Ausgabe 
5.11.1882 Zweites Blatt
 
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Norddeutschen Lloyd in

Bremen, 1. November.

Norddeutschen Lloyd in Bremen,

Capt. C. Undütsch, vom von Newyork abgegangen

Der Postdampfer Oder, welcher am 21. Oktober

Schiftsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Bremen, C W- Dietz Nachfolger, Gießen.

war, ist heute 4 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 6 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 153 Passagiere und volle Ladung. _________

In Paris ist das Tifchrücken wieder einmal fashionable geworden. Gtrave in den aristokratischen Kreisen, wo sonst das Hervorkehren strengster religiöser Recht- gläubtgkeit zum guten Ton gehört, hat dieser Aberglaube die meisten Anhänger gewonnen. Was lndeß schlimmer ist, als diese Verirrung gelangweilter Modedamen und hohl- köpftger Modeherren, das ist die Mitschuld gewisser Preßorgane, welche unter dem Vorwande, das elegante Leben zu schildern, die eleganten Thorheiten beschönigen und ihnen das Wort reden. Der Gaulois widmet heute dem Tischrücken einen Leitartikel, dessen Verfasser sich als sehr freisinnig, sehr skeptisch bekennt, dann aber sofort beifügt, an der Fähigkeit der Tische, sich zu drehen und durch Bewegen und Klopfen Mtttheilungen aus dem Geisterreiche zu übermitteln, dürfe man nicht zweifeln. Der Verfasser beruft sich auf Madame de Girardin, auf Balzac, Sardou und die Kaiserin Eugenie, welche Alle zu ihrer Zeit das Ttschrücken gepflegt. Man geht jetzt sogar so weit, von den Tischen Antwort auf Fragen zu verlangen, welche von den Anwesenden gar nicht aus­gesprochen, sondern nur gedacht werden. Madame de Girardin, so erzählt der Gaulois. soll bei einer dieser Sitzungen ihre Gäste aufgefordert haben, jeder möge sich ein Wort denken; der Tisch werde cs errathen und durch ein Synonym andeuten. Als die Reihe an den Schriftsteller Vacquerie kam, klopfte der Tisch:Leiden." Vacquerie gestand, er habe gedacht:Lieben."

Eme seltsame Entführungs-Geschichte macht in Budapest Aufsehen. Ein junger Engländer erließ dort, wieEgyetöUös" meldet, folgendes Inserat:Junge hübsche Mädchen werden im Velocipedfahren unterrichtet und zur Reise ausgenommen. Näheres unter Tabakgasse 26." Es meldeten sich in Folge dieser Annonce nicht wenig junge Mädchen aus dem Bürger- und Handwerkerstande und mit einer Anzahl von diesen verschwand nach einigen Tagen der moderne Rattenfänger aus Pest, ohne daß man bisher außer seiner nach Frankfurt a. M. führenden Spur etwas von ihm ermittelt, obwohl der Telegraph hinter ihm nach allen Richtungen spielt.

sGeschäftsgehetmniß) In B. herrscht unter den Kellnern vielfach die Unsitte, stets nur so viel beim Geldwechseln herauszugeben, daß noch 10 H fehlen und nach diesem dann so lange suchen, bis der Gast des Wartens müde wird und dem Kellner den Betrag schenkt. Einem Gaste, Professor an der dortigen Universität, war dieses Gebühren ausgefallen, und er beschloß, Acht zu geben, wie die Kellner es anfangen, um Nie die Zehnpfennigstücke finden zu können. Er bemerkte bald, daß dies sehr einfach dadurch bewerkstelligt wurde, daß der Kellner alle Zehnpfennigstücre, die er etnnahm, in die Westentasche steckte, während das übrige Geld in die Hosentasche wanderte. Als unser Professor seine Zeche bezahlte, richtete er es so ein, daß der Kellner ihm heraus- geben mußte. Natürlich konnte dieser wiedermit dem besten Willen" kein Zchnpfennig- stück finden.Greifen Sie nur einmal in Ihr linke Westentasche", sagte der Professor lächelnd,vielleicht finden Sie dort eins!" Der Kellner machte zuerst ein verblüfftes Gesicht, faßte sich dann überschnell und flüsterte, indem er sich zu dem Professor hinab­beugt, diesem in's Ohr:Sie sind gewiß auch einmal Kellner gewesen!"

[©änfcmaft.J Es wird empfohlen, den Gänsen von Anfang Mohrrüben gemischt mit Kohlblättern zu geben und zwar so lange, wie sie dieselben fressen wollen- Hiervon sollen die Gänse Fleisch ansetzen. Wenn sie dieses Futter nicht mehr gerne annehmen wollen, soll man ihnen Hafer geben, nach welchem sie dann schnell Schmalz ansetzen- Zum Stopfen (Nudeln) soll man aus 3 Theilen Maismehl, 1 Theil Getreidemehl und ein Theil Mohnkuchenmehl die Klöse (Nudeln) bereiten. Voraus­sichtlich wird anderes Oelkuchenmehl von guten gesunden Oelkuchen wohl die Stelle des Mohnkuchenöls vertreten können, wenn letzteres nlcht zu beschaffen ist.

Vermischtes.

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Ä Kunstbauten W?g-n und Brücken, die der über 4000 Morgen große Park umfaßt, 'L^mVg-n Schwurgericht wurde Charles Souter seines Zeichens ein RaMnsänger, des Dnbstahls der Leiche des Earls von Craw ord und Mares aus d-? Fam.liengrust in Dunecht-House b-, Aberdeen nach mehrtägiger Per- bandluno für schuldig befunden und zu 5 Jahren Zuchthaus öcrurtI)eUt. ,,

_ Wie das Regensburger Tageblatt" mittheilt, wurde durch Pferde, welch, beim Ziehen des Pfluges plötzlich stehen blieben und absolut nicht mehr weiterzu bringen waren, in der Nähe von Kareth (Oberpfalz) die in der Erde vergrabene Leiche emes seit etwa einem Vierteljahre vermißten Metzgerburschen gefunden, welche, den MordstahlEh^in Brust,(n Saale-Zeitung folgende Episode: Schreiber dieser feilen hatte in der Nacht vom 15. auf den 16. Ium 1866 bet dem vreukischen Telegraphenamt in Frankfurt a. M. Nachtdienst; nach den ^^gunyen der letzten beiden Tage war im Telegraphenbureau an diesem Abend eine fast unherm- lidje Nube einartrelen eine Stille, welche einem starken Gewitter voranzugehen pflegt. Die L^aer der Stationsuh^en zeigten 20 Minuten über Mitternacht, als sich der Telegraphen-Apparat, welcher dtc Correspondenz zwischen Frankfurt a. M. "Nd Hannover vermittelte in Bewegung setzte. Schreiber dieses, welcher nebst anderen Apparaten am^ diesen /u bedienen hatte, empfing alsdann das nachstehende wortbch wieder- aeaebene Telegramm:Wien und Frankfurt a. M. von Hannover, Nachts 12 Uhr 10 Mm. 1) An den Kaiser von Oesterreich, Wien; 2) An den osterrerchlschen Ge­sandten v. Küblwetter Frankfurt a. M. Soeben hat Preußen an Hannover den Kneg erklärt Die Armee sammelt sich bet Göttingen; der König und oer Kronprinz begeben sich zur Armee; wir bitten um schleunige Verhaftungsbefehle. GeorgiKurze Zett nach diesem wurde noch ein zweites, längeres Telegramm in chrffrirter Schrift für den österreichischen Gesandten von Kühlwetter (v. Kübeck) übermittelt. Diese beiden Tele­gramme wurden von mir ihres hochpolitischen Inhalts wegen n.cht w:e es sonst zu oesckeben bat sofort an ihre Adressen befördert, sondern erst am nächsten Morgm dem Amtsoorstehe'r übergeben, welcher sie unserem preußischen Gesandten be,m Bunde, ^>errn o. Savigny, überbrachte. Herr v. Savigny befahl gegen Mittag die ordnungs­mäßige Weitergabe; zu einer Zeit also, wo der Inhalt der Telegramme von den Ze^ Verhältnissen bereits überholt war. Hannover beging einen ?r?lbeburften

iroet so inhaltreiche Telegramme, welche einer beschleunigten Rückantwort bedurften, einem preußischen Bureau übermittelte; mit welcher Sehnsucht mag man am hannover­schen Hoflager einer Antwort entgegengesehen haben. Das preußische Telegraphenamt wurde ob der zu späten Bestellung der beiden Telegramme an Herrn v. Kühlwetter rasch von der Nemesis ereilt. Zornig beantragte der österreichische Gesauttte beii dem Frankfurter Senat die Schließung der preußischen Bureaus; schon anDemselben Nach­mittag wurde durch bayrisches Militär das preußische Telegraphenamt geschloffen und scharf bewacht und zwei Tage später wurden die preußischen Beamten aus Frankfu.t ausgewiesen."

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