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ber Türken sind noch nicht bekannt. Die griechische Regierung sandte sosort die , FregatteAmphitrite" mit 2 Compagnien und 2 Batterien nach Volo ab. j Die militärische Lage in Egypten ist trotz der unzweifelhaften j Erfolge, welche General Wolfeley bei Mahuta und Mahfameh davongetragen! hat, noch wenig verändert. Zwar meldet Wolfeley, daß der Feind in Folge! dieser Gefechte in wllder Flucht und unter Zurücklassung von Waffen, Munition und Vorräthen aller Art nach Zagazig zurückgegangen sei, indessen leiden die englischen Berichte fast immer an großer Uebertreibung. Mahmud Femy, der Hauptrathgeber Arabi's und jetzt in englischer Gefangenschaft befindlich, hat allerdings angegeben, daß unter den Truppen Arabi's Insubordination und große Unzufriedenheit herrsche, diese Angaben bedürfen aber noch der Bestäti­gung. Arabi Pascha soll sein Lager bei Kafre-Dowar stark befestigen; auch wird berichtet, daß die Garnison von Abukir jetzt ein verschanztes Lager errichte, woran mehrere Tausend Mann arbeiteten. Die Nachricht, daß General Wol- seley Verstärkungen verlangt habe, wird von derPall Mall Gazette" für völlig unbegründet erklärt. Die Neuconstituirung des egyptischen Ministeriums unter Scheris Pascha ist nunmehr erfolgt.

Die Ereignisse in Egypten werfen ihren Schatten auch bis nach Indien. In Salem (Präsidentschaft Madras) fanden ernste Unruhen zwischen Hmdus und Mohamedanern aus religiösen Ursachen statt, wobei von den Hindus große Grausamkeiten verübt wurden; etwa 150 Personen sind verhaftet worden. Ein Glaubenskamps in Indien würde jedenfalls die englischen Operationen in Egypten bedenklich lähmen.

Deutschland.

Darmstadt, 29. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 25. August den Premier-Lieutenant i. P. Friedrich Arnold aus Darmstadt zum Calculator 1. Kl. bei der Centralstelle für die Landes-Statistik, sowie den Finanz-Aspiranten Friedrich Feick aus Wembach, im Kreise Dieburg, zum Calculator 2. Kl. bei der Centralstelle für die Landes-Statistik zu ernennen.

Arankreich.

Paris, 27. August. Wir entnehmen derKöln. Ztg.": Die Chauvi­nisten möchten aus der Haut fahren, daß ihnen Egypten entgeht, und sie suchen Händel, nicht mit den Engländern, um deren Gunst sie buhlen, sondern mit den Deutschen; und da hinter dem Chauvinismus der Gambettismus openrt, so sind die Mittel zum Streite ebenso kleinlich, wie gemein. Wir haben, seit Gambetta wieder Herr der Situation in Paris ist, wiederholt über die Spionen- riecherei in Paris und an der Ost- und Nordostgrenze berichten müssen; diese Treibereien wiederholen sichj, es ist System darin. Und nun kommen Händel von Leuten, die eine politische Rolle spielen wollen und Deutschenfresserei als Reclame betreten, gegen die Deutschen in Paris hinzu und die Regierung spielt dabei die Rolle des Aengstlichen, während das GambettistischeParis" Oel in's Feuer gießt und falsche Karten ausspielt. Und in derselben Zeit läßt die Regie­rung in Belleville dieAnarchisten" ungestört wirthschasten. Louise Michel hielt gestern Abend in Belleville einen Aufruf zum Aufstandegegen die Ban­diten, welche die Völker unterdrücken", der Bürger Lesranyais bezeichnete das allgenieine Stimmrecht als eine kolosiale Betrügerei; der Bürger Chabert klagt, daß die socialistische Partei uneinig sei,sonst könnte morgen schon die Fahne der Revolution aufgepflanzt werden; die Arbeiter verlören durch Zuwarten ihre Zeit, man müsse dreinschlagen, Barrikaden bauen, todtschießen u. s. w." Glaubt das französische Volk wirklich, daß unter einer Regierung, die den Anarchisten ' und Chauvinisten frei die Zügel schießen läßt, sich das Ansehen der Republik im In- und Auslande befestigen und das Vertrauen, daß die dritte Republik den Frieden mit den Nachbarn und Ordnung im Innern wolle, nicht von Grund aus erschüttert werden wird?

28. August. Es giebt einzelne Blätter, denen nicht wohl ist, wenn sie sich nicht hin und wieder versichern können, daß es in Deutschland ärger aussieht, als in der ärgsten Räuberhöhle. Seit sich die deutschen Blätter mit dem bevorstehenden Sedanfeste beschäftigen, haben verschiedene französische Blätter ihr großes Mißfallen darüber ausgesprochen, daß die Deutschen diesen Tag in Deutschland nicht in Sack und Asche begehen wollen. Wie gewöhnlich ist es dieFrance", die in ihren Angriffen gegen das Fest alle anderen über­troffen hat. Zu diesen Ausbrüchen fanatischen Hasses läßt sich eigentlich wenig sagen, denn sie sind ebenso dumm wie boshaft. Da sie aber unter dem Beifall eines großen Thesis der Bevölkerung gelesen werden, so ist es immer lehrreich, von ihnen Kenntniß zu nehmen, namentlich lehrreich für diejenigen, die den Traum eines deutsch-französischen Einvernehmens, einer deutsch-französischen Allianz noch immer nähren, trotz aller Abweisungen, die sie bisher erhalten haben. DieFrance" schlägt also vor, an unserem Sedanfeste nachstehenden Siegesgesang anzustimmen:Die Husaren singen, die Kanonen donnern, wir folgen alle dem General Wrede (?), der für uns schon manche Schlachten ge­wonnen hat. Brüder! wenn wir keinen Pfennig mehr in der Tasche haben, laßt uns nach Frankreich gehen, dort finden wir Geld! Brüder! wenn wir keine Sohlen unter den Füßen haben, so laßt uns barfuß nach Frankreich lausen, dort finden wir Schuhwerk in Masse! Brüder! wenn wir keinen Wein zu trinken haben, so giebt's für uns doch einen Trost: in Frankreich giebt's Wein! Laßt uns dahin gehen und den französischen Fässern den Boden ein­schlagen." So also soll nach derFrance" auf den deutschen Sedanfesten ge­sungen werden, und ich möchte glauben, daß ein Thell der französischen Leser wirklich glaubt, daß solche Lieder gesungen werden. Eine weitere Schätzung der France" über das, was man den deutschen Ruhm nennt, entbehrt nicht eines besonders erheiternden Charakters. Dian höre:Den Degen ziehen für eine Idee, für die Vertheidigung des Vaterlandes, für Erringung der Freiheit? Welche Dummheit! Aber Krieg führen, um Geld, Stieseln und Wein zu er­beuten, ja, das ist was anderes! Das ist wahrer deutscher Ruhm."

England.

London, 29. August. Eine Depesche General Wolseley's aus Gassassin be- slätiat, daß bte Engländer gestern Abend von 8 Bataillonen Arabi Paschas mit zwölf Geschützen angegriffen worden. Die aus nur 3Vr Bataillonen, einer Abteilung Cavallene und 5 Geschütze bestehende, erst später durch noch ein Bataillon Infanterie verstärkte Truppenmacht der Engländer griff den Feind in der Front an, während die Cavallerie einen Flankenangriff machte und dem Feinde große Verluste beibrachte. Arabi Pascha wohnte dem Gefechte bei. Wegen der einbrechenden Dunkelheit gelang es der englischen Cavalleiie nicht, sich der feindlichen Geschütze zu bemächtigen, der Feind zog sich während der Nacht unter Zurücklassung seiner ganzen Munitionsvorräthe

zurück. Die Engländer hatten einen Ober-Chirurgcn, 6 Artilleristen und 1 Sergeanten tobt, 5 Officiere und 56 Mann oerwunbet.

Rußland.

Moskau. Vor einiger Zeit war eine Commission zur Unterbrückung der Trunk­sucht des russischen Volkes organisirt worden. Ein so allgemein verbreitetes Laster, welches den Russen zur zweiten Natur geworden, durch äußerliche Zwangsmaßregeln und nicht durch moralische Mittel unterdrücken zu wollen, hieße Eulen nach Athen tragen. Gegenwärtig ist die sogenannte Branntweinfrage insofern in eirte neue Phase getreten, als man cs sich zur Aufgabe gemacht, das Recht des Branntweinschanks zu beschränken und die Zahl der Kabaks ober Schänken auf ein Minimum zu bringen. Es gehört keine Prophetengabe dazu, um vorauszusagen, daß diese Maßregeln, so sehr sie von Menschenfreunden unterstützt werden mögen, nicht zur Ausführung kommen werden- Ein Wall von Interessen und Dummheit stellt sich ihnen entgegen. Die Ver­minderung der Kabaks bleibt so lange eine Unmöglichkeit, so lange auf den Brannt- weinschank sich ein Hauptthei! ber ganzen Staatseinnahme gründet: sie ist ferner eine Unmöglichkeit, so lange der Kabak für Capitalisten, Speculanten, Juden, Wucherer und alle Reichen in Städten und Kreisen eine Nothwendigkett für ihre Geschäfte und endlich das sicherste Mittel ist, den herabgekommenen, verarmten Bauern von sich ab­hängig, d. h. zu ihrem Selaven zu machen. Ist doch ber Branntwein geradezu ein Regierungsmittel. Rur durch den Wutki, den sie eimerweise spenden, werden die Vor­steher der Mirs, die Startschina und Starosten in den Stand gesetzt, die bäuerlichen Genossenschaften zu beherrschen und auszubeuten. Und dieses Opfer selbst, das Volk, welches unter der entnervenden Last des Kabakenüöels leibet, fordert nichtsdestoweniger das Bestehen ber Kabaks. Roh und schwach, wie das Volk ist, kennt und sucht es bei ber schweren Bürde, welche cs zu tragen hat, keine andere Rettung als in der Schänke. Zerlumpt, gedrückt, elend und krank, verfolgt von dem Rufe seiner hungernden Familie nach Brod, eilt ber Bauer in den Kabak unb ertrankt seinen Kummer wie seine Lebens­kraft im Branntwein. Alles bas, ebenso wie bte finanzielle Lage des Landes, fordert das Fortbestehen des Kabaks. Wir sprechen zwar eine traurige Wahrheit, aber nichts­destoweniger eine Thatsache aus, wenn wir behaupten, daß alles, was wir angeführt, sei es nun im Geheimen ober offen, selbstbewußt ober nicht, für bas Recht der Kabaks eintreten wirb. Die Zahl rechtlicher, dem wirklichen Volkswohl ergebener Leute ist nicht groß. Auf ber Seite ber Gegner stehen bas Capital, baS Volk und selbst das Gesetz Ein sehr ungleicher Kampf

Sebastopol, 29. August. Gestern fand hier die Einweihung des Grabdenkmals der im Krimkriege gefallenen Italiener statt. Die hiesige Gar­nison gab die üblichen Geschütz- und Gewehrsalven ab ; später fand ein zu Ehren der italienischen Deputation von dem ganzen Ofsicier - Corps veranstaltetes Diner statt.

Aegypten.

Port-Said, 29. August. Der DampferDakalieh" ist mit Sultan Pascha hier eingetroffen, welcher den militärischen Operationen der englischen Truppen folgen, in den nach unb nach von den (Snglänbern besetzten Provinzen die Autorität des Khedive wieder zur Anerkennung bringen und neue Vertreter unb Beamte des Khedioe emfetzen soll. Fend Pascha ist zum Mubir in Zagazig ernannt worben. Die Mission Sultan Paschas läßt bei dem großen Ansehen, in welchem berfelbe bei der eingeborenen Bevölkerung steht, ein günstiges Resultat erhoffen.

Asten.

Teheran, Ende Juli, lieber Vorgänge, welche die Unruhen in Persien ver­anlaßt haben, schreibt man berPolit. Corr.": Prinz Zill-es-Soltanes, ber ältere Sohn bes Schahs und Gouverneur von Jspahan, nahm seit längerer Zeit mit großem Mißmuthe wahr, daß ber Chef des Stammes ber Bahtiares von Tag zu Tag an Ein­fluß und Bedeutung gewinnt, unb er sann auf ein Mittel, ben gefährlichen Mann kaltzuftellen. Eines Tages wurde ber Ches des genannten Stammes vom Prinzen in die Residenz desselben geladen unb von ihm in der huldvollster: unb herzlichsten Weise ausgenommen. Der Prinz behandelte seinen Gast ben ganzen Tag mit unermüdlicher Liebenswürdigkeit und ging so weit in ber Herablassung, Abends mit ihm Trick-Track zu spielen. Nachdem bte Partie beendet war, verabschiedete sich ber Prinz von seinem Gaste unb ließ ihm für die Nachtruhe bas fürFreunde" des Prinzen bestimmte Appartement anweifen. Kaum hatte der Stammeschef die ersten Anstalten getroffen, sich zu Bette zu begeben, als mehrere Diener erschlenen, um ihm im Namen des Prinzen eine Tasse Kaffee zu überreichen, welches sie als ein besonders auserlesenes Getränk bezeichneten. Der Chef ber Bahtiares kannte die historische Bedeutung solcher Höflichkeiten aus seiner vaterländischen Geschichte zu gut, als daß er sich nicht sofort über ben Vorgang klar geworden wäre. Er erklärte jedoch, daß er denschlechten Kaffee" durchaus nicht nehmen werde, sondern als alter Krieger, wenn man einmal fein Leben wolle, es vorziehe, auf irgend eine andere gewaltsame Weise getöbtet zu werden, worauf er von ben Dienern erwürgt wurde. So erzählt man wenigstens un­gescheut in persischen Kreisen unb wie v'el auch davon wahr ober unwahr fein mag, sicher ist, daß der genannte Chef ben Tag des Empfanges in Jspahan nicht überlebt hat. Der Vorfall scheint zugleich die Geister in Jspahan in hohem Grade erregt zu haben. Denn sicher -.ist, daß Prinz Zill-es-Soltanes, wahrscheinlich aus Furcht, von dm in Jspahrn weilenden Bahtiaren erschlagen zu werden, es nach dieser Begebenheit lange nicht wagte, sich in ben Straßen zu zeigen. Bald nach bet Ermordung des genannten Chefs schied obendrein auch defs n Sohn in ebenso plötzlicher als unauf- gehellter Weise aus dem Leben und es heißt allgemein, dieser sei heimlich getöbtet worben. Die Verwirrung unter den Bahtiaren, aber auch ihre Empörung ist infolge dieser Vorfälle natürlich eine große und wenn sich unter ihnen ein energischer Mann fände, der dies zu benutzen wüßte, könnten für Persien schwere Verlegenheiten daraus erwachsen. Zugleich ergibt sich aus dem Gesagten, daß ungeachtet ber~ anerkennend werthen und eifrigen Bemühungen des Schahs Nasr-ed-din, der europäischen Cultur ein immer breiteres Terrain in Persien zu gewinnen, man daselbst von einem ab­soluten Bruche mit ben Traditionen orientalischer Despotie doch noch ziemlich weit entfernt ist-

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Corresponderrz-Brrreau.

Berlin, 30. August. Die heutige Parade des Garde-Corps hat trotz des an­haltenden Regens vor dem Kaiser stattgefunden. Der Kaiser, von dem zahlreichen Publikum enthusiastisch begrüßt, ritt die Front, begleitet von einer glanzenden Suite, ab, worauf ein einmaliger Vorbeimarsch in Negimentscolonne erfolgte. Sammtliche hier anwesenden Prinzen unb Prinzessinnen wohnten der Parade bet

DieProv.-Corresp." feiert ben 2. September mit einem Artikel, in welchem sie hervorhebt, daß, während zum zweiten Male feit der Wüderherstellung des Reiches vom Orient her ber Waffenlärm zu ben Sitzen ber europäischen Culturvolker bringe, Deutschland, dessen Sicherheit sonst durch jede kriegerische Verwickelung bedroht wurde, im Genuß eines ungestörten Friedens feine innere Arbeit fortführe, die seinen wahren Beruf bilde. Mit ben führenden Staaten Europas freundschaftlich verbunden, habe das Deutsche Reich jüngst erneute Gelegenheit gehabt, die eminent friedliche Bedeutung feiner Wiederherstellung zu bewähren. Der mächtige Bau Deutschlands habe sich dem Organismus Europas so glücklich angefügt, daß er für den deutschen unb europäischen Frieden gleich unentbehrlich geworden sei. Der Freude am Vaterland, welche durch Jahrhunderte lang getrübt gewesen, werde sich auch heute nur Die entziehen, welche über bet Beschäftigung mit dem verbitterten Parteihaber ben freien Blick in und über die Wirklichkeit verloren haben.

DieNordd. Allg. Ztg." erklärt bie Zeitungsnachricht, daß sich der gestrige Ministerrath mit der Feststellung des Termins für die Landtagswahlen beschäftigt habe, für vollständig unbegründet. .

Müttchen, 30. August. Der Commandeur des 1. bayerischen Armee- Corps, Generallieutenant Freiherr v. Horn, ist gestern in Augsburg gelegentlich einer Jnspicirung der 3. Brigade mit dem Pferde gestürzt und hat einen Rip­penbruch erlitten.

London, 30. August. Der Herzog von Albany ist ernstlich erkrankt,