Mittwoch den 8. November
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Bureaur Schulstraße 7.
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Frage" die Einbringung neuer Vorlagen zu Gunsten Irlands in der nächsten Session versprochen habe.
In Italien zeigt man sich etwas verletzt darüber, daß Graf Kalnoky in dem Ausschüsse der ungar scheu Delegation so rückhaltlos die Gründe dargelegt hat, welche den österreichischen Kaiser veranlaßten, von einem Gegenbesuche in Nom vorläufig abzustehen. Der „Bersagliere" meint sogar, daß es Pflicht der Rathgeber König Humbert's gewesen wäre, denselben nicht eher nach Rom reisen zu lassen, bis nicht vorher der Gegenbesuch des Kaisers in Rom sichergestellt gewesen sei. Indessen müssen auch die italienischen Blätter stillschweigend zugeben, daß irredenüstische Anschläge gegen Kaiser Franz Josef während dessen Anwesenheit in Italien nicht zu den Unmöglichkeiten gehört hätten, so daß sich die Verschiebung der Reise wohl erklärt. — Rach den nunmehr ermittelten Wahlresultaten wird die neue italienische Deputirtenkammer aus 320 Ministeriellen, 40 Mitgliedern der Rechten, 58 Fusiomsten, 32 Dissidenten und 40 Radikalen bestehen.
Aus dem Czarenreiche signalisirt man den bevorstehenden Sturz des Ministers des Innern, Grafen Tolstoi. Ueber die Ursachen, die den eventuellen Rücktritt des Grafen Tolstoi beeinflussen, ist noch nichts Genaueres bekannt. Petersburger Briese über diese Angelegenheit versichern aber eifrigst, daß jedenfalls Graf Jgnatieff keine'Aussicht habe, wieder an die Spitze der Geschäfte berufen zu werden. Vorläufig bedarf die ganze Sache noch sehr der Aufklärung.
Auf der hohen Pforte zeigt man sich wegen der egyptischen Mission Lord Dufferin's fortdauernd sehr besorgt. Der türkische Botschafter in London, Musurus Pascha, erklärte Lord Granville, daß die Sendung Lord Dufferm's in dem Augenblicke, wo die Pforte mit England zu einer Verständigung bezüglich Egyptens zu gelangen suche, eine ungünstige Wirkung Hervorrufen müßte; schließlich ersuchte Musurus Pascha wenigstens um Aufschub der Reise Lord Dufferin's. Während aber Lord Granville den türkischen Botschafter mit irgendwelchen nichtssagenden Erklärungen abgespeist hat, ist Lord Duffrrin bereits am vergangenen Donnerstag auf der „Antilope" nach Egypten abgereist.
Die egyptische Regierung trifft endlich Vorkehrungen, um dem unangenehmen „falschen Propheten" aus den Leib zu rücken. Ein Expeditions-Corps nach dem Sudan, über welches der egyptische Gouverneur am Rothen Meer, Alaiddin Pascha, den Oberbefehl übernehmen wird, ist in der Bildung begriffen und soll auf dem Seewege nach Suakim am Rothen Meere abgehen. Ueberdies werden sich unverzüglich drei englische Officiere nach dem Sudan begeben, um über die gesammte militärische Lage daselbst zu berichten und sich auch über den Zustand der Straße von Suakim nach Khartum, der Hauptstadt des Sudan, und die Vertheidigungsmittel derselben zu orientiren.
Politische Ueberstcht.
Gießen, 7. November.
Der Kaiser, welchem die neulichen Hofjagden bei Ludwigslust im All- gemeinen gut bekommen sind, gedenkt demnächst einen etwas weitern Jagdausflug zu unternehmen. Das Ziel desselben ist der Fürstenwald bei Ohlau in Schlesien, wo der hohe Herr am 10. und 11. d. Mts. zu jagen beabsichtigt.
Durch königliche Verordnung sind die beiden Häuser des preußischen Landtages auf Dienstag den 14. November einberufen. Ueber die Vorlagen, welche dem Landtage zugehen werden, herrscht nach Ungewißheit; daß der Etat dem Abgeordnetenhause zugehen wird, erscheint selbstverständlich. Ueber die Dauer der Session, resp. die eventuelle Vertagung des Landtages, verlautet ebenfalls noch nicht das Geringste. Da der Reichstag am kommenden 30. November wieder zusammentreten soll, so ist eine Collision zwischen beiden parlamentarischen Körperschaften unvermeidlich. Hoffentlich wird sich jedoch das Nebeneinandertagen von Reichstag nur auf eine kurze Zeit beschränken.
Die Frage, ob es der preußischen Regierung gelingen werde, eine ihren Zielen entsprechende Majorität im Abgeordnetenhaus zu finden, drängt sich jetzt, wo die neue Neichstagssession vor der Thür steht, immer entschiedener auf. Daß die Regierung der Conservativen nicht entbehren kann, ist klar, aber wenn auch letztere gesonnen sein sollten, die Regierungspolitik in allen Stücken zu fördern, so bilden sie selbst nach Hinzurechnung der Freiconser- vativen die absolute Majorität noch lange nicht. Es erscheint daher erklärlich, daß die Regierung nach einer weitern Stütze sucht und diese sucht sie, wie man aus einem neuerlichen Artikel der officiösen „Nordd. Allg. Ztg." entnehmen kann, bemerkenswerther Weise unter den Gemäßigt-Liberalen. Die „Nordd. Allg. Ztg." ermahnt in dem betr. Artikel die Conservativen, mit den Nationalliberalen eine Majorität, aber keine neue Fraktion zu bilden. Mit ihren Wahlsiegen hätten die Conservativen eine große Verantwortung übernommen; das Land erwarte eine von Partei-Uebertreibungenen freie, stetige Entwickelung und werde sich, wenn hierin getäuscht, von den Conservativen wieder abwenden. Die Conservativen möchten Thiers' Mahnwort an seine Freunde beherzigen: „Vor Allem dürfen wir keine Fehler machen."
Das Reichsgericht hat das freisprechende Urtheil des Landgerichts II Berlin, in dem Beleidigungsprocesse, den Fürst Bismarck gegen den Reichstags- Abgeordneten Mommsen angestrengt hatte, auf Revision der Staatsanwaltschaft cassirt. Die ganze Angelegenheit ist an die erste Instanz zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen worden, so daß dieser Proceß hierdurch vermuthlich nur noch mehr Aufsehen, namentlich in den parlamentarischen Kreisen, erregen wird.
Die Erklärungen, welche sich der österreichische Minister des Auswärtigen, Graf Kalnoky, in dem ungarischen Delegations-Ausschüsse für das Auswärtige neulich zu geben genöthigt sah, bilden für die österreichische Presse noch immer einen Gegenstano lebhafter Erörterungen. Es ist dies sehr erklärlich, da diese dem Minister von den Delegirten abgesorderten Erklärungen verschiedene wunde Punkte der auswärtigen Politik Oesterreichs betrafen, wie das Verhältniß zu Italien und zu Montenegro. Die Offenheit, mit welcher Graf Kalnoky die Gründe darlegte, welche Kaiser Franz Josef eine Reise nach Rom gegenwärtig nicht nöthig erscheinen lassen, verdient alle Anerkennung. Zugleich beobachtete Graf Kalnoky Italien gegenüber die Liebenswürdigkeit, zu erküren, daß der vertagte Gegenbesuch des österreichischen Herrschers in Italien einen störenden Einfluß weder auf die herzlichen Beziehungen zwischen den Höfen von Rom und Wien, noch der beiderseitigen Staaten ausgeübt habe. Viel zurückhaltender drückte sich der Minister über das eigentümliche Verhältniß Oesterreichs zu Montenegro aus, was aber vielleicht gerade dafür spricht, daß in den Beziehungen der österreichischen Monarchie zu ihren unruhigen Nachbarn in den Schwarzen Bergen Vieles, wenn nicht Alles, faul ist. Der Umstand, daß mehrere in Montenegro internirt gewesene bosnische Jnsurrections-Chefs plötzlich entflohen sind, dürfte nicht dazu beitragen, diese Beziehungen zu verbessern.
Die anarchistische Bewegung in Frankreich weist noch immer bedenkliche Zuckungen auf. Vor einigen Tagen wurden in Paris zahlreiche revolutionäre Plakate voll der wildesten Drohungen gegen die besitzenden Klassen und mit der Überschrift: Internationales revolutionäres Executiv-Comito — Section Frankreich — an die Mauern angeschlagen. Zwar ist es der Polizei gelungen, einige Individuen beim Ankleben der Plakate zu verhaften, doch dürften die Verhafteten nur untergeordnete Werkzeuge der revolutionäen Liga sein, so daß ihre Verhaftung schwerlich zur Entdeckung der Urheber dieser bluttriefenden Manifeste führen wird. Jedenfalls darf sich die französische Regierung durch das Bewußtsein, die Haupträdelsführer der Bewegung von Montceau-les- Mines in Händen zu haben, in ihrer Wachsamkeit gegen die von den anarchistischen Elementen drohenden Gefahren nicht einschläsern lassen.
Im englischen Unterhause hat der Premier Gladstone in den Verhandlungen über die Reform der Geschäftsordnung einen bedeutenden Erfolg davongetragen. Nach dreitägiger Debatte verwarf am Donnerstag das Haus das Amendement des Oppositionsmitgliedes Gibson, wonach der Schluß der Debatte nur dann erfolgen kann, wenn zwei Drittel der Deputirten sich dafür aussprechen, mit 322 gegen 238 Stimmen. Die Bedeutung dieses Erfolges liegt weniger darin, daß ein der Regierung ungünstiges Amendement abgelehnt wurde, sondern vielmehr darin, daß die Iren gegen dasselbe und also indirect gegen die Negierung stimmten. Man erklärt diese Schwenkung der irischen Pai tei dadurch, daß Gladstone derselben für ihre Unterstützung in der „Cloture-
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Eorrespondenr-Nrrreair.
Berlin 6 Novbr. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine Anordnung des Regierungsvräsidenten von Gumbinnen, welcher Angesichts der neuerlichen wiederholten Einfuhr seuchenbehafteter Schweme eme thwrarztüche Untersuchung aller mittelst Eisenbahn über Eydtkuhnm und Prostken aus Rutzland emge- sührter^Schwelm versugt^^ unsers handelspolitischen Verhältnisses zu
Berlin, 5. November. Wir fcaben schon bei früherer Gelegenheit darauf hin- aewiesen daß im Gegensätze zu Frankreich und England, woselbst es üblich geworden Ist für gewrsfe Bücher, Zeitschriften und Brochüren ganz btftimmle Formate anzu- wenden, in Deutschland ein förmlicher Format- und Sortenwirrwarr herrscht, indem hier die verschiedenartigsten Gewichte und Formate gebräuchlich sind, welche nur unwesentlich von einander abweichen, durch diese Mannigfaltigkeit aber sowohl für die Fabrikanten als auch für die Grossisten die größten Nachtheile herbeiführen.
Nachdem schon im Jahre 1875 im Vereine mit den österreichisch-ungarischen Papierfabrrkauten em Versuch gemacht worden ist, diesem Ucbelstande zu begegnen, hat sich die letzte Generalversammlung des Vereins deutscher Papterfabrikanten auf's Neue mit die.sem Gegenstände beschäftigt, und es ist eine Commission eingesetzt worden mit dem Auftrage, über die Herstellung einheitlicher Papierformate mit allen Interessentenkreisen eine Verständigung anzubahnen. Die betreffende Berathung wird am Montag den 4. December d. I., Vormittags 10 Uhr, in Berlin im Restaurant Julitz Unter den Linden 14, 1 Treppe, stattfinden. ~ t *
An der Conferenz werden theilnehmen eine Anzahl hervorragender Fabrikanten aus allen Theilen Deutschlands, ferner Vertreter des Papiergroßhandels, des Borsen- vereins deutscher Buchhändler, des Berliner Verlegervereins, der deutschen Buchdrucker rc. Auch der Dirigent der Reichsdruckerei ist eingeladen worden, an den Berakhungen Theil zu nehmen. Es ist im allseitigen Interesse zu hoffen, daß em positives Resultat errcicht^werde^ Oberrechnungshofes, welche mit der Nachprüfung der
Handelsbücher und der Kaffenführung der Kaiserlichen Tabakmanufaktur, sowie mit.der Prüfung der Bestandaufnahme vom 1. Oktober 1882 beauftragt sind, sind in Straßburg eingetroffen und haben bereits ihre Arbeiten begonnen. cynt1imr 1ßqq
— Es dürfte am Platze sem, daran zu erinnern, daß mit dem 1. Januar 1883 die Bestimmungen des Reichsgesetzes vom 24. Februar d. I, betreffend „das gewerbs- mäßige Verkaufen und Feilhalten von Petroleum , tn treten.JJJ Petroleum, welches unter einem Barometerstände von 760 Millimetern schon bei einer Erwarmung auf weniger als 21 Grade des hund.^ttheiligen bare Dämpfe entweichen läßt, nur in solchen Gefäßen halten gestattet, welche an in die Augen fallender Stelle auf rothem Grunde iu deutlichen Buchstaben die nicht ver- mifrhhtirp iTeueraesäbrlich" tragen. Wird derartiges Petroleum gewerbs
mäßig zur Angabe m Mengen von weniger als 50 Kilogramm ffilgehalten oder in M6en3äerfnaen OT nafn neifauft. so muh di- Inschrift In gleicher W->!° noch dle Wotte: „Nur mit besonderen Vorsichtsmaßregeln zu Brennzwecken verwendbar« enthalten. _______


