nicht vergessen, und in Köln am Rhein ist eine Statue deS großen Schlachtendenkers enthüllt worden. Fest wie das Denkmal steht, wird auch das Gedächt- nth der großen Thaten in unserem Volke für immer und ewig fortleben, denn sie sind selbst mit dem deutschen Reiche aufis Engste verbunden. Gehen wir bei Köln über den Rhein nach Frankreich hinein, und schauen wir unS dort um, so erblicken wir nur wteoer den alten Zank, den alten Streit, den alten Lärm. Hauptsächlich richtet sich jetzt die öffentliche Meinung, die durch Versammlungen der Radikalen und Revolutionäre immer mehr und mehr aufge- retzt wird, gegen den tunesischen Feldzug und gegen dir in demselben vorge- kommencn Unregelmäßigkeiten. Man will die ganze Regierung und die Gene- Täte in Anklagezustand versetzen, hat sie auch thellwetse schon zum Tode verdammt, und was dergleichen Redensarten mehr sind. Daß übrigens mancher Schwärmer sich in Folge deffen doch hinverrückte Gedanken in den Kopf fetzt, beweist zur Genüge, daß neulich ein Provinziale ein Attentat auf Gambetta ausüben wollte. Der arme Kerl wurde zur Klarstellung seines Geisteszustandes vorläufig eingesperrt, die Verführer aber reden ruhig weiter. Nun, wir meinen, daß Garr.betta als Ministerpräsident, und allzuweit ist er ja nicht mehr davon entfernt, sich schon seine Leute aufsuchen und sie zur Raison bringen wird. In Tunesien selbst rücken die französischen Truppen in verschiedenen Colonnen gegen bte Aufständischen vor; die Entscheidung steht für die nächsten Tage in Aussicht. Immer ruhiger, soweit es eben möglich ist, gestalten sich die Ver» hältntffe in England; in Irland beginnt man sich immer mehr unter die feste Hand der Regierung zu beugen, auch die Boers, von denen man eine Verwerfung der Convention erwartete, haben sich gefügt und damit ist das bereits drohende Krtegsgespenst auS dem Wege geräumt. Ganz verstummt ist bte egyptische Frage, die englischen und französischen Panzerschiffe haben Egypten verlassen, und die Commiffäre des SultanS sind wieder in Konstantinopel an- gelangt. Damit ist die ganze Äffatre zunächst beendet. Als epochemachendes Ereigniß dieser Woche tritt die Reise des Königs Humbert von Italien und seiner Gemahlin Marguerita nach Wien hervor. Die Entrevue ist die unmittelbare Folge der französischen Aktionspolttik in Tunis, wodurch die Italiener so tief verletzt wurden. Man spricht auch davon, daß König Humbert Berlin besuchen wird, und daß ein deutsch-österreichtsch'ttalieuircheS Bündntß geschloffen werden dürfte. Das Letztere bezweifeln wir jedoch, wenigstens wird sich Deutschland und Oesterreich nicht zum Vollstrecker von allzu egoistischen Wün- scheu Italiens hergeben, die etwa auf Tripolis rc. bafiren könnten. Das Kaiserreich ist der Friede, dieses Wort Napoleons findet vor Allem auf Deutsch, land die richtige Anwendung, während es der Sprecher so sehr mißbrauchte. Die ersten 10 Jahre des Bestehens deS deutschen Reiches haben wir im Frieden verlebt, und hoffentlich wird er noch lange uns erhalten bleiben.
m Darmstadt, 27. Oktober. Unter der Rubrik „Für die L andwirthsch aft und die Förderung der Bodenmeltoration" sind im Hauptvoranschlag der Staatsausgaben für die Ftnanzpenode 1882/85 verschiedene Positionen enthalten, die, als neu erscheinend, von besonderem Interesse sind. Es ist dies zunächst ein Ausgabeposten von jährlich 3000 «X zu Ausstellungs- und Prämiirungszwecken. Wie die Erläuterungen zu diesem Posten sagen, macht sich seit Jahren bereits in den landwirth- schastlichen Vereinen der Uebelftand geltend, daß eines der wichtigsten Mtttel zur Anregung einer höheren und verbesserten Production, welches zweifellos in den öffentlichen Ausstellungen und Prämtirungen zu suchen ist, nicht mehr in ausgiebiger und erfolgreicher Weise gepflegt werden kann, weil es an einer zeitgemäßen Methode und an unfern gegenwärtigen Productionsverhältnissen entsprechenden Mitteln fehlt. Während tu andern Ländern, namentlich in Preußen und Bayern, Seitens der Regierung vollständige Organisationspläne für die landw,, Ausstellungen und Prämiirungen festgesetzt
und namentlich für Rindvieh und Pferde Staatsprämien von 100—500 Jt ausgesetzt sind, werden in Hessen noch immer Preise von 5—40 JL verthcilt, meist ohne Innehaltung irgend welcher Grundsätze. Die C'ntralstelle für die Landwirthschast und die landwirthschaftlichen Vereine hat deßhalb in Uebereinstimmung mit den Ausschüssen der landwirthschaftlichen Provinzialvereme einen Plan für das Ausstellungs- und Prämiirungswefen aufgestellt, nach deffen wesentlichen Grnndzügen für alle von den landwirthschfftl chen Vereinen veranstalteten Ausstellungen und Prämmungen die Preisrichter von den genannten Ausschüssen für eine Reih- von Jahren im Voraus bezeichnet werden sollen, wonach we.ter nur wirklich preiswürdiges Vieh vrämtirt und dem Zuchtvieh bezw. dem von dem Aussteller selbst gezüchteten Vieh stets der Vorzug gegeben werden soll; Festlichkeiten sind mit Ausstellungen nicht in überwiegendem Maße zu verbinden. Die Preise sind möglichst hoch zu stellen, damit in ihnen ein Antrieb zur Ausstellung und zur Erlangung von Prämien liegt- Damit dies erreicht werde, sind auch von Seiten des Staates Prämien zu gewähren, da die den Vereinen zu Gebote stehenden Mittel zu ausgiebiger Prämiirung nicht hinreichen.
Ein weiterer neuer Ausgabeposten ist derjenige von 12,000 X für land wirt h- fchaftlichen Unterricht, welcher durch vier Landwirthschaftslehrer ertheilt werden soll. Die Erläuterungen betonen die Wichtigkeit des landwirthschaftlichen Unterrichts und sagen von den bestehenden Ackerbauchulen in Darmstadt, Friedberg und Alsfeld: „Dieselben konnten ihre Zwecke nicht vollständig erreichen, da ihre Unterhaltung die Mittel der Vereine unoerhältnißmäßig in Anspruch nimmt und die Unmöglichkeit, auch nur dem ersten Lehrer an denselben eine feste Stellung zu gewähren, häufigen Wechsel des Lehrerpersonals und dadurch, je nach den Anschauungen und Fähigkeiten der aufeinander folgenden Lehrer, große Unsicherheit in dem Lehrplan und dem Lehrziel herbeiführte. Um diese Mißstände zu beseitigen, ist es die Absicht der Regierung, jedem der drei landwirthschaftlichen Provinzialoereine einen nach vorgängigem Benehmen mit dem betreffendem Ausschuß von Staatswegen zu bestellenden Landwirthschaftslehrer zur Verfügung zu stellen, der die Verpflichtung hat, die Leitung einer Äckerbauschule und den Fachunterricht an derselben zu übernehmen. Wenn in einer Provinz zwei Ackerbauschulen sich befinden, so sind für diese Proo.nz auch zwei Landwirthschaftslehrer zu bestellen. In den Monaten, in denen ein Unterricht an den Ackerbauschulen, oder richtiger landwirthschaftlichen Winterschulen, nicht stattfindet, würden diese Lehrer den bezüglichen landwirthschaftlichen Provinzial- und Bezirksvereinen zur Verfügung stehen, um als Wanderlehrer durch Anregung und Belehrung die Verbesserung der Landwirth- schaft zu fördern und die praktische Durchführung des Angestrebten allerwärts mit Rath und That zu unterstützen; daneben würden sie verpflichtet fein, besondere Aufträge innerhalb des oben gezogenen Geschäftsbereichs auszuführen — Wenn auch dermalen in Rheinhessen keine Ackerbauschule sich befindet, möchte doch auch für diese Provinz ein Lehrer zu bestellen fein, uni die Möglichkeit der Errichtung einer Schule zu sichern und dem Vereine eine geeignete Persönlichkeit als Wanderlehrer zur Verfügung zu stellen."
DerMifchte^»
Paris, 26. Oktober. Die wegen deS Eisenbahnunglücks von Charenton eingelettete Untersuchung bat bisher folgende Resultate geliefert: 1. Am 4. September begann Die Kirch' weihe in Charenton. Don achtzehn auf dem Bahnhofe beschäftigten Beamten Huben etwa zwölf die Nacht auf der Kirmeß verbracht und am 5. September, an welchem Tage das Unglück geschah, waren acht zu spät oder gor nicht aut ibrm Posten erschienen. Insbesondere gehörte der achtzehnjährige junge Mensch, welcher die Scheibe an der Brücke bewachte, gar nicht zu dem ordentlichen Personal der Eisen ahn, sondern versah den Dienst nur in Vertretung. 2. Die Bahnhofsckefs von Maisons Alforc und Charenton sind für verantwortlich zu erklären und wegen Vernachlässigung ihrer Psiicht vor das kompetente Gericht zu stellen. 3. Die auf den betreffenden Zügen selbst beschäftigten Beamten (Maschinisten, Zugführer und Heizer) tragen keine Schuld an dem Unglück. Sie fuhren alle mit der reglementsmäßigen Geschwindigkeit und ihre Rolle ist übrigens ‘eine ganz passive, da der Maschinist des über den Haufen gerannten Zuges sich selbst im Angesichte der Gefahr nicht ohne Befehl des Bahnchefs oder eines seiner Untergebenen in Bewegung setzen durfte.
Homburg. Der Müller Pfeifer von Anspach hat auf der Jagd den 17jährigen Sohn einer armen Wittwe ersckoffen. Pfeifer, welcher von dem Pächter I. aus Frankfurt a. M. zur Jond eingeladen war, hatte den jungen Mann in der Dämmerung für ein Wild angesehen. Kein geübter Jäger wird wohl auf eine Kreatur schießen, ohne sie genau zu erkennen; es kann solches nur von Leuten geschehen, die sich für einen Jäger ansehen, ohne cs zu sein, und dadurch Unheil anstiften.
Allgemeiner
Anzeiger.
Montag den 31. Oktober, Abends 7 Uhr, beginnt nie Fortbildungsschule für die aus der Volksschule entladenen Knaben ihren Unter- richt. Zum Besuch derselben sind alle Diejmigen verpflichtet, bte in dm letzten drei Jahren aus der Volksschule entlassen worden sind. Die Knaben im Alter von 14 Jahren finden sich im Saale Nr. IV. des Schulhauses in der Schul, straße, die Knaben im Alter von 15 Jahren im Schullocal am Asterseg und die Knaben im Alter vom 16 Jahren im Saale Nr. III des Schulhauses in der Schulstraße ein, sämmtlich mit Papier und Feder versehen.
Etwaige Gesuche um Dispensation vom Unterricht sind bei Großh. Krctt- Schul-Commisston Gießen vorzubringen. Die Meister, Lchrherrn und Arbeit, gebet sind verpflichtet, den Knaben die zum Besuche der Fortbildungsschule nothwendige Zeit einzuräumen.
Wir ersuchen die Lehrherrn, Meister und Arbeitgeber, ihre Lehrlinge, Gehülfen oder Arbeiter auf die Wichtigkeit dieses Unterrichts aufmerksam zu machen und zu einem regelmäßigen pünktlichen Besuch der Stunden anzuhalten.
Gießen, 22. Oktober 1881.
Für den Schulvorstand:
A. Stamm, Bürgermeister. VigeliuS, Director. (7020
Montag den 14. Novbr. 1881, Vormittags 11 Uhr, soll auf hiesigem Ortsgericht die Hofraithe der Konrad Ferber Eheleute
Flur 1/1165 62 Mtr. Hofraithe auf der Färbach,
Flur 1 1166 19 Mtr. Grabgarten daselbst meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 1. Oktober 1881.
Großh. Ortsgericht.
6446) Müller.
Feilgeboteues.
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