Nr. 33. Mittwoch den 8. Februar
Gießener Anzeiger
Antts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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lassen. Es ist dies allerdings loyal von der russischen Regierung gehandelt, aber an der Thatsache, daß Skobeleff's Worte in Rußland und auf der Balkan- Halbinsel vernommen und wohl verstanden worden sind, ändert diese officielle Entschuldigung nicht.
Die drei Kaiserreiche haben im Verein mit Italien in Konstantinopel einen Schritt unternommen, der sich entschieden gegen die englischfranzösischen Bestrebungen in Egypten richtet. Der russische Botschafter in Konstantinopel hat im Auftrage feiner Regierung der Pforte erklärt, daß Rußland die Aufrechterhaltung beä'Status quo in Egypten auf der Grundlage der europäischen Arrangements und der Firmane der Sultane wünsche und der Anschauung sei, daß der Status quo nur durch ein Einvernehmen zwischen den Großmächten und der souzeränen Macht (bet Türkei) geänbert werben könne. Von ben Regierungen non Deutschlanb, Oesterreich-Ungarn unb Italien ist eine gleichlautenbe Mittheilung an bie Pforte gemacht worben.
Die burch bie ben Rücktritt bes egyptifchen Ministerpräsibenten Scherif Pafcha in Kairo hervorgerufene Ministerkrisis ist bereits wieber beseitigt. Das neue Ministerium ist, wie folgt, gebilbet: Mahmub Pascha Präst- biutn unb Inneres, Arabi Bey Kriegsministerium, Mahmub Bey Arbeiten, Abballah Pascha Unterricht, Fabry Auswärtiges unb Fehmi Pascha Justiz.
Politische Ueberskcht.
Gießen, 7. Februar.
Trotz bes Anfangs voriger Woche erfolgten Schlusses ber Reichstaassession ist in unserem parlamentarischen Leben keine Ruhepause eingetreten, da das preußische Abgeorbnetenhaus unmittelbar nach bem Schluss- bes Reichstaas seine Sitzungen wieber ausgenommen hat unb auch bie Laubtage verschiebe- ner auberer Bunbesstaateu, wie bie von Bayern, Sachsen unb Baben werden voraussichtlich noch längere Zeit in Thätigkeit bleiben. Namentlich sind es die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses, welche schon wegen der bem Zause zugegangenen Vorlagen bas allgemeine Interesse in Anspruch nehmen. Das Abgeordnetenhaus erledigte im Laufe der vergangenen Woche die erste Lesung des Etats, wobei besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß tue Steuerpolitik der preußischen Regierung von den Rednern aller Parteien, selbst die beiden conservativen Fraktionen nicht ausgenommen, einer scharfen Kritik unterzogen wurde. Ferner verwies das Haus am Freitag tue Vorlage über den Ankauf der Thüringischen, Bergisch-Märkischen u. s. w. Eisenbahn in erster Lesung nach lebhafter Debatte an eine einundzwanziggliednge Cornnnstion; am Sonnabend trat das Haus in die erste Lesung des Gesetzentwurfs , betr die Eisenbahnanleihe, und betr. den Landes-Eifenbahn-Rath, em und erledigte außerdem verschiedene kleinere Vorlagen. Bereits für Montag, den 6. d Mts., wurde die erste Lesung der kirchenpolitifchen Vorlage erwartet und wird die Debatte hierüber sich jedenfalls auf mehrere Tage erstrecken. ,
Die so viel Aufsehen erregende Angelegenheit des preußischen Kammerrathes Berling gegen den früheren Landrath m Lauenburg, v. Bennigsen-Förder, ist durch die Vermittlung des Reichstags - Abgeordneten Riidolf v. Bennigsen beigelegt ivorden. Herr v. Bennigsen - Mörder hat stch zu einer öffentlichen Ehrenerklärung für Herrn Berling bereit erklärt.
In Sachsen vollzieht sich in aller Stille ein Ministerwechsel oder sagen wir vielmehr ein Austausch von Minister - Portefeuilles. Durch den Tod des Staats- und Hausministers Dr. v. Falkenstein ist dieser Posten erledigt worden. Die verschiedensten Candidaten wurden für diesen vielumworbenen Ruheposten genannt, indessen haben sich alle Verrnuthungen und Combinationen als unrichtig erwiesen, indem König Albert den Minister des Innern und des Auswärtigen, v. Rostiz-Wallwitz, zum Nachfolger Falkenstem's designirt hat, unter Entbindung desselben vom Portefeuille des Auswärtigen, welches dem Premier und Kriegsminister v. Fabrice übertragen werden soll. Die jüngste Anwesenheit des Letzteren in Berlin und seine Conferenzen mit dein Fürsten Bismarck werden mit dieser Angelegenheit in Verbindung gebracht.
In Oesterreich nahmen in vergangener Woche die Verhandlungen der österreichischen und der ungarischen Delegation in Wien über die Lage in den aus- ständijchen Bezirken das Hauptinteresse in Anspruch. Die Erklärungen, welche die Regierungs-Vertreter in beiden Delegationen gaben, haben indessen so gut wie gar nicht befriedigt, denn sie lassen nach wie vor in Zweifel, ob stch die österreichische Regierung über die Ursachen des Aufstandes wirklich klar ist. Anzuerkennen ist aber wenigstens, daß der Reichs-Kriegsminister, Herr v. By- land/, zugegeben hat, wenn auch nur indirect, daß der Aufstand auch nach der Herzegowina und sogar nach Bosnien hinüber greift, hoffentlich ein Anzeichen dafür, daß in Wien das System der amtlichen Schönfärberei bald aufgegeben werden wird.
Obwohl das neue französische Cabinet de Freycinet erst wenige Tage alt ist, so läßt sich doch schon jetzt behaupten, daß dasselbe auf solideren Grundlagen basirt, als sein Vorgänger. Die hauptsächlichsten Stützen des Cabinets, der Ministerpräsident de Freycinet, der Finanzminister Löon Say und der Unterrichtsminister Ferry sind Männer, welche nicht nur bei den gemäßigten Republikanern in höchstem Ansehen stehen, sondern sich auch bei ihren Gegnern der größten Achtung erfreuen. Auch ist der erste und günstige Eindruck, den schon die Zusammensetzung des Ministeriums de Freycinet in Frankreich wie im Auslande hervorgerufen hat, durch die ministerielle Erklärung in der französischen Deputirtenkammer noch vermehrt worden. Keine tönenden Declamationen, noch pomphafte Versprechungen, vielmehr eine einfache Aufzählung praktischer Reformen und ein Appell an den guten Willen der Kammern, das war die Sprache des Cabinets. Diese Erklärungen sind denn von der Kammer auch sehr beifällig ausgenommen worden und scheint man in Frankreich zu der Er- kenntniß gekommen zu sein, daß ein nützliches und arbeitsames Ministerium besser ist, als ein phrasenhaftes „großes Ministerium" ä la Gambetta.
In England begeistert man sich sehr für die Sache der verfolgten russischen Juden, wie die von der Versammlung im Mansion-House gefaßten Resolutionen beweisen. Es wird indessen von den russischen Blättern bemerkt, daß die Engländer erst vor ihrer eigenen Thür in Irland kehren möchten; in der That sind die Zustände in Irland nach wie vor derart, daß bis zur offenen Empörung ein gerade nicht zu weiter Schritt ist, doch giebt man sich in England der Hoffnung hin, daß das Parlament der Regierung erlauben werde, demnächst energisch in Irland vorzugehen.
Die russische Regierung fühlt offenbar das Vedürfniß, den taux pas, welchen General Skobeleff beging, indem er feine bekannte Brandrede vom Stapel ließ, nach Möglichkeit zu corrigiren. Rach einer Meldung des „Pesther Lloyd" hat der provisorische Leiter des russischen auswärtigen Amtes, Staatsrath Gies, in spontaner Weise dem österreichischen Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, sein Bedauern über General Skobeleff's Toastrede ausdrücken
m Darmstadt, 6. Februar. Die zweite Kammer der Stände ist auf Mittwoch den 15. d. Mts., Vormittags halb 10 Uhr, einberufen. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung stehen: 1) Verkündigung neuer Einläufe. 2) Berichtsanzeigen. 3) Wahl der beiden Prästdenten zufolge Art. •), Abs. 2 ber Geschüftsorbnung. 4) Münbliche Berichterstattung unb eventuell Berathung über das Gesuch des Abgeordneten Freiherrn v. Jungenfeld um Entbindung von den Functionen eines Mitgliedes _ des Gesetzgebungs-Ausjc^rsses. 5) Wahlen zur Ergänzung der Ausschüsse, insbesondere des Finanz-Auchchuffes und eventuell des Gesetzgebungs-Ausschusses. 6) Mündliche Berichterüattungen und eventuell Berathung über sämmtliche Neuwahlen der Abgeordneten. 0 Berathung über den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben für die Finanzperiode 1881,85.
Berlin, 5. Februar. Die Berathungen über den Erlaß der Bestimmungen, betr. die Verwendung beftimmtcr Stoffe und Farbe n^ zur Herstellung von'Bekleidungs-Gegenständen, Spielwaaren, Tapeten, Eß-, Trink- und Kochgeschirr, sowie das gewerbsmäßige Verkaufen und Festhalten von Gegenständen, welche diesen Bestimmungen zuwider hergestellt sind, werden in der nächsten Zeit im Reichsamt des Innern wieder ausgenommen werden und an derselben die Fachleute Hofmann, Geh. Rath Eulenberg unb Dr. Bischof theilnehmen. Die Zwischenzeit seit ben ersten Berathungen über biesen Gegenstanb würbe zu em- gehenben Untersuchungen benutzt._____________
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondem-Bureau.
Dresden, 6. Februar. Der König empfing Mittags ben Earl of Este, nahm in Gegenwart bes Ministers bes Auswärtigen, v. Fabrice, besten Accre- bitive entgegen unb ließ sich bie übrigen Mitglieber ber Mission vorstellen, bie später auch von ber Königin empfangen würben.
— In ber zweiten Kammer lehnte ber Minister es ab, bie Interpellation Bebel's über bie Ausweisungen zu beantworten, weil bie Regierung es nicht nöthig habe, sich wegen ber Nichtausführung eines nur von einer Kammer ge* faxtenwirb aus Serajewo von geftern gemelbet: Die Nachrichten von ber Bebrohung Focas burch bie Insurgenten bestätigen s . Am 1. b. Mts. begannen bie Insurgenten bas linke Drmaufer nordwestlich vo Fora zu räumen, sie vereinigten sich in ber ©egenb von ^ruRstte und Bastac, wo sie über bie Drina setzten. Von ber Garnison von Foca. vorg « Streifungen am 2. bs. conftatirteu einen bebeutenben Zuzug von Jürgen en nach bA Gegend von Bastaei hin. Unsere Truppen besetzten SusMnc> ohne Kamp. L am 3. bs. gegen bie Karaula von Humic, io wie gegen Bastaci unb Bros vor geschobenen Truppen aber stießen auf stärkere Jisturgen , unter-
heftigem Feuergefecht zurückgebrangt wurbem Z Angriff auf Sussesno, nahmen bie Insurgenten rn bedeutender An ahl emen^ st.^all energisch bie Karaula von Humic unb Brob, Milben ur verwunbet,
zurückgewiesen. Wir hatten 4 Mann tobt, 14 fetter
bie Verluste ber Insurgenten sind viel bedeutender ^uthenen finb erfolgt;
L-mberg, 5. Febr Wettere Verhaftimger- °°n^utyeu
unter ben Verhafteten besinbet sich auch 1 verhafteten würben bem hiesi- Abgeorbnete Nauinowics unb besten too^n. -vie
gen Strafgerichte übergeben. Abend fanb in bet beutfchen Bot-
an welcher sämmtliche Botschafter und Ge- schäft eine größere 'f1ftbniicbteiten theilnahmen. - In Jarzewo stt
gestern ^Nackst^bie^Bamnnwlleii-Manufaktur Chlubows niebergedrannt. Diefelbe war für 3 Millionen versichert , [bete Nachricht von einem angeblichen »««t St1.‘äSjWW-R 1(1» **• **■Sl* nichts bekannt.


