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Beilage M Nr. 209 des Gießener Anzeigers

K Ä Regierung hat über das Umsichgreifen der Cholera- Epidem e auf den Phüippmen sehr beunruhigende Mitthellungen erhalten. In BSn nrtbmt91^300 Menschen. Seit 14 Tagen hat die schreckliche Seuche 4550 Opfer gefordert.

Grenz-Conflict geht in Folge der auf erden Seiten herrschenden versöhnlichen Stimmung einer friedlichen Lösung ent­gegen. Vorläufig sind die streitigen Grenzpunkte für neutrales Gebiet erklärt worden und sollen die beiderseitigen Truppen in die Stellungen zurückkehren, die

*5? ?ufakmmÄe ?ne hatten. Zur Lösung des Grenzstreites wird von der Pforte die Wiederabtretung des an Griechenland überlassenen Ortes Aezeros gegen Uebergabe der andern streitigen Grenzpunkte beantragt. Eine ^nhl. nicht - muselmännischer Notabeln von Syrien hat in einer Mazbala ^^n-Emgabe) an die Pforte die in Europa mrsirenden Nachrichten über di Bedrohung der christlichen Bevölkerung in Syrien für durchaus unbegründet erflart. 77 Zwischen der Pforte und England ist nunmehr über die Ausschiffung

Truppen zu Port Said und die Proklamation, welche Arabi Pafcha zum Rebellen erklärt, em Einverständniß erzielt worden.

r 3,"- VP en9^*f$en Operationen auf dem egyptischen Krieqsschau- p atze ist seit dem letzten Gefecht bei Kassassin ein Stillstand eingetreten, welcher sich aus den ungeheuren Transport- und Verpflegungs-Schwierigkeiten erklärt, mit denen die Engländer zu kämpfen haben. Indessen soll es General Wolseley nunmehr gelungen sein, die Transportfrage zu regeln und sieht man deshalb in ^esen Tagen. dem allgemeinen Angriffe der Engländer auf die egyptischen Stellungen bei Tel-el-Kebir entgegen. Mit der internationalen Gesundheits- Lommiflion soll sich die englische Regierung bezüglich der Sanitätsfrage dahin geeinigt haben, daß die aus Indien kommenden Truppen- und Transportschiffe nur eine eintägige Quarantaine in Suez halten sollen.

Politische Ueberficht.

Gießen, 7. September.

Der Kaiser ist am 5. September, Nachmittags, in Begleitung des Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie des Prinzen Friedrich von Preußen nach Breslau zu den Herbstmanövern des 5. und 6. Armee-Corps abgereist. Großfürst Wladimir von Rußland und Erzherzog Salvator von Oesterreich sind bereits im Laufe des 5. September in der schlesischen Hauptstadt eingetroffen, wo man in den nächsten Tagen auch die Ankunft des Kronprinzen Rudolf und der Kronprinzessin Stefanie von Oesterreich erwartet. Kaiser Alexander hat den General-Gouverneur von Polen, General Albedinsky, zur Beqrüßuna des Kaisers Wllhelm nach Breslau entsendet. 9 B 9

Der Sedantag ist, soviel sich übersehen läßt, in allen Gauen des deutschen Vaterlandes unter lebhafter Bethelligung der Bevölkerung festlich be­gangen worden, ein Beweis, daß im deutschen Volke die Einnerung an die großen Errungenschaften, welche ihm der blutige Tag von Sedan brachte, noch frisch und lebendig ist. Als eine gewisse Rückwirkung der Vorgänge in Paris, betreffs des deutschen Turnvereins, ist dies nicht ohne symptomatische Bedeutung, denn die französischen Chauvinisten können aus dieser allgemeinen Sedanfeier die Lehre entnehmen, daß ein Angriff Frankreichs heute wie vor 12 Jahren die deutschen Stämme einig zur Abwehr jeden Angriffes finden würde

... 31} ,be.m Streite bezüglich der Misch-Ehen scheint die Kurie endlich emlenken zu wollen. Der Fürstbischof von Breslau hat nämlich eine Erklärung erlassen, welche hinsichtlich der Misch-Ehen gleiches Recht für die ganze Diöcese herstellt. Demnach sind sämmtliche Misch-Ehen vom Papste als kirchlich giltig anerkannt, wenn auch eine nicht katholisch eingesegnete, von der katholischen Kirche alsunerlaubt" bezeichnet wird, ein Vorbehalt, welcher von germgem Belang erscheint. Die Wirkung dieses endlichen Einlenkens der vatika­nischen Politik in einem Augenblick der größten Gespanntheit, in welchem die Germania bereits ausgerufen, daß zum Sedantage dem Centrum ein Cultur- kampf bescheert worden sei, dürfte bei den preußischen Landtagswahlen alsbald in positiven Ergebnissen zu Tage treten.

Herr Windthorst, der bekannte Centrumsführer, hatte vor einiger Zeit in Braunschweig mit den dottigen leitenden Persönlichkeiten conferirt und nahm man allgemein an, daß die braunschweigische Erbfolgefrage die Basis dieser Verhandlungen gebildet habe. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt nun be­zeichnender Weise zu dieser Angelegenheit: Abgesehen von der staatsrechtlichen ma9e,r,. , . «erzog von Cumberland überhaupt Successionsrechtc auf Braunschweig besitze, könne von dessen Nachfolge in einem zum deutschen Reiche gehörigen Staate nicht wohl die Rede sein, so lange der Herzog von Curnber- und bw Partei, an deren Spitze er stehe (die Stofen), in allen an die Oeffentlichkeit gelangenden Kundgebungen in der Presse und dem Parlamente ihre bisherige Haltung einnehmen.

/ Ue6er bas entfefclidße Eisenbahn-Unglück, was sich am Sonn­tag Abend bei Hugstetten m Baden durch Entgleisung eines mit 1200 Personen befetten Extrazuges ereignete, liegen noch immer keine erschöpfenden Mittbei- iungen vor. Bis jetzt melden die Berichte ca. 60 Todte und 104 mm Theil & ®V$eint °ber leider, daß die Gesammtzahl der Verun­

glückten sich noch hoher stellen wird.

In Paris ist an die Stelle des patriotischen Rausches, den das Vorgehen der Liga der Patrioten" gegen den deutschen Turnverein hervor- Sausen hattt, schon eine unverkennbare Ernüchterung eingetreten. Man beginnt 9°"^" Affaire einzusehen und Blätter, welche Nachbeben gegen Deutschland donnerten, wie dieFrance",Paris Journal" u s w beginnen allm^ig einzulenken. Außerdem hat aber der Zwischenfall in der Rue St. Marc noch em für die französischen Militärverhältnisse bezeichnendes Nach- spiel zur Folge gehabt Der Gouverneur von Paris, GeneralLecointe ist nanilich erster Viceprasident der patriotischen Liga; nach dem provocatorischen tte?ben wenn man unmöglich noch Mitglied der Liga

bleiben, wenn man nicht alle Rücksichten gegen Deutschland gröblich bei Seite r französische Kriegsminister hat nun, wie es heißt, in freund- schaftlich ter Weise" dem General Lecointe den Befehl ertheilt aus der Lüm uusZutreten. - In der Gegend von Montluyon und Comment^ haben äbn suchun? ist im Grange. Kunden, wie in Monceau les Mines; die UnL

Der große Constabler-Strike in Irland welcher für die ena- lische Regierung zu einer Quelle reger Verlegenheiten ru me?ben brnhtP fft TOteber int Abnehmen begriffen. Die sinkenden Constabler haben^umÄell ibr üuncttonen wieder ausgenommen und im Uebrigen den gesetzlichen BssLwerde benmMung bitten. Doch ist die Hnttung dec"Äötteruna"3ieiN>7 ^7 stadt noch immer eine drohende und in den letzten Tauen T ^en dem Militär und aufgeregten Volksmaffen zu wiederholten Ebenfalls wird die englische Regierung rasch und energffch^anbetf3 die neueste irische Bewegung im Keime zu ersticken meMi/ r.X v m!"'tT Actionsfähigkeit Englands in Egypten beeinträchtigen könnte Es fallen Äo^t 1 5.00 Wann frischer Truppen nach Alexandrien gefenbeterben mm Erfahr ftE6enbe Sri0abe ift Tu KaffifS

Das russische Kaiservaar tritt nach länneror <

Mner Gatschinaer Abgeschiedenheit hervor. Nachdem es® in dn letzten °"r- schiedenen Truppen-Exercitien in der Nähe von Petersburg beigewobnt batte ist das hohe P°°r, begleitet vom Großfürsten-Thronfolgerund dm Gro^Mrst n Georg, Alexey Sergei und Paul Anfangs dieser Woche nach Transund M der Ostsee abgereist, um der fner ftattfinbenben gfottenrenue beuuroobnen Sei ben ersterwähnten Truppen-Exercitien ist übrigens die faiferlirfw gr°ß°n Gefahr glücklich entronnen, wie dieNat.-ZtT" zl mLek wL Be

August m Jschora stattgefundenen Sappeur-Uebungen wurde eine Pontonbrücke über die Newa ge chlagen, welche, kaum nadibem h«. öS S faisenn und der Großfürst-Thronfolger sie pasfirt hatten Lmmenbmch V schledene Personen aus der unmittelbaren Umgebung des Kaisers wie Krof-fürft Michael und Kriegsminister Wannowski, wurden beim ZusammenbruL der Br,icke znrn Theil schwer verletzt. BMammenörnch der

«rrmischte».

September. sEln Amerikaner sWissen Sie, wer jener deine tragt- gestern ein bekannter Petroleum-Makler den Berichterstatter, feht?C 2"^mpsangshalle eines hiesigen Hotels stand, dabei aus die unter; k8 gekleidete Gestalt eines Herrn deutend, der eben die Treppe neinte fX Pr Xw1 Wier einen Schlüssel abgab. Als der Berichterstatter ver- s°"c habe Ihn gekannt, als er noch In Pittsburg bei einem xUA" Kastee und Zucker oerkauste und unter dem Ladentische schlief. Als das ausbrach, ging er, ohne Mittel zu besitzen, nach Titusoille, fand im Lause Wochen einen erfolgreichen Speculanten, der mit ihm Halbpart machte,schlug und verdiente in einem Jahre 500,000 Dollars. Er verdreifachte die Summe w?n,XinaVr magerte die Oelfelder zu verlassen, verlor er ste wieder, ehe zwölf rnittaXn n,rnill2k6an0Ckn' ?uf ein paar tausend Dollars. Dann kehrte er nach Pittsburg zurück und wurde Kaufmann. Aber das Fieber packte ihn wieder und trieb Vermöge^Ne 3UrOlt' mo cr ln kürzester Zett seine Million Dollars wieder im M,amnr eLbcm ^-Summe zu verdoppeln, litt er Schiffbruch und wurde

mf0malso arm, daß er als Tagelöhner arbeiten mußte. Aber es boten sich ihm nnk rX wurde zum dritten Male reich, - aber auch wieder arm

und zog nun nach Kalifornien Von dort kehrte er, mit dem Oelfiebcr behaftet, zurück, uw rum vierten und fünften Male dieselben Wechselfälle des Glücks zu erleben. Nach in k0 M0IVtcn HE- die launenhafte Göttin ihm zum sechsten Male ein Vermögen P b-n Schoß geworfen und heute hat er 1,700,000 in sicheren Papieren angelegt. ^,^PeCUl»iOl? !at -bg-schworen. Er macht mit seiner ganzen Familie eine Pergnügun0sreise durch ganz Europa, und als er hierher kam, schrieb cr mir, da wir i".1'? regelmäßiger Corr-spond-nz geblieben waren. In weniger als 25 Jahren fe<b« Mal arm und sechs Mal Millionär werden das ist nur in «mertta möglich. [ÄI??Aeinc0 $e,rIi"cI Touristen.j Aus der Schweiz läßt ein Berliner Tourist folgenben poetisch-meteorologischen Stoßseufzer vernehmen:

-In die Schweiz, in die Schweiz! Zieh nicht in^di? Sch^eft"^^^ Mein Sohn, ich rathe Dir gut!

Der's trotzig gewagt, der Knabe bereut's

Vom Himmel strömet die Fluth:

Vom Himmel strömt sie in wilder Hast Laut jammern Kellner und Wirth, Doch schröpfen sie darum nicht minder den Gast, Der sich zu ihnen verirrt.

D-r arme Gast, daß Gott sich erbarm, Sitzt fröstelnd am warmen Kamin, Blickt sinnend hinein in den Funkenschwarm Und sehnt sich zurück nach Berlin.

Zn Berlin! in Berlin! Dort ist es so gut: Theater, Musik und Ballet u Und sendet ein Wolkenbruch selbst seine Fluth, So regnet Dir's doch nicht in's Bett!" zwei ^re^'in^nnia" ® *ft5ÄftIcy Dem kleinen Frankel, welcher vor etwa ebi eblnhnrHn. R ", °ls Rechenkünstler berechtigtes Aufsehen gemacht hat, Ist rasch Immenke^ü,^ Rivale erstanden, ein kleiner siebenjähriger Knirps, welcher durch sein auiaaben in M^0^a§ un? buri6 die Lösung compliclrtcr und vlelzlffriger R-ch-u- Slki«.,. hervorruft. Der winzige Rechen-Vlttuose heißt Philipp

ct8Blnf,r? Jra es" Wagiieustadtl in Ungarn geboren. Seine so merkwürdig entwickelte als Kopfrechner entdeckte man durch einen Zufall. Als er nämlich einmal k(m e!"k^'l"tn,aJe n0 Geprüft wurde, glaubte man einen Spaß zu machen, als man l!l)4 nicht die zweite Volksschulklasse absolvirt hatte, auch einige mnwfZ! ZI4! öroßen Einmaleins vorlegte. Allein der unerschrockene Kleine beant- nnh t ?lele Jjra0en ohne Weiteres mit außerordentlicher Pracijion. Man prüfte weiter tm0 <1° c , » der Junge mehrzifferige Aufgaben aus den arithmetischen Grundspecies /Zx-nl? -n "nd rasch löse. Geradezu bewunderungswürdig ist das Ziffern- g dachtnlß di^es kleinen Rechen-Virtuosen, welches ihm ermöglicht, selbst zwölfztffertge ^monnen noch nach einer Stunde und, wie versichert wird, sogar noch nach mehreren ^agen vollkommen präctse zu wiederholen.

Schiffsbericht. Mitgethetlt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger Gießen.

. Bremen, 4. Septbr. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Rhein, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am ^0. August von Bremen und am 22. August von Southampton abgegangen war, ist am 2. September 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 5. Septbr. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Neckar, Capt. R. Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23 August von Bremen und am 25. August von Southampton abgegaugen war, ist heute 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 6. Septbr. Der Postdampfer Main, Capt. O. Heimbruch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. August von Newyork abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und jLadung 8 Uhr Abends die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 180 Passagiere und volle Ladung