Samstag den 10. Juni
-tr. 132
1882
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bttrean r Schulstraße B. 18.
und verpflichte mid
stattfinden.
Gießen, am 2. Juni 1882.
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Dienstag ben 27. Juni, im Gasthaus zum Nappen zu Grünberg, Vormittags 9 Uhr, Mittwoch den 28. Juni, in dem alten Rathhause zu Gießen, Vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 29. Juni, daselbst, Vormittags 8 Uhr,
Freitag den 39. Juni, im Rathhause zu Lich, Vormittags 9l/2 Uhr,
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Der Cwllvorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen. Dr. Hoffmann, Negierungsrath.
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Deutschland.
Darmstadt, 7. Juni. In der Plenarversammlung der Großh. Centralstelle für die Landwirthschast vom 1. Juni theilte nach der „Darmst. Ztg." der Vorsitzende, Herr Ministertalrath Dr. Jaup, mit, daß die Landwirthschastslehrer der landwirthschast' ltchcn Provinzialoereine demnächst als Staatsdiener angestellt werden; ferner seien von der Großh. Regierung für Förderung des Obstbaues wie der Pferdezucht größere Summen in das Budget ausgenommen, für den Neubau einer landw. Versuchsstation aus Staatsmitteln sei die Verwilligung ertheils und werde Voraussicht! ch schon dem nächsten Landtag eine Revision des Gesetzes über die Zusammenlegung der Grundstücke vorgelegt werden. Beschlossen wurde, die im September abzuhaltende General-Versammlung der landw. Vereine aus einen Tag (den 21.) zu beschränken, und soll über nachfolgende Gegenstände resertrt werden: 1) Ist die Errichtung einer Landescredit- koste für das Großherzogthum im Intec esse der lardw. Bevölkerung angezeigt und welche Vorschläge können in dieser Beziehung gemacht werden? 2) Die Organisation der Wettertelegraphie tm Dienste der hessischen Landwirthschast. 3) Beschluß über die Wiederkehr der Generalversammlungen der drei landw. Vereine.' Es wurde ferner beschienen daß auch für die ^olge Generalversammlungen der drei Provinztalvereine ftattstnden sollen deren nächste innerhalb 10 Jahren zu berufen ist, und sodann zur Berathung über die Organisation des Vieh-Versicherungswesens geschritten, welcher ein sehr eingehendes Commlsstonsgutachten des Herrn Geheimerath Dr. Gold mann zu Grunde liegt we chem dafür besonderer Dank votirt wird und wonach bei Großh. Ministerium die Errichtung einer staatlichen Zwangs-Rindvieh-Versicherungsanstalt auf Grundlage allgem'm zu gründender Ortsoerficherungen in Anregung zu bringen sei. Der Antrag dec Commission wurde nach längeren und eingehenderen Debatten abge- lehnt dagegen ein inzwischen erngegangener Antrag, „Großh. Centralstelle wolle bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz die Prüfung der Frage der Errichtung einer staatlichen Zwangs Rindvieh-Versicherungs-Anstalt auf der Grundlage allgemein zu gründender Orts Verstcherungs-Vererne in Anregung bringen und Großherzogltchcs Ministerium ersuchen, das eventuell darüber gewonnene Material der landw Centralstelle zur weiteren Behandlung mitzutheilen", angenommen. Wieder angenommen wurde der Antrag: „Großh. Centralstelle wolle eine Commission (der sie zugleich Cooptationsrecht verleihe) ernennen, welche den Auftrag erhalte, die Frage der Fettbestimmung in der Milch zum Zweck der polizeilichen Markt-Controle erperimentell zu bearbeiten, sowie ferner die Frage des zu beanspruchenden Minimalgehaltes an Fett in ganzer Marktmilch durch Zahlenerhebungen auf den betreffenden Gebieten der land- wirthschaftlichen und polizeilichen Praxis klar zu stellen und der Großh. Centralstelle bis zu ihrer nächsten Sitzung Bericht darüber zu erstatten". Die Versammlung nahm ferner den Antrag an: „Die Großherzogl. Centralstelle wolle beschließen zu erklären: y ^mäßige Durchführung der Landesmelioration und Cons'olidation der
Vorbedingung für intensive Wirthschaft, Lebensbedürfniß für die Land- Großherzogthums; 2) die planmäßige Durchführung von Meliorationen und Consolldationen in wünschenswerthem Umfange ist abhängig: a von einer durchgreifenden Umarbeitung unserer ganzen Culturgesetzgebung, b. von der Schaffung einer der Landescultur dienenden Organisation". Der aus der Verhandlung erwachsende weitere Antrag: „Dre Großh. Centralstelle wolle beschließen: Die Zusammenstellung aller . u Großherzogthum Hessen bestehenden Gesetze, Verordnungen und Vorschriften über L>. ndescultur und was danut zusammenhangt, bei Großh. Staatsregierung zu be- antragen , und ebenso der: „Den Gegenstand nochmals zur fpecieden Berathung in ber enflrDerfommIun0 der Großh. Centtalstelle zu bringen und zum Zwecke der Berichterstattung eine Commission zu ernennen, deren Zusammensetzung dem Präsidium zu überlassen ist", wurden ebenfalls angenommen.
Berlin, 7. Juni. Der „Deutsche Schulverein" erläßt soeben folgende Erklärung:
Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade in säwnrtlichen Aushebungsorten zu gestellen:
u. die zur Ersatz-Reserve I. Klasse in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen;
b. die von der Ersatz-Commission als tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen; e- die von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten;
<1. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen.
Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb Tagen anzuzeigen. Die Militärpflichtigen sind außerdem anzuweisen, ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen.
Die zur Benrtheilung von Reclamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheineu.
Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.
Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober-Ersatz-Geschäste selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen rechtzeitig zur Stelle sind.
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Nachdem der Deutsche Schulverein seine „Offene Antwort" auf die im ungarischen Abgeordnetenhaus lautgewordenen Angriffe veröffentlicht hat, ist in Ungarn eine Anzahl von Volksverjammlungen gegen den Verein veranstaltet, deren Protokolle und Resolutionen, 31 an der Zahl, demselben zugestellt sind. Auch die Zeitungen haben darüber berichtet. Auf den Verein konnten nun freilich diese Reden und Beschlüsse um so weniger Eindruck machen, da ihm die von Pesth ausgehende Agitation schon vorher bekannt geworden war, so wie er auch über die angewendeten Mittel unterrichtet war, und erfuhr, wie schwer in manchen Fällen die Ausführung geworden, wie der Versuch in noch anderen gescheitert, ja daß sogar eine Resolution einer Versammlung veröffentlicht ist, welche gar nicht zur Beschlußfassung gekommen war. Weil aber doch Manche, welche. über die Sachlage nicht unterrichtet sind, irregeführt werden könnten, sehen wir uns veranlaßt, öffentlich zu erklären, daß nirgends auch nur ein Versuch gemacht worden ist, die offenkundig vorliegenden und von uns ausgesprochenen Thatsachen zu widerlegen, wie es denn auch vollkommen unmöglich ist. Es werden vielmehr dem Vereine Absichten und Behauptungen unterlegt, welche ihm ganz fremd sind. Es wird Verwahrung eingelegt gegen seine Unterstützung und Hilfe. Diese aber wird Niemand aufgedrängt, und mit denjenigen, welche mit der Vertilgung der deutschen Schulen, mit der Verdrängung der deutschen Sprache aus der Verwaltung und Rechtspflege, selbst aus den Verhandlungen der Gemeindebehörden deutscher Ortschaften ganz einverstanden und zufrieden sind, und ihr vorgebliches Deutschthum nur deshalb hier geltend machen, um es in demselben Athem zu verleugnen, hat der Verein nichts zu schaffen. Er bietet nur seine Hilfe denen, welche sie wünschen, gerade so wie auch die Magyaren ihre Landsleute im Auslande zur Aufrechterhaltung ihrer Nationalität unterstützen. Wie fern ihm eine feindselige Absicht gegen das ungarische oder irgend ein anderes Staatswesen liegt, geht aus seinen Statuten und aus der in der „Offenen Antwort" enthaltenen unzweideutigen Erklärung vollkommen genügend hervor. Der Verein hat daher auch die lebhafteste Anerkennung gefunden in großen öffentlichen Versammlungen der Siebenbürger Sachsen. Dieje, welche in vielen der oben erwähnten Schriftstücke ohne allen Nachweis als vaterlands- seindliche Anstifter der ganzen Bewegung beschimpft werden, haben m nachdrücklichster Weise zugleich betont, daß ihnen eine solche Gesinnung völlig fremd i|t, und daß man sehr wohl ein patriotischer ungarischer Staatsbürger jein und bleiben kann, während man das unveräußerliche Recht femes Volksthums mit allen gesetzlichen Mitteln zu vertheidigen bestrebt ist. Der Deutsche Schulverein — dem auf Grund zahlreicher Zuschriften sehr wohl bekannt ist, daß auch in Ungarn dieselbe Gesinnung vorhanden und verbreitet ist, üch aber öffentlich zu äußern nicht wagen darf - wird sich in ,einer Thatigkeit nicht beirren lassen, sondern dieselbe unverändert fortsetzen.
_ Die Commission zur Vorberathung des Unfall- und Krankenkassen- Gesetzentwurfs hat heute die §§10, H und 12 der Vorlage erledigt und damit die Berathungen über die Bestimmungen, bett, die Gemeinde-Krankenkassen, beendet Ueber den Verlauf der Verhandlungen hören wir Folgendes:
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Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Mai 1882 veröffentlicht:
Hafer 17, Heu 6,80, Stroh Jl. 6,20 per 100 Kilogramm.
Gießen, den 8. Juni 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
______________________________________________________Dr. Boek mann.
Betreffend: Das Ober-Ersatz-Geschäst für 1882.
Bekanntmachung.
Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1882 wird im Kreise Gießen


