Ausgabe 
1.10.1882 Zweites Blatt
 
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1882

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bureau: Schulstraße 7.

----------- PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montagö. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

228. Zweites Blatt. Sonntag beit 1. Oftobct

Amtlicher Hßeil.

Mndesbaugkwerkschule Darmstadt.

und

Bedingungen zur Aufnahme find:

1) Mr die untere Abtheilnng, die I. Klasse: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens ettijaljrtflc Bejchästigung in einem technischen Gewerbe^ Nachweisen töniten, Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Da- aeaen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlassenen zukommen sollen, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt

Darmstadt, den 22. September 1882.

Großherzogliche Ccntralstelle für die Gewerbe und den Kandesgewerbverein.

Fink. Bufch.

Die LandeSbaugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren fiebenten Jahres - Cursus am 13. November l. I., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1883 andauert.

Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen 6o$f(f)ute bie Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Muhlen- bauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen "theoretischen Kenntnisse und die nothwendrgen Fertigkeiten im -leichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erweiben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Bauaufsehern rc. dienen. L _, ..

Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit von folgenden Herren ertheilt: Architekt Professor Hermann Müller, Architekt Kuhlmann, Ingenieur G. Wagner, Techniker L. W. Moser, Sandelslehrer Peters, Bildhauer Fölix und Oberlehrer Funk.

Die Schule unifaßt 2 Klassen mit folgenden Unterrichtsgegenstandeim Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehr« (einschließlich Stabllitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Construrtionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschließlich Trigonometrie und Planzeichnen), geiverbliche Buchführung, Theile der Bauführung, insbesondere Materialienkunde und Unfertigen von Kostenvoranfchlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc.

Die Unterrichtslokale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Büreaulokalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, sodaß die letzteren von den Schulern besucht !md geeignet benutzt werden können.

zugänglich werde.

2) Mr die obere Abtheilung, die II. Klasse, muß außerdem der Nach­weis ausreichender Kenntniß der niederen Arithinetik, einer angemesse­nen Fertigkeit im Freihand- und geoinetrischen Zeichen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geoinetrie, und der Be­fähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich inachen zu können, geliefert werden- .

Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Mark ist beim Beginn des Cursus voraus zu bezahlen.

Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig^und längstens bis zum 31. Oktober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten stelle ober auch mündlich auf dem Büreau derselben Neckarstraße 3, nn 3. Stock bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maßgabe der vorhandenen Unterrichts-Lokalitäten ersolgen kann.

Wochenschau.

Gießen, 30. September.

Die parlamentarische Lage, sowohl in Bezug auf den Reichstag, als auch auf den preußischen Landtag, bildet gegenwärtig einen Gegenstand eifriger Erörterungen Seilens der deutschen Presse. Der Plan wird jetzt viel­fach angeregt und besprochen, die bis zum 30. November währende Vertagungs­frist des Reichstages abzukürzen, nachdem der Gedanke einer Herbstsession des preußischen Landtages aufgegeben zu sein scheint. Für einen früheren Beginn der Reichstagsverhandlungen als ursprünglich beabsichtigt, spricht namentlich der Umstand, daß der Reichstag bei seiner Vertagung ein umfangreiches Arbeits­material unerledigt gelassen hat, so namentlich die Versicherungsgesetze und die Gewerbeordnungs-Novelle, deren baldiges Zustandekommen dringend zu wünschen ist. Zum Mindesten könnte formell der Reichstag Anfangs November einbe­rufen werden und dann sich wieder vertagen, mir den Commissionen für die genannten Vorlagen Zeit zur Beendigung ihrer Arbeiten zu lassen.

Die Vorbereitungen zu den preußischen Landtagswahlen sind in der zu Ende gegangenen Woche von alle,n Parteien eifrigst gefördert worden. Vielleicht mag hierzu die von verschiedenen Seiten übereinstimmend gemeldete Nachricht, daß die Wahlen am 19., resp. am 26. October stattsinden mürben, mit beigetragen haben, obwohl man sich über den Wahltermin von officiöser Seite nach wie üor, mit erstaunlicher Beharrlichkeit ausschweigt. Aller­dings sind den Wahlmanifesten der beiden conservativen Parteien noch keine ähnlichen Kundgebungen Seitens der andern Fraktionen gefolgt, dafür sind die Parteiführer mündlich desto thütiger, denn feit 8 Tagen haben sich Eugen Richter für die Fortschrittspartei, Lasker für die Secessionisten und Windthorst für das Centrum vernehmen lassen. Nur die National-Liberalen schweigen noch, doch darf man erwarten, daß auch ihr Führer, Herr v. Bennigsen, auf dem in nächster Zeit zu Köln stattfindenden Parteitage der rheinischen National-Liberalen, das Schweigen brechen wird.

Die Angelegenheit der kaiserlichen Tabakmanufaktur in Straßburg hält durch die sich hierbei abspielenden Vorgänge die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise gefangen.

In Oesterreich haben in dieser Woche die Landtage Cisleitha- niens, mit Ausnahme derjenigen der Steiermarks, Tprols und Dalmatiens, ihre Thätigkeit wieder eröffnet. Auf dem^ böhmischen Landtage ist es bereits zu einer kleinen staatsrechtlichen Controverse gekommen, zu welcher die Vertretung der Prager czechischen Universität durch den Rector derselben in der Prager Landstube den Anlaß gab. Die Regierung hat nämlich, gleich dem (deutschen) 'Jtector der alten Prager Universität, auch dem Rector der neugeschaffenen czechischen alma mater eine Virilstimme im böhmischen Landtage verliehen, da aber das Gesetz über die czechische Universität erst mit dem kommenden 1. Octo­ber in Kraft tritt, giebt es bis dahin gesetzlich noch keinen czechischen Rector und konnte dieser also auch im Landtage bis jetzt noch nicht erscheinen. Trotz­dem wurde von czechischer Seite gegen diesen Vorgangprotestirt", die czechische Presse bemächtigte sich desselben sofort und so wird sich wohl an die Mctor- Controverse auch im Landtage der alte nationale Hader in Böhmen wieder anknüpfen.

Das Stillleben der inneren französischen Politik scheint jetzt am längste" gedauert zu haben. Wenn nicht alle Anzeichen trugen, steht Frankreich vor einer neuen Krise, welcher vielleicht, das.. Sambettsttfich gefärbte Cabinet Duclerc zum Opfer fallen könnte. Wie sich nämlich dieNat.-Ztg. von chrem gewöhnlich sehr gut unterrichten Pariser Correspondenten berichten läßt, sind unter den republikanischen Fraktionen der französischen Deputitten- kammer welche nicht der Fahne Gambetta's folgen, Abmachungen im Gange, die darauf hinzielen, ein neues Cabinet unter dem jetzigen Kammer-Prasidenten Vrffson zu bilden. In demselben sollen auch die Ultra-Radikalen vertreten ]ein mid hat Herr Clemeuceau, der Führer berfelben bem geehrten Cabinet seine kräftige Unterstützung verheißen. Herr Duclerc hat augenscheinlich diesen Sturm gegen sich durch feine jüngsten Aeußernngen, welche eine Auflösung der Depu- tirtenkammer in Aussicht stellten, heraufbefchworen und es fragt Mr, ob das noch gar nicht feste jetzige französische Cabinet diesem parlamentarischen An­stürme roirb widerstehen können. Als Zeitpunkt bes Zusammentrittes der fran- rösischen Kammern würben der 10. October und der 6. November genannt, doch soll nach den neuesten Nachrichten der letztere Termin als sicher zu be-

In den höheren russischen Regierungs-Regionen herrscht jetzt gutes Wetter, das durch den günstigen Verlauf der Moskauer Kaiserrerse hervorgerufen wurde. Der ungeheure Jubel, mit welchem das Kallerpaari Moskau aufgenommen wurde, hat von Neuem die tiefe Anhänglichkeit darge- than, welche besonders die niedern Schichten des russischen Volkes bem 6^ren- hause entgegenbringen und diese Wahrnehmung soll auch das nochi imme bedrückte Gemüth Alexanders III. wieder aufgerichtet haben. Di8"* ube den Erfolg dieses neuesten Auftretens des riissifchen Kai erpaar s sprichNich auch in den Aeußerungen der liberalen rupischen WfK au, Mekrealemenks wird etwas getrübt durch den gleichzeitigen Erlaß des neuen Preßregl«Ett, dessen zum Theil rigorose Bestimmungen öre russische Presse noch mehr knebeln

6 Unter den jüngsten von englischer Seite «angenen^Aeuß^ rungen über die egpptische Frage erregt der Ar1 « französischen Allianz

dieses Blatt darzuthun sucht^^ daß ^utl^an g (anb ben V0Qffen Besitz zu entfremden suche, mdem die oeuycye ^pw. v enalifchen

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Kreisen, in denen man den Anfcymtz i?hncb ift es kaum

wünscht, h"t dieser Artikel sehr versimm , au^efte[[ten Behauptungen Äeiff LL A durch die mürbl0e imb wg Haltung der beut, icben Diplomatie in bet kUne bemerkenswerthen Nach-

Aus Egypten l g ^0^ ber6am Montag erfolgten Rückkehr des Khe- 2 nach Kaiw was sür bie Wckkehr geordnete? Zustände am Nil ein günsti- ges Symptom Mt. -----_______

Utl^DieBerl. Polit. Nachr.' schreiben:Seitens ber Mrte "an Englands Adresse die Anfrage gerichtet worden, wann die