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Ar. 57. Mittwoch den 8. März 1882.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Schul st raße B. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Amtlicher Höei l.

Betreffend: Reichstabakmonopol. Gießen, am 6. März 1882.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Zufolge Anordnung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz beauftragen wir Sie, thunlichst bald zu ermitteln und zu berichten, wie viele Personen sich in Ihren Genieinden befinden, welche sich mit der Anfertigung von Tabak und Cigarren beschäftigen sei es in den Tabaksfabriken oder in der Hausindustrie.

_________ Dr. Bookman n.__________

Betreffend: Consolidation der Grundstücke in Flur I, XI und XII der Gemarkung Lollar.

Bekanntmachung.

Die bei der Consolidation in Lollar Betheiligten werden davon in Kenntniß gesetzt, daß solgende Arbeiten vom 13. März bis 3. April l. I. auf dem Bureau der Großherzoglichen Bürgermeisterei Lollar zur Einsicht offen liegen:

1) Die Karte mit den eingezeichneten neuen Grenzen der Parcellen:

2) Das vervollständigte topographische Güterverzeichniß;

3) Die Geschosse, in welchen die Abschätzungen eingetragen sind, einschließlich der Nachweisung für die Masse;

4) Die Geschosse, in welchen die Uebertragung der Rechte enthalten ist;

5) Das Verzeichnis; der Geldausgleichungen;

6) Die Protokolle der Commission, welche sich auf die Zutheilung, die Uebertragung der Rechte und die Geldausgleichungen beziehen;

7) Das Begutachtungsprotokoll des Gemeinderathes. , .... -

Abschriften der Originalgeschosse können von dem Geometer gegen eine Vergütung von sechs Pfennigen für die Parcelle ertheilt werden.

Reklamationen gegen die vorgenannten Arbeiten können während der oben angegebenen Frist bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei Lollar, müssen aber spätestens . .

im Termine Montag den 3. April, Bormittags von 9 bis 12 Uhr, auf dem Berathungszimmer des Gemeivderaths (im Schulhaufe am Bahnhofe) zu Lollar ... ~

bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung und der Annahme des Einverständnisses vorgebracht werden, inbent eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumniß der oben angebenen Frist gesetzlich nicht zulässig ist.

Gießen, am 6. März 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Bock 'm ann.

Betreffend: Die Anstellung von Straßenwarten für den Kreis Gießen.

B e k a n n t m a ch u n g.

In Ausführung des Gesetzes vom 27. April 1881 den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen im Großherzogthum betreffend sollen auf 1. April d. I. etwa in nachstehenden Orten Straßenwarte für die Kreisstraßen angestellt werden: .

Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bellersheim, Beltershain, Bersrod, Bettenhausen, Beuern, Birklar, Daubrmgen, Dorf-Gm, Ettings­hausen, Garbenteich, Gellshausen, Gießen, Großen-Buseck, Großen-Linden, Grüningen, Harbach, Hattenrod, Hausen, Heuchelheim, Holzhemi, Hungen, Langd, Lang-Göns, Lich, Londorf, Lumda, Muschenheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Odenhausen, Qneckborn, Rodheim, Rödgen, Rüdmgshausen, Staufenberg, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff. Treis a. d. Lda., Villingen, Watzenborn, Weickartshain, Weitershain und Wieseck.

Die Bewerber um solche Stellen erhalten bei den Bezirksbauaufsehern für die betreffenden Orte näheren Aufschluß über die beabsichtigte Organüatron der Straßenwarte, insbesondere über deren Pflichten und Rechte, und haben sich bei diesen bis längstens 14. d. M. schriftlich,zu melden. In den Meldungen ist Name, Wohnort, Alter und seitherige Beschäftigung des Bewerbers aufzuführen und sind der Meldung etwaige Zeugnisse über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art anzuschließen.

Gießen, am 6. März 1882. Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen.

Dr. Bookman

Politische Uebersicht.

Gießen, 7. März.

Das gesammte Interesse in unserer inneren Politik concentrirt sich gegenwärtig auf den Gesetzentwurf, betr. die Einführung des Reichs-Tabaks­monopols, welcher dem preußischen Volkswirthschaftsrathe zur Begutachtung vor­gelegt worden ist. Dein Volkswirthschaftsrathe ist bereits die Berechnung über den voraussichtlichen Ertrag des Tabaksmonopols zugegangen; hiernach sollen die Gesammt-Einnahmen 388,570,324 und die Gesammtausgaben 172,445,667 M. betragen, sodaß sich der Ueberschuß auf 165.487,917 belaufen würde; Inwieweit sich diese Hauptzahlen bei einer eventuellen Rcalisirung des Tabaksmonopol-Projectes als richtig erweisen würden, darüber läßt sich noch kein sicheres Urtheil abgeben, da aber die angeführte Berechnung von genauen Kennern unserer gesainmten Tabaksindustrie aufgestellt worden ist, so läßt sich füglich an deren Richtigkeit im Allgemeinen nicht zweiseln. Im preußischen Volkswirthschaftsrathe hat außerdem in voriger Woche die Generaldebatte über das Tabaksmonopol begonnen; die meisten Redner sprachen sich gegen dasselbe aus, doch darf inan hieraus noch keinen Schluß auf ein abfälliges Gutachten des Volkswirthschaftsrathes über den betr. Gesetzentwurf ziehen.

Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in der letzten Hälfte der vergangenen Woche noch vorwiegend mit der fortgesetzten zweiten Be- rathung des Etats des Ministeriums des Innern, wobei die einzelnen Special- Etats ohne wesentliche Debatte meist im Sinne der Regierung genehmigt wurden. Hervorzuheben ist noch aus der Sitzung vom 2. März, daß der An­trag des Gesainmtvorstandes des Hauses, es möge auf die schleunigste Ausfüh­rung des Baues eines neuen Geschäftsgebäudes für das Haus der Abgeordneten gedrungen werden, fast einstimmig angenommen wurde. Bei der Debatte hierüber mußte der Präsident v. Köller dem (deutschconservativen) Abgeordneten v. Ludwig, welcher sich gegen den Bau eines neuen Geschäftsgebäudes für die Abgeordneten in confusen und zum Theil sogar das Haus beleidigenden Aus­drücken erging, unter allseitiger Zustimmung schließlich das Wort entziehen. Am I

Sonnabend beschäftigte sich das Haus mit der zweiten Berathung des Etats der Bau- und der Justizverwaltung.

Die österreichischen Truppen haben in letzter Woche m dem Kampfe gegen die südslavischen Insurgenten neue nicht unbedeutende Erfolge davongetragen. Namentlich ist es den Oesterreichern gelungen, das obere Narenta-Thal, bisher ein Hauptstützpunkt der Insurgenten, von denselben tast gänzlich zu säubern. Doch ging dies nicht ohne heftige Kämpfe ab , bei denen es sich nanientlich um den Besitz des stark befestigten Ortes Ulok handelte. Derselbe wurde schließlich von den Oesterreichern genommen, und sind die beider­seitigen Verluste, besonders aber diejenigen der Insurgenten, nicht unbeträcht­lich ; ein Theil der Aufständischen soll unter Tungus nach Montenegro geflohen sein. Die officiellen Berichte stellen das Benehmen, die Opferwilligkeit und Ausdauer der kaiserlichen Triippen als im höchsten Grade lobenswerth hm..

Die französiche Regierung hat es für angezeigt gefunden, denjeni­gen Ordensgesellschaften, welche sich unter der Regierung Gambettas m Frank­reich wieder aufgethan haben, schärfer auf die Finger zu sehen, ^o 'eavjich- tigt die Regierung den Ordensgesellschaften, welche ermächtigt werden find, eme bestimmte Anzahl der Ihrigen in den Klöstern zu lassen, den Befehl zu geben, ihr Personal wieder auf die bei ihrer Ausweisung festgesetzte Zahl zu verringern. Auch sind noch andere Vorschriften für die Ordensgeselljchaften in Vorbereitung.

n Rb: ua auf das jüngste gegen die Königin von Engt an d verübte Attentat verlauten noch solgende Einzelheiten. Der Attentäter, Mac Lean, ein heruntergekommener stellenloser Commis aus London.wurde am 3. März vor dem Richter des Polizeigerichts verhört. Mac Lean erklärte hier­bei, daß die Armuth ihn zu dein Verbrechen getr-eben habe, unter allen Um­ständen habe er der Königin kein Leid zufugen wollen, et habe radjjt emmat auf dieselbe gefielt Die Fortsetzung des Verhörs wurde auf den 10. d. Mts. vertagtz Im Nnterhause machte der Staatssekretär des Innern Harcourt, unter dem Beifall des Hauses die Mittheüung, daß die Gesundheit der Komgm durch das gegen dieselbe verübte Attentat nicht gelitten habe - Die Komgm empfing fortgesetzt aus dem In- wie aus dem Auslande tue wärmsten Spin-