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Vermischtes

Ruhestörungen haben sich gestern nicht wiederholt.

Petersburg, 5. Septbr. Der Fürst von Montenegro ist heute Abend hier eingetroffen und im Winterpalais abgestiegen.

Lokales.

Gießen, 6. September. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle in der Woche vom 27. August bis 2. September belief sich hier im Ganzen auf 6. Unter den Gestorbenen befand sich nur eine erwachsene Person, welche einer Bauchfell­entzündung erlag. Unter den 5 Kindern hatten zwei das erste Lebensjahr noch nicht vollendet und starb das eine an allgemeiner Abzehrung, das andere an Krämpfen. Von drei älteren Kindern starben zwei an Diphtherie, eins an Lungenentzündung. G.

Gießen, 6. September. Gestern Abend kurz nach 9 Uhr stürzte aus dem 3. Stock eines Hauses der Wallthorstraße eine Frauensperson auf das Straßenpflaster. Mit geborstenem Schädel wurde die Unglückliche in das Haus gebracht.

Der äußere und innere Zustand von einigen unserer öffentlichen Bahnhofs' Droschken spottet eben jeder Beschreibung. Man sollte doch keinem Menschen zumuthen, sich in solchen Marterkastcn nach der Stadt fahren zu lassen. Abhilfe thut hier dringend Noth, soll nicht das Droschkenwesen unserer Stadt zum Gespötte fremder Passagiere werden.

Darmstadt. Folgende orthographische Musterleistung ist hier eingegangen: An Landausstelung in Höhen Darmstahl an die Herren in Direktion Königreich Höhen. Sie werden so guht sein mir 10 Loos schien auf Nachnam, fir 10 Mark, aber ich verlange den Brief Fralggiren das es nicht so viehl Kost, aber jedes Loos soll anderrm

Vor der Anatomie insbesondere gab es der Verwundeten, behufs Nachfrage nach ckhriaen aber gleichwohl Erschienenen in Massen. Eine etwa 75 Jahre alte Frau am rechten Auge derart verletzt, daß die Passanten ihre Verbringung ins Spital ßarderten Eine 22jährige Frau war von Morgens bis Mittags vor der Anatomie neftanden Die Kleider waren der scheinbar dem besseren Stande angehörenden Frau *Lm Leibe gerissen; sie weinte und klagte bitter: mein Mann! mein Mann! Das tvbfpaar war nebeneinander gesessen bei Eintritt des Unglücks, die Frau wurde aus dem in Trümmer gegangenen Waggon geschleudert, der Mann blieb unter demselben mit vollständig eingedrücktem Schädel.

Und soll ich denn auch den Anblick schildern, der sich mir bei meinem Eintritt in den Secirsaal darbot? Eine unlösbare Aufgabe! Auch nur einen Theil des Elends und Jammers zu schildern, den ich hier gewahr wurde, wäre unmöglich. Der Fuß­boden des langen Saales ist mit männlichen und weiblichen Leichen bedeckt. Die meisten dieser Opfer zerauetscht ober aufgeschlitzt; nur wenige liegen da, deren Ver­wundung nicht schon dem oberflächlichsten Blicke erkennbar. Rechts an der Thür liegt eine 28jahrige Frau; die verzerrten Züge bekunden, daß hier dem Tode Widerstand zu leisten versucht wurde. Neben ihr liegt ihr Kmd, ein etwa öjährtges Knäblein, das vermuthlich eine innere Verletzung erlitten. Wie zum Schutze ist noch jetzt die Mutter­land nach dem neben ihr liegenden Kinde ausgestreckt. Der Gatte und Vater harrt vor der Thür der schrecklichen Aufgabe. Frau und Kind dem dienstthuenden Polizei- deamten als die ihm entrissene Familie zu bezeichnen. Dort liegt ein Mann von 38 Jahren; Kleider und Gesicht verrathen, daß er dem niederen Stande nicht angehört; die Untersuchung ergibt, daß der so böse zugerichtete Beamte verlobt war und eben im Begriffe stand, ein Ehebündniß einzugehen. DaS auf der anderen Seite des Saales liegende 19jährige Mädchen mit ihren blutdurchtränkten, nun schlaff herabhängenden Köpfen hat in ihm doppelt einen Schicksalsgenossen; weint um ihn eine Braut, die er nächstens zum Altar führen wollte, so wird sie von ihrem im Hose stehenden, laut schluchzenden Bräutigam betrauert.

Doch das entsetzlichste aller Entsetzen! Mein Blick begegnet einem Paare, das bis vor wenigen Stunden noch glücklich war im Gedanken an ihre 5 kleinen Kinder, die der Rückkehr der Eltern aus Freiburg harrten. Wie sie da neben einander liegen, Vater und Mutter, es ist, als ob sie händeringend zu den an ihnen Vorüberziehenden sprächen:Schauet her und sehet, ob ein Schmerz dem unseren gleicht " Dahin ist die Wonne der Eltern, dahin die Freude der sich ihres Unglücks noch nicht bewußten, unmündigen Kinder!

Ich übergehe die lange Reihe jener hier liegenden Unglücklichen, deren Betrachtung mir so wenig möglich al5 ihre Schilderung. An ihnen thaten die Räder und andere kantigen Bestandthcilc der Waggons ihre fürchterliche Arbeit. Nur noch einen raschen Blick über das ganze vor mir liegende Unheil. Es waren 48 Menschenleben noch vor wenigen Stunden, jetzt liegen hier blutige, nur an einzelnen Theilen mit zerrissenen Kleidern bedeckte Körperstücke! Im Hospital sind mittlerweile zwei Schwerverwundete ihren Leiden erlegen und die noch Vermißten sind 5 an der Zahl. Die Arbeiten an Der Unglücksstätte werden nunmehr, nachdem die Behörde an Ort und Stelle war, beschleunigt, so daß jedenfalls noch während des heutigen Tages die noch vermißten Leichen zu Tage gefördert werden dürften. Erst bann wird sich das Unheil ganz über­sehen lassen, das die Katastrophe anqerichtet.

Bedeutende Verdienste erwarb sich anläßlich des Unglücks Herr Universitäts- Professor Maas, der mit unter den Ersten an Ort und Stelle war und mit seinen Assistenten unaufhörlich arbeitete. Auch die Freiburger Aerzte entwickelten eine sehr lobenswerthe Thätigkeit-

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eorrespondenr-Bureau.

Berlin, 5. Septbr. Der Kaiser ist, begleitet von dem Kronprinzen, der Kronprinzessin, den Prinzen Friedrich Karl und Albrecht, um l3/4 Uhr Nachmittags mit großem Gefolge nach Breslau abgereist. Der Kaiser hatte vorher im hiesigen Palais mehrere Vorträge entgegengenommen. Gestern empfing der Kaiser auf Babelsberg zahlreiche militärische Meldungen, arbeitete längere Zeit mit dem Chef des Civll-Cabinets v. Wilmowski und conserirte mit dem Minister v. Puttkamer. Vor und nach dem Diner hatte der Kaiser Aus­fahrten gemacht.

Prinz Wilhelm wird erst am 7. ds. nach Breslau nachfolgen.

Freiburg, 5. Septbr. Der Com.niffar des Reichs-Eisenbahnamtes, Geh. Ober-Regierungsrath Streckert, ist anläßlich des Eisenbahn-Unglücks bei Hugstetten heute hier eingetroffen.

London, 5. Septbr. Wie dieTimes" erfährt, soll die englische Negie­rung im Besitze eines zwischen dem Sultan und Arabi Pascha stattgehabten Briefwechsels sich befinden, welcher das heimliche Einverständniß beider voll­ständig constatire.

Dublin, 5. Septbr. Der Vicekönig erließ eine Bekanntmachung, daß

fcrantfurt a. M., 6. Septbr., Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 277%, Staatsbahnactien 305V,, Galizier 276%, Lombarden 1331/,, Nord- westbahnactien, Darmstädter-Bankactien 162, Oberschlesische E.-B.-Act. 260%,

Oefterr. Silberrente 663/w, 4°/0 Ungar. Goldrente 76%, . 4% 1880er Russen 69%, derlange oen oriti tyiuigyntn IV v.vyt. «nun, uuer jtoouooQ iou anoerrm 5% 1877r Russen 86%, 2. Orient-Anleihe 56%, Spanier 64%, 5% Rumänische

Numerren sein, Ich grüß Sie, Directton nach der Ziung will ich Ziungeslistn auf | Rente 91%, 4% Unific. Egypter 60% g. Tendenz schwankend, eher fest.

P .......

Nachnam. Verschidene Dausender Hunderrht. die AtreS Xaver Schmidt Uhrenmacher in Tunzehl Ammt ©taufen Oberland Grobherzog von Baaden.

Mainz, 2. September. Heute Abend 6 Uhr erfolgte in der Schusterstraße eine Gasexplosion, wobei 2 Personen schwer verletzt wurden. Die Demolirung ist sehr groß.

Königstein, 30. August. Gestern Abend ereignete sich hier ein schrecklicher Unglücksfall. Die 26jährige Tvcbter des Herrn Lehrers F. wurde aus Unvorsichtigkeit von einem Freunde ihres Bruders, welcher auf einige Tage hier zu Besuch war, durch eine Flaubert-Pistole gelobtet. Die Kugel, welche in bte linke Brust eindrang, traf das Herz und hatte der augenblicklichen Tob bes Mäbchens zur Folge. Der Jammer ber bejahrten Eltern, deren Stütze die Tochter war, ist herzzerreißend. Der unglück­liche junge Mann, welcher die That verübt, ist der 19jährige Primaner P. aus Karlsruhe.

Bremen, 4. September. (Rettung aus Seegesahr.) lieber die bereits tele­graphisch gemeldete Rettung der aus acht Personen bestehenden Besatzung des russischen SchunersSkandia", Capitän Michelson, mit Holz von Uleaborg nach Southampton bestimmt, durch das RettungsbootEmden" der Station Borkum-Westland, gibt der Ortsausschuß in Borkum im Nachstehenden näheren Bericht:

Am 31. August er. kamen früh Morgens drei Lootsen vom Lootsenabholer Dollart", in der Fischerbalje ankernd, an Land, um sich nach ihrem in See befind­lichen Lootsenschuner umzusehen. Sie bestiegen den hiesigen Leuchtthurm und bemerkten mittelst Fernrohrs N-N-O-wärts gegen Juist ein Schiff in Gefahr, welches Noth- ftgnale gehisst hatte. Hiervon wurde der Vormann sofort in Kenntniß gesetzt und ließ derselbe bas Rettungsboot schleunigst zu Wasser bringen. Da bie Besatzung des Bootes nicht gleich vollzählig war, so erboten sich die drei anwesenden Lootsen, mitzufahren, und stach das Rettungsboot um 11% Uhr Vormittags in See. Fluth, stürmischer Wind aus Nordweft und hoher Seegang verhinderten an der Westseite ber Insel vor­wärts zu kommen, unb wurde baher beschlossen, um schneller und sicherer zu fahren, denDollart" zu Hülfe zu nehmen- Das Rettungsboot im Schlepptau, kreuzte nun derDollart" durch die Oster-Ems nach See und gelang es mit vieler Mühe und Anstrengung, die hochgehende See unb Branbung zu bekämpfen. Enblich spät Abenbs kam man in bie Nähe bes verunglückten Schiffes. Als man dem Schiffe so nahe wie irgend rathsam war, stieß das Rettungsboot vomDollart" ab unb gelang es der Rettungsmannschaft mit eigener Lebensgefahr das Schiff zu erreichen und die Be­satzung, bestehend aus acht Personen, glücklich an Bord desDollart" zu bringen.

Beim Anlegen an das in Noth befindliche Schiff erlitt das Rettungsboot durch den Anprall, verursacht durch eine hochgehende Woge, Beschädigung am Vordersteven, der Korkumgürtung und am Bug. Das Wrack des Schuners lag in unmittelbarer Nähe der Brandung vor den Hummegats-Gründen. Das Schiff war voll Wasser und hatte schon 8 Tage vorher das Ruder verloren.

Inzwischen war es dunkle Nacht geworden. Trotz ber größten Anstrengung gelang es nicht, eine ber Emsmündungen zu erreichen, ba bie hohe Branbung nicht zuließ, Über das Juister Riff zu fahren, es blieb daher nichts übrig, als die Nacht auf See zu bleiben.

Am anderen Tage, Freitag den 1. September; gelangte das Rettungsboot um 12% Uhr hier wieder an. Das Boot bewährte sich feinem Zwecke entsprechend ganz vorzüglich. Die Mannschaften waren mit Korkjacken bekleidet.

Aus dem Rheingau, 2. September. Die Weinaussichten sind bedenklich gesunken. Klagen, nichts als Klagen! Wenn auch hier unb daEtwas draußen hängt", wie z. B. vorzugsweise in Rauenthal unb auch in Rübesheim bei biefer Witterung kann von einem Ausreisen kaum die Rebe sein! Im Allgemeinen kam ich von einer Runbreise, welche zum Zwecke hatte, mir über ben Stand ber Reben hin­sichtlich der au erwartenden Quantität in diesem Jahre durch Autopsie ein richtiges Bild zu schaffen über alles Das, was ich gesehen, mit tiefem Betrübnisse nach Hause. In Hochheim, am Neroberg, Eltville, Erbach, Steinberg, Hallgarten, Oestrich rc. gibt es im Großen unb Ganzen viel weniger, wie im vorigen Jahre; viel besser steht es im Marcobrunnen unb überhaupt in ber Hattenheimer Gemarkung; dem vorjährigen Stande gleich steht es in den Lagen zu Rüdesheim, wirklich trefflich allein in Rauenthal, während der Klebroth (gen. Burgunder) zu Aßmannshausen zumeist in ber Blüthe durchgefallen, kaum die Hälfte des vorjährigen Quantums geben wird. Der Klebroth fängt seit acht Tagen, in den besten Lagen des Aßmannshauser Berges, sich zu färben an. Die Entwickelung des Rieslings steht selbst in ben besten Lagen sehr zurück. Die beständig naßkalte rauhe Witterung, das in den Weinbergen kaum zu bewältigende Unkraut rc. sind so unb so viel ungünstige Umstände, welche das Reifen der Trauben hindern, unb es ist daher unschwer das Prognostikon aufzustellen, daß der 1882er kaum feinen unmittelbaren Vorgänger in der Qualität erreichen wird. Es gibt zwar noch Leute im Rheingau, bie vom guten September und October Alles hoffen, allein mögen dieselben mit ihren kurzen sonnigen Tagen und langen kühlen Nächten noch so gut werden, das im ganzen Sommer Versäumte werden sie nicht ausgleichen können. (Rh. C.)

Eindeutscher Händedruck" brachte einen Maurer in Erfurt in nicht geringe Verlegenheit und für feine Verhältnisse ziemlich hohe Geldkosten. Er muß nämlich einem Zimmermann, dessen Hand er bei einer Begegnung so übermäßig drückte, daß der Daumen ausgerenkt wurde, allwöchentlich 12 Mark unb zwar so lange zahlen, bis sein Freunb wieder arbeitsfähig ist.

Daß selbst eine anscheinend so trockene Arbeit wie bie, welche mit ber Redaction des deutschen Exportadreßbuchs verbunden ist, nicht gänzlich des Humors entbehrt, mag zunächst ebenso unwahrscheinlich klingen wie bte Nachricht von ber Ent­deckung bisher ungeahnter Exportartikel aus dem deutschen Reiche. Aber an bte Redaction des genannten Exportadreßbuchs ist das sonderbare Ansinnen gestellt worden, die Annonce einerExportanstalt" aufzunehmen, welche statt tobter Erzeugnisse deutschen Gewerbfleißes, lebende Verbreiter deutschen Hausfleißes in Gestalt von Gouvernanten unb Musiklehrerinnen an das Ausland abgibt. Wahrlich, die oft erhobene Klage, welche von weiblichen Lehrsklaven zu erzählen weiß, hätte keine traurigere Illustration erfinden können, als diese- Interessanteres aber noch und eine immer schrankenloser auftretende und immer breiter sich brüstende Art moderner Seelenverkäuferei zeigte sich in dem Antrag au bie Rebaction des Export-Adreßbuchs, welcher nichts weniger ver­langte, als die Ausnahme einer Annonce seitens einesInternationalen Heiraths- Bureaus". Selbstverständlich sind diese Anträge von der Rebactton des Export-Adreß- buchs zurückgewiesen worden.

Telegraphische Dampfernachrichten. Mitgetheilt von den General-Agenten Gcbr. Gosewisch unb Max Jos. Schröder, Mainz.

New-Aork, 3. Septbr. Angekommen von Bremen der Norddeutsche Lloyd- DampferRhein" iA'ffahrt 20. August) unb ber Dampfer ^Zeeland" ber Reb Star Lme in Amwcrpen (Abfahrt 19. August)..

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