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4.4.1882 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt. Sonntag den 2. April 1SS5S.

ießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint ILglich mit Ausnahme des Montags.

t Schulstraße B. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Theit.

Betreffend: Die Eintheilung der Kaminfegerbezirke.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vom 1. April 1882 an auf die Dauer von zwei Jahren der I. Kaminfegerbezirk dein Kamin­feger Kail Zwesch dahier und der II. Kaminfegerbezirk dein Kaminfeger Franz Nebl dahier zugewiesen ist.

Der I. B.lrk b«t.^ @tßM ^hen, welcher (von Frankfurt aus gerechnet) rechts der Straße von Frankfurt nach Marburg gelegen ist, b) Mbaü^AUen^on^m Burkhardsfelden, Garbenteich, Großen-Linden, Haufen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns,

Leihgestern, Oppenrod, Steinbach und Watzenborn-Steinberg.

Der 11. Bezirk umfaßt: , c _ ., .... . , .

al den links der ^rankfurt-Marburaerstraße gelegenen -rhen der Stadt Gießen; sowie . , m

b ) die Orte: Alten-Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Dmlbringen mit Heibertshausen, Großen-Bufeck, Lollar, Vtamzlar, Reiskirchen, Rodgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Trohe, Wieseck und Winnerod.

Gießen, am 30. März 1882. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Wochenschau.

GieHen, 1. April.

Bezüglich der nächsten Reifedispositionen des Kaisers ver­lautet jetzt, daß der Kaiser voraussichtlich bald nach Ostern feine Reise nach Wiesbaden antreten und diesmal von der Kaiserin begleitet fein werde. Tag und Stunde der Abreise sind jedoch noch nicht festgesetzt.

Die Aussichten, daß wir auch diesmal das Osterfest ohne Besorgnisse vor drohendeil europäischen Verwickelungen werden feiern können, werden durch die allgemeine politische Weltlage zur Gewißheit geniacht. Bereits liegt die Epoche derSkobelesf-Reden" wie ein wüster Traum hinter uns und die Hetzmorte des russischen Generals gegen das Deutschthum lind wirkungslos verhallt. In kräftigen und warmen Worten hat Czar Alexander Hl. anläßlich des Geburtstages Kaiser Wilhelms in verschiedener Weise und wiederholt, betont, daß er aufrichtig die Fortdauer der alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Völkern Deutschlands und Rußlands und deren Herrschern wünsche imd verschiedene Anzeichen lassen erkennen, daß auch die gebildeteren und einsichts­volleren Elemente der russischen Nation denselben Wunsch hegen. Die Besorg- , daß vielleicht der noch immer fortdauernde Aufstand der österreichischen Südslaven eine Störung des euroopäischen Friedens herbeiführen könnte, ist gleichfalls eine unbegründete, da die Großmächte sich den Bemühungen Oester­reichs, seine Autorität in den aufständischen Landestheilen wieder herzustellen, gegenüber durchaus wohlwollend verhalten, und so gestalten sich auch nach dieser Seite hin die Chancen für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens durchiveg günstig.

Das preußische Abgeordnetenhaus führte an den beiden ersten Tagen der vergangenen Woche die dritte Lesung des Etats zu Ende und geneh­migte sodann das ganze Etatsgesetz. Am Mittwoch nahin das Haus zunächst das Gesetz, betr. die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten (Relictengesetz), in zweiter Berathung fast unverändert nach den Regierungsvorschlägen an und wandte sich dann der Debatte über den Antrag des fortschrittlichen Abg. Dirichlet auf Aufhebung des Welfenfonds zu, welcher bekanntlich laut königlicher Verordnung errichtet wurde, um hieraus die'Maß­regeln zur Ueberwachnng und Abwehr der gegen Preußen gerichteten Unterneh­mungen des Königs Georg und seiner Agenten" zu bestreiten. Der Antrag­steller begründete seinen Antrag, nachdem er vorher einen kurzen Ueberblick über die Geschichte des Welfenfonds gegeben, hauptsächlich damit, daß die Gelder des Welfenfonds, die Zinsen der eingegangenen Revenuen König Georgs, entgegen den betreffenden gesetzlichen Bestimmungen zur Unterstützung der mehr oder weniger officiösen Presse verwendet würden. Dem gegenüber erklärte Finanz­minister Bitter, daß die gesetzlichen Bestimmungen über die Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg aufrechterhalten bleiben wüßten. In trefflicher Rede sprach sich namentlich von den Nationalliberalen Herr v. Bennigsen gegen den Antrag Dirichlet aus; indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Ge­staltung der Verhältnisse in nicht zu ferner Zukunft eine Herausgabe des beschlagnahmten Vermögens an den ältesten Sohn König Georgs, den Herzog von Cumberland, gestatten werde, betonte Abg. v. Bennigsen, daß inzwischen eine Abänderung des Gesetzes im Einzelnen nicht angezeigt fei. Nachdem auch vom Centrum Abg. Windthorst sich gegen den Antrag Dirichlet erklärt hatte, wurde schließlich ein von conservativer Seite eingebrachter Antrag auf Ueber- 9an9 zur Tagesordnung mit großer Majorität angenommen, lieber die Fest­setzung der Tagesordnung für Donnerstag entspann sich eine längere Debatte, welche mit der Annahme des vom Präsidenten v. Köller gemachten Vorschlages, am genannten Tage die zweite Lesung der kirchenpolitischen Vorlage zu be­ginnen, endigte.

Die bayerische Abgeordnetenkammer hat am Mittoch die Be­rathung des Budgets für das Cultusministeriuiu begonnen. Die Generaldebatte trug im Allgemeinen einen ruhigen und sachlichen Charakter. Nur Abg. Rittler, von der Rechten, konnte sich nicht enthalten, seine früheren Angriffe auf den Cultusminister v. Lutz zu wiederholen und machte demselben den alten Vorwurf, daß er Bayerns Selbstständigkeit in ungenügender Weise wahre. Aus den Er­

klärungen des Cultusministers ist diejenige hervorzuheben, wonach er die Hand zu einem Modus vivendi auf thatsächlichem Gebiete reichen wolle, em solcher sei jedoch unmöglich, wenn der Friede nur vorn einer Seite gehalten, von der andern dagegen der Krieg fortgesetzt werde. .

Für Oesterreich war das bemerkenswertheste Ereignrß der Woche die mehrtägige Anwesenheit des Großfürsten Wladimir von Rußland am Wiener Hofe. Zwar wird versichert, daß der Großfürst keinesweg mit einer Specialmission des Czaren an Kaiser Franz Josef betraut gewesen sei, dennoch kann man nicht umhin, dem Besuche Großfürst Wladimir's eine hohe Bedeutung zuzuschreiben. Es soll hierdurch augenscheinlich dargelegt werden, wie sehr Kaiser Alexander III. eine Fortdauer der freundschaftlichen Beziehungen Rußlands auch zu Oesterreich wünscht und die warme Aufnahme, welche der Großfürst und seine Gemahlin in Wien fanden, beweist, daß der österreichische Herrscher denselben Wunsch hegt. Am Mittwoch reiste das großfürstliche Paar m Beglei­tung des Großherzogs voii 'Mecklenburg-Schwerin nach Italien ab, wobei sich Kaiser Franz Josef in der herzlichsten Weise von feinen erlauchten Gasten

verabschiedete. f ~

Zu den Siegen, welchen das französische Cablnet Frey- einet jüngst in der Deputirtenkammer und iin Senat davongetiagen hat, qesellt sich ein neuer Erfolg des ersteren, indem die Deputirtenkammer am Dienstag den Nachtrags-Credit von 8 Millionen für die tunesische Expedition mit 376 gegen 71 Stimmen bewilligte. Die imposante Majorität, welcher dieser Beschluß gefaßt wurde, beweist wiederum, daß das Ministerium Freycinet sich des steigenden Vertrauens der Landesvertretung erfreut und daß sich dieses Vertrauen auch bezüglich der heikeln tunesischen Frage offenbart. Ministerprw sident de Freycinet erklärte in der ermähnten Sitzung noch, daß die Sage tu Tunesien sich mit jedein Tage bessere, und die Schwierigkeiten, welche noch be- stünden, seien im Abnehmen begriffen. r,.r,

Zu Englano steht es bezüglich der irischen Verhältnisse noch immer beim Alten, d. h. eine Besserung in. denselben kann noch nicht con- statirt werden. Es wird sogar von einem neuen Politischen Morde aus ^rkanö berichtet, der einer geheimen politischen Gesellschaft zugeschrieben wird, ^n der Wohnung eines Verhafteten sind von der Polizei viele Gewehre, Revolver Bayonette und Patronen aufgefunden worden. Unter diesen Umstanden Yt es bemerkenswert^ daß der irische Staatssecretär, Forster, un Unterhause neulich selbst zugegeben hat, daß der Erfolg des Zwangsgesetzes mcht den Erwarwngm der Regierung entsprochen habe; Mr. Forster stellte darum eventuell strengere Regierungsmaßregeln gegen Irland in Aussicht. ,

Die italienischen Radikalen feierten am Donnerstag zu Palermo den 600jährigen Gedenktag der sicilianischen Vesper (30 Marz 128 100311

sich auch der alte Garibaldi trotz feines Gichtleidens und seiner, onsttgen toi- perlichen Gebrechen eingefunden hatte. Bekanntlich wurden am 3U lMrz 1282 auf der Insel Sicllien sämmtliche Franzosen ermordet, wodurch dem ^egimeme Karl von Anjou's auf der Insel ein Ende gemacht würbe. Hder b* liegen mmr noch feine näheren Berichte vor, aber es ist sehr wahrscheinlich, bat dieselbe von Garibaldi und seinen Anhängern ru N°tlonalen an - g-bnng gegen di- Franzosen, gegen di- Eroberer von Els, umgchattet worden ist. w-m-nsentantenhaus hat am letzten

Dienstag "d-n"G-I-tz°nwnrs, welcher den "AV

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Lokale».

1 wm-ti 3 Sitzung der Handelskammer vom 28. Februar. Anwesend die lberAsen, L-G^e0 rgt, A- Katz, S. Heichelheim, R- Scheel,

® ^P^HtfrhS" iEan'delslaa wünscht ein Gutachten der Handelskammern über den in der^etzte^VersammIung des deutschen Handelstags von Bremen gestellten Antrag, betreffend den E nfluß der im Eisenbahnwesen etngetretenen Veränderungen auf dte