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Zweites Blatt.
Sonntag den 24. Zull
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Alljkize- uaii Amtsblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.
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Von nachstehender Nr. i 1547 an den Rechner Anweisung versehen.
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Preis vierteljährlich L Mart 20 Pf. mit vrmgerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.
polittichen Ueberfichten schrumpfen jetzt immer mehr und rnchr zu- ammen. eS sind immer weniger Toatsachen zu oermclbm und die Hitze wird l urner größer und giößer, so d,ß schon Niemand so reckte fcufi hat, sich noch ven Kopf über politische Probleme zu zerbrechen. Einzelne Feuergeistir in Veilin ließen sich nicht hallen, sie machien munter in Politik weiter, aber es war auch da-nach. Wir sind gern dabei, wo eS sich um ruhige und ehrliche Lieiprechungen von dem Bo kswohle dienenden Jnterrffen und Projecten handelt, lehnen es aber dankend ab, uns bei der Disputation über Angelegen- beiten zu beth.iligen, die unter dem Feuer der Julisoi.ne geboren stno, und auch nur u, ter ihr Ixtstiren können. Man schwitzt so schon genug.
Die Wahlen in Sachsen und Bayern sind jetzt in ihren Resul- taten klargest llt, und diese - nb keine erfteul.che. Weniger der Umstand, daß die Conser.'ativen einen Steg errungen haben, muß jeden VaterlandSs.eund betrüben, als vielmehr die Thaisache, daß die sächsischen Conservatioen und die bäuerischen Klerikalen Gegner der Idee von einer parken Reichsgewalt sind, und sehr Sonder-Jnteresien zuneigen.
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Lokales.
Gießen, 23. IM. [Strang der Stadtverordneten vom 21. ds MtS.j Anwesend: Herr Dürqlrmetfter ©Tamm, Herr Brigeortneter Heß; von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Baist, O ai l, Honstein, H 0 rnbe rg er, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Scheel, Sckopback, Bogt. Wenzel und Wortmann. — ®«t der nach (hcffr.ung der eijunp vorcenommenen Ausloosung von Schuldverschreibungen wurden foiaende Nummern ge»ogrn: a) von den 3'/,proc Anlehen: Lid. A. Nr 14b 89 162 Lit. B. Nr. 217, 152, 98, 130, 139, 207, 23, 106, 118, Lit. C. Nr. 92, 324 289' 142 287, 257,303, 99, 166, 377, 188, 355, 312. L't. D. 14, 110, 46,80 b) von dem 4prcc. Anleben. Lit. B Nr. 1, 25, Lit. C. 35, 79, 76, 19. — Tie $$ 12, 17,'23 24, 26 und 27 der Schlachttaueordnung werden genehmigt, der neu etngefügte $ 4, welche.
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SEie W ttwrnkafir-B« träzr drr VolkSjchullrhrer, hur dir Verlegung deS Rechnungsjahrs 'der Schullehrer. Witlwe^käste
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die <^roßber;oglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Verfügung Grobher.agUchen M.n.fter.um- beS Innern und der Justiz, Äbthe lunz für Schufangelegenheiten vom 14 d. MiS b« Großherzogltchrn Schullehrer > Wiitwenkaffe wollen ©lt Kenniniß nebm.n und die Gemeinde - Einnehmer mit ent!prechend-r
Die E^ces s e in Neu-Stettin beweisen leider, daß cS auch in Preußen n'cht an Elementen f h!t, welche zu euer Judenverfolgung den Heerbann stellen. Ucbrigens herrscht gerade m diesem Orte seit dem bekannten Lynagogenbrand eine außergewöhnliche Spannung zwischen Christen und Jude., und es bleibt der nun folgenden gerichtlichen Untersuchung Vorbehalten, nach- zuweisen, ob nicht et,, a auch Seitens der jüdischen Bevölkerung, besonders durch die kleine Presse, Fehler bedangen worden find, w.lche man in einer erregten Zeit nm deS confessiorullen Friedens halber hätte vermeiden sollen.
Die Franzosen haben in Algier einen Lieg davon getragen, sie hiben närnlick nach acht Tage langem Bombardement endl'ch die Hafrnstadt Lsa;, deren Bewohner sich empört hatten, erobert. Wie aber selten eine Freude ohne ßcio ist, so war's auch hier. Sfax ist nun allerdings in französischen Händen, aber ganz Tun.s befindet fich dafür außer den algerischen Provinzen in hellem Aufstande, die Insurgenten streifen bereits bis vor die Thore von Tunis und waS schließlich der ganzen Sache noch die Krone aufsetzt, ist, daß die tunesischen Truppen in hellen Haufen deseniren und zu den Ausrührern überlaufen. In Algier macht Bou-Amena den französischen Officieren noch viel zu schaffen, und so ist vorläufig noch gar kein Ende der Wirren abzusehen. — In Paris har der Polizeipräsekr Anbrieux feine Entlastung genommen. Er war dem Volke von Pari- zu streng, kein Freund Gamb-ua's und deshalb „wurde" er gegangen. Viel Äussehm hat die Ausweisung dcs sauberen Don Ca-.loS aus Frankreich gemacht, der sich nun, nachdem er noch einen feierlichen Protest erlassen, nach London begeben hat, wo man über feine Ankunft auch nicht besonders erfreut fein wird.
Die Nachrichten auS Rußland lauten bedenklich. Viele Vorfälle, beroorgerufen durch ein gesteigertes Svstem der politischen Spionage, durch
Dr. Boekmann.
Abschrift. re. an den Rechner Großherzoglicher Lchullehrer-Wittwenkaffe.
Nachdem durch da« Gejetz »vm 25. Februar l. I. b.fhmmt worden ist, daß dar Rechnungsjahr für den Gemeindchaukhalt vom 1. April 1881 an o,™*”i<tn ^'A(nnt unb ben Mär, d-r darauffolgenden Jrhrr's jchiteßt, h>t sich Großherzaglich.s Ministerium des Innern Und der Justt,
zu der Bestimmung veianlaßt gesehen, daß auch das Rechnungsjahr für die S-Hulledrer Wtliwcnkaffe auf diesen Zeitibschnilt verlegi werde.
,, b'^" Bestimmung ha, die Erhebung der Mitglieder-B-iliäge und der Eintrittsgelder nicht, wie in dem lithographirten Ausschrciben
Sroßherzoglich.u Minister,um« des Innern an die Gr°ßhe>zogl,ch-u jireisämter vom 9. März 1875 zu Dir. M. d. I. 13569 ungeordnet, in den Monaten h>bhr^l’nn5U (o"bttn *n ben Monaten Dccember und Juni jeden Jahr.« statizufinden und wird zugleich genehmigt, daß die Jahresbeiträge für 1881 unb bie b'«sollstgen 2» tritisgelder im laufenden Jahre erst >m Monat D-cembe. gleichzeitig mit beit Beiirägen für daS I. Quartal 1882 erhoben werden.
Die Termine zum Bucherschluß nnu zur Einsendung der Rechnungen tmrben um je drei Monate erweitert resp. verlegt.
457- -3.
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io/440, 84°'
von' trenne Pol'zeimaßregeln und entsetzlich harte VerurtHeilungen jugendliche'r
't w ^3#, U11,3' Akvolutionäre, lasten erkennen, daß die Nihilisten ihre Existenz wieder sehr
12, AU*. 'üblbar machen. Die Ermordung notorischer Spione ist natürlich nicht zu
' <30 ^.llligen, aber auch im Kampfe eines unterdrückten Volkes mit einer vnnachfich.
*'»ltzm despotischen Regierung beißt es i c’est a la guerre, comme ä la
Ä 11 1 ' $=•■ ?uerre ' — Die am Attentat gegen Kaiser Alexander II. betheiligte und
l”'1 113311*,3“'6 ' Tode verurtheilte Jesse Helfmann ist zu lebenslänglicher Zwangs.
1' ,,,.«» 16 »rbeit begnadigt worden.
“’ii* oon 8al1 D'.e politischen Kreise Englands werden, soweit sie nicht mit der
L s’.6*' ^">schen Frage beschäftigt find, durch das Vordringen der Russen in ; Mittelasien aufgeregt. Der Zug Skobeleff's rach Merw erscheint den Söhnen
Kii-llK Albions im Lichte der eisten Etappen eines neuen Alexanderzuges nach Indien.
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Seitens der italienischen Regierung ist ein Runtschreiben an die Mächte brzüglich der bidauerlichin Vvikommnifie bei der Uederführung der Gebeine des Papstes Pms IX. nach seiner definitiven Ruhestätte ei lasten worden. "
Das Befinden des amerikanischen Präsidenten Gaifield hat sich durch Fieber verschlimmert, doch hoffen die Aerzte auf schließliche £eiluna der allerdings ncch immer gefährlichen schweren Wunde.
— sMrs. Garfield.j Das traurige Loos, welches den Präsidenten der Ver- elmgten «Ltaaten^betroffen, hat überall große Theilnahme erregt und ift es naturgemäß Daß sich diese Sympathie auch der Gattin dcs Präsidenten mwcndet. Sell vier Monaten die crjic Dame dieser Repubtik, hat sie durch ihren Aufenthalt im Weläen Hause dis letzt nur eine in dem Mordversuch auf ihren angebeteten Gemahl gipfelnde i7?\DOn ‘Uru^nfflen durchgemacht, die man wahrhaft trag ich nennen kann. Kaum Ijatte Frau Garsield an der ecite ihres Mannes und tn der Gesellschaft der bocb- fiJfS ^uUcr ^selben, sowie einer ganzen Schaar hei anblühender Kinder das stille.Farmhaus von Memor mit der Residenz der amenkamschen Präsidenten vertauscht, als sie von e.nem d.r den nahen Potomacsumpfen entquellenden Malarianeber ergriffen wurde, daS erst schleichend auftrat, bald aber eine so hefnge und unbeimlictre
bdB. b.er.^rfl’u?nt länger als eine Woche nicht von dem Äianfcnlager ber Gattin wich, und dag es fa : wie ein Wunder schien, als der heimtückische Retnb wenigstens so weit überwunden ward, daß die Kranke von dem sorglichen Gemahl in die frischen ^eeluste von Long Äranch überführt werden konnte. Hier lieft denn aud, eme nUmapIifhc unb sicheie Gene ung nicht auf sich warten; aber kaum hatte her Piasident ,ich wieder im Besitz seiner Frau ein wenig sicher zu fühlen begonnen als ,hn dl. Rachiicht trat, daß em ihm nicht nur verwandtschaftlich, sondern auch persönlich augerst nahestehender Oheim nebst seiner rochter auf einem Eiftnbahnzuge DfrU,r®lUl^t unb ^eI061(1 worden sei — eine Nachricht, welche die Familie um so mehr als sich kurz vorher noch zwei andere Tod.sfälle in ihr ereignet hatten, derartig cr6iyUu ® cö .5 Pflicht der Mutter des Präsidenten wurde, trotz ihres hohen Alters nach Ohio zu reifen, um dort statt ihres Sohnes, den die Sorge um feine Frau im Cften rcftbieü, Trost zu bringen unb ben Pflichten ber Derwanbtschaft unb gemein- tarnen trauer gerecht zu werden. Tort nun traf bie alte Dame, nur einen Taa "ad?b<m das zweite Opfer jener Eisenbahn-Cataftrophe begraben worben war bie Kunbe von bem Waihmgtoner Alt ntat. Tie Gemahlin des Präsidenten aber wurde oon ber,eiben oermchtend.n Kunde in eben dem Augenblicke ereilt, als sie sich mit ihrer 4.ocht.r zum ersten größeren Ausfluge von Long Lranch nach Rew-Rork rüstete wo sie mit dem von Washington kommenden Gemahl in den Nachmittaasstunben zmammentrctfrn und gemeinsam mit ihm den Landsitz von Freunden am Hudson besuchen sollte. Statt denen hatte Frau Garfield nun nach Washington zu fahren - ^nb un!-r welchen Umständen! Es ist erst später befannt geworden/ daß auf der mit rasender Geschwindigkeit vollzogenen Fschrt einer der Stahlbäume der Loco- mot ve brach und aus zwei Meilen hin (so lange dauerte es, bis der Maschinist den »ah nsau»enden Zug zum Stehen zu bringen vermocht.) das Bahnbett und die Schienen bC?* WXt bur(^ em Wunder, oen Zug nicht vom Bahndamm herab- schleuderte, wobei von emem Entkommen der Passagiere nur dann die Rede hätte lern können, wenn noch em zweites Wunder geschehen wäre. Jetzt setzt sie durch ihre moralische Ausdauer die Umgebung des Präsidenten nicht minder tn Erstaunen, als d'.esn durch leine wunderbare physische Widerstandskraft. Hunderte oon rührenden 3Ctnc.n öu9cn und Episoden, die ben Präsidenten unb feine Frau gerade in dieser ^eit surchtbarster ehelicher Heimsuchung betreffen, finden täglich ihren Weg in bie ^enentlichkeit — unb mit jedem dieser Züge und jeder dieser Episoden ergreift das f jroergepruTte Paar fester Besitz von den Herzen seiner Landsleute. Möge dieser schönste Ehrenplatz nicht doch noch gar zu theuer, doch noch mit dem Leben des Präsidenten erkauft werden.


