeregten Gemächer der Arrestanten tiaen Der Bicegouverneur, welcher den Revisor begleiten feilte, war spurlos verschwunden. Der Revisor war über diese Vorgänge Nicht wenig erstaunt, aber er entschloß sich, der Gefahr zu trotzen und das Gezangniß dennoch zu inspiciren. Als er in's Gefängniß kam, ließ er emen Arrestanten, Namens Veresnikow, welcher als der Urheber der Tumulte bezeichnet wurde, »or sich rufen und fragte ihn über die Ursachen der Unordnungen. „Verehr- tefter Herr Beamter" antwortete der Arrestant, „sind Sie im Stande, 4 Lage ohne jegliches Essen zu leben? - wir können es nicht und darum ntachen wir Tumult - geben Sie uns zu effen und mir werden ruhig fein. Die Sache würde untersucht. Es verhielt sich wirklich, wie der Arrestant sagte, wahrend 4 Tagen waren die unglücklichen Gefangenen ohne Essen geblieben und waren schließlich in Wutb geralhen. Das für die Beköstigung bestimmte Geld war iedoch — mit dem Gouverneur — verschwunden.
_ deutschen Reichstage sowohl, als auch in den nordamerikanischen blättern ift schon wiederholt auf die ungehörige Behandlung aufmerksam gemacht worden, welche Auswanderer aus einigen Dampfer-Linien zu erdulden Haven. Diese Vorkommnisse haben auch wiederholt bereits der Einwanderungs-Commission des Staates New-York Veranlassung gegeben, sich damit zu beschäftigen. Der Beob. an der Elbe" stellt neuerdings, gestützt auf Mittheilungen der „N. Y.
V Z", eine Reihe von Enthüllungen zusammen über Unglücksfälle, die auf einer niederländischen Linie vorgekommen sind. Die fragliche Linie: „Königlich niederländische Dampfschiffs-Compagnie" (Kronlinie) mit dem Sitze in Amsterdam, tst auch in Deutschland vertreten, es muß daher im Interesse des deutschen Publikums liegen, den Umfang der Ungeheuerlichkeiten kennen zu lernen, die derüalich der Schiffe dieser Linie Seitens der Einwanderungs-Commission in New-York constaürt sind. Die „N. Y. V. Z." theilt nämlich unterm 10. Juni mit daß auf den Dampfern „Surrey, Nemesis, Stella, Castor, Jason" das Essen zum Theil nicht nur schlecht und ungenießbar war, sondern auch in Er- inangelung von Eßtischen auf den Betten der geschlechtlich nicht einmal getrennten Passagiere, und zwar in hölzernen Kübeln servirt wurde, daß auf dem einen Schiff der' Schiffsarzt in der Regel betrunken war, auf dem andern sich allzuviel mit den weiblichen Passagieren zu schaffen machte, daß ebenso einzelne Schiffsbeamte gewaltsame Attentate auf Frauenzimmer machten, in einem Schiff, das leck wurde, keine Pumpen vorhanden waren oder wenigstens nicht angewendet wurden, während die Passagiere in Kübeln das Wasser aus dem Schiffsraum schleppen mußten, daß auf einem und demselben Schiff den Passagieren verschiedene Uebersahrtspreise abgenommen wurden u. dergl. Wir constatiren diese amtlichen Erhebungen, um den deutschen Auswanderern klar zu machen, welchen Weg sie nicht zu wählen haben.
— Von Seiten der Negierung ift Anweisung ergangen, durch die öffent- tichen Organe auf den ersichtlichen Nutzen hinzuweifen, welcher den gewerblichen Kreisen durch die Gotthardbahn erwächst. Es sei bereits anerkannt, daß deutsches Eisen Keffelbleche u. s. w. auf dem neuen Wege in Italien, da, wo man es kennen lernte, das französische Eisen, weil billiger und bester als dieses, bereits vollständig verdrängt hat. Er wird Sache auch anderer industrieller Kreise fein, die ihnen durch die Gotthardbahn geschaffene Erleichterung zu weiterer Verbreitung ihrer Erzeugnisse nach Kräften auszunutzen.
— Der „Deutsche Reichs-Anz." bringt folgende Warnung: „Nach Mit- iheilungen aus Neapel befindet sich feit geraumer Zeit am dortigen Platze eine Anzahl von Jndustrierittern, welche unter wechfelnder Firma, auf die Leichtgläubigkeit fremder Fabrikanten fpeculirend, sich durch geschäftsmäßig abgefaßte Circulare und Offerten Maaren. u verschaffen suchen, dieselben aber gleich nach Empfang, wenn auch zu Schleuderpreisen, versilbern, ohne an die Bezahlung ber unvorsichtigen Absender zu denken. Als Versuchsfeld für ihre Schwindeleien sollen diese Jndustrieritter auch Deutschland ausgewählt haben. Den deutschen Fabrikanten ist daher bei der Einleitung und dem Abschlüsse von Geschäften dorthin Vorsicht zu empfehlen."
Berlin, 6. August. Der Reichstags-Abgeordnete Grad, Fabrikdirector zu Logclbach im Kreis Kolmar i. E., veröffentlicht im Mülhaufer „Expreß" eine längere Rede über die Finanzreform des Reiches. Die „Elsaß-Lothr. Ztg." hebt daraus folgende Stelle hervor:
1,205,095,400
Ver. Staaten 1,355,229,000
»erlitt, ?. August. Deutschland „je deutsche Golonv-
Unter diesem Titel äußert sich^der „Düss l l - ö oert<etlm reicht für die sationspolitik u. A bQ$Jn‘ . iim (SnnHicte in vermeiden welche der Auf-
Cultivationskraft Bethelligttn au . Um st UJ unftcn Europas verpfuschen gäbe für ein ganzes Jahrhundert, ia, für m z Weisheit und Macht
können, ist allerdings Engwr^ds ^^Frmnkre^s, Rußlands, Italiens,
vereinigt und die Ansprüche^der Türketz 0lQr™^n Die Türkei wird ihren
Spaniens und Deustchlands harmonisch z 0 "P J g-schichtlich und geographisch Schwerpunkt in^lem°st-ri zu n-hm.n^h°bm. ^nten^st g^w &rgtS$ feiner der Erbe von Marokko und eS fchMl um cvtalten wird sich in Tripolis oder
Marine an, d.ese Erbansprüche geltend z $ Frankreich hat Algier, Tunis und Äbyssinien -'st E°wnis°li°nsg-biet schaff k „ und di- Schweiz neutralisirt werden, den vnermeßlrchenSudaw Egypten rann ^lonffationspolitik da suchen, wo ihn Deutschland muß n dem herrenlosen, vom Muhamedanismus noch
bereits der große Kurfürst stxiri- » au[^ möglich, mit dem Oberhaupt-
säst unberührten Kentratafrsta. Dadurch ist ^^^^en und die Rolle des des Muhamedanismus, dem öuita , u cv 6ren Entdeckung des Seewegs
L-lt stattfand, ging Deutschland nach Indien und Amenra^eme wuv nafe ßanbelStntereffen hegte und bei der kaiser- leer aus, weil dre Hansa nur interuayümaie Hanveisinrer^^ (eine nationalen
"chen Machtlosigkeit und her nat,0^”e ^dhellbUckende Versuch des großen Kur- Inter eßen pflegen konnte. Auch auf überseeischen Besitz anzumelden und geltend ä ES
MZWMWZMWW Behütung übergeben. Dieser wies die Hollander fru ° «sieben ^ahre vertheid'gte Saute Fahne nur an Brandenburg übergeben M wollen, s eben Jahre ve y der tapfere Neger aus Liebe zu Brandenburg das For^ da^erf
macht. Was damals im Kleinen ge,chah, w.uß sich im ^roven e§ Dr. Hübde-
Afrika muß -in R-u-Teutschland "l'llrhtw ein deutsch. Brandenburg in unseren Schleiden nennt, ein deutsches Indien. Wie aus dem überseeischen Idee des
Tagen das mächtige deutsche Kanerreichwurde so muß aus der erhabenen
großen Kursürsten -in- üb-rs-->sch-TH°t werdew M-s '»r * Continental-
Gedanken des Reichskanzlers reis, bi- th°r-cht- ^z'„ich-n Colonisationspolitck
Politik in Europa zu verlassen und die kluge ^attonen Folge zu verschastcn,
zu beginnen. Diesem Gedanken bei den eu op f Mission. Es gehört dazu allerist nicht nur Deutschlands Interesse, sondern ferne M Fnedensfürst g--
dings das moralische Ansehen, welches der deutsche xa i
wonnen Hot- ..., „,-hrHteten Nachrichten über im Innern EgYP-
— Bezüglich der verschiedentlich verbreitet « im Widerspruch haart
tens an Europäern verübte GreueUhaten wird der^^c^ ^^ri feftftanben: .
aus London vom 30. Juli telegraphirt, d tz s tz ' proklamirte nicht den heiligen Ki reg
^Jn Kairo fand kein Massacre statt, Aravr pror angeblichen Mapacres
sondern nur den Widerstand fl^en Brutalitäten kamen vor, allem auch nur im Inneren des Landes waren erfunden, -orm
vereinzelt." r Meldung und das geschieht heute durch dre.Daily
Bestätigt sich diese ersreul cheMeldung^^ ^sche Correspoudenten verbreiteten News', so hätten wir in den ou»McßU» vu ^glischen Sch'lderungen von dcn Greuelberichten aus Egypten etn P ^bristen vollzogenen Pfählungen, welche Herr.» durch die Türken in /Bulgarien an Sturmes der "Mrocity Meetings
Gladstone den erwünschten Anlaß z sich heraus, daß die von den ^vgländern
gaben. Als der waren, als - in Getreidefeldern zum Schutze
'Ä Vögo'au"sg-st-lli- P°p°nz^ bislang mit Mllich-r Sorg- davor bangten,
- Die englischen Zeitung n^. m Beduinen ein Leid geschehen, haben letzt, wo eS möge dem Suez-Canal M Schutzorgan für die Wasserstraße zu schaMN
Europa Mrene daß der Canal gar keines SLutzes bedürfe. Bis fetzt konnte
Es liegt uns sicherlich nicht am Herzen, die deutsche Einheit zu besestigeff, aber wer die Frage vom objectiven Gesichtspunkte aus betrachtet^kann ^den Wertb der Pläne des großen Kanzlers für die Finanzen ber Emzelstaaten nicht bestreiten In Deutschland beträgt jetzt das Ergebniß der Zölle und Verbrauch- steuern auf den Kopf 11 Frcs. 50 Cts. gegen 34 Frcs. 60 Cts in Frankreich. Die nachfolgende Aufstellung ergiebt ein Verhältniß von 280 pCt. ben
Men pro Sopf der Bevölkerung aus den Stempel- und Verbrauchssteuern in Frankreich und Deutschland."
Jährlicher Ertrag der Verbrauchs- und


