1882.
Mittwoch den 10. Mai
Nr. tos.
nzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme be5
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PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlo! n.
Durch die Post bezogen merteljäürlich 2 Mark 50 P">.
' chulstraße B. 1^.
Meßmer
Betreffend: Die allgemeine Berufsstatistik vom 5. Juni 1882. Sieben, am 8. Mai 1882.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen *
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Tie für die allgemeine Berufsstatistik nothwcndigen Formulare sind nunmehr an Sie abgesendet worden und es hat die Vertheilung derselben zu geschehen.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom II. April l. I. in Nr. 87 des Gießener Anzeigers weisen wer Sie an, nach erfolgter Erhebung die ausqefüllten Zählformulare, Controllisten und Gemeindebogen, geordnet nach Zählbezirken und Nummern , m gehöriger Verpackung^ an uns em,ulenden, und ,wai für Gemeinden von unter 2000 Einwohnern längstens bis zum 22. Juni, für größere Gemeinden längstens bis zum c>. ,suh l. ,j.
Dr. Boekmann.
Nr. 11 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 6. d. M., enthält:
(Nr. 1469.) Verordnung, betreffend die Verwendung giftiger Farben. Vom 1. Mai 1882.
Gießen, den 9. Mai 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Voekmann.___________________________________
Betreffend: Den Unterricht in den Fortbildungsschulen. Gießen, am 8. Mai 1882.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Conmüssion Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir sehen der Einsendung der noch rückständigen ^Berichte in rubr. Betreffs Gießener Anzeiger Nr. 83, innerhalb 8 Tagen entgegen.
Dr. Boekmann.
--— " ' ’ Gießen, den 8. Mai 1882.
Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grosiherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme von Gießen).
Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß häufig die Anmeldungen über neu aufgenommene, oder aus einer Pflege in eine andere, übergegangene fremde Pflegkinder unter 6 Jahren erst lange nach der vorgefchriebenen Zeit dem Großherzoglichen Kreisgesundheitsamt Gießen gemacht werden, loroie auch daß vielfach die vorgefchriebenen Ueberwachungen dieser Kinder durch die Gemeinde- oder Armenärzte nicht stattfinden.
Wir sehen uns deßhalb veranlaßt, Sie zur genauen Befolgung dieser Vorschriften aufzusorderu.
Dr. Boekmann. ___
Politische Ueberstcht.
Gießen, 9. Mai.
Mit der ersten Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung, in welche der Reichstag am vergangenen Freitag getreten ist, hat die Reichstags- Campagne eigentlich erst de facto ihren Anfang genommen. Die genannte Vorlage ändert eine ziemliche Reihe von Paragraphen der Gewerbeordnung in ihrem materiellen Inhalte ab. Die einschneidendsten Tiobificationen betreffen das Haufirgewerbe und den Geschäftsbetrieb der Handlungsreisenden, außerdem werden für eine Anzahl von Kleingewerben Bestimmungen getroffen, die theils eine wirkliche Concession, theils wenigstens die Beibringung von Prüfungszeugnissen für den Betrieb voraussetzen. Was die nächsten Dispositionen für den Reichstag anbelangt, so soll nach der vorläufigen Erledigung der Gewerbeordnungs-Novelle die Vorlage über die Abänderung des Zolltarifs und dann erst das Tabakmonopol zur ersten Lesung gelangen. Die Monopoldebatte wird wahrscheinlich erst am Freitag beginnen und erscheint das Resultat der ersten Berathung der Monopolvorlage, nämlich die Verweisung derselben an eine Com- mijsion, zweifellos, da hierfür die gelammte Rechte und der größte Theil des Centrums stimmen wollen. Die Beendigung der ersten Leiungen wird für den 16. oder 17. d. Akts, erwartet.
Das preußische Abgeordnetenhaus nahm in seiner Sitzung vom 4. Mai die kirchenpolitifche Vorlage mit den vom Herrenhaule hierzu beschlossenen Abänderungen definitiv an. Dagegen stimmten die Nationalliberalen, die Secessio- nisten nnd die Fortschrittler, sowie ein Theil der Freiconservativen. Am Sonnabend trat das Haus in die zweite Berathung des Verwendungsgesetzes ein. Auch das Herrenhaus hielt am Sonnabend eine Sitzung ab, für welche die Nothstandsvorlage für Oberschlesien, die Vorlagen über die Secundärbahnen und über die Eisenbahnräthe, sowie Petitionen ans der Tagesordnung standen.
Die Neubesetzung des österreichischen Reichs-Finanzministeriums scheint auf große Schwierigkeiten zu stoßen, da sie bis Dato noch immer nicht erfolgt ist. Als gewiß darf aber angenommen werden, daß ein Ungar Herrn v. Szlavi) ablösen wird, denn wenn der Kaiser hierzu einen Nicht- Ungarn berufen würde, so würde sicherlich jenseits der Leitha der größte Lärm ob dieser „Zurücksetzung" geschlagen werden. — Aus der Crivoscie werden noch immer kleine Zusammenstöße mit den Insurgenten gemeldet, doch sind dieselben von keiner großen Bedeutung.
Die Verhandlungen der französischen Kammern sind seit deren Wiederzusammentritt bis jetzt in größter Ruhe verlaufen. Daß es zu recht lebhaften Scenen kommen wird, ist jedoch nicht zu bezweifeln dafür werden schon die Gambettisten sorgen. Vorläufig scheint es, als ob dieselben den günstigsten Zeitpunkt zu einem Angriff auf das Cabinet Freycinet abwarten wollen, wozu die bisherigen Verhandlungen allerdings nnr wenig geeignet waren.
®er i?bite schöne Phönix-Park in der „Stadt an der Hürden- furt", der prächtige Wohnsitz der Lord-Statthalter Englands in Irland, ist am Samstag der Schauplatz einer Mordthat gewesen, wie die Geschichte von Dublin
in diesem Jahrhundert keine zweite aufzuweisen hat. Lord Frederik Charles Cavendish, der zweite Sohn des Herzogs von Devonshire und mithin der Bruder des gegenwärtigen Ministers für indische Angelegenheiten, Marquis v. Har- tington, und Thomas Bourke sind ermordet worden, unmittelbar nachdem sie den Boden Irlands betreten hatten. Der neue Lord-Statthalter Earl Spencer war mit Gefolge und in Begleitung des neu ernannten Staatssecretärs Cavendish, sowie des Unterstaatssecretärs Bourke am Freitag Abend 8 Uhr 25 Min. von London abgereist. Die Ueberfahrt erfolgte in der frühesten Morgenzeit am Samstag mittelst des Holyhead and Kingstown-Paket-Dampfbootes, auf welchem der Vicekönig bis 11 Uhr 30 Min. verweilte, um dann im Ertra- iuge die kurze Strecke von Kingstown bis Dublin Castle zurückzulegen. Gegen Mittag holte ihn eine Abteilung königlicher Dragoner festlich ein und geleitete ihn zur Burg, wo er in der üblichen Weise den Eid leistete, um dann nach seinem Amtswohnsitze im Phönix-Park zu fahren, woselbst auch die Amtswohnungen seiner Regierungsbehörden sind. Als die Zeremonien des Tages erledigt waren, machten Cavendish und Bourke noch einen Spaziergang durch den Park. Unterwegs kam, wie ein Telegramm von Sonntag früh meldet, ein Wagen an ihnen vorübergefahren. Plötzlich hielt der Wagen. Zwei Männer sprangen ab, griffen die beiden Staatsmänner an und brachten denselben mehrere Stiche in der Brust- und Halsgegend bei. Es scheint eine verzweifelte Gegenwehr stattgefunden zu haben. Allein die Mordbuben brachten ihre Opfer zu Fall und entflohen. Die Leichen wurden, fürchterlich verstümmelt, am späten Abend noch aufgefunden. Ihr Blut hatte den Platz der schauderhaften That rings getränkt und geröthet. Dies ist die Antwort Irlands auf die Wandlung in der inichen Politik der Gladstone'schen Regierung. Vielleicht war es „Capitän Mondichenff in Person, der solche Antwort gegeben.
Im Haag ist unter dem Vorsitze des niederlandffchen Minister^ des Aenßern, v. Rochnssen, in voriger Woche eine Commission, bestehend ans den Vertretern der Niederlande, Belgiens, Frankreichs, Deutschlands, Englands, Dänemarks und Schwedens zusammengetreten, behufs Abschlusses der im October v. Js. projectirten Convention über die Regelung der ilcordf^-Nffcherei. Die Unterzeichnung der Convention findet voraussichtlich in einigen -tagen statt.
Im Fürstenthum Bulgarien droht eine ernste Krisis auszubrechen. Die Mißstimmung gegen Fürst Alexander ist im Wachsen begriffen und eine starke Partei strebt nur schlechtverhüllt nach der Abletzung dessen., Es wird sogar nicht für unmöglich gehalten, daß Fürst Alexander von der Reise, welche er gegemvärtig nach Wien, Petersburg und Berlin unternommen hat, gar nicht wieder nach Bulgarien zurückkehren werde.
Die ernste Lage in Egypten ist durch einen Zwischenfall noch verwickelter geworden. Wie aus Kairo unterm 4. d. Alts, gemeldet wird, hat der angebliche Prophet Molidi die egyptischen Truppen neuerdings geschlagen und sich der Stadt Senaar bemächtigt. Derselbe marschirt gegen Kartonn, die Hauptstadt von Soudan (Ober-Egypten), welche ohne Vertheidiguilg ist. Dar- fonr und Cordosan befinden sich in vollem Aufstande. Falls sich diese Meldun-


