Nr. 303 Freitag den 30. December 1881
Aichener HtnBger
Aimgk- uni> Amtslilktt für Örn Kreis Kirke».
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- Amtlicher Hheil.
• ■ Bekanntmachun g.
Durch Contumacial-Erkenntniß vom 16. December dS. I-., bestätigt am 20. December kS. IS., ist der Füfilter Pbtlipp Bier au, bif 9. Eowpagnie de- 1. Nassauischen Insanteiie - Regiments Nr. 87, geboren am 26. Juli 1850 au Lollar, KreiS Gießen, Großherzogthum Hessen, in Civil. Verhältnissen Schreiner, für fahnenflüchtig e> klärt und zu einer Geldbuße von 150 JL verurtheilt worden.
Mainz, den 24. December 1881. Königlich Preußisches Gouvrinen enrs'Gericht.
Deutschland.
Darmstadt, 27. Decbr. Das am 27. ds. ausgegebene Großh. Regie- rungtblatt Nr. 27 enthält: Bekanntmachung Großherzo^lichen MilistertumS dev Innern und der Justiz, die Bildung der ÄmtSgertchtsbeziike Hungen, L ch, 8uubad), Grünberg, Homberg, ÄlSseld, Vilbel und Friedberg betreffend.
Berlin, 27. December. Von Seiten eins Mitgliedes des Vorstandes der für das künftige Jahr in Aussicht genommei en Allgemeinen deutschen Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene und d<S Rettung-wesens 'st die Frage angeregt worden, ob nicht bei dieser Gelegenheit eine Statistik der in b<n StaatSgebäuden rorhandenen Central-HeizungS und Ventilat ons-Anlag-n aufgestellt werden könne. Da hieiüblr statistische Zahlenangaben bs jetzt nicht gesammelt worden sind, die Sammlung und Zusammenstellung aber nicht c llein für die Ausstellung von Werth, sondern auch hinsichtlich deS Ueberb icks der Fvrtentw'ckelung dieser Anlagen sür die Hygiene überhaupt von allgemeinem I ter<sse sein wird, so hat ter Lultue Minister die Un versitäls Cuiatorten, Rectoren der technischen Hochschulen, den Generaldirectyr ter Muse.n u. s. w. ersucht, ai f die b<tr. Ber chkerpattung unter Zugrundelegung lin<S bestimmten Schema- hinzuwirken.
— Bei den Staats« und unter Staatsverwaltung stehenden Bahnen des Ruhrkodlen R vier- bl trug die tägliche Wagengestellung in der Zett vom 1. bis 15. Dicember d. J-. durchschnittlich
15,585 Ladungen, ü 100 Eentner, gegen
14 126 „
in derselben Periode des Vorjahre-. Im lausenden Jrbre fbb also täglich 1459 Wagenlabungen, b. h. über 10 pC'. mehr, gepellt, al- in der entsprechen- den Zett de- vergangeren Jahres.
— Seit Bestehen des Socialister.gesitzeS, d. h. seit 21. Ok:ober 1878, sind 'm deutschen Reiche auf Grund des § 1 deS Gesetze- 226 soctalistlsche Bei eine verboten worden. Von Seiten der Vorstände von 28 Vereinen, die von dem Verbote b,troffen wurden, ist auf Grund deS $ 8 Beschwerde erhoben worden. Die auf Grund des § 26 deS Loc»aliftenges'tz-S eingisetzte Re'chScommisflon, welche bekanntlich aus 4 Mitgliedern de- BuncesralheS und 5 Mitgliedern der höchsten Gerichte de- Reich's oder dcr einzelnen Bun- deSstaaien besteht, hat bei 27 Vereinen die Auflösung bestätigt; in einem Falle wurde dcS Verbot deS Deren S von der verbietenden Behörde aufge bebe». In den 3 Jabren des Bestehen- de- Socialipengesetze- find ferner im deutschen Reiche 758 Druckschriften auf Grund deS § 11 dis Gesetze- verholen worden. In 81 Fällen wurde rechtzeitig, d. h. innerhalb eir.tr Woche nad) der Zustellung der bftr. Verfügung der verbietenden Behörde Widerspruch erhoben. In 61 Fällen fand dieser W derspruck bei der RcichScommisfion keine Berücksichtigung und wurde da- Verbot der betr. Druckschriften lediglich bestätigt. In 20 Fällen dagegen wurde bc$ Verbot von der Re ck-commission resp. von der rerbietenben Behörde aufgehoben. Auf die einzelnen Bundesstaaten veitheilten sich die verbotenen Druckichriften folgendermaßen: Lachsen 136, Bayern 42, Hamburg 35, Braunschweig 32, Württemberg 8, Großher. zogthum Baden 15, Mecklenburg-Schwerin 5, Hessen Darmstadt 13 Bremen 3, Gotha 2, Gera 1, die ReichSlande 8, der Rest von 458 Druckschriften entfällt auf Preußen resp. einzelne kleine Bundesstaaten. Es mag roch bemerkt werden, daß die vorn Verbot betroffenen Druck'chr'sten sich auf sechs verschie- bene Sprachen vertheilten, und zwar erschienen 683 in beuttcher Sprache, 38 m franiöfischer, 21 in polnischer, 3 in russischer, 2 in englischer und 1 in litthauischer Sprache.
— Ohne jedwede Störung im politischen wie im sonstigen Leben find die Weihnacht-feiertage vorübergegar.gen und durch keine aufregende Nachricht ist die Weihnachten feiernde Menschheit au- ihrer Ruhe erweckt worden Hoffen wir, daß das frohe Fest ein guter Vorbote für da- kommende neue Jahr fein werde, dem ja, wie stet- zum JahreSschluß, ein Jeder mit großen Erwartungen entgegen sieht. Möchten doch Niemandes Hoffnungen getäuscht werden.
— Nachdem das Sperrgesetz in den Diöcesen Breslau, Trier, Pater« born, Osnabrück, Fulda durch die Wiederbesetzung der bischöflichen Stühle, resp. die Bestellung von Bisthums«Vrrwesern aufgehoben worden ist unv der Staat die Gehälter dort wieder auszahlt, wird, wie die „Voss, ßtg." hört, die Staatsregierung im Abgeordnetenhause aufgefordert werden, eine Vorlage darüber zu machen, zu welchen Zwecken die durch die Sperre in d esen Diö- cesin avfgefammtlien Gelder zur Verwendung gelangen sollen. Die angesam. melte Summe kann in der That nicht gering sein, und die Gewißheit ihrer richtigen Verwendung ist nicht ohne Jntereffe.
— Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Italien vom 31. December 1865 und die SchifffahnS-Convention vom 14. Oktober 1867 werden zufolge Uebereinkommens zwischen beiden Regierungen, durch welche- die Wirkung der im Jahre 1875 italienischerfeit- erfolgten Kündigung nochmals um 5 Monate hinau-geschoben worden ist, bis 31. Mai 1882 in Kraft bleiben.
Hamburg, 28. December. Der von New'Iork kommende Dampfer „OeQeit* geneth vor Euxhafen in dichtcm Nebel auf den Grund. Die Hamburger Packe fahrt«Gesellschaft sandte Abend- den Inspektor Badenhausen mit dem Dampfer „Cuxhaven" zu Hülfe, un wenn nöthig, die Passagiere nach Hamburg zu befördern. Außerdem sind von Cuxhaven 6 Bugsir-Dampser zur Assistenz abgegangen.
Htfierreich.
Budapest, 28. Decbr. Eine Verbrecherbande, bestehend au- einem Arzt, einem Apoiheker und einem Kaufmann, ist in Nagyenyed in Siebenbürgen entdeckt worbe.». Dieselbe versicherte dritte Personen hoch und vergiftete dieselben, wa- an zwei exhumirtrn Leichen constatirt worben ist.
Auhrand.
Petersburg, 26. December. Die „Heilige 8(ga* (Druschina) in Petersburg hat die Nihilisten Krapotkln, Stephanowitsch und Deutsch, welche sich im Auslände befinden, zum Tode verurtheilt. Krapotkin tritt jetzt, nachdem eine Art von Association zwischen den internationalen Verschwörern her- gestellt worden, gewissermaßen al- Dictatcr auf. Fürst Krapotkin hat jetzt den falschen Namen „Levaschow", unter welchem er längere Zeit sich in ber Schweiz unb Frankreich aufgehalten, abgelegt und lebt in England unter seinem wahren Namen. ES dürfte interessant sein, zu erfahre.,, daß Krapotkm, welcher ca. 40 Jahre alt >st, seinen Stammbaum bis auf Ruvik zurückführt, dem ja auch die Romoncff's entsprossen fi> d und somit mit dem Ezaren verwandt ist. Krapotkm gehörte ehemal- der rusfischen Armee an ; er quittirte den Dienst und begann hauptsächlich geologische Studien, die ihn nach Finnland wie nach Sibirien führten. Er verfaßte mehrere Arbeiten für die St. Ptter-burger geographische Gesellschaft, die allgemeine Anerkennung fanden. Don Bakunin's Lehre ergriffen, wurde er bald einer der eifrigsten Verbreiter derselben, wa- ihn schließlich 1874 in's Gefängniß brachte. Zwei Jahre brachte er auf der Festung zu urd schrieb während dieser Zeit Studien über die Eisperiode, welche Arbeit ihm die Ernennung zum Mitgliede ber geogra» phischen Gesellschaft in Gens einbrachte Seine Freunde erzählen einen Roman über feine Flucht aus der F'stung und versichern daß er an der Ermordung des Gouverneurs v. Charkow, seines Vetter-, unbetheiligt gewesen sei, da er zu jener Z it schon in der Schweiz lebte. Unter den Nihilisten herrscht gegenwärtig die Besorgniß, e- könnte ihrem Führer Krapotkin in England ein ähnliche- Schicksal wie Most bevorstehen. Blätter wie „Revolte", „Avantgarde" rc. behandeln diese Frage sehr eingehend.
Amerika.
Washington, 22. Decbr. In der heute fortgesetzten Verhandlung gegen btn Präfidenten-Mörder Guiteau benahm sich Letzterer abermals sehr ungeduldig, während die Sachoerständigen sich über fernen Geisteszustand äußerten. Er sagt-, Sachverftänd ge hätten mehr Menschen an den Galgen gebracht, als Doctoren Pattenten getödtet. Alsdann schrie er erregt, daß die Aerzte den Präsidenten Garfield gelobtet unb nur vollendet hätten, was sein (Guiteav'S) Schatz begonnen, weil es Gotte- Absicht gewesen, daß ber Prä- fident sterben sollte. Der Angeklagte geberdete sich wie ein Wüthender, als Mr. Schaw, der früher bekundet hatte, daß Guiteau mehr als einmal die Absicht au-gedrück.', ein Nachahmer von Wilke- Booth m werden, nochmals ver» hört Kurte. Er nannte ihn „ben außerordentlichsten Lügner des Jahrhunderts". Der Vertheid'ger Gu'teau's suchte den Nachweis zu führen, daß Schaw sich einst ei reg Meineides schuldig gemacht, aber ber Zeuge erklärte, daß er eine- solchen Vergebens zwar angeklagt, indeß von der Jury sreigeiprochen worden. Wie verlautet, haben sich einige ÄRecuranvSpekulanten bemüht, eine Police auf Guiteau'- Leben in Höhe von 100 000 Dollars zu erlangen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Corresporrdeuz - Vureau.
Berlin, 28. December. Die „Prov -Eorresp." bringt heute einen Artikel „Zum Jahreswechsel", worin sie den Werdepunkt in den Grundsätzen der Socialpolittk heroorhebt unb betont, wie alle segensreichen Reformen in


