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Nr. 22.

Donnerstag den 27. Januar

18S1.

Weßener Wye wer

AMP- Hnb AMsM für iim Kreis Gießen.

RedaclionSbureanr \ rr# , n 1O W>ebition*btirf1ni: } Schulstraß- B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PretA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf mit vrinqerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich S Mark 60 Pf.

Amtlicher dheil.

Betreffend: Feldwege Anlage und Negulirung der Grundstücke re. in der Gemarkung Lollar.

Bekanntmachung.

Anläßlich der Grablegung des Lumda-Fluffes in der Gemarkung Lollar hat der Ortsvorstand daselbst beantragt, gleichzeitig auch eine Regulirung der zwischen den Straßen von Lollar nach Daubringen, sowie von Lollar nach der Holzmühle, und dem Verbindungswege beider Straßen am Orte und bet -er Holzmühle gelegenen Pareellen der Fluren I, XI und XII der (Anmerkung Lollar (melcbe Grundstücke sonst durch das neue Bachbett vielfach zerstückelt werden würden), iowte die Anlage besserer Feldwege (so daß künftig jede- Grundstück eineu Weg hat) und die A issührung aller sonst nach dem Gesetze vom 18. August 1871 (Regierungsblatt v. 1871, S. 309) und Der hierzu erlaffenen Instruction vom 7. November 1876 (Regierungs­blatt v. 1876, S. 531) mögl chen Verbefferungen vorzunehmen.

Die nähere Darlegung dieses Planes, sowie die Liste der Stimmberechtigten liegen vier Wochen lang, nämlich vom 4. Februar bi- 4. März l. I. auf der Grvßherzoa'schen Bürgermeisterei Lollar zur Einsicht der Betheiligten offen.

Die Abstimmung über die Ausführung diese- Unternehmen- findet Samstag den 5. März, Nachmittag- von 12 bi- 3 Uhr im Saale der ersten Schule zu Lollar statt.

Wir bemerkrn dazu, daß nur diejenigen Grundbesitzer, welche im Grundbuche eingetragen find, oder deren (Srfcen, Stimmrecht haben, daß jedoch bet zeitigem Anträge das Ab- und Zuschreiben noch während des Lauf- obiger Frist erwirkt und durch Großherzogliches Steuercomm'ffartat gewahrt werden kann. Diese» igen, welche im genannten Ter" ine wed-r in Seibstperson, noch durch gehörig legitimirte Bevollmächtigte abstimmen, werden als für die Ausführung des Projektes stimmend angesehen. E- wüffen daher nur Diejenigen im Termine erscheinen, welche gegen den Antrag ganz, oder theilweise, stimmen, oder sonst etwa- zur Sache Vorbringen wollen.

Echl'eßlich fordern wir noch alle jetzt, oder künftig, auSaärtS von Lollar Wohnenden auf, sich Bevollmächtigte in dieser Gemeinde zu bestellen, da alle in vor egender Angelegenheit weiter nöthig werdenden Handlungen nur in der genani ten Gemeinde auf ortsübliche Weise, aber nicht mehr jedem Be- theiligten besonder-, bekannt gemacht werden.

Gießen, am 24. Januar 1881. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Deutschland.

Berlin, 24. Januar. Der deutsche LandwirthschafiSrath hat be. schloffen: 1) an die Reichsregierung das Ersuchen zu richten: Ueber die Ent­wicklung und den Stand der land- und forstwirthschaftlichen Production in den K^etnigten Staaten Nordamerikas und in Earada, über den Umfang des Import- land- und forstwirthschaftlicher Erzeugnisse aus diesem Länderg biet nach Deutschland und über die der deutschen Landwtrthschast aus solcher Con- curre, z direct ober indlrect drohenden Gefahren baldthunllchst eine Er quete anstellen und das Ergebmß derselben dem deutschen Landwirthlchaftsrach zu- gehen zu lasten, 2) den Herrn Reichskanzler zu ersticken:von jeder Erhöhung der Matschraumsteuer im Branntweinbrennerei-Gewerbe als im hoben Grade gefahrbringend für den landwirthschaftltchen Betrieb in jedem Falle Abstand nehmen zu wollen."

Die bedrängte Lage der deutschen Mühlentadustrte unter den Getreide' zöllen ist kürzlich in einer von derKöln. Ztg." veröffentlichten Denkschrift eines hervorragenden westfälischen Mühlenbefitzers eingehend geschildert worden. Diese Schilderung findet jetzt volle Bestät'gung durch ein Schreiben, welches der Vorsitzende de- Verbandes deutscher Müller über denselben Gegenstand an dieKöl> . Ztg." gerichtet hat. ES heißt dann u. A.:Dieselbe Lage, wie in Westfalen, findet sich bei allen für die Ausfuhr arbeitenden Mühlen Deutsch. landS wieder; die Ausfuhr von Mehl ist ollen unseren Mühlen Hannovers, Brau'fchwetgs, Holsteins, Mecklenburg-, Pommerns, West- und Ostpreußen-, Posen-, Schlefiens, Brandenburg- und Sachsens abgeschnttten; überall finden sie Etablistements, die entweder ihren Betrieb vorläufig gänzlich eingestellt haben, wie in Leer, Stettin, Berlin u. s. w., oder rhre künstliche Erhaltung dadurch vorläufig fristen, daß fie nunmehr ihren ganzen Absatz im Jnlande suchen, auck wenn fie vorläufig ohne Nutzen, ja, zum Theil mit Schaden arbeiten. Wie bedeutend die Mehlausfuhr in Deutschland war, mag daraus «bellen, dvß fie im J:hre 1879 allem nach Böhmen, beziehungsweise Oester, reich, 454,441 Sack zu 100 Kilogramm betrug und daß fie fich nach Schwe­den, Norwegen, E> aland, Holland und Belgien auSdehote. Nicht allein aber ist diese Ausfuhr vereitelt; es leiden darunter nicht nur diejenigen Mühlen, die diese Ausfuhr bewerkstelligten, sondern es leiden auch, und zwar sehr be­deutend, die kleineren, nicht für die Ausfuhr arbeitenden Mühlen. Die großen Mühlen, mit großen Eopitalien versehen md verpflichtet, ihre kostbaren An­stalten zu erhalten und nicht durch Stillstand entwertben zu laffen, werfen fich nun aus dasjenige Gebiet, welches bis jetzt hauptsächlich den kleinen Mühlen gehörte, verkaufen an jeden Bäcker und Mehlbändler, senden ihre Reisenden tn da- ganze Land herum, verkaufen zu jedem, selbst dem unmöglichsten Preiie, und vernichten so den kleinen Mühlen das Geschäft vollständig, ohne selber einen wirklichen Nutzen zu erzielen. Welche ungesunden Zustände solche D r- hültntfie herbeisühren, braucht wohl nicht auseinondergesetzt zu werden. Die Verhältnisse find auch im vorigen Jahre im Reichstage erörtert worden und in Folge deffen wurde durch diesen der Antrag an den Bun^esrath beschloffen der dem Nebel abhelfen sollte, leider vergeben-. Möglich ist es, daß derselbe in d esem Jahre fich anders dazu verhalten^de, doch will man das auch nicht recht glauben, denn vor Erlaß des R gulrtivs hat es den betr. Decer- venten auch nicht an Aufklärung gefehlt. So viel ist gewiß: der bis jetzt verursachte Schaden ist ungeheuer und wird schwer gut zu machen sein, da die Kundschaft im Au-lande, einmal nach e mr anderen Richtung gel nkt, fick schwer wtederfindet und andernfalls die in Folge unserer neuen, für uns so

traurigen Verhältniffe im AuSlande errichteten neuen Mühlen letztere- concur- renzfähtg gemacht haben werden."

Aus Melbourne geht derDolkSztg." die Mtttheilung zu, daß der AusstrLungs-Eommiffar d<S deuischen Reichs, Herr Geh. Rath Prof. Reuleauz, von einem schwer n Unfall betsoffen wurde. Derselbe fuhr an einem der ersten Tage des Deceu.ber nach der Ausstellung. Der Kutscher ließ da- Pferd ein sehr rasches Tempo nehmen, lenkte aber so schlecht, daß er bei einer kurzen Biegung der Straße mit seinem Eab gegen ein anderes anprallte. Der Zu- sammcnsioß war ein so heftiger, daß beide F hrzeuge in Trümmer gingen und Prof. Rruleaux tn weitem Dog»n auf die Straße geschleudert wurde. Er zerbrach fich bei dieser Katastrophe zwei Rippen, fiel fich da- Schiüffelbein aus und verletzte sich etwas daS Rückgrat. Trotz dieser argen Verletzung scheint der Zustand des Verunglückten kein Besorgntß erregender zu sein, denn er vermochte wen ge Tage noch dem Vorfall seiner Familie einen kurzen Brief zu schreiben, der kürzlich tn Berlin emtraf. Selbstverständlich befinden fich die Gattin und die Kmder der Geheimraths in n>cht geringer Auftegung, trotzdem fie annehmen dürfen, daß im Laufe Der 6 Wochen, welche der Brief zu seiner Reise bedurfte, der Patient wieder völlig hergestellt fei. Man erfährt wei­terhin, daß ras AuSstellm gs.Com' in Melbourne die Abficht hatte, wegen der großen H'tze, welche dort im Jai uar und Februar herrscht, die Ausstellung 4 Wochen zu schließen, und diese Ferienzeit später, in der kühleren Zett, zuzu­setzen. Geh. Rath Reuleaux aber wurde vom Reichskanzleramt angewiesen, sich dieser Absicht zu widersetzen, da die Ausstellungszeit schon weit genug aus­gedehnt sei. Höchst wahrscheinlich kehrt drr Eommiffar des deutschen Reiches Eude Juli hi-'her zurück-

Frankfurt, 24. Januar. (Deutsche Handelsgesellschaft in Frankfurt). Nack emtt am Samstag fpär Abends den F ankfurter Blättern zugegangeuen Erklärung des AufsicktSraihs bat die Bank an ihrer New-Iorker Eommandite einen Verlust von circa 8 000,000 JL erlitten, so daß neben den Reserven (1.410,591 JC) und dem vo jähriger. Reingewinne (pro 1879 betrug derselbe 1,607,701 Jt) 5,000,000 JL, deS Actiencap.talS von 15 000,000 JC. als im schlimmsten Falle verloren zu betrachten seien. Die weitgehendsten Befürch. hingen der Aci onäre in Beireff der. bereits im December v. Js. öffentlich gerüchtweise bekannt geaordenen N w Iarker Geschäftsoerhältniffe sind hiermit erheblich übertroffen worden- Die Act en. welche Mitte voriger Woche aus 94 pEk. standen waren bereits auf 81 vEt. zurückgeqangen, ehe obige Erklä­rung der Verwaltung erschienen war. Noch am Samstag, wo der von New- Dork emgeforderte Status bereits im Besitz der Verwaltung war (sie erhielt denselben laut eigener Erklärung am Freitag Abend) fiel der Cour- um 9 pEr., so daß man an der Börse fich den Kops über diesen neuen Rückgang zerbrach. Die bisherige Vertuschung dieser Katastrophe den Börsenbericht­erstattern der Frankfurter Blätter wurde Seitens Der Börsenvertretung der Bank roch im December eine Dividende von 5 pEt. als trotz der Verluste wahrscheinlich bezeichnet gereicht der Verwaltung um so mehr zum Vor­wurf, al- fie den großen Umfang des New-Am ker Engagements doch schon ftüher kennen mußte und sich hätte verpflichtet fühlen soll-n, diese Ziffer wenig- stenS bereits im Dece? b r bekannt zu geben, um mindestens daS nicht einge- w-ihte Publikum von dem Ankauf der Actten zurückzuhalten Die ganze faule Affaire ist überhaupt als eine Folge des Verwaltungssystems der Deutschen Ha delsges'llsckaft zu be rächten, auf deffen Gefährlichkeit sie bereits im Jahre 1878 Seitens eines Act'onär'Dertreters in der Generalversammlung »nd seit- dem w ederholt tn öffentlichen Blättern hingewiesen wurde. Denn die Bank