Warum können die Liberalen den Herrn Toes) v. Rabenau nicht wieder wählen?
1 Weil Herr v. Rabenau der sogen. „Reichspartei" (Frei-ConservativeiO angehört und diese Partei seit 3 Jahren immer konservativer wurde, ja in den wichtigsten Fragen sich vollständig an die äußerste Rechte, die Deutschconservativen, anschloß und damit die volitische Reaktion begünstigte.
2. Weil Herr v. Rabenau in den entscheidendsten politischen Fraaen für die reaktionären Anträge und gegen die Liberalen stimmte (z. B. Verfassungsänderung, Unfallversicherung, Dienstwohnungssteuer , Verdoppelung der Brausteuer, Beschränkung der Wechselfähigkeit u. s. w.)
3. Weil gegenüber drohenden staatssozialistischen und reaktionären Projekten der Reichstag solcher Männer bedarf, welche in entschiedenerer und consequenterer Weise die Rechte des Volkes vertreten, als Herr v. Rabenau es thun würde.
4. Weil die Liberalen in der Person des Herrn Dr. Gutfleisch einen durchaus freisinnigen Mann kennen lernten, dem sie in schwierigen Zeiten die energische Vertretung der Volksrechte und Volksinteressen mit weit mehr Zuversicht anvertrauen können als dem Herrn v. Rabenau.
Erklärung.
Eine Annonce im gestrigen „Gießener Anzeiger" nöthlgt uns zu nachstehenden Fragen:
Ist etwa das liberal, für den Candidaten der Deutschconservativen zu Gießen, nämlich für den Freiherrn v. Nordeck zur Rabenau, für welchen die Deutschconservativen stimmen wollen, mit allen Mitteln zu agitiren? Ist das liberal, das v. Rabenau'sche Programm, das alle großen politischen Fragen verschweigt und dem sich die Deutschconservativen offen anschließen, als ein „wahrhaft liberales" zu bezeichnen? Ist das liberal und anständig, dem hiesigen liberalen Wahlcomiw, in welchem sich ehrenwert he Bürger aus allen Berufszweigen befinden, die Verfolgung unberechtigter Sanderinterefsen vorzuwerfen? Welches wären denn diese Sonderinteressen? Solche Kampfweise brandmarkt sich wohl selbst.
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Vermischte Anzeigen.
Berichtigung.
In dem Wahlaufruf für die Candidatur des Herrn Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch zu Gießen hat sich ein ^AlthauS" unterzeichnet, und werden wir in ollen Wirths- häusern als Unterzeichner angefallen. Da wir diesen Wahlaufruf nicht unterzeichnet haben, so fordern wir den eigentlichen Unterzeichner des gedachten Wahlaufrufs auf, seinen Namen mit Vornamen rc. näher bezeichnen zu wollen. (7051 Groß-Buseck, den 24. Oktober 1881.
Schreinermeister Kaspar Althaus.
„ Balthasar Althaus.
„ Heinrich AlthauS.
Neichstagswahl.
Atiltwoch8eu2ö0klbr.,ÄiienÜ88Ahr, VVälilerversaiimiliiiig im Soule des E fe E e i Ir
Vortrag des Herrn Pros. Dr„ Gareis über die bevorstehende Veichstagswahi.
Alle Wähler sind hierzu eingeladen. (7012
Der gesrdäftsführende Ausschuß
des liberalen Wahlcomite's.
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§Zur Veichstagswahl.
Der Wahltag naht. — Prüfe Jtder wenn er wählt! Denn aus allem Partei- ftreit klingt immer nur das Eine: „Für oder gegen die Wil tbschaftspolirik Bismarck" heraus. „Fürst Bismarck treibe Reaktion, die Freiheit fet in Gesabr" sprechen die Gegner. „Ist das wahr, dann verschulden es die Liberalen, die ihn bekämpfen" sagen die Freunde seiner Politik. Wenn in diesem Streit bie Reaktion erst recht gewinnt, wer trägt die Schuld? — Daß Fürst Bismarck die durch den Milliarden- gewinn allzuschädlich eingerissene Macht des Geldes abschwächen und dagegen mehr durch den Schuh der ehrsamen Arbeit und eignen Produktion, wie auch mit sonstigen Mitteln das wahre Wohl von Industrie, Landwirthschaft, Gewerbe und Arbeiterstand im wirklichen Interesse des gesammten Vaterlandes fördern will — das ist wohl klar, lieber die Mittel und Wege aber streitet man. Prüfe daher Jeder von seinem Stande, ohne Parteirücksicht, wem er seine Stimme gibt und wähle nur den Mann, der, wie Fürst Bismarck, ohne Parteiinteresse über den Parteien steht und nur das allgemeine Wohl im Auge hat.
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Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
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