Räumung Egyptens von britischen Truppen vor sich gehen werde, nachdem deren längere Anwesenheit auf egyptischem Boden nunmehr überflüssig erscheine. Man ersieht aus diesem Schritte, wie schwer es der türkischen Politik auch heut noch wird, sich von gewissen falschen Anschauungen loszureißen, die das Verhalten der Pforte während des ganzen Verlaufs der egyptischen Krise beherrscht und zur Folge gehabt haben, daß der Konstantinopeler Einfluß auf die fernere Gestaltung der egyptischen Frage völlig dahingeschmunden ist. Als ottomanische Depeudenz hat Egypten die längste Zeit existirt, mag über die Zukunft des Nillandes beschlossen werden, was da wolle.
Was sonst über die egyptischen Aspekten verlautbart, sieht mehr nach Combination wie nach Information aus. Augenscheinlich ist man in London noch nicht mit sich selber wegen der definitiv zu ergreifenden Maßregeln einig, wie das die nach den verschiedensten Richtungen ausgestreckten publicistischen Fühler darthun. Das englische Interesse soll natürlich in erster Linie und im ausgiebigsten Maße gesichert werden. Aber die Gladstone und Genossen wissen, daß eine von ihnen bewirkte einseitige Definirmig des englischen Interesses schwerlich die vorbehaltlose Zustimmung Europas finden dürfte, und jedenfalls Compensations-Gelüste wachrufen müßte, zu deren Befriedigung kein englischer Staatsmann jemals die Hand reichen könnte. So wird die dem britischen Löwen zugefallene egyptische Siegesbeute gewissermaßen zu einem embarras de richesse, dessen angemessene Reducirung ebenso sehr im englischen wie im allgemeinen europäischen Interesse liegt. Es kommt hinzu, daß fast jede einzelne Macht in Egypten specielle Gesichtspunkte int Auge hat, die bei einer internationalen Verständigung mehr oder minder würden zurücktreten müssen. Der gute Wille allein reicht für die Lösung der schwierigen und verwickelten Aufgabe nicht hin. Dazu ist vor allen Dingen die eingehendste Kenntniß und Würdigung der die Gesammtlage bedingenden Einzel-Faktoren erforderlich, auf Grund derer allein das die divergirenden Tendenzen ausgleichenoe Mittel gefunden werden kann. Schon um deswillen ist an eine schnelle Abwickelung des egyptischen Liquidations-Processes vorerst nicht zu denken, womit übrigens nicht gesagt sein soll, daß die Verzögerung m eine Verschleppung ausarten müßte. Irren wir nicht, so dürfte schon eine nahe Gegenwart bestimmtere Anhaltspunkte hinsichtlich des egyptischen Zukunfts-Programms des Londoner Cabinets zu Tage fördern. ________________
Arabi Pascha.
Der unglückselige Held des egypllschen Aufstandes, Arabt Pascha, ist zwar zur Zeit schon eine abgethäne Größe, ein gestürzter Prophtte, aber immerhin war sein Auftreten ein so eigenthümliches und sein Sturz ein so jäher, daß gewiß einige Aufklärungen über die Rolle, die Arabi Pascha gespielt hat, erwünscht fern werden. Daß Arabt Pascha ein aus dem niederen Stande der Fcllahs emporgekommener militärischer Machthaber war, der in den letzten Jahren seines Wirkens auch den Koran fleißig im Munde führte und aus diesem Religionsbuche der Mohamedaner die Begeisterung für seine Mission schöpfte, ist bereits so bekannt, daß es nicht näher erörtert zu werden braucht. Interessant bleibt nur noch, zu erfahren, was Arabi Pascha eigentlich wollte und mit welcher Thorheit er sein Werk auszuführen versucht habe.
Es muß da zunächst hervorgehoben werden, daß Arabi Pascha kein gemeiner Bösewicht und auch kein gewöhnlicher mohamedanischer Fanatiker ist, sondern daß er tatsächlich in seiner Weise als ein egyptischer Patriot und deßhalb nur als ein poli- t'scher Verbrecher betrachte: werden muß Arabi Pascha ift auch an und für sich weder als ein Feind der Engländer, noch der Europäer zu betrachten, sondern er wollte nur die drohende Fremdherrschaft von Egypten abwenden und weil der Khedive bereits ein willenloses Werkzeug in den Händen der englischen und französischen Commission war, dachte sich Arabi Pascha seme Missten einfach dadurch gelöst, daß er mit Hülfe des ihm ergebenen egyptischen Heeres den Khedive absetzte und die seitherigen Einmischungen der Engländer und Franzosen in die egyptischen Staatsgeschäfte nicht mehr duldete. Im Besitze des Heeres, erschien Arabi Pascha, der sich mit feinen Getreuen natürlich selbst an die Spitze Egyptens stellen wollte, feine Mission ziemlich leicht und bis zur Zerstörung Alexandriens und des vorhergegangeneu Bombardements der englischen Panzerflotte halte Arabi Pascha höchst wahrscheinlich gar nicht mit der Eventualität eines Krieges mit England gerechnet, er traute dazu England weder das Recht, noch d e Mackt zu und hoffte wohl auch, daß der Sultan oder die übrigen Großmächte ein Vorgehen Englands in Egypten verhindern würben.
Durch die englische Aktion war aber Arabi Pascha ganz aus seinem Himmel gefallen und das Bombardement von Alexandrien hatte mit dem gleichzeitigen Ausbruche des mohamedanischen Fanatismus Arabi Pascha in eine Rolle gedrängt, die er in dieser Weise nicht spielen wollte. Absetzung des Khedive und Einsetzung einer neuen, von dem Auslande unabhängigen Regierung war Arabi's Programm, aber auf einmal galt es einen Krieg mit England, auf den Arabi nicht gerechnet hatte und auf den er auch gar nicht vorbereitet war. Natürlich mußte er wohl oder übel gegen die Engländer kämpfen. Arabi Pascha und seine nächsten Rathgeber, wie Alt Fehmi, Mahmud Fehmi und Tulba Pascha haben sich auch ziemlich umsichtig benommen, aber das egyp- tische Heer war eben in keiner Weise auf einen Feldzug vorbereitet, denn die große Mehrzahl der Soldaten Arabi's war zusammengetriedenes Gesindel, räuberische Beduinen oder mit Gewalt zu Kriegsdiensten gepreßte Fellahs, die in kurzer Zeit nicht zu kampfgeübten und disciplinirten Soldaten gemacht werden konnten. Mit einem Heere von Ausreißern und Räubern konnte aber Arabi Pascha Egypten weder befreien, noch vcr- theidigen, und daß er mit solchen elenden Kampfgenossen sein Werk unternahm, das war sein gewaltiger Fehler und wurde zum Fluche seines patriotischen Unternehmens. Arabi Pascha war nicht im Besitze der nöthigen moralischen, intellectuellen und mate-
Allgemeine
6200 Stets frisch gebrannte in den fein-
schmeckenvsten Qualitäten, sowie rohe Kaffees in allen Sorten und Preislagen empfiehlt die
Colonial- und Manusaclurwaaren-Handlung
Ferd. Drehes.____
< ’m*! Stiebet*
Marktstratze 18
empfiehlt fein reichhaltiges Lager in wollenen und baumwol lenen Unterjacken, wollenen und baumwollenen Unter- dofen, wollenen, baumwollenen und Filzröcken für Damen, Caputzen, Eapotten und Eoucerttücher, gestrickten Herren- und Damenwesten, allen Sorten Herren-, Damen- unvKinderstrümpfen, allen Arten Strickgarnen (nur bestes deut* sches Fabrikat, großes Gespinnst), Kragen, Manschetten und Shlipsen rc. rc. bet reeller Bedienung zu den billigsten
Preisen. 6202
riellen Mittel, um seine Mission ausführen zu können, und so mußte er Niederlage auf Niederlage erleiden und steht nun vor einer Verantwortung, die ihn den Tod ober die Verbannung kosten wird. Die in Egypten lebenden Europäer und deren Interessen hat er aber nicht rutniren wollen, denn die ursprünglich geplante Zerstörung des Suezkanals unterließ Arabi auf den Rath des Herrn v. Lesseps und in Kairo und Tanta hat er die Ausschreitungen des arabischen Pöbels gegen die Europärer schwer bestraft.
Vermischtes.
— sEin lebendiger Blumenkorbs Man schreibt aus Paris: Man erinnert sich vielleicht noch, daß im oerfloffencn Winter ein Spaßvogel sich damit amüsirte, im Namen verschiedener Hausfrauen, die Gäste zu empfangen pflegten, Einladungen zu fingirten Soireen und Diners ergehen zu lassen. Der Mann scheint Schule gemacht zu haben, beim von verschiedenen Seiten meldet man Scherze ähnlicher Art Einer der letzteren spielte sich jüngst auf dem Schlosse von B. in der Normandie bei Mme. v. S . . . wahrend eines großen Diners ab, ohne daß der Schuldige eruirt werben konnte. Der übliche in der Mitte des Tisches angebrachte Blumenkorb war nämlich durch einen Igel ersetzt worden, den man vorher in einem von Eiswasser umgebenen Schaff zum Einschlafen gebracht hatte. Das Thier hatte sich zur Kugel eingerollt und diese war es, die man, über und über mit Blumen bestreut, als Blumenkorb mitten auf den Tisch gestellt hatte. Während des Diners nahm der Igel, durch die Hitze im Saale aus seinem Schlafe aufgeweckt, wieder seine gewöhnliche Position an. Wer beschreibt das Entsetzen und die Furcht der Gaste, als sich der Blumenkorb plötzlich zu bewegen begann und schließlich davonlief! Es entstand eine derartige Consusion, daß der Tisch umgeworfen wurde und mehrere Damen Nerven-Anfälle bekamen. Als die Hausfrau die allgemeine Flucht sah, fiel sie in Ohnmacht.
uf- l®fne Schreckensbotschaft und ihre Folgens Wir entnehmen dem „N. W- Tagbl. folgende kleine Erzählung, welche vermöge ihrer ebenso einfachen, als tragischen Momente auch unsere Leserkreise tntereffiren dürfte. Genanntes Blatt schreibt: „Die Großmutter hatte wieder einmal ihren guten Tag. Sie ließ alle ihre Enkelkinder um sich grupptren, gebot Schweigen, damit sie eine „G'schicht" erzählen könne, und die Kinder hielten fast den Athem an und blickten mit wahrer Andacht zu der im hohen Lehnstuhl sitzenden alten Frau empor, die nach einigem Räuspern zu der, ach, wohl schon an tausendmal erzählten „Heldenthat" ihres Sohnes anhub:
„Der Franzl, met’ Sohn, Euer Onkel," sagte sie zu den hochaufhorchenden Kindern, indessen die Mutter der Kleinen sich in einem Winkel des Zimmers verstohlen Thranen aus den Augen wischte, „der Franzl also, der jetzt bei den Kaiserlichen dient und brunt in Dalmatien dient, is a wahrer Held. Ich will Euch nur an anzig's Stück'l von eahm erzählen." Und die alte Frau erzählte ihren Enkeln eine Geschichte, deren Held wirklich ihr „Franzl" einmal gewesen war, und als sie geendet hatte, lehnte sie sich in ihren Stuhl zurück, schloß die Augen und beschäftigte sich im Geiste mit ihrem Llebling. Und eben trat ein Mann herein und überbrachte ein großes Schreiben. Die Tochter der Alten wollte den Brief hastig an sich nehmen und diesen verbergen, wie sie es in letzter Zeit schon mit so manchem Brief gethan, aber diese rief, daß das Schreiben an sie sei, folglich müsse sie selbst es zuerst lesen und das sogleich. Da half kein Protestiren. „Könnt' ja was Ersreulich's vom Franzl sein!" Die alte Frau blickte lange in das Schreiben hinein, plötzlich stieß sie einen Schrei aus, ihr Kopf sank auf die Brust und wie die Tochter schreiend auf sie zugeftürzt kam, war die alte Frau eine Leiche In dem Schreiben war die Aufforderung, daß Frau Theresia R. wegen der Kleider und der sonstigen Hinterlassenschaft ihres wegen Mordes an seinem Vorgesetzten durch die Kugel Hingerichteten Sohnes sich an das Platzcommando wenden möge. Ihr Liebling, ihr einziger Sohn, wegen Mordes hingerichtet! Was Wunder, daß bei dieser entjctzlichen Nachricht das Herz der Mutter brach!"
Literarisches.
Die von Sacher Masoch herausgegebene internationale Revue „Airs-er Höhe" hat schon im ersten Jahre ihres Bestehens jene Anerkennung in allen gebildeten Kreisen erfahren, welche sie durch die strenge Durchführung des sich zur Aufgabe gestellten erhabenen Programmes verdient. Die „Internationale Fremdenzeitung" in München urtheilt in ihrer Nr. 25 vom 17. September d. I. über diese Monatsschrift wörtlich wie folgt:
„Als ein literarisches Unternehmen von der großartigsten, wichtigsten Bedeutung in der ganzen civilisirten Welt mutz die internationale Revue „Auf der Höhe" bezeichnet werden. Der Name des Werkes ist die Vorbedeutung. „Auf der Höhe" der Zeit befindet sich dieses Organ für Wissenschaft, Kunst und Literatur und zwar in einem so hohen Grade, daß cs allen Gebilbeten ohne Unterschied der Nation, des Standes und der Confession nicht warm genug empfohlen werden kann- Gleichzeitig muß beigefügt werden, daß sich in „Auf der Höhe" die ersten Geistes-Koryphäen Europas Rendez-vous geben und deren Beiträge die mterefianteften Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart in ungemem spannender und schöner Sprache nur das belehrende und unterhaltende Interesse hochhaltend^umfassen. Wir machen auf diese „Welten - Revue" im Hinblick auf die gute Sache, die wir hier vertreten, noch ganz besonders aufmerksam, zumal bet der heutigen Unzahl von ganz flacher Literatur derartig erhabene Werke sowohl in Bezug auf reichen Inhalt als billigen Preis nicht genug gepriesen werden können."
Schiffsbericht. Mrtgttheilt von dem Agenten des Norddeutschen Llo yd in Bremen. C- W. Dietz Nachfolger, Gießen.
Bremen, 28. Septbr. sPer transatlantischen Megrapb.J Der Postdampfer Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. September von Bremen und am 15. September von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 28. Septbr. Der Postdampfer Ober, Capt. C. Unbütsch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. September von Newyork abgegangen war, ist am 26 September 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmt n Passagiere, Post und Ladung 2 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 128 Passagiere und volle Ladung.
r Anzeiger.
GIESS BU. G-IHSSBST.
Dns Neueste für Herbst uni) Winter
6157 in
Herren- 6 KnaMleidern
ist in großartiger Auswahl vom Billigsten bis zum Elegantesten eingetroffen und empfehle zu entsprechenden Preisen.
Frankfurter Waaren-Bazar.
Neustadt G. Heustadt 6.
Feinstes
Frankfurter Export -Bier
arrf Ms, per Flasche 23 Pfg., empfehlen
4706 •6. A« Uhisch Söhne«


