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Nr 233 Erstes Blatt. Sonntag den 8. Oktober 1882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzngkblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Bureaur Schulstraße 7.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh'. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Bekanntmachung.
Samstag den 14. Oktober l. I.. Vormittags 9 Uhr, findet in dem Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen statt.
a Tagesordnung:
1) Ernennung eines Protokollführers für den Kreistag.
2) Die Uebernahme der Straße von Londorf nach Lollar als Staatsstraße.
3) Desgleichen der Vicinalstraße von Laubach nach Hungen.
4) Gesuch der Gemeinde Münzenberg 2c. um Uebernahme von Vtcmalwegen durch den ^taat.
5 l Mabl der Commission für bie Einschätzung der Einkommensteuerpstlchtigen 1. Abthetlung.
6) Gesuch des Großh. Commercienrathes Adolf Noll in Gießen um Entbindung von dem Amte eines Eyatz-Mitgliedes der Ersatz-
7) Gesuch des früheren Bezirksbauaufsehers Hahn zu Groß-Buseck um Verwilligung einer Pension.
8) Gesuch der Gemeinde Ettingshausen um Genchmigung der Annahme eines besonderen Bautechnikers.
9) Gesuch der Gemeinde Lich in gleichem Betreff.
10) Aufhebung des Brückengeldes über die Lahn bei Ruttershausen.
11) Prüfung der Kreiskasse-Rechnung für 1881/82.
12) Nachtrag zum Kreiskasse-Voranschlag für 1882/83.
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Gießen, den 7. Oktober 1882.
I. B. d. C.: Kraemer.
Gefundene Gegerlstände:
1 silberner Ring, 1 Drahtkörbchen, 1 Kinderschuh, 1 Religionsbuch, 1 Handschuh, 1 Taschentuch, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Aeutschland.
Berlin, 5. Oktober. Die gegenwärtig in Danzig unter der Leitung des Directors des Allgemeinen Krtegsdepartements, General-Lieutenant v. Verdy, stattfindenden Uebungen sind keine eigentlichen Festungsmanöver, es ist darunter vielmehr eine ffestungskrieg-Uebung zu verstehen, welche in der Manier der Generalstabsreisen sich meist theoretisch abwickelt, so daß die Verwendung von Truppenkörpern dabet ausgeschlossen ist. Ter Hauptsache nach handelt es sich bei diesen Uebungen um die Darstellung des Angriffes aus eine moderne Festung, sowie um die Maßnahmen, welche die Vertheidigung dagegen ergreift- Zu ersterer gehört auch ein Theil des Feldkrieges, insofern es sich um die ersten Stadien eines Festungsangriffes, also um die Einschließung der Festung mit Truppen handelt, während zu den letztereil auch alle Maßregeln zählen, welche sich auf die Ausstattung der Festung mit Wohnräumen, Laza- rxthen, welche gegen feindliches Artilleriefeuer gesichert sein müssen, sowie auf die Lerprooiantirung der Besatzung beziehen. Dabei werden gleichzeitig schwebende Fragen in Bezug auf die verschiedenen Angriffsarten sowohl artilleristischer als fortificatorischer Natur eingehend erörtert, wetzhalb zu diesen Uebungen besonders tüchtige Officiere ausgesucht werden, von denen ein großer Theil dem Generalstabe angehört. Die Dauer der Danziger Uebung ist auf 14 Tage bemessen.
Berlin, 5. Octbr. Im Reichsjustizamt finden gegenwärtig, wie officiös mitgetheilt wird, eingehende Erhebungen uno statistische Ermittelungen über die Wirkungen des Gerichtskosten-Gesetzes statt, die sich namentlich darauf erstrecken, ob die kürzlich vorgenommenen Ermäßigungen der Gebühren von erheblichem Einfluß geworden, oder ob noch eine weitere Ermäßigung derselben, wie sie bekanntlich schon bei den Berathungen des Reichstags gefordert wurde, nothwen- dig werden würde.
München, 1. Octbr. Von heute an wird Prinz Ruprecht, der älteste jetzt 13jährige Sohn des Prinzen Ludwig von Bayern, am Unterrichte des Maximilian-Gymnasiums in München thellnehmen. Der Eintritt des Prinzen in eine öffentliche Schule ist deshalb von Bedeutung, weil dies der erste Fall ist, in welchem von Seiten des Hauses der Wittelsbacher der Versuch gemacht wird, die bisher übliche rein private Unterrichtsweise durch gemeinsamen Unterricht mit Altersgenossen zu ersetzen. (Fr. Ztg.)
England.
London, 6. Octbr. Aus Kairo verlautet, es seien Briefe entdeckt, durch welche Lesseps compromittirt sei. Derselbe habe den Rebellen Werkzeuge zum Bau strategischer Eisenbahnstrecken geliefert. Für die egyptische Armee ist die Anwerbung von eingeborenen Indiern in Aussicht genommen. (Fr. Ztg.)
— In Folge des verunreinigten Trinkwassers kommen unter der Bevölkerung am Suezkanal viele Fieberfälle vor. Sir Malet hat den Minister des Innern um Abhülse ersucht. (Fr. Ztg.)
London, 6. Octbr. Die „Times" sagt, zur Lösung des egyptffchen Problems bedürfe England keines Bundesgenossen, England wolle Egypten nicht annectiren, sondern nur für das gemeinsame Wohl verwalten und verlange deshalb keine außerordentliche Gunstbezeugung von Europa. England sei der Bundesgenosse von ganz Europa und bedürfe keiner besonderen Verträge zur Sanctionirung seines Unternehmens.
Aegypten.
Alexandrien, 5. Octbr. Durch ein Secret des Khedive wird das Verbot der Einfuhr von Kohlen an der Küste zwischen Alexandrien und Port Said, sowie das Verbot der Einfuhr von Petroleum aufgehoben.
Kairo, 5. October. Arabi und Tulba wurden heute früh aus der Kaierne Abdin nach der Mobilienkammer gebracht, wohin die übrigen Gefangenen, im 'Ganzen ca. 80, gestern früh geführt waren. Die Untersuchung hat bereits begonnen. Arabi soll zum ersten Male heute Nachmittag vor Gericht kommen. Die Untersuchung wird absolut geheim geführt, der Proceß selber wird indessen öffentlich verhandelt werden. , c . .. t
— Die englischen Truppen find aus Tantah und Damanhour zurückgezogen worden, nachdem die Mudirs dieser Städte erklärt, daß weitere Meutereien wenig wahrscheinlich seien.
— Ein Pariser Telegramm meldet: Lesseps telegrafierte gestern dem Kriegsgericht, das über Arabi urtheilt, er sei bereit, für Letzteren zu zeugen , er besitze von ihm 16 Depeschen und Briefe, die blos die Erhaltung und Neutralität des Suezkanals behandelten und unter Arabcks Schutze halten 15,000 Europäer unbehelligt nach Jsmailia gelangen können.
Lokales.
Gießen, 7. Oktober. (Sitzung der Stadtverordneten vom 5. Oktober.) Anwesend Herr Bürgermeister Brarnrn, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Bai st, Gail, Gruneberg, Hanstetn. Hoch, Hornberger, Kauf, Lüdeking, Adolf Noll, Aug. NoU, 93e t r t, Scheel, Vogt, Wenzel und Wortrnann. - Zu dem m Nr. 223 d. Bl. erwähnten Gesuche des Herrn Kanzleirath (Stemm um Ansetzung einer Versteigerung des durch die Eröffnung der Bleichstraße frei werdenden Gäßchens ist noch ein zweites und zwar des Herrn Kinkel gekommen, welcher einen Theil des hinter seinem Hause lugenden Geländes erwerben will. Die Versammlung beschließt hiergegen nach oen Anträgen der Baudcputatton die Expropriation des zur Bleichstraße nothigen Geländes unter Festsetzung des Preises von 7 Jü pro ^Klafter und Gewährung einer Entschadlgung für den Wegfall der Huhn'schen Seilerbahn rc. im Betrage von 300 JL. unb |oU„über die Verwendung des Gäßchens vorläufig noch keine Verfügung getroffen werden. Bezüglich des Gesuches des Herrn Bauunternehmer Adam: umlErlaubniß zur^Anlage einer Einfriedigung an seinem Hause in der Bleichstraße beantragt, das durch Abstumpfung einer Ecke entfallende ^°/un^e zu Gunsten d Ausbaues der Bleichstraße zu erwerben. Dem Anträge stimmt d>- Versammlung zu. - In Bezug auf den Ausbau der Löberstraße wird, nachdem die V-rhmdlungen über den Erwerb des Geländes zu einem bestimmten Resultate »-^hrt, beschloßen, daßnun der Ausbau zwischen den bechen Wieseckbrücken stattfmdet. . pudern G s ch h Bewohner der Ostanlage um Ausbau der Ostanlage von der WEHorstraße ms zur Wiesenstratze wird beschlossen, die nothigen Vorarbeiten für den'Ausbau der Ostanlage in ihrer ganzen Ausdehnung vorn Wallthor bis jum nehmen. - Nach der von Herrn Karl Walther °bS°Lbenen ErkMrung, das vor
ÄfÄ’Ä U— S'Ä'ja-Ä'lS! läÄmÄ'MÄÄ Jl» SÄ,?'»! S?adt der Militär-Verwaltung das Recht einräumt, das Tagwassev, Ä öh S il Ufallwaffer mittelst Rohrleitungen und an geeigneten Punkten sowie die sonstigen AbfaU.wayer m.tt , * eraer Strafte, die Eichgärten nach der
M ckzL'L^eÄstÄGenehmigung der VUammlu/g.- Nach° einem kürzlich ^faßten Besch uß sollten Erhebungen darüber angestellt werden tn welchen Hau,em dtl Einführung des Tonnensystems anzuordnen se,. Dtes- Erhebungen haben ergeben,


