Ausgabe 
4.6.1882 Zweites Blatt
 
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Popularität erlangt hat, mitzutheilen. Arabi Pascha wurde 1839 als Sohn eines arabischen Gelehrten in Kairo geboren. Seine Studien machte er an der dortigen Hochschule, der altberühmten El Azhar (die Glanzvolle"); später ertheilte ihm der damalige Vicekönig Said Pascha die Erlaubniß zum Eintritt in die Militärschule zu Kairo, welche er nach vier Jahren als Lieutenant ver­ließ. Im abessynischen Feldzuge wurde Arabi Pascha zum Major und 1880 zum Oberst befördert. Arabi Pascha beobachtet die Vorschriften seiner Religion mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und läßt sich auch durch seine Dienstobliegen­heiten nicht abhalten, die vorgeschrrebenen Gebete zur Stunde zu verrichten. Arabi Pascha soll erklärt haben, daß er einer Berufung nach Konstantinopel nicht Folge leisten würde, was dafür spricht, daß er nöthigenfalls auch der Pforte gegenüber Front machen würde.

Vermischte-.

Marburg, 27. Mat. AngeblicheNihilisten" trieben letzter Taae in Dörfern des Kreises Krrchhain und des hiesigen Kreises ein rentables Bewlgeschäft indem sie demftlben Nachdruck verschafften sowohl durch ihr verwildertes Aussihen a^s 7urch Drohung, daß noch eine 30 Mann starke Bande im Walde liege' nickt etwa ein Stück Brod erbettelten diese Gauner auf diese Weise, sondernGroschen" verlangten sie. So stellte denn auch auf einer Fahrt hierher zunächst derHauptmann der Bande" den Pachter emes benachbarten Rittergutes im Walde des Lahnbergs in der Meinung .fr ber, @Ärr' be« semem frechen Betteln abgewiesen hatte, auf emen Peitschenknall ließen sich dann noch zwei weitere Burichm sehen, die sich jedoch auf ein Abwinken des Hauptmanns" in den Wald wieder zurückzogen, auch der letztere be­last gte den Gutspachter nicht weiter sondern ließ es nur bei schweren Drohungen bm Gutsherrn. Auf erfolgte Anzeige hierselbst begab sich nun Herr Polizet- Commissar Wohlrabe mit 3 Schutzmännern und einem Gensdarm aus die Suche Nach einem Begang des Waldes vom Schröcker Gleichen nach dem Frauenberg und weiter gelang es denn auch denselben, im Dorfe Wolfsbausen die Bande abzufassen dnen Führer durch ein zigeunerhaftes Aussehen und seine kühne Haltung und recht rauberliche Kleidung allerdings etwas an die Zeiten des Sch.nderhannes und des Rinaldo Rinaldinr erinnerte; sein anfänglich gebrochenes Deutsch entwickelte stch mehr und mehr zu einem geläufigen und die im Walde noch sein sollende weitere Bande reducirte sich aus feine bei ihm weilenden beiden Spießgesellen. Alle drei wurden nun btngfeft Obacht und hierher in Nummero Sicher geführt, von wo sie demnächst sich reinzuwafchen Gelegenheit finden werden. - Der Führer der Gesellschaft will in einem Wagen zu Amsterdam geboren, keine Religion haben und in ganz Europa umfce ^fa^en lein. Unsere ländliche Bevölkerung sollte gegen das überhand nehmende Stromerthum Maßregeln ergreifen und die Vagabunden, statt sie zu unterstützen, sofort dingfest machen, wie das tu anderen Gegenden mit gutem Erfolg geschehen ist.

Komet,. Echer am 18. März in Amerika entdeckt wurde, ist jetzt für scharfe Augen am nördlichen Himmel schon sichtbar. Der neuesten Rechnung zufolge sEmt er am 8. Juni Vormittags der Sonne bis auf 900,000 Meilen nahe, wodurch sem ®Ian* außcrorbentlicb zunehmen muß. Am 6. Ium ist er 612 Mal Heller als am Tage der Entdeckung, am 8. Juni dagegen 5824 Mal. am 10. nur noch 587 Mal. *Pasn /"ht hieraus, ^^ ^asch der Komet in seiner Sonnennähe an Glanz wächst. Es 5 unwahrscheinlich, daß derselbe an jenem Tage bei vollem Soammschein

Nahe der Sonne gesehen werdm kann. Man wird ihn dann vor dem Auacn- 6i!ier ^o nennahe auf der der Sonne folgenden Seite wahrnehmen, nach jener Beit aber wird er der Sonne vorausgehen. Will man an jenem Tage den Kometen o^rsuchen, so muß man sich natürlich so stellen, daß man von der Sonne mcht geblendet wird. Eine Aufstellung im Schatten eines Gebäudes, welches die Sonne verdeüt, ist am geeignetsten. Eines dunkel gefärbten Glases darf man sich nicht bedienen, denn dafür ist der Komet unter allen Umständen zu schwach. Bis jetzt sind nur sehr Komete am Hellen Tage dem Auge sichtbar gewesen, nämlich folgende: Der Komet, welcher im August 363 tn Europa und China gesehen wurde, erschien nach Ammlanus Marcellinus auch bei Tage. Der große Komet von 1106 war, den Chronik schreibern zufolge, am 4- Februar jenes Jahres in der Näh: der Sonne sichtbar. Der erst- Komet von 1402 war gegen Ende März so hell, daß sein Schweif selbst um ^^.bSesihenw^den, konnte. Der Klinkenberg'sche Komet von 1713 wurde am 1. Marz d.o folgenden Jahres um 1 Uhr Mittags do t verschiedenen Personen gesehen. Den großen Kometen von 1843 sah man am 28. Februar bei Hellem Sonnenschein zu Parma und Bologna tn der unmittelbaren Nähe der Sonne. 8

~ lWar Gutenberg verheirathet?j Diese Frage hat nicht nur die Damen, sondern auch die Manner viel beschäftigt. Der Umstand, daß im Straßburger Soll; Elster e.lne Ennel. Gutenberg Weinzoll entrichtet habe, hat im vorigen Jahrhundert den Professor Schopflm zu der Erzählung veranlaßt, daß Gutenberg wegen eines Ehe- versprechenS geklagt mürben sei, er mußte jedoch, als man die bezüglichen Documente zu sehen verlangte, gestehen, daß dafür nichts anderes oorltege, als die oben erwähnte ^'uftagunz einer Ennel Gutenberg im Straßburger Hollregister. Professor Köbler veröffentlichte im Jahre 1741 einen Stammbaum Gutenbergs, wonach dieser mit einer Frau Katharina verhetrathet war und ei;e Tochter Katharina hatte. Professor Faul- ma Kler letzt ersch-inendenJllustrirten Geschichte der Buchdruckerkunst" nach, daß dieser Johann Gensfleisch, d.r Mann der Katharina, Schöffe zu Hechtshetm und Vater von sechs Kindern, kaum der Erfinder der Buchdruckerkuast, sondern eher ellY d stelben wai, denn einzelne Kinder aus dieser Ehe gelangten zu Alter

und Eh en und sie wurden, wenn der Erfinder der Buchdruckerkunst ihr Vater gewesen wäre, es sicher nicht einem Verwandten. Adam Gelthuß, überlassen haben, zu Anfang des 16- Jahrhunderts das Andenken des Erfinders der Buchdruckerktmst durch einen Denkstein zu ^h^u. Es ist somit sehr wahrscheinlich, daß Gutenberg nicht verheirathet und sem einziges Kmd die Buchdruckerkunst war, die allerdings für den Ruhm ihres Erzeugers mehr gethan hat, als leibliche Kinder zu thun vermocht hätten.

Im Kleine» das Große.

Wer je zur Weihnachtszeit die Ausstellung eines Spielwaarenhändlers durch­wanderte, der wird sich Über die Fülle und Mannigfaltigkeit verwundert haben, welche ihm hier m der Welt des Kleinen entgegentrat. Tausendfach wechseln die Formen und Gestalten tn den stummen oder schreienden, beweglichen ober unbeweglichen schlicht­farbigen ober bunten, pfelfenben, schnarrenben und quiekenben Spielzeugen. Keine von den Tausenden von Thier- und Pflanzenformen, welche irgendwie in's Menschen­leben hinemragen, keine Gattung von Culturwerken menschlicher Kunst von irgend welcher Bedeutung, keine der täglich sich im Leben der Familie, der Straße und des Marktes u. s. w. wiederholenden Situationen, traurigen ober ergötzlichen ©eenen ist übersehen worben, sie hat vielmehr hier ihre mehr oder weniger lebenswahre Dar­stellung gefunden. Weisen doch die Musterbücher des einen Centralpunktes der Spiel- nämlich die von Sonneberg in Meiningen, allein oft 16,000 verschiedene Nummern auf.

Angesichts der Massenproduction, welche in Hinsicht auf die Anzahl der faöri- cirten Gegenstände kaum von einem andern Industriezweige erreicht wird, möchte man b'U'g-r Weise fragen: Wo kommen all die Sachen und Sächelchen hin? So lange die Menschheit sich immer wieder durch ein neu heranwachjendes Geschlecht ergänzte, 1° mnge hat auch diese jeweilige Kinderwelt Verlangen nach allerhand Spielen fle= trogen Das Kmd will im Spiel und dessen Figuren die Welt, wie sich diese int Spiegel seiner pbantasieoollen Seele ihm barstellt, abbtlben und findet, wenn ihm dies nach sein:r Weise gelungen ist, große Befriedigung, große Freude. Welches Eltern- ^erLro£rbe aber nicht immer bereit fein, feinen Lieblingen diese Befriedigung durch Anschaffung von allerhand Spielzeug zu verschaffen? Meist thun sie hierin zu viel, fast nie zu wenig Wir finden daher schon bei den Völkern des grauen Alterthums Spiele und Spielzeuge der mannigfachsten Art. Mit Puppen, ja mit Marionetten spielten schon die Kinder der Pharaonen und die Kinder der Griechen erhielten aus Thon gefeNigte Abbilder von Menschen und Thieren, hölzerne Wagen und Häuser, lederne Schiffe u. s. w. Aehnliches ergötzte auch die römischen Kinder in frühester Jugendzeit. 7 '

.. Lang- Z-it hindurch hatte Deutschland so zu sagen das Monopol, dl- Kinder- unb tazrifaS mit Spielzeug zu versorgen. Vor Allem besaß Nürnberg bereits im Mittelalter emen Weltruf bezüglich seiner Spielwaarenfabrikation, so baß @an0 formmcn konnte:Nürnberger Tand - geht burch alle ' A? Nürnberger Museum werben Spielzeuge aufbewahrt, bie aus bem vier- Ä?f+W^nberl fLa^men^ unb auch bieArche Noah's", noch immer eines ber Miebtefien und v-rdr-it-tst-n Spl-l-, würbe tn Nürnberg zuerst hergestell, und in den gebracht. Unb noch bis heute hat Nürnberg sich in aller Welt einen hohen Jtuf wegen der soliden Kolonrung und korrekten Arbeit, wodurch seine Spielwaaren stch auszeichnen, bewahrt. Die reichere Ausstattung, die Herstellung aus bestem Material, war m der altberühmten reichen Frankenstadt Ehrensache unb auch aus bem ShtVn3UJrxart"n;pba fiS ^ler wohlhabende Bürger diesem Industriezweige zu- wandten. Anderwärts wandte man sich demselben nur als einer Nebenbeschäftigung ru, welche den geringen Verdienst des vorherrschenden Gewerbes verbessern sollte. Dies war namentlich im sächsischen Erzgebirge der Fall, wo der Bergbau die Bergleute von na$rte- Der Charakter der Neben- ober Feierabenbbeschäftigung hat bort-, p^iucirXen ®pieItt,aaren ausgeprägt; benn aus ben beiben Hauptdlstrikten ber erzgebirgischen Spielwaarenfabrikation, Seiffen unb Grünhainicken »erben nur gewöhnliche Artikel exporttrt, welche zu unglaublich billigen Preisen in .-^S?"b-E^ommen. Der Preis der ben Fabrikanten für 180 Stücke Mmiaturmödel 0Mhlt wirb, betragt blos 5 In neuerer Zeit ist jeboch bie sächsische Regierung in bemüht, biefem selbstständig gewordenen Industriezweige auf alle mögliche Weise emporzuhelfen durch rationellen Unterricht im Zeichnen, Malen und RWEN- Feinere und deßhalb lohnendere Maaren liefern das Meininger Oberland, Württemberg, Berlin und die Schweiz.

<x f bMem gewissen Rechte darf man ein bekanntes Dichterwort variirend sagen: bpm förA,maI.et sl? der Mensch"; denn die in der Spielwaarenbranche auf Sn f0?furTire?be" Nationen zeigen in der Art und Weise, wie sie -hre ? H ^re bekannten EigenthÜmlichkeiten. So überraschen in jedem neuen ben^ftnnhen'duftigen, prächtigen Spielwaaren, bie freilich unter ben Händen ber zerstorungsluftigen Jugenb gar balb in Stücke gehen. Der eminent

praktische Sinn bes Amerikaners spricht sich aus in ber Solidität und Dauerhaftigkeit der von ihm probucirten Spielwaaren. Seine Genialität zeigt sich in erstaunlicker Wnfe tn ber Herstellung wechamscher Spielzeuge. Em Yankee erfand bie 25-Cents- Taschenuhr nut einem wirklichen Gettcke. Die Wunbeiwttke amerikanischer Brücken- unb Eisenbahnbauten stnden im Spielzeuge kunstvolle Abbilber. So zeigt sick in ber 8atbtn "Nb F°rmen,' in« d!r Mussen-

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