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7flne Die Schatten, welche der Kampf um das Mittelmeerbecken vor sich her wirft, haben Italien zu jenem Anschluß an die große Nordmacht getrieben, dessen erhabenes arib^je'nen Berühmtheiten, die zum Schaden ihres Ruhmes die Pöfunfl ihrer großen Aufgabe überlebten. Gleichwohl ragt seine von gluthathmender Vaterlandsliebe beseelte Heldengestalt aus dem Getriebe der kleinlrchen Parteiungen des heutigen Italiens empor wie ein Fels aus einer Brandung, und wenn man auf die Pygmäenkämpfe von heute blickt, mochte man den Italienern beirn Tode dieses alten Freiheitskämpfers zurufen:Es war ein Mann, nehmt Alles nur in Allem, wenn man auch freilich mit dieser Zeile das allbekannte Wort des Dichters ab-

$ Von mittelgroßer Statur, erfreute sich Garibaldi bis zum reifsten Mannesalter, bis zu seiner Verwundung bei Aspromonte, des kräftigsten Körperbaues und war, ab- ae sehen von seiner abenteuerlichen Tracht, eine interessante, sympathische Erscheinung. In seinem antik geschnittenen Gesichte drückten sich Kraft und Energie aus; dieser strenge Ausdruck wurde aber durch den freundlichen Blick feinet blauen Augen ge­mildert, mit dem er namentlich auf die Frauen wirkte. Der Charakter seiner Kopf- b kdung und sein übriger Habitus war nicht jener der romanischen und eher der brr geimanischen Race. Die ärgsten Gegner wurden bei emem persönlichen Zusammen­treffen Garibaldi von dessen überaus gewinnendem Wesen förmlich fasctmrt, und diese seine Milde hinwieder von ehrgeizigen und eitlen Anhängern ausgebeutet, die ihn bti dieser sogar zur Schwäche herabsinkenden Milde anzufassen wußten, um oft ihre selbstsüchtigen Pläne mit seinem Namen und mit Briefen zu decken, zu deren Abfassung er in seiner Schreibseligkeit leicht zu verleiten war. Gegen sich selbst strenge bis zur Askesis, war er fast kindlich nachgiebig gegen seine Freunde und Anhänger, wenn er ortrtotischen Eifer bei ihnen voraussetzte; unbeugsam aber war er auch gegen diese, trenn er mit ihnen in Waffen stand, und dann brachte er mit einer vorwurfsvollen Mge seines sonst so sanften Blickes die strammste Manneszucht zu Wege.

Lokales.

Gießen, 8. Juni. Das gestrige Jahresfest des Vereins für innere Mission in Tberhessen nahm einen überaus schönen Verlauf. Die Verhandlungen standen durchaus auf der Höhe der Situation, die Versammlung war von den Vorträgen der Referenten ganz hingerissen. Der Besuch von Seiten Auswärtiger war recht ansehnlich, von Hiesigen dagegen verschwindend. Man ist das ja schon nachgerade gewöhnt und gewiß begrüßt gar mancher diese Thatsache als ein erfreuliches Zeugniß der freisinnigen Ge- funung der Gießener Bevölkerung, die sich von solch' finsteren Werken fernhält. Von auswärtigen Gästen, die die Physiognomie solcher Versammlungen an anderen Orten kennen, wurde manch' bedenkliches Kopfschütteln wahrgenommen und manches Be­fremden geäußert über die für eine Universitätsstadt kaum begreifliche Erscheinung, daß ein Thema, wie die Auswanderungsftage, in der alle Fäden der socialen Frage zu- sammenlausen, und ein Redner, wie Dr. Fabri, der als eine der ersten Autoritäten au1 diesem Gebiet in der ganzen gebildeten Welt bekannt ist und überall, wo von bitfen Dingen die Rede ist, zu Rathe gezogen wird, kein größeres Interesse unserer geistig leitenden Kreise geweckt habe. Item, der Schaden ist auf der Seite derer, die nicht da waren, denn etwas gleich geistvolles, originelles, von vollendester Beherrschung bt5 Gegenstandes zeugendes wie der Vortrag des H^rn Dr. Fabri über die Ursachen nuferer Auswanderung und ihre Beurtheilung und ebenso nach der practischen Seite bet des Herrn Dr. Griesemann wird selten geboten.

Unmittelbar nach dertapferen" Predigt, wie sie mit Recht nachher bezeichnet wurde, unseres früheren Mitpredigers, jetzigen Pfarrers in Jugenheim in Rheinhessen Herrn Fretensehner, hielten die beiden Herren ihre Vorträge.

Herr Dr. Fabri vertritt eine ganz originelle Auffassung der Auswanderungs- frvge, die aber sachlich so wohlbegründet, so tief durchdacht und so klar dargelegt wurde, baß sie die allgemeine Zustimmung der Versammlung fand. Es ist unmöglich, den üb erreichen Inhalt des Vortrags in kurzen Worten wlederzugeben. Der Grundgedanke ist der, daß der eigentliche Grund unserer Auswanderung, der freilich bei den einzelnen Auswanderern nicht zum Bewußtsein kommt, die zunehmende Ueberoölkerung ist, dem gegenüber alle anderen Gründe zurücktreten. In 60 Jahren bat sich die Bevölkerung in Preußen z. B. mehr als verdoppelt. Damit hängt eine Entwcrthung der Arbeits­kraft, eine zu weit gehende Parcellirung der Grundstücke zusammen. Wo Grund und Boden in großen Gütercomplexen in festen Händm sind, wie im Osten Deutschlands, schwindet da mehr und mehr die Aussicht auf eigenen Besitz. Deshalb gübt es auch kein Mittel, die Auswanderung einzuschranken.

Vedenkt man nun, daß im vorigen Jahre 250,000 Menschen aus Deutschland awsgewandert sind und die Auswanderung in diesem Jahre nach bm jetzt bereits vor- ja nbenen Anmeldungen die Zahl von 300,000 überschreiten wird, daß jene 250,000 Aus­wanderer nach sicheren Berechnungen an baarem Geld und an verloren gehenden Kosten ihrer Ausbildung ein Capital von ca. 60,000,000 A mitnehmen, die dem National­vermögen also entzogen werden, daß. da 93 pCt. der Auswanderer sich nach Nord- Amerika wenden, wo erfahrungsgemäß die meisten entnationalifirt werden, so ist klar, welche Einbuße an wirthschastlichem und socialem Werth die Auswanderung für uns bedeutet. Um diese Einbuße zu vermeiden, genügen feine Prohibitivmaßregeln der Aus­wanderung gegenüber. Redner bedauert, daß die Reichsregierung lediglich auf diesem Standpunkte beharrt- Es gilt, die Auswanderung so zu lenken, daß ihre Kräfte Deutschland nicht verloren gehen, sondern in lebendiger Verbindung mit der Heimath bleiben. Dafür empfiehlt Redner die Auswanderung nach Südamerika, besonders Brasilien- Es sei eine Erfahrungsthatsache, daß die Deutschen unter romanischer Be­völkerung, wie sie Südamerika bewohnt, ihre Nationalität treuer bewahren, als unter der angelsächsischen in Nordamerika, und daß ihnen unter jenen mehr und mehr der gelammte Handel zufalle. Dort sind schon jetzt Colonien von überwiegend deutscher Ssvölkerung vorhanden.

Die Negierung wie das Privatkapital sollten die Sache energisch in die Hand nehmen, Dann werde an die Stelle der fortwährenden Verluste ein reiches Zurückströmen wirth- schastlicher Güter treten.

Dies ist in dürftiger Skizze der Kern der Ausführungen des Redners.

Herr Pfarrer Dr Griesemann gab bann, aus eigenster, genauester Kenntniß geschöpft, ein vielfach ergreifendes Bild der Zustande der Auswanderer in den Hafen- jtnbtcn, auf den Auswandererschiffen und bei der Ankunft; wie Habgier und Ver­

führung aller Art sie umgarnen und sie um ihre Habe und um ihr gutes Gewissen bringen. Er theilt dann mit, was bereits von verschiedenen Seiten für die Auswanderer geschehen sei, wie namentlich der katholische Rasaelsverein mit trefflichem Beispiel voran­gegangen sei. Die evangelische Kirche dürfe dahinter nicht Zurückbleiben. Er ent­wickelt nun ein System der Hilfleistnngen und fordert auf zur Unterstützung des von Dr. Fabri geleitetenEvang. Vereins für die protestantischen Deutschen im Ausland", der im Begriffe fei, diese Aufgabe der Fürsorge für die Auswanderer in umfassendster Weise in Angriff zu nehmen. Diese Ausführungen, wie drei Thesen, in welche Dr. Fabri seine Gedanken zusammengefaßt hatte, fanden den einstimmigen Beifall der Versamm­lung. Vertheilt wurden Exemplare desAnsiedlers aus dem Westen", des vortreff­lichen und interessanten Organs jenes Vereins.

Aus der nachfolgenden Discussion heben wir noch besonders hervor die interessanten Mittheilungen des Herrn P arrers Vogt aus Langd über die hessische Auswanderung nach Paris. Wir müssen uns versagen, daraus, sowie aus dem von Herrn Pfarrer Schlosser von hier erstatteten Rechenschaftsbericht, der manche interessante Thaffache enthält, Einzelheiten mitzutheilen. Wer den Verhandlungen angewohnt hat, hat reichen Gewinn davon heimgetragen. Möchte daraus ein rechter Eifer der Hilfe für unsere auswandernden Landsleute erwachsen!r.

Eingesandt.

Geehrter Herr Redacteur!

Gestatten Sie, daß ich Ihre Aufmerksamkeit und die des Publikums auf einen Punkt lenke, dessen Wichtigkeit bet der heißen Witterung der letzten Tage wieder deutlich hervortritt. Viele Einwohner Gießens sind gewohnt, an schönen Sommerabenden über die Lahnbrücke hinauszuwandern, um auf Textor's oder Wetdig's Hardt sich zu er­frischen. Leider ist der Weg dorthin kein allzu angenehmer. Einem Graben an dem Wege von der Heuchelheimer Chaussee nach der Textor'schen Brauerei entsteigen schon bet mäßiger Temperatur ganz mephitische Dünste ein Mißstand, welcher sich bei heißem Wetter bis zur Unerträglichkeit steigert. Da die Sache auch von sanitäts­polizeilichem Standpunkte ins Auge zu fassen ist, so zweifle ich nicht, daß dieser Hin­weis genügen wird, eine Abstellung dieses unerträglichen Mißstandes herbeizuführen.

Hochachtungsvoll

N. N.

Handel und Verkehr.

Limburg, 7. Juni. Rother Weizen A 21.35, Weißer Weizen A 21.20, Kor n A 14.30, Gerste A 10.20. Hafer A 8.60, Erbsen A, Kartoffeln A

Frankfurt. 7. Ium. Auf dem heutigen Markt kostete bet Centner Heu je nach Qualität A 4.004.75, Stroh A 2.503.20, Eier des Hundert A 4.205.40, Butter 1. Qualität A 1.00, 2. Qualität A 0.75, Kartoffeln das Malter A 4.805.30, Kopfsalat 23 H, Wirsing 2040 H, Erbsen 3550 H, Bohnen A 1 das Pfund, Spargel 3050 das Pfund, Blumenkohl 5070 $ das Stück. Ochsenfleisch per Pfund 6570H, Kuh- und Rindfleisch 5060H, Kalbfleisch 5060 H, Schweinefleisch 6575 H, Hammelfleisch 5565 1 Hahn A 1.702.50, 1 Huhn A 2.2.50,

1 Poularde A 2.50,-3.00, 1 Ente A 3.-4, 1 Taube 5060 H, 1 Welscher 812, 1 Gans A 3.505.

Frankfurt a. M., 8. Juni, Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 278*/4, Staatsbahnactien 2813/4, Galizier 272, Lombarden 1243/4, Nord- westbahnactien 178V4, Darmstädter-Bankactien 1603/4, Oberschlesische E.-B.-Act. 248Va, Oesterr. Silberrente 655/e, 4% Ungar. Goldrente, 4% 1880er Russen 6815/i6, 5% 1877r Russen, 2. Orient-Anleihe 56, Spanier 29Vs, 5% Rumänische Rente 905,8, 4% Unific. Egypter 707/8- Tendenz matt.

Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennige.

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Verzeichnis

der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Mai 1882.

Wafferwärme der Lahn.

Am 8. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 16° R-, Luftwärme + 15° 9t- L. Chr. Rübsamen.

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Allgemeiner Anzeiger.

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Loefhmds bewährte diätetische Mittel

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3960 Ein Acker ewiger Klee zu ver­kaufen bei A. Debns, Schiffenberger-Thal.

in 3 Nuancen, in wenigen Stunden mit schönem Glanz trocknend,

Fertige Fuftboden-Wichse, Fertige Parguetboden-Wiehse einpsiehlt Emil Fischbach

3970 Mehrere Wiesen mit Heugras I zui verkaufen. L. Chr. Rübsamen. *

Wegen vorgerückter Saison verkaufe

Damen-Ämhänge u. Paletots

zu sehr billigen Preisen.

Die feinsten Satins

geblumt und glatt, per Meter 1 JL. 2t

F. Helberg, Mchenplah

(8 goldene und silberne Medaillen und Ehrendiplome.)

Das gewöhnliche Malz-Extract ist das reellste Mittel gegen Husten, Bruskatarrh, S^Lvseo"^e' Das Diastase-Malz-Extract befördert die Verdauung der Mehl- " speisen, empfiehlt sich daher für Personen mit

schwacher Verdauung, sowie als Zusatz zu Kinder­süppchen, die dadurch viel nahrhafter werden. Das VerdauungS-Malz«Extract (mit Diastase und Pepsin) ver- daut gleichzeitig die Mehlspeisen und die Fleisch­kost. Diese neuen Präparate gewähren den grossen Vortheil, dass sie nicht auf die Organe, sondern auf die Nährstoffe selbst einwirken.

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