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Strafe und Kosten freigesprochen.

W. Spindler, Seidenfärber.

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Par. Zoll.

Bedienung

Berlin, den 1. Oktober 1832.

+ 3,3 4-10,39 + 11,00 + 19,0 3,68 rrer Jahre an 12 Tagen 1,75

Baker Pascha wurde dem Khedive vom Generalconsul eines Entwurfs der Reorganisation der

bet 1.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 2. Dctbr. DieRordd. Allg. Ztg." theilt mit, der Geheime Rath Bucher, der die letzten Tage seines Urlaubs in Varzin zubrachte, sei von dort zurückgekehrt und habe seine Geschäfte wieder übernommen.

"Baden-Baden, 2. Dctbr. Se. Maj. der Kaiser arbeitete heute Vor­mittag von 9 Uhr ab mit den Chefs des Civil- und des Militär-Cabinets, nahm sodann das Dejeuner allein ein und machte später bei herrlichem Wetter eine längere Ausfahrt. Zu dem um 5 Uhr stattfindenden Diner sind gegen 20 Einladungen ergangen. * ,r

München, 2. Dctbr. Herr v. Manteuffel ist heute auf der Rückreffe hier einaetroffen und reifte weiter nach Augsburg, wo er übernachtet.

München, 2. Oktober. Abends 7 Uhr entstand Feuer in der Ausstellung, indem zwei von der Augsburger Firma Ried nger in die Boje der württembergtschen Metall- waareniabrtk gelegte Leitungsdrähte wetßglühend wurden und einen Balken anzündetcn- Die Münchener Feuerwehr löschte den Brand in 5 Minuten Das ist bereits der zweite Fall eines Brandes in der Ausstellung

Kiel, 2. Dctbr. Se. Köuigl. Hoheit der Prinz Heinrich hat sich auf der gestern in Dienst gestellten KorvetteOlga" eingeschifft.

Pest, 2- October. Der Erlaß Tlsza's an sämmtliche Mun'cipien spricht die Ueberzeugung aus, daß die Municipim entrüstet fein werden über die schmachvollen Excesse, welche in Preßburg unter dem Aushängeschild des Antisemitismus verübt wurden und in einigen Gemeinden des Preßburger Comitats Nachahmung fanden. Sie möchten ähnlichen Vorfällen pflichtgemäß vorbeugen, eventuell die vorkommenden Unruhen mit voller Energie niederschlagen und den Schuldigen gegenüber die ganze Strenge des Gesetzes anwenden Eine Versäumniß oder laues Vorgehen wird nicht geduldet werden. Die Sicherheit der Person und Habe der Bürger ohne Rücksicht au Rang, Race oder Confession zu wahren, ist die vornehmste Pflicht der Staatsgewalt. Die östentl-che Sicherheit und der gute Rus des ungarischen Staates dürftn nicht unter den sträflichen Bemühungen einzelner Agitatoren leiden, noch auch die Ordnung nur um d u Preis des Blutes der Jrregeführten hergestellt werden. Dec Minister erwartet, die Mun cipien werden etwa versuchte Agitationen im Keime ersticken und die Agitatoren der Str'n^e des Gesetzes überliefern Der Minister wird die Municipien dabei mit der ganzen Kraft der Staatsgewalt unterstützen.

Pretzburg, 2 October. Auch gestern sind keine weiteren Ruhestörungen vor- gekommen Der Minister des Innern hat an die Behörden der Stadt einen strengen Erlaß gerichtet, in welchem er d eselben auffordert, den von der Regierung entsendeten Commissar auf das Wirksamste zu unterstützen und die Durchführung der Anordnungen desselben ohne Verzug zu bewerkstelligen.

Kopenhagen, 2. Dctbr. Der RemMag ist heute ohne Thronrede eröffnet worben und hat das bisherige Präsidium wieder gewählt.

Christiania, 2. Dctbr. Aus Hammerfest vom 1. d. Mts. wird ge­meldet : Das DampfschiffLouise" ist heute zurüchgekehrt; das südliche karische Meer war durchweg mit Eis angefüllt; es war unmöglich durchzukommen.

Niederste

Mittlere

Mittel früherer Jahre

Höchste

Niederschlag an 14 Tagen

im Mittel früh

parlamentarische Kragen.

De Uschland durchlebt zur Zeit eine kritische Periode seiner inneren Entwickelung. Ein Unzahl von Differenz^ und Unklarheiten beeinflußen in widerwärtiger Weise unser politisches Leben und Jedermann ruft in dieser Beziehung nach festeren, klareren Zuständen, aber ob man die rechten Mittel ergreifen wird, um zu diesem Ziele zu ge-

Lokale-.

Gießen, 3. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 5. October 1882, Nachmittags 4 Uhr.

1 Die Eröffnung der Bleichstraße.

2. Gesuch des Bauunternehmers Heinrich Adami dahier um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung.

3. Den Ausbau der Loberstraße.

4. Den Ausbau der Ostanlage.

5 Erwerb von Straßengelände in der Wetzsteingasse.

6. Gesuch des Rechtsanwalts Dr. Dittmar dahier um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes. m .

7. Gesuch des Weißbindermeisters Louis Petri III. dahier wegen Gelande- austausch.

8. Die Erbauung einer neuen Caserne.

eines Luftschachts.

12. Die Kosten des diesjährigen Jugendfestes.

Gießen, 3. October. Schwurgerichtsverhandlung am 2. October 1882 gegen Feldschützen Adam Link von Gettenau wegen Meineids.

Derselbe ist beschuldigt: m ,

daß er in den Feldrügesachen gegen Johann Petrus von Weckesheim wegen Feldfrevels vor nachbezeichneten zur Abnahme von Eiden zuständigen Behörden ' ' seiner Vernehmung als Zeuge _

den von ihm geisteten Diensteid, auf welchen hin er die Wahrheitanzugeben versicherte, vor Großh. Amtsgerichte zu Nidda a) in der Sitzung vom 23. December 1881 und b; in den Sitzungen vom 1. März 1882 in Helden Feldrüzesachen wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt und am 9. Juni 1882 vor der Strafkammer zu Gießen wissentlich ein falsches Zeugnitz mit einem Eide bekräftigt habe.

Die Geich aiorenen verneinten die Schuldfrage und wurde demgemäß Link von

9. Das Tonnensystem betr. L t ir

10. Gesuch des Schneidermeisters Martin Weiner dahier um Erlaubniß zur Anlegung zweier Einfallschächte ,

11. Gesuch des Kaufmanns Louis Lony dahier um Erlaubniß zur Anlegung

Frostwetter.

Kairo, 2. October.

Malet vorgestellt M t der Ausarbeitung egyptischen Armee soll sofort begonnen werden-

- Die Specialcommission des Kriegsgerichts hat heute in Beisein von Charles Wilson ihre erste Sitzung abgehalten. Gcneralconsul Malet hatte die egyptische Re- flieruna bedeutet, daß selbst Präliminarmaßregeln nicht ohne Kenntmß eines Vertreters der engl schen Regierung getroffen werden dürften- Wie es heißt, würde General Wolseley Egypten gegen dm 20. d. M- verlassen-

- Der Chef des englischen Generalstabs, Generallieutenant Adye, kehrt nach England zurück, um der Regierung bei der Regelung der Details für die zeitweilige Occupat on Egyptens beiräth'g zu fein._____________

Temperatur in Gießen.

September 1882.

ermischteS.

Darmstadt, 2. Oktober. Ja der Heilanstalt Mauerstraße 17 ereignete sich gestern Morgen 63/i Uhr ein Unglücksfall, indem eine Pflegerin aus dem Fenster der Mansarde herausstel und augenblicklich tost war. Dieselbe stand im Begriffe, der mit ihr zusammenwohnenden Pflegerin zu folgen, welche kurz vorher zu den Kranken in den unteren Stockwerken gegangen war, und scheint beim Ordnen des in Unordnung geratenen Wetter-Rouleaux heruntergefallen zu fein.

Berlin. Vor uns liegt die kostbar iausgestattete Denkschrift zum Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens der Firma W- Spindler in Berlin am 1. October. Es m ein wahres Bürgerfest, das bevorsteht und an dem unsere ganze Bevölkerung den herzlichsten Antheil nim nt. WasSpindler" heute für Berlin ist, schreibt dieNat. Qtgdavon weiß nicht nur die Geschäftswelt, es wissen alle unsere Hausfrauen zu sagen, es ist eine Berliner Institution, ohne die man sich das Herankommm von Frühling und Herbst gar nicht mehr denken kann. Aus den kleinsten und mühevollsten Anfängen hat sich das Geschäft zu seiner jetzigen großartigen Entfaltung herauf­gearbeitet. Bei allen hervorragenden Leistungen ist es der erste Anfang, der einen ganz besonderen Reiz in sich trägt, der den Maßstab für die Bedeutung des Geschaffenen am besten giebt und der geeignet ist, strebende Geister auf allen Gebieten anjufeuern. Ueber den Anfang des Sp'.ndler'schen Geschäftes weiß die Denkschrift das Folgende zu melden- Es war am 1. October 1832, als der zweiundzwanzigjahrige Seidenfärber Johann Julius W lhelm Spindler aus Berlin in dem Hause Burgstraße 3 zu Brrl.n eine bescheidene Färberei anlegte. Der junge Mann hatte sich bereits tüchtig in der Welt umgesehen, hatte Muth und Vertrauen zu sich selbst gewonnen und es war ihm gelungen, da er selbst auf der Wanderschaft keine Gelder zurückzulegen vermocht hatte, seinen Onkel zu veranlassen, daß er ihm das zur Anlage der Färberei nöthlge Kapual lieh- Noch ex stirt die Annonce, mit der ini damaligen königlichen Jntelligenzblatt die G-schäftseröffnung angekündigt wurde. Sie lautet:

Etabliffement. . .. ,, ,

Den geehrten Herren Seidenwaaren-Fabrikanten und Sewenhandlern zeige ich ergebenst an, daß ich auf hiesigem Platze, in der Burgstraße Nr. 3, eine Seidenfärberey eröffnet habe. Da ich Jahre lang auch außerhalb Berlin's in vielen Färbereym gearbeitet und Selbstvervollkommnung stets mein Hauptaugenmerk war, so glaube ich, durch hinreichende Fonds unterstützt, Diejenigen, welche mich mit ihrem Zutrauen beehren, durch schöne Farben, prompte und reelle Bedienung zufrieden stellen zu können.

Jmgleichen empfehle ich mich dem geehrten Publikum mit Färbung seidener, wollener und baumwollener Z uge, mit dem saubersten Waschen von Shawls, sowie mit dem Glätten von Kattun-Kleidern unter Versicherung der schnellsten und billigsten

langen, darüber scheinen sich die wenigsten deutschen Politiker strenge Rechenschaft zu geben. Oder hält man das geeinigte Reich unter allen Umständen für fest genug, um bie inneren Streitigkeiten in Infinitum bis in's Unendliche weiter treiben zu können < Doch man verstehe uns recht! Leben und Streben, also auch Kämpfen und Ringen, muß ja in einem Volke stattfinden, wenn seine Cultur nicht rückwärts gehen soll, und Meinungsverschiedenheiten wird cs im politischen Leben immer geben, ja, geben müssen, es liegt dies schon tn dem ewigen Suchen nach Wahrheit und Fortschritt, welches stets neue Aufgaben stellt. Gegen Differenzen und Kämpfe im politischen Leben ist also an und für sich gar nichts etnzuwenden, aber doch darf man die Einschränkung machen, daß die Streitigkeiten m dem politischen L'ben nicht in einer Weise die Oberhand ge­winnen dürfen, daß man vor lauter Streitigkeiten nicht an das ftuchtbare Streben kommt. Dieser schlimmste Fall ließt ja nun glücklicher Weise für Deutschland nicht vor, denn unser Staatsleben hat aus dem verflossenen Jahrzehnt sehr achtenswerthe Fortschritte aufzuweisen, aber dennoch bleibt die allgemeine Klage stehen, daß wir im Reiche noch keinen gesunden Parlamentarismus, noch kein befriedigendes Zusammen­wirken zwischen Regierung und Volksvertretung besitzen. Eme schroffe, plötzliche Hebung dieser Kalamität gibt es nun aber nicht, denn die mannigfaltigen diesen Uebelftanb ördernden Differenzpunkte sitzen unserem Volke tief im Blute. Was soll nun aber geschehen, um dennoch aus dem unerquicklichen Zustande, den Deutschlands innere Politik zur Schau trägt, heraus zu kommen? Wir denken, wir können uns in dieser Be­ziehung ein Beispiel an England, dem klassischen Lande des Parlamentarismus, nehmen, und zwar meinen wir dabei nicht die Einführung des englischen Regierungssystems, welches ja bei uns so wie so eine Unmöglichkeit ist, sondern wir möchten unseren Volks­vertretern vor allen Dingen die englische Parlamentsprax-s empfehlen, die in erster Linie auf praktische Erfolge gerichtet ist. Ein englischer Parlamentarier will als Haupt- ache seines Berufes etwas erreichen oder verhindern, er denkt nicht fortwährend an sich und feine Partei, er macht überhaupt keine Parteipolitik, sondern wir heben es noch­mals hervor, er will einen staatlichen Fortschritt herbeiführen. Deßhalb konnte man auch im englischen Parlamente schon mehrfach die Beobachtung machen, daß die Regie­rungspartei in verschiedenen wichtigen Fragen von der Gegenpartei rückhaltlos unter­stützt wurde, ein Fall, der bei uns in dieser Weise noch nicht dagewesen ist, denn pnn- cipiell will in unseren Parlamenten immer jede Gegenpartei den Anträgen der anderen oder der Regierung etwas am Zeuge flicken, wenn man auch praktisch nichts^ emzu- wenden vermag. Also fort mit der Parteiwuth, der Principienreiterei und der Schwärmerei aus unserem Parlamentarismus und mag dasür Sachlichkeit und praktischer Sinn dte Oberhand gewinnen.

den Reichstag sollen sehr energische Anträge bezüglich der Straßburger Tabak- rnanusaktur vorbereitet sein.

Hesterreich.

Wien, 2. October. (Privatdepesche derFranks. W') J"P?ßburg wurde npf7crn ßie Ruhe nicht gestört, dagegen treffen vom Lande betrübende Nachnchten übe^r d t am Samftag verübte Excesse ein- Nach St Georgen, wo schon seit acht Tagen die Juden mißhandelt wurden, war rechtzeittg eine Dragonerab heilung geschickt.

dieselbe am Samstag Nachmittag dort einrückte, wurde sie mit einem Steinhagel cmüfanaen Doch gelmg °s durch Vrrhostung von 20 ©rcebenten dl-Ruh- zu sichern. D r Mhrer betfelben war ein Sleuerexecuior. Sehr wüst ging es dag-a-n in Wartberg, Reihe L-nschütz und Jvanka zu. Di- durch Pöbelhau en aus der Umgebung jener Orte verstärkten Bauern überfielen um Mitternacht dre jüdischen Behausungen plün- derlen und raubten, steckten einzelne Objecte in Brand und mihhandelt-n die Juden m araer Weise Am ärgsten wurde in Lanschütz gehaust. Dort erschienen Samstag Abends im Gemeindewirthshause als Bauern verkleidete Agitatoren und harranguirten d.e dort anwesende, sortwährend anwachsende Bauernmenge, wahrend im selben Wirthshause Panduren schliefen Um Mitternacht war es den Agitatoren gelungen etwa 400 Bauern um sich zu versammeln, mit denen st- sämmtliche im Orte befindlichen Laden und Wohnungen der Juden stürmten und plünderten. Di-Rotte legte in einem Hause «euer weil sie nicht gleich in dasselbe eindringen konnte. 6me Frau Namens Fleisch­mann, die sich den Plünderern zu widersetzen versuchte, wurde niedergestoßen und von den Bauern so schwer verletzt, daß sie Nachmittags starb. Wahrend des wildesten Treibens erschien plötzlich der Ortspsarrer in der Mitte der Plünderer und bat mit ausgehobenen Händen, abzulassen von dem entsetzlichen Schandwerk. Diese Mahnung fand Beachtung; ihr allein ist es zu danken, daß größeres Unglück verhütet wurde. Als gestern die Nachricht von dieser Revolte in Preßburg eintraf, wurde sofort eine Jägercompagnie dorthin abgeschickt; sie traf den Ort von Juden, die nach Pest und Wien geflüchtet waren, fast gan, verlassen. Fünf große jüdische Exportfirmen in Preßburg bie zusammen über 2000 Arbeiter beschäftigten, haben beschlossen, nach Wien überzusiedeln. Ein Thest der Arbeiter ward bereits gestern entlohnt und ejitlasfen.

Wien, 2. Oktober. Sieben im Preßburger Comitat gelegene Ortschaften er­hielten militärische Besatzung. Nichtsdestoweniger wird ein Ausbruch weiterer Unruhen in anderen Orten besorgt. Daß die verwundete Frau Fleischmann in Lanschütz ge- ftorbinjn.rb roibemifen. bcfeftlgt fid, bie SRufte, boch aus bem Comstat treffen noch fortwährenb Nachrichten von neuen Excessen ein. Sehr arg hauste ber Pobel gestern in Boesing. Pier Stunden schon war geplündert und bemolirt worden, als im Momente der höchsten Noth die Dragoner herbeisprengten. Dieselben hieben scharf -in. Zahlreiche Verwundungen kamen vor. Unter anderen wurden drei antisemitische Agi­tatoren aus Preßburg verhaftet.

Wuhland.

Petersburg, 1- Oktober. Di- neuen Bestimmungen über dte Presse entstammen nicht der Initiative des jetzigen Ministers, Grafen Tolstoi, sondern derjenigen Ignat­jews der bereits im Mai mit einer weit schärferen Vorlage auftrai, welche den Ministern der Justiz und des öffentlichen Unterrichts zur Begutachtung zuging. Nach der Vor­lage Jgnaijew's sollte die Censur schon nach der ersten Verwarnung eintreten. Tolstoi sand die ganze Sache fertig vor, hat aber nach Möglichkeit Milderungen eintreten lassen-

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