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gen bewahrheiten, so hat die Herrlichkeit Tewfik Paschas einen neuen Stoß erhalten und der Gedanke einer eventuellen türkischen Intervention in Egypten verdient unter solchen Uinständen ernstlich in's Auge gefaßt zu werden.

Deutschland.

Berlin, 7- Mai. DieK. Z" schreibt:Gestern Abend kurz vor 10 Uhr ergrünte dem kräftigen Stamme des hohenzollcrnschen Kaiser- und Königshauses em neues Reis: Prinz Wilhelm ist Vater eines Sohnes geworden. Unserm Kaiser Wilhelm ward also die Freude, seine Thronfolger bis ins vierte Geschlecht zu erblicken. Ein eiiizig dastehendes Ereignitz. Auf dem Throne ein Greis in voller Rüstigkeit des Geistes wie des Körpers, ihm zur Seite ein Sohn in edelster und strahlendster Manneskraft, dessen Sohn wiederum gleich dem Vater mit dem ganzen geistigen Rüstzeug der Ge­bildeten seiner Nation ausgestattet und nunmehr gleichfalls Vater eines künftigen Thron­erben geworden ist. Fürwahr: ein ganzes G-schlecht von Königen in jedem Betracht, mit Recht der Stolz wie die Liebe der Nation. Möge der jüngste Hohenzoller alle Hoffnungen erfüllen, die seine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern mit dem ganzen deutschen Volke an seiner Wiege hegen und zu denen die edlen Tugenden der väterlichen wie mütterlichen Vorfahren so vollauf berechtigen. Mögen für und für Himmelshuld und Glück über dem Hohenzollernhause walten wie bisher!"

Berlin, 7. Mai. Während des Krieges von 1864 war eine Anzahl von Häusern, die gerade vor den Düppeler Schanzen standen, auf Befehl des dän schm Oberbefehlshabers zu besserer Verthcidigung jener Werke nach vorgängiger Taxation abgebrochen und das Material zum Schanzenbau verwendet worden. Die Hälfte des Taxwerthes ist den Beschädigten im Gnadenweg von der damaligen Schleswig-Hol­steinischen Staatskasse ersetzt worden, einen Ersatz der anderen Halste haben dieselben jedoch im Proceßwcge weder von der dänischen Staatskasse erstritten, noch vom preußischen Staate oder vom Schleswig-Holsteinischen Provinzialverbande erlangen können.

Die Beschädigten haben sich nun petitionsweise an den Landtag gewandt und beantragt, daß aus Billigkeitsgründen ihnen die restirenden 38,960 M. aus der preußischen Staatskasse möchten gezahlt werden.

Die Petitions-Commission hat aber beschlossen, dem Hause vorzuschlagen, über dies Ersuchen zur Tagesordnung überzugehen, nachdem der Regierungs-Commffsar Geh. Rath Rüdorf ausgeführt hatte, daß es sich im vorliegenden Falle um einen von Dänemark verursachten Kriegsschaden und nicht um eine vom Dänischen Staate vor­genommene Expropriation handle. Einen derartigen Kr'egsschaden zu ersetzen, sei rechtlich auch wohl Dänemark nicht verpflichtet und Billigkeitsgründe können für die Petenten nicht anerkannt werden, da in den alten Provinzen Kriegsschädcn allgemein nicht ersetzt seien, etwaige Zuwendungen aber zahlreiche Reclamationen veranlassen könnten, deren Tragweite gar nicht zu übersehen sei, besonders mit Rücksicht aus die großen unersetzten Kriegsschäden von 180615.

Berlin, 7. Mai. Das Civilstandsgesetz ist bekanntlich vielen Leuten ein Dorn im Auge, obgleich den amtlichen statistischen Ausweisungen nach sich kein Rückgang des kirchlichen Sinnes ergeben hat, sofern man die Gesammtheit in Betracht zieht. Zugegeben inuß allerdings werden, daß die Statistik nicht immer vollständig ist; keineswegs ist aber die Wirkung des Gesetzes eine solche, wie man sie häufig dargestellt findet. Der hauptsächlichste Verteidiger des Gesetzes ist deshalb auch die Reichsregierung und der Bundesrath selbst, von welchen alle bisher auf eine Revision bezüglichen Anträge abgelehnt sind. Auch in der Bundesrathssitzung vom Sonnabend ist dies wieder einem Mecklenburgischen An­träge pasfirt, so daß also wohl vorläufig kaum große Aussicht auf Aenderung des herrschenden Zustandes ist.

Der Antrag der Fortschrittspartei auf gesetzliche Entschädigung un­schuldig Verurtheilter oder Verhafteter erhält eine neue Illustration durch eine am 29. v. Mts. stattgehabte Gerichtsverhandlung in Bromberg. Ein Mühlen­besitzer, der 1876 wegen Brandstiftung verurtheilt worden war und diese Strafe auch verbüßt hat, ist vom Schwurgerichte für nichtschuldig erklärt worden.

England.

London, 7. Mai. Der Attorney General für Irland, Johnson, ist heute Abend nach Dublin abgercist. Der heute Nachmittag abgehaltenc Ministerrath dauerte von 3 bts 5 Uhr. tue hauptsächlichsten Mitglieder des Kabinets, mit Ausnahme Hartmgton's, nahmen an demselben Th-il. Die Mitglieder des dem jetzigen Kabinet vorausgegangenen konservativen Kabencts hielten um 2'/z Uhr bei Northcote eine Zusammenkunft ab und beschlossen, der Regierung ihr- Sympathie auszusprechen und dieselbe mit allen Ihren Kräften bei der Unterdrückung des in Irland herrschenden Mordsystems zu unterstützen, wenn die Regierung eine hierauf gerichtete Politik annehmen sollte. Northcote hatte vor dieser Zusammenkunft eine Besprechung mit Gladstone. Auf morgen ist ein Meeting der gesummten konservativen Partei nach dem Carlton-Square ctnderusen, um in dem­selben die Ansichten der Führer der Konservativen über die Lage kennen zu lernen. Man glaubt, daß dem Parlamente von dem Kabinet mit der Unterstützung der Kon­servativen Maßregeln zur Wiederherstellung der Ordnung und Gesetzlichkeit in Irland vorgeschlagen werden sollen. Das Gerücht, der Vicekönig von Irland, Lord Spencer wolle dem,ssiontreu, wird als falsch bezeichnet. Lord Hartington begicbt sich morgen nach Dublin, um der am Mittwoch stuttfindenden Beerdigung seines Bruders des Lord Cavendish, beizuwohnen. Von den hier wohnenden Irländern ist die Abhaltung eines großen Meetings in Hydepark beabsichtigt, in welchem dem Abscheu über das Atteniat Ausdruck gegeben werden soll. Wie verlautet, sind jetzt mehrere Ver­haftungen erfolgt.

Rußland.

Petersburg, 7. Mai. Nach einem von DeinRegier.-Anz." ver­öffentlichten Consular-Berichte ans Kuldscha vom 21. April d. Js. ist die chinesische Verwaltung in dem Jli-Gebiet in größter Ruhe restituirt worden Es sind nur einige Detailsragen noch zu erledigen. Einem Berichte des Generalgouverneurs von Turkestan vom 21. April zufolge richten sich die aus Kuldscha Auswandernden in dem Semisetschensk-Gebiet recht gut ein. Die Aus­saaten sind günstig. Die Anzahl der Niederlassungen beträgt gegen 5000. Die Auswanderung dauert noch immer in großem Maßstabe fort.

Deutscher Reichstag.

5. Sitzung. Montag, 8. Mai.

Präsident von Levetzow eröffnete die Sitzung um 11V, Uhr mit sola-nder Ansprache: °

Dem Hohen Reichstag habe ich Mittbeilung zu machen von einem für Seine Majestät den Kaiser, für dieses Haus und für das gesammte Vaterland gleich erfreu- liches Ereignitz. (Di- Mitglieder des Hauses erheben sich von ihren Plätzen.) Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Wilhelm von Preußen ist am Sonnabend den 6 d. M. Abends 93,4 Uhr, zu Potsdam ein Sohn geboten weiden, dem Deutschen Reiche rum ersten Male ein Erbe. Möge er ein Erbe sein der Tugenden seiner Väter. Gottes Gnade hat über Kaiser und Reich wahrhaft sichtlich gewaltet Ihm empsehlen wir den uns geborenen Prinzen und seine erlauchte Mutter. Was heute unsere Herzen freudig und hoffnungsvoll bewegt, das sei dereinst ein Quell reichen Segens, ein Quell der Einheit und Einigkeit, der Freiheit, der Macht und des Friedens für das Vaterland ein Quell der Furcht und des Schreckens für seine Feinde. Ich mache dem Reichst tag den Vorschlag, daß er sein Präsidium beauftragt, dem Kaiser, der Kaiserin dem

nre? Uvb= Kronprinzessin und dem Prinzen Wilhelm die ehrfurchtsvollen Glückwünsche des Hauses in geeigneter Weise darzubringen. Ich bemerke keinen Widerspruch und sehe meinen Vorschlag als einstimmig beschlossen an. (Beifall.)

Die Abgg. Frhr. v. Staussenberg, Frhr. v. Maltzahn und Alte n- Linden erklären, daß sie am Samstag bei dem Namensaufruf im Hause anwesend gewesen und ihre Namen mit Unrecht in der Liste alsgefehlt" bezeichnet stehen.

Abg. Dr. Mayr (Württemberg): Der Abg. Frhr. o. Wölwarth habe am Samstag vor der ganzen Nation conjlatirt, daß er (Redner) beim Namensaufruf nicht Saal getreten sei und auch seiner Aufforderung hierzu nicht Folge geleistet habe. Es sei das richtig er habe gejtrikt und sei er selbst dem kategorischen Imperativ des Abg. v. Wölwarth nicht gefolgt- Er habe der Sache ein Ende machen wollen: er wollte seinerseits zu dem Spiele, das mit dem Reichstage getrieben werde, nicht bei­tragen. Durch dieses Spiel sei das Gefühl von der Würde des Reichstages verletzt worden; das habe ihn aus dem Saale getrieben. °

_ Abg. Frhr. v. Wölwarth constatirt, daß er nur auf dieProvocation der linken Seite des Hauses den Namen des Abg. Mayr genannt habe.

n. ,, Tagesordnung, 1) Antrag Frohme wegen Aushebung der gegen die Abgg. Liebknecht und Kräcker schwebenden Strafverfahren für dtc Dauer der Session.

Der Antrag wird debattenlos genehmigt.

2) Fortsetzung der ersten Berathung der Gewerbeordnungsnovelle.

Abg. Günther (Sachfen) stellt sich vollständig auf den Boden der Vorlage. Das Pnncip der Gcwerdefrejhett werde durch dieselbe in keiner Weise verletzt, es handle sich ausschließlich darum, Ordnung im Gewerbewesen zu schaffen. Gerade im Interesse der Gewerbefreiheit liege es, wenn die auf diesem Gebiete hervorgettetenen Mißstände beseitigt würden. Wolle man die Beseitigung dieser Uebelständc nicht, dann wundere man sich nicht, wenn man schließlich diese Uebelstände mit der Gewerbefreiheit selbst ibentificirt. Von einer Stärkung der Polizeigewalt sei in dieser Vorlage keine Rede. Dieselbe wolle weder das Hausirgewerbe unterdrücken, noch den ehrenwerthen Stand der Handlungsreisenden herabdrücken. Im Gegentheil, die Vorlage wolle diesen davor jchützen, daß unter feiner Firma allerhand Mißbräuche getrieben werden von Leuten, die keine Handlungsreiscnden sind. Indem Redner die einzelnen von Lasker erhobenen Angriffe zu widerlegen sucht, kommt er zu dem Schluß, daß die Vorlage durchaus an­nehmbar sei und bittet, der Vorlage aus praktischen Gründen zuzustimmen.

Abg. Kayser tritt sehr lebhaft von seinem (socialdemokrattsch-n) Standpunkt aus gegen di- Vorlage auf. Nach derselben würde die Gewerbefreiheit nur noch für o-.e Großindustrie bestehen bleiben. Die Nothlage der bestehenden Gewerbe sei in den heutigen wirthschaftlichen Einrichtungen begründet und nicht durch das Hausirgewerbe veranlaßt. Um bessere Zustände herbeizuführen, müsse vor Allem der Borsenschwindel beseitigt werden. Die gegenwärtige Vorlage müsse seine Partei als mit dem freien Gewerbebetrieb unvereinbar bekämpfen.

, , Dr. Stephani (Sachsen) will auf die Details der Vorlage nicht eingehen und beleuchtet dteselbe mehr vom academischen Standpunkte aus.

Abg. Munkel tritt dagegen entschieden gegen die Vorlage auf, deren Tendenz lediglich eine Veränderung der polizeilichen Machtvollkommenheit bedeute und die nur einen politischen Character habe und auch in diesem Sinne gehandhabt werden würde

Abg. v. Köller führt hieraus aus, daß ein Noihstand vorhanden fei, dem ab- geholjen werden müsse. Er stellt in Abrede, daß der Polizei zu weit gehende Befug­nisse eingeräumt werden sollen, das Gewerbe solle nur von den auch von liberaler Seite anerkannten Mißständen gereinigt werden. Speeiell im Hausirgewerbe hätten ftcü ßroge Schäden bemerkbar gemacht, es wäre, rote sich eine Handelskammer sehr treffend ausdrückt, geradezu zu einer Landplage geworden. Wer auf dem Boden des practischen Lebens steht, müsse dringend Abhilfe fordern.

Die Vorlage wird hieraus an eine besondere Commission von 21 Mitgliedern verwiesen.

3) Erste und eoent. zweite Berathung des Consularvertrages zwischen dem Deutschen Reiche und Brasilien.

Abg. Dr. Kapp spricht für die Vorlage trotz der mancherlei Mängel, welche letner Meinung nach dem Vertrage anhasten. Aber die Vorthelle, welcher derselbe uns bietet, feien ebenfalls nicht gering anzuschlagen.

Der Vertrag wird nach einer weitern unerheblichen Sp-cialdebatt- vom Hause genehmigt. Das Haus vertagt sich hierauf. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr. Tages­ordnung: Berathung des Gesetzentwurfs betreffend Abänderung des Zolltarifs in V-r- binduna mit den Anträgen Schmidt und Gen. und Dr. Barth und G-n. auf Abänderung des Zolltarifs.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telcgr. Eorrcspondenz-Bureau.

Berlin, 8. Mai. Der Bundesrats) hat den Gesetzentwurf über die Unfallversicherung der Arbeiter nach den Ausschußanträgen angenommen. Die Vorlage geht unverzüglich an den Reichstag.

Wien, 8. Mai. DasFremdenbl." preist das hohe Glück, das dem Kaiser Wilhelm durch die Geburt eines Sohnes des Prinzen Wilhelm zu Theil geworden sei und sagt: Nicht blos in allen Gauen des deutschen Reiches, son­dern auch bei uns werden dem Kaiser Wilhelni an dem seltenen Frendentage der Hohenzollern die herzlichsten Glückwünsche dargebracht.

Prag, 8. Mai. In dem Strikegebiet ist bereits ein theilweiser Rück­marsch des zur Aufrechthaltung der Ordnung beigezogenen Militärs von dem Statthalter Baron Kraus verfügt worden. Fast an allen Orten sind die nor­malen Verhältnisse wieder eingekehrt. Hsute hat sich die juristische Fakultät der neuen czechtschen Universität hierselbst constituirt.

London, 8. Mai. Der Premier Gladstone und der Staatssecretär des Aeußern, Granville, werden in den heutigen Sitzungen des Parlaments beantragen, als Zeichen der Hochachtung für Cavendish und Bourke beide Häuser zu vertagen. Die Führer der Opposition werden, wie es heißt, diesen Antrag unterstützen. Forster hat der Regierung seine Dienste in Irland ange­boten. Dem ,,Standard" zufolge ist der Posten des Obersecretärs für Irland Chamberlain angetragen worden. Sämmtliche Morgenblätter drücken den tiefsten Abscheu und die tiefste Entrüstung über das Verbrechen aus und verlangen die Anwendung der schärfsten Maßregeln zur Uisterdrückung der Ge­setzlosigkeit in Irlands DieTimes" sagt, die Regierung stehe Angesicht zu Angesicht mit einem in England fast beispiellosen Zustande; kein Ministerium könne unter solcher Wucht der Verantwortlichkeit lange im Amte bleiben, falls es nicht verzweifelte Anstrengungen mache, seinen Charakter zu rehabllitiren. Es sei unumgänglich nothwendig, daß der Premier ohne Verzug den Beweis gebe, daß er endlich zu dem rechten Verständniß des wahren Charakters der Schwierigkeiten in Irland gelangt sei. DerStandard" und dieMorning Post" machen die Landliga für das Verbrechen verantwortlich. Die Ge­rüchte, es seien in Dublin mehrere Verhaftungen erfolgt, sind verfrüht. DieTimes" erfährt, die Regierung sei geneigt, das Amendement Gibson zur ersten Clature-Resolution anzunehmen, welches an Stelle der einfachen Majorität die Zweidrittel-Majorität setzt.

Dublin, 8. Mai. In einem von der Landliga erlaffenen, von Parnell, Dillon und Davitt unterzeichneten und an das irische Volk gerichteten Manifeste heißt es, am Vorabende einer glücklichen Zukunft habe das traurige Geschick, von welchem Irland seit Jahrhunderten verfolgt werde, die Hoffnungen der Irländer getroffen. Die Landliga spreche dem irischen Volke und allen denen, die, in jüngster Zeit sich für eine Politik der Versöhnung entschlossen hätten-, in dieser Kalamität ihre aufrichtigste Sympathie aus und hoffe, daß das gesammte irische Volk durch die Art seiner Handlungen beweisen werde, daß es das Ver­brechen des Mordes verabscheue, sie hoffe, daß das irische Volk auf jede Weise seinen Abscheu über die gräßliche That und seine Theilnahme für die in Trauer