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Nr. 2SS Srftes Blatt. Sonntag den 30. Oktober 18S1.

Gießener Wütiger

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Rimmer mit flabim: Herbert Markts!^ s Zimmer, nohc t-r

Exped. ds. 'Sl Familienlogis zu oc sttti, Neustadl.

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s Anreigk- unb Amtsblatt für brn Lrris Gießen.

' . . .. = k. k . . c Preis vierteljährlich 2 War! 20 Pf. mit Bringerloht-.

Bureau: Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme bet Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pj.

Amtlicher H heil'. Bekanntmachung.

Da« Polizei - Reqlement vom 3. Mär, 1873 über den Transport von Schl-chtkälbern ist nunmehr in allen Kreisen deS GroßherzoqthumS erfassen.

ES werden die Besitzer der sür die Fleischbeschauer zusammengestellten amtlichen Handausgabe der Fleischbeschau-Bestimmungen, worin auf Sette 29 daS erwäbnte Reglement enthalten ist, hierauf aufmerksam gemacht.

Gießen, den 28. Oktober 1881. GroßherzoglicheS Krrisamt Gießen.

vr. Boekmantl_ ______________________

Betreffend: KretS - Lehrer - Lonferenz. <Bie^en, am 28. Oktober 1881.

Die Grotzherzogliche Kreis-Schul-Commisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Di« diesjährige KreiS-Lehrer-Conferenz soll ,

Donnerstag den 3. November, Vormittags 9 Uhr, in dem Saale des Gasthofszum Einhorn zu Gießen abgchalten werden. Sie wollen die Lehrer Ihrer Gemeinden hiervon mit dem Anfügen in Kenntniß setzen, daß wir dringend wünschen müssen, daß ohne triftigen Grund kein Lehrer fehle. Ihre geistlichen Mitglieder werden zur Beiwohnung freundlichst eingeladen. Zur Verhandlung kommen folgende Gegenstände: 1) Das gute Sprechen in der Schule. Referent: Lehrer Schweitzer zu Odenhausen.

2) Di« Arbeit de- Lehrers zu seiner Fortbildung und Selbsterziehung. Referent: Lehrer Oppel zu Grünbrrg.

__________Dr. Boekmanri.________________________________________

Bekanntma chu n g.

Gefunden: 1 wollenes Tuch, 8 ordin. Vorstecknadeln, mehrere Schlüssel.

Zugelaufen: 1 kleine graue Dogge.

Gießen, den 29. Oktober 1881. Großherzoglicht Polizetvrrwaltung Gießen.

Fresenius. ___

Deutschland.

m Darmftadt, 28. Oktober. Ein weitet er neuer Ausgabeposten in dem Staats­budgetfür ote Landwttthschatt und die Förderung tt. Bode» miliorution" beziffert sich auf jäbxtrd) 1500 .X al8 Beitrag zu ben Kosten der Einführung von Zucht­stuten. Der Landespferdczuchtvereln hat nämlich seit einigen Jahren begonnen, von Auhen, insbesondere von Norddeutschland, Stutensohlen emzuführen und biefclbm unter großer Behelligung der inländischen Pserdezüchter an diese zu verkaufen. Tie Kosten deS Ankaufs und des Transports der Fohlen hat er, um den Verkaufspreis der selben nicht allzusehr zu steigern, selbst bestritten. Ta d:e Mittel des Vereins Inerzu auf die Dauer nicht autzreichen, so sollen aus der eingesetzten Summe diese Kosten dem Verein soweit erforderlich und möglich ersetzt werden. Zur Förderung des Obstbaues sind jähtlich 3000 in Ausgabe gestellt. Die Erläuterungen bemerken hkerzu: Die enormen Verheerungen, die die Witterung in den letzten Jadrcn unter den Obstbäumen veranlaßt bat im Herbste 18b0 wurden co. 1,600,000 Obstbaume gezählt, die durch den Frost des vorhergehenden Winters rerstört waren und seitdem sind noch viele Bäume zu (Gründe gegangen machen eine Beibülfe dis Staats zu möglichst rascher Ergänzung dcr entstanden.n Lücken und zur Ausdehnung des Obstbaues dringend an- gezeigt. Die Regierung glaubt b:c deßbalv von ihr angcforderten Mittel zunächst ver­wenden zu sollen zu Beiträgen an Kreise und Gemeinden bedufs Errichtung von Baum'chulet., aus denen d.e Grundbesitzer die den klimatischen und Bodenverhältnissen am me.sten entsprechenden Bäume würden d'Z'.eben können; solenn hat sie eine Förderung der Lehranstalten für Obstbau und die Untersiützunc: von ObstbaumwäUer- Zöglingcn in Aussicht genommen urd würde durch Verbreitung populärer Schriften über Obstbau, durch Bezeichnung der zur Anpflanzung in den verschiedenen Gegenden vorzugsweise geeigneten Sorten -von Obstbäumen und durch Vertheilung von Edel­reisern bewährter Sorten den Obstbau zu fördern suchen. Für einen Lehrcursus für Eonsolibatronsgeometer und Eult urtechniker sind jährlich 1800 JL in Ausgabe vorgesehen. D-e Erläuterungen zu diesem Posten führen aus, die Gcomettr 1. Klasse baden zwar weitgehende mathematische und geodätische Kenntnisse und seien als tüchtige Katastergeometer bekannt, dagegen liegen ihnen die kulturtechnischen Fächer ferne und sie gehin auf diesem Gebiet me st nur empirisch, ohne sichere gleichmäßige Behandlung vor. Es erscheine daher die Errichtung eines Lehrcursus mit ber erwähnten Aufgabe dringend wünschenswertb- Dieselbe werde durch die technische Hochschule er­leichtert, indem eine Reihe von Vorlesungen und Uebungen, die zu diesem Eurius notb- wendig sind, dort bereits abgcbaltcn werden und e auch im Uebrigen Lehrkraste und Lehrmittel biete. Der Lehrerrath der technischen Hochschule ha' sich denn auch bereit erklärt, auf die Errichtung dieses Lehrcursus innerhalb des durch die organischen 2}c- ftimmungen der Hochschule gegebenen Rahmens einzugeben und nur d'.e Zahlung des allgemein üblichen Schulgeldes und die Abhalttmg der Prüfungen vor einer besonderen Commission beantragt. Edcnso wichtig als die Ausbildung der Ecometer >n der Culturtechr.ik erscheint der Regierung d e Bildung eines tückttg-n Umerpersonals, da nur theoretisch und praktisch gebildete Aufseher eine sichere Garantie für Ausführung von Meliorationsarbeiten bieten. Es wird daher beabsichtigt, ähnlich roic d es n Baden schon leit Jahren mit großem Erfolg ausgeführt ist, eine Schule für Wiesenbau- und Meliorationsausseher zu errichten, in der jedesmal innerhalb 5 Dinter- monaten der erforderliche theoretische und vrakttsche Unterricht ertbeilt würde Es sind hierfür jährlich in Ausgabe vorgesehen, darunter 1500 JL Unterstützung an

unvermögende Schüler. Für Vorarbeiten zur Melioration des Weschniy- gebietes sind jährlich 1300 JL vorgesehen. Bekanntlich treten leit einer Re be von Jahren Bestrebungen sowohl von Gr. Hessischer, als auch von Gr. Badischer Seite hervor, um ben Nachtbeilen abzuhelsin, die eine Reihe von Gemeinden in beiden Staaten durch Versumpfung beträchtlicher Flächen längs des oberen Laufes der Wesch­nitz zu erleiden baden. Diese Bestrebungen konnten, wie die Erläuterungen zum Staats­budget darlegen, bisher bauvtsachlich deßhald keinen Erfolg babcn, we-l em bestimmter, auf ausreichenden technischen Unterlagen basirter Plan nebst Kostenrechnung nickt vor­lag; die vorhandenen Karten entbehren des Zusammenbanges und sind zur BeuNheilung aller Verhältnisse nicht vollständig genug. Es find daher genaue Situations- und Terrainkarten unumgäng'ich nöthig und Detailvoranschläge erforderlich, um das Meliorationskapital und bte Rentabilität der Anlage für die Interessenten genau nach­weisen zu können.

Berlin, 27. Oktober. AuS München, 26. Oktober, wird geschrie­

ben: Tie klerikale Partei in der Kammer der Abgeordneten fährt fort derselben durch Anträge Material zu redereichen Verhandlungen zu liefern; Aitträre. welche sich gegen die derzeitigen Institutionen des Reiches richten und

-, keine bezüglichen Aenderungen doch jedenfalls dem Ministerium Verlegenheiten zu bereiten geeignet, dezw. hierauf berechner erscheinen.

I. Antrag des ultramontanen Abgeordneten Lerzer die Kammer wolle beschließen, an Se Majestät sei die Bitte zu richten Allerböchstdiefelben wollen die bayerischen Bevollmächtigten im Bundesrath anweise,i, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß

1) die von Jahr zu Jahr steigende und unerträglich gewordene Mili- tärlast abgemindert und insbesondere

2) bte dreijährige Präsenzzeit in eine zweijährige umgewan­delt werde.

II. Antrag des Abgeordneten Lerzer: Die Kammer wolle an Se. Maj. den König die Bitte richten: Allergnädigst anordnen zu wollen, daß im In- terrffe der Landwirthschaft die alljährlichen Hauptübungen der bayerischen Truppen bis nach Beendigung der Ernte verlegt werden.

III. Antrag des Abgeordneten Ludtbardt: Die Kammer wolle beschließen, an Se. Maj. den König die Alleruntertbänigste Bitte zu richten: Allerhöchst, dteselben wollen die Bevollmächtigten Bayerns zum BundeSratbe beauftragen, be.m DundeSrathe dahin zu wirken, daß durchs Reichsgeseß das Conkubinat mit Strafe bedroht werde.

Oesterreich.

Wien, 27. Oktober. Der König unb die Königin von Italien sinb heute Abenb 712 Uhr mittelst Ertrazuges hier eingetroffcn. Dcr Sübbahnhof, auf welchem die An­kunft erfolgte, war mit Blumen, Wappenbilbern unb Flaggen auf bas Festlichste geschmückt unb elektrisch beleuchtet. Um 6 Uhr batte bit dop dem 34. Regiment gegebene Ebrenkompagnic mit der Fabn unb Musik Aufstellung aus dem Bahnhofe genommen. Zu gleicher Zeit trafen ber ^andcskommandirenbe Philivpovic, ber Divisionär Jovanovic, der Briaabier Metz, ber Stadthalter v. Poffinger, der Bürgermelster Newalb und ber Pol'zeipräsibent ein. Außerdem war das Personal der ttalienischen Botschaft, sowie die Gräfin Rodilant zum Empsangc anwesend. Später erschienen der Kronprinz Rudolf, die Erzbeizöge Karl Ludwig, Wilhelm, Albrecht Johann Salvator und Euaen und begaben sich zunächst in ben Hoswartefalon unb sodann auf den Perron, um den Kaiser zu erwarten, welcher in Marschallsunnorm, geschmückt mit dem Bande des Annunnatenorder.s, grgen 71 ? Uhr eintraf, vom Publikum mit sympathischen Kund­gebungen begrüßt, wahrend die Musik die Nationalbvmne tntonirte. Bei ber Einfah.t des Erttazuqcs 'n die Halle präfenttrte die Ebrenkompagnie, die Musik spielte die stalienifche Volkshymne.' König Humbert verließ zuerst den Waggon und begrüßte den Kaner. Beide Monarchen umarmten und küßten sich wiederholt. Der Kaiser reichte der Königin beim Verlassen des Waggons die Hand und küßte dieselbe. Der König begrüßte den Kronprinzen ebenfalls auf das Herzlichste, ebenso die Erzherzöge. Rach kurzer Eonversatton stellte der König den Ministerpräfidenten Depretts, den Minister des Auswärtigen Mancini und feine beiden Generaladjutanten vor, und schritt zur Reckten des Kaisers die Front der Ebren Eompagnie ab, während die Gräfin Robilant die Königin Margherita begrüßte. Der Kön'g nahm sodann die Vorstellung des Lan- descommandirenden, des Statthalters und des Polizeipräsidenten entgegen. Der König trug italienische Gmeralsuviform und das Großkreuz des Stefansordens. Beim Ver­lassen des Bahnhofes führte der Kaiser die Kömgin am Arme, der Kronprinr schrstt zur Linken des Königs, hierauf folgten die Erzherröge, die Minister Depretis unb Man­cini, der Botschafter v. Wimpffen, der Graf und die Gräfin Robilant. Im ersten Wagen fuhr der Kaiser mit ber Königin und tm zweiten der König mit dem Kron- vrinzen, auf dem ganzen Wege bis zur Hofburg von der Bevölkerung mit enthufiasti- schen Zurufen begrüßt. Im großen Empfangsfaale ber Hofburg hatten sich sämmtltche Ministe'-, die obersten ^ofchargen, die Gardekapitäne unb bte ungarischen Minister Szapari unb Orczy versammelt. Um halb 8 Uhr erschien daselbst auch die Kcnseri«,