deren Unwahrheit auf den ersten Blick etnleuchtete. Die Gesandtschaft verläßt jetzt Berlin und heißt es nun, daß das einzige praktische Resultat darin 6er standen habe, einige deutsche Beamte für den türkischen Staatsdienst zu g'.Winnen.
— Der zehnte deutsche Handelstag hat sich bekanntlich bei seinem jüngsten Tagen in Berlin für daS Project einer Weltausstellung in Berlin mit großer Majorität ausgesprochen. Der Wille war gut und wohl mancher jetzt trübselig dreinblickende Geschäftsmann hoffte auf guten Erfolg daraus und daraus, daß die Regierung deS deutschen Reichs dem befürworteten Wunsche Folge leisten werde; aber es scheint anders kommen zu sollen. Es verlautet nämlich, daß die Reichsregierung eine internationale Ausstellung in Berlin wenigstens für da« laufende Jahrzehnt nicht für opportun ansehe.
Lokales.
Gießen, 24. Dezember. (Sitzung der Stadtverordneten vom 22. b. 2D?t6.J Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Kelter und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst. Gail, Grüneberg, Hanstein, Hoch, Hom- berger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Vogt, Wenzel und Wort mann. — Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt Herr Bürgermeister ©ramm der Versammlung das Ableben des ältesten Ehrenbürgers der Stadt Gießen, des Hrn.Prälaten Dr. Simon mit, dessen Andenken man durch Er- heben von den Sitzen ehrt. — Zu Punkt 1 der Tagesordnung kommt ein mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz auf Grund der Art. 353 und 38 der Gewerbeordnung ausgearbcitetes Reglement über dcn Gewerbebetrieb der Gesindcverdinger zur Vorlage. Dasselbe enthält u. A. Bestimmungen über den Gebrauch der von den Gesindeverdingern etnzuführenden Geschäftsbücher, in welche sowohl b;e Namen der Dienstiuchenden als auch ber Dienstbotensuchenden einzutragen sind, feiner Vorschriften über die polizeiliche Con- trole der Bücher, Aufbewahrung derselben, Einreichung der Gebührentarife rc., sowie die gesetz ltchen Strafbestimmungen, welche in Anwendung zu kommen haben bet unrichtiger Führung der Bücher, Verletzung des Tarifs, Verleitung zum Wechsel des Dienstes u. s. w. Das Reglement, welches am 1. Januar 1882 in Kraft tritt, wurde genehmigt. — Von dem Bureau des Reichstages ist seiner Zeit ein Schreiben hierher gelangt, in welchem mitgetheilt wurde, daß die von Gießen auS eingereichte Petition in Sachen der Straßburger Tabaksmanufacrur in der abgefchlosienen Session des Reichstages nicht mehr zur Vorlage gekommen und nach der Geschäftsordnung des Reichstages als erledigt betrachtet worben sei so daß dieielbe bei einer neuen Session auch wieder von Neuem eingeretcht werden müsie, wenn sie zur Vorlage kommen soll. In Rücksicht darauf wurde diese Angelegenheit bis zur Eröffnung des neuen Reichstages vertagt und heute beschloffen, von einer erneuerten Eingabe abzusehcn, da dieselbe jedenfalls auch in der laufenden Session, welche höchstens bis Ende Februar bauern dürfte, nicht mehr zur Vorlage kommt, überhaupt bk Tabaksteuer- unb Monopolfrage für eine spätere Session in ber jeweiligen Legtslaturpertobe vorgesehen ist. — Auf besfallstgen Antrag ber Schuldirection wirb die Turnhalle der höheren Mädchenschule jetzt mit Gaseinrichtung versehen werden; der Posten wirb genehmigt. — Die vorgeschlagene Bezeichnung einer Anzahl Gaßlatcrnen als Richtungslaternen wirb genehmigt, vorbehältlich weiterer btcsbezüglicher Vorschläge. — Der Voranschlag pro 1882/83 wird vorgelegt unb werben die Herren Stadtverordneten, welche in
Betreff der in der Etaisper obe vorgesehenen größeren Bauarbeiten Vorschläge zu machen gewillt sind, ersucht, ihre Anträge zu stellen. — Aus dem Voranschlag ber Plock'schen Stittung pro 1882/83 ist ersichtlich, baß in Einnahme unb Ausgabe je JL 4463.97 voraeseben sind unb das Gesammtvermögen derselben incL Grundstücke ca. i00,000 beträgt. Der Voranichlag wird genehmigt. — Eine Eingabe mehrere. H.ußbcsiher neben dem alten Rarbhause welche -um Schutze ihrer Häuser vor von dem Rathhause herabfallenden Schnee's, Zleqeln u s w sog. Schneefange angebracht wissen wollen, war die Veranlassung zu eingehender Besichtigung gen. Uebelstandes. Der deSbalb vom Stabkbauamte vorgelegte Bericht constat,rt jedoch baß auch ein Theil des Rathhauses durch Scknee u. s. w. von den Hausern der Petenten der Beschädigung ausgesetzt ist und die Genannten dieselben Vorkehrungen auch an ihren Häusern zu treffen hätten. Da vteselbm sich jedoch weigern, die« zu thun, wird dem Anträge der Bau- deputatwn beigetreten, welche empfiehlt, so lange mit der Anbringung von Schneefangen auf dem Rathhause zu warten, bis die Nachbarn solche auf ihren Häuiern angebracht haben. - In Betreff der Pflasterung der Wetzstetnsgesse b.s an die Neustadt wird auf bes- falls gestellten An'rag beschlossen, mit der Ausführung b-r Pflasterung noch 1 Jahr zu warten. — Die Baugesucke von Fr. Senner «Errichtung eines Neubaues in der Gart-^straße), Gcschtrrhandler PH. Wagner (Errichtung eines Ladens auf dem von ihm gepachteten Terrain vor seinem Hause), Weißbinder PH. Schäfer ^Neubau eines WobnhauseS 'm Wode'schen Garten), Carl Schnei d er (Errichtung eines Stalles), Weißbinder L. Hetlmold (Errichtung einer Einfriedigung und eines GartenhäuschenS), Aiststenten Fr. Greiner (Errichtung cmer Einfriedigung), G. Brömer (desgl.) werden genehmigt. — Eine Credittordecunz von
1400 zur Herstellung von Wegen unb Anlagen auf dem Friebhofe wirb zur Einstellung in das nächste Bubget genehmigt, eine Anzahl Kostendecreturen erlebigt. — Geheime Sitzung.
Vermischte ».
Marburg, 21. December. Das neueste „M -W " meldet: Vom 1 April 1882 w >d das lauenburgische Jägerbataillon Nr. 9 von Hagenau nach Ratzeburg zurückverlegt werden. Gleichze'tig wird zu demselben Termin das hessische Jägerbata'lloN Nr. 11 unter gleichzeitigem Uebertritt in den Verband des 15. Armeekorps von Marburg nach Hagenau und das zweite Bataillon des hessischen Füsillerregiments Nr. 80 von Fulda nach Marburg verlegt worden.
Biedenkopf, 17. December. In der gestrigen Kreistagssitzung stand neben anderen Gegenständen laufender Art auch die Eisenbahn Lollar Glad nbach auf der Tagesordnung. Bekanntlich steht der staatsseit ge Ausbau dieser Bahn tn Aussicht, falls seitens der Interessenten das dazu erforderliche Gelände unentgeldlich gestellt und etn Baarzuschuß von 50,000 X geleistet robb. Es sind die drei Kreise Biedenkopf, Marburg und Wetzlar hierbei interessirt und wird cs sich fragen, wiche Stellung die beiden letzteren hierzu nehmen werden. Dem Vernehmen nach lehnen dieselben es ab, euren Beitrag zu dem Baarzuschusse zu leisten; der Kreistag in Marburg bat in der gestern stattgefundcnen Sitzung jegliche Leistung zu dem fraglichen Prostet abgelehnt und scheint somit sehr wenig Aussicht auf R"alisirung desselben vorhanden zu sein, obgleich der hiesige Kreistag sein Möglichstes zu thun früher bereits beschlossen, d. h. zu fraglichem Zwecke Mittel b's zu einem gewissen Betrage auf dcn Kreis übernommen batte, die aber bei den bekannten Verhältnissen unseres Kreises doch nicht so bedeutend sein können, daß damit, selbst wenn man die eventuellen Zuschüsse von Prrvat- Jnteressenten mit in Rechnung zieht, die auf die Kreise Marburg und Wetzlar er- fallenden Leistungen — letzterer wird eventuell das Gelände stellen — mit gedeckt werden könnten ' (H. y.)
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