die Principien der Gewerbeordnung von 1863 zurückgehe, und weist die gegen die Vorlage erhobenen Einwendungen als unbegründet zurück. Die Befürchtungen, daß die Behörden willkürlich verfahren könnten, theile er nicht. Was die Handlungsreisenden anlange, so sollte nur das Hausirmäßige von dem Stande abgeschnittcn werden, und damit wären unsere Fabrikanten und Handlungshäuser einverstanden. Die Handlungsreisenden bleiben was sie sind, es handle sich nur um das damit verbundene Hausir- gewerbe. Auf das Colportagegcwerbe übergehend bemerkt Redner, daß unter patriotischen Schriften solche verstanden werden, welche patriotischen Inhalts sind oder über allen Parteien stehen.
Der Präsident theilt mit, daß ein Antrag auf Verweisung an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern eingegangen ist.
Dann vertagt sich das Haus. — Der Präsident schlägt die nächste Sitzung auf Sonnabend 1 Uhr vor. Tagesordnung: 1) Antrag Frohme wegen Einstellung des gegen Liebknecht schwebenden Strafverfahrens, 2) Rest der heutigen Sitzung fortzusetzen.
Es erhebt sich hierüber wiederum eine längere Geschäftsordnungsdebattc, die das fortdauernde Zusammentagen des Reichstags mit dem preußischen Abgeordnetenhaus!: zum Gegenstände hat.
Abg. Rickert bittet, die nächste Sitzung nicht am Sonnabend festzusetzen, andernfalls aber Alles zu versuchen, um diesem Zustande ein Ende zu machen. Redner erinnert daran, daß der Reichskanzler früher selbst einmal erklärt habe, er würde einem Zusammentagen der beiden Körperschaften niemals seine Zustimmung gegeben haben.
Abg. Dr. Windthorst will es bei der vorgeschlagenen Sitzung belassen. Er hoffe, daß die Regierung thun wird, was das zweckmäßigste ist, nämlich den Landtag morgen zu schließen.
Abg. Richter (Hagen): Die „Prov.-Corr." habe gezeigt, was damit beabsichtigt werde. Der Reichstag solle zu einer Aenderung der Verfassung in Bezug auf die jährliche Berufung des Reichstages veranlaßt werden. Der Zustand werde fortdauern, wenn man sich herbcilasse, täglich zweimal Sitzungen zu halten.
Abg. v. M innige rode hält im Gegentheil das tägliche Tagen des Reichstags für das beste Mittel, die Regierung zu veranlassen, den baldigen Schluß des Reichstages herbeizuführen.
Das Haus schließt sich dem Vorschläge des Präsidenten an. Schluß 5 Uhr.
Telegraphische Depeschen.
Wotff's telegr. Correspondenz-Bureau.
Prag, 5. Mai. Nach einer Mittheilung aus Dux hat tue Strikebe- wegung dort ihre Endschaft erreicht; auch aus den anderen von dem Strike heimgesuchten Revieren wird eine heute eingetretene allgemeine Zunahme der Arbeitskräfte gemeldet.
Wien, 5. Akai. Das Abgeordnetenhaus hat heute unter Ablehnung aller Abänderungsantrüge die Zolltarifklassen für Schlacht- und Stechvieh, Wild- pret unü thierische Products unverändert nach den Ausschuß-Anträgen angenommen.
— Ringtheater-Proceß. Kapellmeister Hellmesberger giebt an, er habe unmittelbar nach dem Ausbruch des Feuers dem Polizeirath Landsteiner gesagt, er solle Licht in das Theater schaffen, da noch Leute darin seien. Landsteiner habe ihm geantwortet: „Beruhigen Sie sich, es ivird Alles gerettet." Landsteiner bestreitet seine Begegnung mit Hellmesberger, welche indeß von dem Sohne und der Gemahlin des Kapellmeisters bestätigt wird. Der Redacteur des „Wiener Tagebl.", Frischauer, bezeugt, er habe Landsteiner zu den Erzherzogen sagen hören: „Alles ist gerettet."
— Dein „Wiener Tagebl." zufolge unternahm gestern eine combinirte Kolonne, verstärkt durch eine Batterie, eine Streifung gegen den aufständischen Bezirk Zupa und lieferte den Insurgenten bei Pergolis ein siegreiches Treffen. Der Feind wurde vollständig gesprengt.
London, ä. Mai. Gutem Vernehmen nach hat heute eine Versammlung der conservativen Partei stattgefunden, in welcher mit Einstimmigkeit beschlossen wurde, die weitere Entwickelung des irländischen Progranuns des Cabinets abzuwarten. Wenn die Antworten der Regierung auf die diesbezüglichen Fragen der conservativen Deputirteu unbefriedigend ausfallen, soll ein Tadelsvotum gegen das Cabinet beantragt werden.
Lokale».
Gießen, 6. Mai. Die „Freiwillige städtische Feuerwehr" hat in ihrer Generalversammlung am Donnerstag Abend ihre Auflösung beschlossen. Im Jnscrateniheil der heutigen Nummer veröffentlicht der Vorstand eine Erklärung zur Begründung dieses außerordentlichen Schrittes. Es wird In erster Linie der Stadtoertreiung der Vorwurf der Nichtachtung und Zurücksetzung gemacht. Wir müssen es selbstredend dem ange- griffenen Theile überlassen, diesem Angriff ein Paroli zu bieten, glauben jedoch, nach unseren Ersahrungen, den Grund der Zerfahrenheit tm Wesen der freiw. städt. Feuerwehr ganz wo anders suchen zu müssen, als es in der Erklärung bezeichnet ist. Die Stadtvertretung hat zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit das Interesse des städtischen 'Löschwesens zu fördern gesucht. Wo es nicht geschehen ist, war da vielleicht nicht die Schuld aus anderer Seite zu suchen? Wenn in der Erklärung von „schnödem Angriff der Pi esse" gesprochen wird, so weisen wir unsererseits diese Behauptung zurück. Wir haben keinen „schnöden" Angriff gemacht, wir glaubten nur unsere Pflicht zu erfüllen, wenn wir auf Mängel im Löschwesen hindeuteten, Mängel, welche sich die Spatzen von den Dächern pfiffen. Unter Umständen ist die Auflösung der freiw. städt. Feuerwehr fast zu begrüßen, bittet sich vielleicht doch die Gelegenheit, auf den Trümmern der alten Wehr eine neue aus dem Kern der Bürgerschaft herausgehende Feuerwehr zu gründen und durch zahlreichen Zutritt von für das Wohl der Mitmenschen fühlenden thal- kräftigen Männern diese neue Feuerwehr lebenskrästig zu erhalten.
— Gestern Abend versammelte sich eine Anzahl jüngerer Bürger zur Gründung einer neuen sretwilltgen Feuerwehr. Die Herren gingen in ihren Erörterungen von der Ansicht aus, daß es Pfl cht und Ehre eines jeden jungen Bürgers sei, sich dem schönen Dienste des Feuerlöschwesens und dem Wohle der Vaterstadt zu widmen. Sie hoffen aus zahlreichen Beitritt unserer seßhaften Einwohnerschaft, damit ein fester, haltbarer Kern geschaffen werde, um welchen sich jeder gut und billig denkende Mann schämten kann. Sollten die Herren sich in ihren Anschauungen getäuscht haben, so dürste leicht der Fall Eintreten, daß aus Grund des Gesetzes vom Jahre 1857 unsere junge Bürgerschaft von Amtswegen gezwungen wird, die städtischen Löschgeräthe an die Lahn zu ziehen und dort ihre Spritzeuproben abzuhalten. Doch glauben wir, daß bei dem gesunden Sinne, der Eichens Bürger Innewohnt, solches nicht mehr anwendbar sei. Wir hoffen, demnächst Weiteres über die neu zu bildende Feuerwehr mittheilen zu können.
— Bei dem Gewitter am Abend des 4. ds. Mts schlug der Blitz in der Scheuer des Georg Faber III. zu Leihgestern ein, ohne indessen erheblichen Schaden anzurichten.
Handel und Verkehr.
Gießen, 6. Mai. Aus dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd X 100—1.05, Hühnereier 1 Stück 5 H und 2 Stück 9 Ä, Enteneier per Stück 5~0 H, Gänseeier ver Sk.0-00 Käse x. St. 5-9 Kasematte per Stück 3^,
Erbsen 1 Liter 2o H. Linsen 1 Liter 32 Tauben das Paar 60-75 P>, Hühner per Stück X 1.20-1.40, Hahnen per Stück X 1.50—1.70, Enten per Stück ^4 2.00—2 50 Ochsenflcisch per Pfund 64-66 H, Kuh- und Rindfleisch 50-54 X Kalbfleisch 44 bis 50 H. Schweinefleisch 62-64 H, Hammelfleisch 60-66 Kartoffeln 100 Kilo M. 3.00—3.60, Zwiebeln der Centn» X 15—00, Milch per Liter 16—18
«- ^ankfnrt a. M., 6. Mai, Nachmittags 2 Uhr - Min. (Telegraphischer Coursberrcht. Witgetherlt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Credttactten 293'/«, Staatsbahnactien 287-/«, Galizier 266, Oesterr. Silberrente foV«, 4% Unaar. Goldrente 75'/,, 4% 1880er Russen 71-/«,, 2. Orient-Anleihe 57-/.°, Lombarden 128. Tendenz —.
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Aufgebote.
April. 1. Schlosser Ludwig Kreuter von Gießen mit Johanna Johannette Meckert, Tochter des Bergmanns Karl Weckeri von Haiger. 4. Seronde-Lieutenant und Regiments-Adjudant tm II. Großh. Hessischen Jnsanterie - Regiment Nr. 116 Friedrich August Wilhelm Julius Klingelhöffer mit Emma Henriette Katharine Schuster, Tochter d-s verstorbenen Steuerraths Franz Schuster von Gießen. 5. Schullehrer Anton Ohrmann von Budberg mit Gertrude Therese Auguste Muermann, Tochter des verstorbenen Schullehrers Friedrich Muermann von Hemmcrde.
Geborene.
April. 25. Ein Sohn von auswärts, Adolf. 25. Ein Sohn von auswärts, Ferdinand. 27. Dem Schneider Kaspar Weiß eine Tochter, Anna Elise Marie. Mai. 1. Dem Cigarrenmacher Ludwig Schuecko ein Sohn. 2. Dem Bremser Friedrich Michel ein Sohn, Friedrich. 3. Dem Stadtcassediener Heinrich Gengnagel eine Tochter, Theodore Katharine.
Gestorbene.
April. 28. Dem Taglöhner Ludwig KlooS eine todtgeborene Tochter. 28. Arbeiterin Henriette Fonhausen, 17 Jahre alt, vom Steinze>lerhof bei Weilburg. 29. Emilie Weidig, 21 Jahre alt. 29. Ein todtgeborener Sohn van auswärts. 29. Christine Bausch, 26 Jahre alt, von Weilmünster. Mai. 1. Sophie Marie, 3 Jahre alt, Tochter d's Schlossers Hartmann Babel. 2. Martin Julius, 3 Monate alt, Sohn des Schlossers Wilhelm Dörr. 3. Wagner Hemiich Döll, 23 Jahre alt, von Alt-Buscck. 3. Schuhmacher Johannes Haas.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 30. April. Nicolaus Biesdorf, Schneider in Gießen und Katharine Luise Haist, ledige Tochter des Holzbildhauers Wilhelm Halft zu Murrhardt.
Denselben. Heinrich Jakob Heilmann, Kunstgärtner In Gießen und Johanna Margarethe Roth, ledige Tochter des verstorbenen Landgestütsdieners Adam Roth von Darmstadt
Denselben. Christoph Bieker, Kaufmann in Gießen mit Katharina Johannette Schleuning, ledige Tochter des Oeconomen Johannes Schleuning zu Gießen.
Getaufte.
D»' 30. April. Dem Maschinenwärter Heinrich Wagner eine Tochter, Marie, geboren WU 13. März.
Se™lbcn. Dem Geschäftsreisenden Karl Straub eine Tochter, Auguste Emilie, geboren den 28. November 1881.
Den 5. Mat. Dem Redacteur Dr. Julius Engelmann eine Tochter, Henriette Charlotte, geboren den 29. November 1881.
Beerdigte.
Den l.Mai. Emilie Weidig, ledige Tochter des Hauptsteueramtsdlen-rs Christian Weidig in Gießen, alt 21 Jahre, gestorben den 29. April.
Brodpreise
vom 7. Mai bis 21. Mai 1882.
der Bäcker |L$.
1 Kgr. (2 Pfd., Weißbrod.....32 1
2 „ l4 „ j......;64 2
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod I. Sorte 29 1
2 „ (4 „ ) „ „ 58 2
1 „ (2 „ ) „ II. Sorte 26 3
2 „ (4 „ ) „ „ 52 1
bei Konrad Rinn III......54 2
3 „ (6 Pfd ) Schwarzbrod II.Sorte 3
bei Eduard Noll.......ii72
„ K.Haas, K. Wallenfels,M. Lenz 73
„ F. W. Hartmann u. L. Schneider 75
„ H. Kuhn........76
„ L. Kroneberg, E. Wallenfels, Chr. Faß und L. Keil . . . ,78
NB. Schwarzbrod II. Sorte wird von
Aug. Noll nicht verkauft.
Gießen, den 6. Mai 1882.
der Brodverkäufer
Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod „ (4 „ ) „ ....
„ (2 „ ) Schwarzbrod I. Sorte
V (^ » ) M ff
II (0 ,, ) „ ,,
Kgr. (2 Pfd.! Schwarzbrod II. Sorte u ii ) tt ii
II W V ) U H
bet Emil Sauer
„ I. Thomas und Kath. Baldauf
Großherzogliches Polizeiamt Gießen Fr esenius.
A
32
64
29
58
26
52
73
78
Für die Kinderhellanstalt in Bad-Nauheim erhielten wir von Herrn Lehrer Ebeling 3 X
Für die notbleibenben Juben in Rußlanb gingen bei uns ein: 2. Sütf.ng 10 X, Dr. Hempel 5 x Hofgerichtsrath Hoffmann 4 X, C. B. 4 X, Ephraim Grünewald 3 X, Dr. Kübel 5 X, H. H. 2 X
Für bie Brandbeschäbigten im S-dl a b a ch'schen Hause erhielten wir: Von Frau S. Hornberger 2 X, S. F. 3 X, C. B. 3 X, H. 10 X, Ammon 5 X, Ungenannt 2 X, 3t. <S. 1 x L. F. 1 X, Dr. Kübel 2 X, Dr. Levi 2 X, H. B. 50 H N. 9t. 4 X — MU herzlichem Danke bescheinigen ro:r vorstehende Gaben. Die Expeb. des „Gießener Anzeiger."
Wafferwärme der Lahn.
Am 6. Mai, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 121/*0 9t-, Lufiwärme + ll*/2° £R.
L. Chr. Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Bier-Apparate
ändere nach neuester Vorschrift zu den billigsten Preisen um.
H. Schaffstaedt,
Metallwaarenfabrik und Gießerei, 3090 Bahnhofstraße.
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