„großen Cipttalisten der Welt" bestehende Gesellschaft — die Bahn bis St. Petersburg vollenden. Reisende und Frachtgüter sollen mittelst Dampfer nach dem dem Cape Pririce of Wales gerade gegenüber und nur 40 englische Seemeilen entfernten East Cape (Asien) über die Behrmgsstraße geschafft und auf diese Weise innerhalb zweier Stunden von Amerika nach Asim und dann nach Europa — beziehungsweise wieder zurück — befördert werden, daß es nur so eine Art hat! Und diese ganze große Weltreise, immer zu Lande, blos 40 Meilchen — etwa wie von Dover nach Calais, und sogar ohne die dort obwaltenden Fährlichkeiten — zu Wasser, soll n-cht mehr als 130 Stunden, d. h. nicht ganz 5^2 Tage, also beiläufig so viel wie die Ueberland-Tour von New Jork nach San Francisco, in Anspruch nehmen. .... Fürwahr, ein kühner Plan, schade nur, daß seine Ausführung in so großer Ferne liegt-
— sDom alten griechischen Buttmann ] Eines Morgens geht der Bibliothekar Buttmann, der Verfasser der griechischen Grammatik, durch die Behrenstraße auf die königliche Bibliothek, unter dem Arm eine gefüllte lederne Büchnmappe, wie sie die Studenten und auch wohl die Barbiere tragen Da hört er heftig an ein Parterrefenster Hopfen, und er sieht, wie ein dicker Herr im Schlafrock ihn zu sich ins Zimmer winkt. Vuttmann, der es liebte, jede Gelegmheit zu einer heiteren Stegreifs-Komödie keck am Sebopfe zu ergreifen, folgt sofort dem Winke, obgleich ihm der W'nkende völlig unbekannt ist. Dieser ruft ihm im Zimmer hastig entgegm: „Schnell, schneiden Sie mir das Haar, ich muß sogleich fort!" „Aber verehrter Herr . . . ." „Nur schnell, ohne Umstände! Hier liegen Kamm und Scheere bereit. Ich habe keine Minute zu verlieren." Nun gut, denkt Buttmann, wer nicht hören will, muß fühlen! — und schnippert lustig tn dem Haar seines Opfers herum . . . bis der Dicke auf
springt, in den Spiegel schaut und wüthend ruft: „Herr Sie sind des Teufels! Sie haben mir meinen ganz-n Kopf schimpfirt. Haben Sie denn so Haarschneiden gelernt!" „Nein mein Verehrter, ich habe das Haarschneiden gar nicht gelernt und es auch hier nur auf Ihren besonderen Befehl zum ersten Male exekutirt . . . ." „Herr, in des drei Teufels Namen, so sind Sie gar kein Barbier?" „Ich bin der Professor Buttmann und habe die Ehre, mich zu empfehlen, denn auch ich habe keine Zeit zu verlieren, ich muß als Bibliothekar auf die Universität." Mit welchen verdutzten Augen der leiblich und geistig Geschorene ihm nachgeschaut haben wird!
— sHenkerpreise.) Es dürste nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, welch eigen- thümlichen „Preiscourant" die Henker des mittelalterlichen Deutschlands führten. Die Leistungen, welche die irdische Gerechtigkeit damals von ihren Nachrichtern verlangte, war allerdings recht vielseitiger Art und so mochte cs wohl notwendig sein, den Preis für jebe einzelne der schauerlichen Hantierungen genau festzustellen, um dem Feilschen und Handeln vorzubeugen, So galten für die Henker von Darmstadt und Bessungm folgende Sätze:
Gld. Kr.
Einen Verurtheilten in Oel zu sieden . . .24 Einen Menschen zu vervierth-kilen . . .15
Einen Menschen mit dem Schwerte zu richten . 15 Den Körper auf das Rad zu flechten ... 5 Den Kopf auf einen Pfahl zu stecken ... 5 Einen Menschen in Stücke zu reißen . . .18
Einen Delinquenten zu hängen . . . .10
Den Körper zu begraben.....1
Einen Menschen lebendig zu verbrennen . . 14
E-ner Tortour beizuwohnen.....2
Die spanischen Stiefel zu applicieren ... 2
Einen Verurtheilten zu recken . . . ' . 5
Eine Person in das Halseisen zuUecken . . 1
Mit Ruthen zu peitschen.....3
Einem Verbrecher den Galgen auf den Rücken oder
30
30
auf die Stirn oder auf die Wangen zu brennen 5 —
Eines Menschen Nase und Ohren abzuschneiden 5 —
Einen Menschen über die Grenze zu führen . 1 —
Außer diesem Honorar erhielt der Henker von der jeweiligen Gemeinde freies Quartier und gewöhnlich auch noch ein „Douceur".
Friedberg. Unsere Reichstagswahl erhält noch spät ein Nachspiel. Abgeordneter Schröder hat nämlich jetzt die beiden hiesigen Amtsrichter Herzberger und Süffert wegen der verschiedenen bekannten Flugblätter verklagt. Man ist hier selbstverständlich sehr gespannt auf deu Ausgang des Prozesses.
— Eine Papieruhr ist von einem Dresdener Uhrmacher ausgestellt; die Theile derselben sind aus Papier so gearbeitet, daß btc Mechanik vollständig sichtbar ist. Es ist genau zu beobachten, wie die Kraft einer Feder das Räderwerk bewegt, die Zeiger belebt, die Kraft bis zum Hemmungstheile, dem Anker und Pendel fortpflanzt und diesen tn Bewegung erhält. Diese Uhr ist »ach einer danebenstehenden französischen Papieruhr gebaut worden und geht, nachdem eS gelungen, das Papier durch Pressen und Präpariren der Mechanik einer Uhr dienstbar zu machen wie jene, in gleicher, genauer Zeitmessung.
Literarische-.
Das soeben erschienene 2. Heft des ^Humboldt", Monatsschrift für die ge- fatiimten Naturwissenschaften (Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart) enthält nachstehende Origmal-Aufsätze: Professor Aug. Heller in Budapest: Ziele und Wege der modernen physikalischen Forschung. — Professor Dr. Aug. Vogel: Vegetation und Technik. — Prwat-Doc. Dr. & Chun: Die mikroskopischen Waffen der Cölen- teraten. (Mit Abbildungen). — Professor Dr. H. Fleck: Die Genußmittel — Dr. H. Reichenbach: Darwin's neuestes Werk über die Arbeit der Würmer. — Dr. I. Höfler: Verschwundene Meere. (MitAbbildungen.) — Ingen cur Th. Schwartze: Das moderne Beleuchtungswcsen l. — Prof. Dr. E- Reich ardt: Alexander von Humboldt II. — Fortschritt in den Naturwissenschaften. — Ltterar. Rundschau. — Bibliographie. — Astron. Kalender. — Neueste Mittheilungen.
Verzeichnis
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Berbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Jannar 1882.
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10
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Reflectanten, welche gute Zeugnisse auf- ruweisen im Stande sind, belieben sich an den unterzeichneten Vorsitzenden des Verein- zu wenden.
Gießen, den 2. Febr. 1882.
__2l. Kat;.
760 Ein Steinbruch an der Hardt zu verpachten. Näh. in der Expcd. ds. Bl.


