Nr. 27S. Freitag den 25. November «««».
Weßener Anzeiger
An^ige- unb AmtsbM für hrn Kreis Gießen.
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Amtlicher Hheil.
Betreffend: Die einheitliche Regelung der deutschen Rkchtschreibunq in den Schulen. Gießen, am 23. November 1881.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commisfion Gießen
an die Schulvorstande des Kreises.
Nachdem durch Verfügung Großherzogltchen Ministeriums des Innern und der Justiz, Abthetlung für Schulangelegenheiten, vom 22. August l. I., Amtsblatt Nr. 4 vom 3. September, die Einführung des bei Arnold Berg st räß er in Darmstadt erschienenen Büchlein-: „Regeln und Wörterverzeichniß für die dlutscke Rechtschreibung- für den Gebrauch in der Schule bestimmt ist, so wollen Sie dafür Sorge tragen, soweit dies nicht bereits geschehen, daß dasselbe zum Preise von 15 H für die Schüler, am geeignetsten durch Gemeinbevorlage, angeschafft und in Gebrauch genommen toirb.
__Dr. Boekmann._________________________________________________________________
Bekanntmachung. • .
Auf dem vorgestern dahier abgehaltenen Viehmarkt ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen Eigcnthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige der Ansprüche an dieses Kalb machen zu können glaubt, wird aufgefordert, seine Ansprüche binnen 4 Wochen bei der unterzeichneten Behörde vorzubrtngen, widrigenfalls das Kalb a!S gefundener Gegenstand behandelt werden wird.
Gießen, den 24. November 1881. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius. (7715
Deutschland.
Darmstadt, 23. November. Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog nah- men heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberstlteutenant und Flügrladjutant v. Herff, den Obnstlieutenant v. DreSky, den Major Graf Lüttichau, vrn Rittmeister ä la suite Hryl, den Forstmeister Haberkorn aus Gteßen, den Decan Grüoe aus Manflirgen, den Ob-rbürgermeisttr Ohly; zum Vortrag bin StaalSministcr v. Starck, den Geh. Staalsrath Fu ger und den Mlnisterialprändenten Schletrrmachkr.
AuS Hessen-Darmstadt, 22. November, schre.bt man dec „Frkftr. Ztg." : Wir erfahren, daß bei dem d.wnäckst zusammentielenden Landtage der Antrag gestellt werden wird, d'e Landes-Universität Gießen auszuheben, und dagegen alljährlich an 200 Staatsangehörige, welche deutsche Universitäten besuchen, eine staatliche Subvention von 500 JL zu bewilligen. M l Annahme dieses Antrages näre nicht nur dem Bedürfnisse des Staates vollständig gei ügt, sondern demselben auch alljährlich eine Summe von mindester s 200,000 JL erspart, da die obenerwähnte Staatssubvention höchstens 100 000 JL benagen köm te, wogegen der Staat bisher für bte Unioeisirät Gießen alljährlich über 200,000 JL verausgaben mußte. Tie Annahme des Antrages würde die Provinzialhauptstadt Gießen allerdings rmpfirdlich schädi- gen; dieselbe kann aber richt verlangen, daß der Staat ihr zu Liebe alljähr- uch 200.000 v4L u> nöthiger Weise lerautgabt. — Ta der hessische Staat die oberhessischen Bahren zu 40,000,000 cft erwerben mußte, diese aber nicht die geringste Rente erg.ben, so muß die volle Verzinsung dieser im Interesse der Provinz Oberhissen gemachten Ausgabe von den Steuerzahlern deö Lm deS ausgebracht werden, wodurch die Stadt Darmstadt alljährlich mt rinem De» trage von über 100,000 v4L in Mnleiden'chast gezogen wird. — (Anscheinend ist vorstehende Correspondenz die Antwort auf eine vorhrrgegangene Nachricht, daß es beabsichtigt sei, die lechnische Hockschule in Darmstadt aufzuheben und m,t unserer Hochschule zu vereinigen. (Siehe Nr. 269 b. Bitte.) Ob etwa- Wahres an frag!. Correspondenz ist, müssen wir wohl abwarten. D- R.)
Berlin, 22. November. Fürst Bismarck verbleibt zunächst und, wie man anntmmt, wohl den Winter hindurch in Berlin; ob er sich viel oder überhaupt an den Reichstags-Verhandlungen bethrüigen wird, ist eine andere Frage. Es wird vielfach bezaeiselt. B^meikenswerth ist eui Schreiben, welche- der Reichskanzler als Erwiderung auf eine Ad-esse eines Vereins des Wedding-Stadttheils an den Absender geschickt hat. Dasselbe lautet: Berlin, den 15. November. Die von Euer Hochwohlgeboren in Gemeinschaft mit Bewohnern des Wedding-Stadttheils unter dem 27. September b. Js. an mich gerichtete Adresse habe ich empfangen und freue mich des in derselben ausgesprochenen Einverständnisses mit meinen Bestrebungen. Ich werde an den Grundsätzen, nach welchen ich die Reform unserer steuerlichen und socialpolitischen Gesetzgebung in Angriff genommen Hobe, festhalten, so lange ich Minister bin, und mich durch Vermmderunz der Aussicht aus baldigen Erfolg von dem Bekenntmß meiner Ueberzeugunz nicht abhalten lassen. Ich sage Ihnen und allen Herren, die sich an der Abrisse vom 27. September b. Js. betheligt haben, verbinblichsten Dank und habe mich über die geschmackvolle Ausstattung Ihrer Kundgebung gefreut, v. Bismarck. Sr. Hochwohlgeboren Herrn R. v. Hartwig, hier.
— Das Präsidium des Reichstage- wird, sobald es der Gesundheitszustand des Kaisers erlaubt, von demselben in Audienz empfangen werden. Der Präsident Herr Levetzow wird die am Pariser Platz im Blücher-Palais belc- gene Präsidial'Wohnung gleich seinen Vorgängern, den Herren v. Goßler und Graf Arnim, nicht beziehen, fordern in den von chm (als LandeSd rector der Provinz Brandenburg) bewohnten Räumen „Unter den Linden 21" verbleiben.
— Die durch Bundesratbs-Beschluß vom 7. Juli d. Js. angeordnetrn neuen Wechselstempel-Malken werden vom 1. k. Mts. ab eingesührt und die
Form eines liegenden Rechtecks und eine Stelle zur Eintragung deS Entwer- thungs-Dermerks haben.
— Der Kaiser ist, wie gestern bereits gemeldet, nur zur Schonung ge- nöthigt; daS letzte Unwohlsein war durchaus vorübergehender Natur. Daß die öfteren Rückfälle von Erkrankungen deS hochbetagten Monarchen die Umgebung desselben besorglich machen, ist begreiflich Glücklicher Weise können wir melden, daß der Kaiser in seinen Arbeiten keine Unterbrechung hat etn- treten lassen und heute auch wieder alle Vorträgi ^ntgegengenommen hat. — Im Reichstage beschäftigen sich die Fraktionen mit den Vorbereitungen zur Düdgeldkbatte. Die Meinungen waren darüber in den Fraktionen der Linken anfänglich getbeilt. Gerade in der Fortschrittspartei war man anfänglich gegen eine größere Ausdehnung der allgemeinen Debatte, doch war die Mehrheit für eine solche, und es wird nunmehr der Abg. Richter (Hagen) eine Beleuchtung des RetchshauShalt-.Etats übernehmen und vabei weniger die etats- mäßige als die politische Seite der Aufstellung in das Auge fassen. Angriffe von gegnerischer Seite würben dann von dem Abg. Dr. Hänel ausgenommen werden. In ähnlicher Weise gedenkt auch die liberale Vereinigung (Secessio- mfler.) in die Debatte etnzugreifen. Man wünscht bei dieser Gelegenheit in Erörterungen über die kaiserliche Botschaft, mit welcher der Reichstag eröffnet ist, eimmreten und erwartet, daß der Präsident um so weniger diesem Vorgehen Schranken anlegen wird, als eine eigentliche Adreßdebatte, wie sie die Minderheit wünscht, von der Mehrheit nicht beliebt wird. Unter solchen Umständen ist es wahrscheinlich, daß die allgemeine Debatte über den RetchShaus- Halts-Etat zwei bis drei Sitzungen bean'pruchen wird.
— Vor der demnächst zu vollziehenden Wahl der Fach-Commissionen im Reichstage hat man sich bereits über die Zahl der Mitglieder, welche auf jede der fünf großen Fraktionen entfallen, verständigt. Darnach stellen für die Commissionen von 14 Mitgliedern: das Centrum 4 bezw. 5, die Conserva- tioen 3, d e Fortschrittspartei 3 bezw. 2, die liberale Partei und die nationalliberale Partei je 2 Mitglieder. Bet den Commissionen von 21 Mitgliedern kommen auf das Centrum 6 bezw. 7, aus die Conservativen 5 bezw. 4, auf den Fori schritt 4, auf die beiden anderen Fraktionen der Linken je 3. Endlich kommen für die Commissionen von 28 Mitgliedern, also für die Budget- und Petitions-Commlsfion, auf das Centrum 9, aus die Conservativen 6, auf den Fortschritt 5, auf die liberale Vereinigung und die nationalliberale Partei je 4 Mitalieder.
Karlsruhe, 22. November. Die neuesten Berichte über das Befinden des GroßberzogS lauten sehr günstig, und die große Schwäche beginnt nach und nach zu weichen und der Appetit zuzunehmen. Es ist beabsichtigt, den Kranken in einen andern Thetl des Schlosses zu bringen, und erst dann wird eS ter Kronprinzessin von Schweden und Norwegen gestattet sein, an das Krankenbett ihres Vaters zu treten. Bisher ist sie noch nicht im Schlosse gewesen und hat auch die Großherzogin nur im Schloßgarten gesehen. Die Kaiserin hat vor ihrer Abreise nach Koblenz sich noch vom Großherzog verabschiedet, die Großherzogin hat ihre Mutter biS Oos begleitet.
Amerika.
Washington, 21. Novbr. Der Proceß Guiteau nimmt einen nicht gerade würdigen Verlauf. DaS Publikum drängt sich zu den Sitzungssälen, als wäre der Mensch ein Revolutionsheld oder doch mindestens die wunderlichste Mißgestalt aus Barnrns Museum. Er ist weder das Eine noch das Andere, sondern ein feiger Prahlhans, dessen Muth sofort verflogen ist, sobald ihm der Schutz der Polizei zu fehlen scheint. In der Verhandlung vom 19. ds. trug er, nachdem er tüchtig gefrühstückt hatte, eine widerliche Frechheit zur Schau, offenbar, um den geheuchelten Irrsinn glaublich erscheinen zu lassen. Er lenkte sodann, als ahne er Unheil, dir Aufmerksamkeit des Vorsitzenden auf die zweifelhaften Persönlichkeiten in der Umgebung des Gerichtshofes und aus die chm während der vergangenen Woche gemachten Androhun-


